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am 30. Juni 2017
Nagels Begrifflichkeiten [so wie ich sie verstanden habe]

geschichtlich: kausal | intentional | teleologisch

Bei einer kausalen Geschichte der Entstehung von Leben, Bewusstsein, Kognition und Werten ist die Richtung vom Zufall bestimmt. Bei einem intentionalen Verlauf greift ein Schöpfer an verschiedenen Stellen immer wieder korrigierend oder lenkend ein. Bei einem teleologischen Geschehen sind die Ziele der kosmologischen Entwicklung bereits in die Anfangsbedingungen eingeschrieben.

konstitutiv: reduktiv | nicht-reduktiv

Jedes der drei geschichtlichen Prinzipien kann nach Nagel entweder reduktiv oder nicht-reduktiv gedacht werden. Der klassische naturalistische Reduktionismus wäre eine reduktive Variante des kausalen Prinzips. Auch der Panprotopsychismus wäre eine reduktive Variante des kausalen Prinzips.
Nicht-reduktiv bedeutet, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist, fachsprachlich nennt man das Emergenz. Nagel ist von der Erklärungskraft des kausalen Prinzips, egal ob reduktiv oder emergent gedacht, nicht überzeugt. Das intentionale Prinzip spart er mehr oder weniger aus, da er als Atheist ontologisch sparsam vorgehen möchte. Er spricht sich letztendlich für eine emergente Version des teleologischen Prinzips aus, da nur dieses einer Erklärung der vier genannten Phänomene beikommen könne. Er stellt keine neue Theorie auf, sondern umschreibt nur die notwendigen Grundeigenschaften einer ebensolchen.

Fazit und Kritik

Nagel beschreibt die Verbindung von Geist und Hirnprozessen zu Recht als notwendig. Gleichzeitig zeigt er die Erklärungslücken auf, die selbst dann blieben, wenn wir alles über Gehirne und ihre Funktionsweisen wüssten. So weit, so gut.
Seine "Naturteleologie" erfordert ein indeterministisches Universum, das durch die in den Anfangsbedingungen angelegten Zwecke auf den 'richtigen' Weg gebracht wird. Das mag man annehmen oder nicht, es sollte aber geklärt sein, inwiefern sich ein freier Wille in einem solchen Universum entfalten kann. Nagel spricht sich für einen inkompatibilistischen freien Willen aus, geht der eigentlichen Frage aber leider nicht weiter nach. Punkt 2: Emergenz. Es ist zwar eine schöne Vorstellung, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile sein könnte, aber indem man dies propagiert, schiebt man das Problem nur auf. Statt mit der Frage, wie Bewusstsein etc. entsteht, müsste man sich dann mit der Frage befassen, wie Emergenz entsteht. Auch hier bleibt Nagel eine Antwort schuldig. Problem 3: Werterealismus. Damit lehnt er sich weit aus dem Fenster. Existieren Werte wie Gut und Böse tatsächlich in demselben Sinne wie Bewusstsein und Kognition existieren? Es gibt viele empirische Beispiele, die zeigen, dass moralische Vorstellungen stark kultur- und umweltgebunden sind. Am Schluss spürt man tatsächlich, dass er zwischen den Zeilen eine Art Theologie ex negativo betreibt. Dies kulminiert dann auch in seinem Schlusssatz: "Des Menschen Wille, zu glauben, ist unerschöpflich." Mich konnte Nagel nicht restlos überzeugen, aber es war ein interessantes Leseerlebnis. Alles in allem 4 Sterne.
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am 16. September 2017
Zu Beginn erklärt der Autor ausführlich, dass die vorherrschenden Theorien falsch sind und er eine andere vorstellen möchte.
Anstatt das aber zu tun, erklärt er wieder ausführlich, dass die vorherrschenden Theorien falsch sind und er eine andere vorstellen möchte.
Und wieder und wieder und wieder. Auch nach 80 Seiten weiß man noch nicht, was denn nun seine Theorie ist.
Zwischendrin gibt es kurze Erläuterungen zum Körper-Geist-Problem, diese sind allerdings weder systematisch noch allzu ausführlich.
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am 2. März 2017
Thomas Nagel geht scharfsinnig auf die Problematik der neodarwinistischen Konzeption ein und weist deren Schwachstellen hin. Der Autor ist fair und besticht mit einer grandiosen Logik. Mich persönlich hat dieses Buch geradezu gefesselt und immer wieder zum nachdenken gebracht! Es ist verständlich, dass es wahrscheinlich nicht jedem materialistischen Naturalisten passen wird, aber Kritik der eigenen Weltanschauung gehört nun, mal - zu einem logisch denkenden Menschen der auf der Suche nach der Wahrheit ist - dazu. Ich empfehle jedem dieses Buch, da es einen neuen Horizont eröffnet und uns Mensch deutlich zeigt, dass wir unsere Prämissen häufiger hinterfragen sollten.
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am 23. Juli 2014
Das geniale an dem Buch: Wenn wir heute etwas Kritisches zum Thema Naturwissenschaften hören, denken wir sofort an einen Angriff von Seiten der Theologie. Irgendwie glauben wir, dass es nur zwischen diesen "Parteien" Streitigkeiten geben kann. Doch weit gefehlt. Nagel selbst ist Atheist und Anhänger einer naturwissenschaftlichen Weltanschauung und doch geht er mit den Naturwissenschaften im Allgemeinen und der Evolutionstheorie im Speziellen scharf ins Gericht.

Nagel würdigt die Fortschritte und das Vermögen der modernen Naturwissenschaften, das Leben zu erleichtern und naturgesetzliche Prognosen abzugeben. Doch hat die moderne physikalische Naturwissenschaft eine Lücke, die ganz gewaltig klafft. Der menschliche Geist - also Bewusstsein - findet darin keinen Platz. Dabei ist es für Nagel keine Frage der Zeit, bis diese Lücke geschlossen werden kann, da die physikalische Naturwissenschaft nicht über das Instrumentarium verfügt, hier Erkenntnisse und damit Fortschritte zu generieren. Denn das was das menschliche Bewusstsein ausmacht, also Denken, Werte usw. lässt sich nicht soweit reduzieren oder gar dem Zufall zuschreiben, dass es ins moderne mathematisch-naturwissenschaftliche Weltkonzept passt. Nagel ist sich sicher, dass diese Lücke mit naturwissenschaftlichem Denken geschlossen werden kann, es also Naturgesetze gibt, die hier eine Erklärung liefern können. Doch hat diese Naturwissenschaft (nicht nur methodologisch) nicht mehr viel gemein mit unserem heutigen Verständnis. Zwar ist es Nagel nicht möglich, dieses neue naturwissenschaftliche Verständnis exakt zu zeichnen, doch er zeigt einen Rahmen auf wie dieses geartet sein müsste. In diesem Zusammenhang zeigt Nagel auch, wie unvollständig, ja gar oberflächlich, die Evolutionstheorie ist.

Als ich das Buch zu Ende gelesen habe, musste ich an Bertolt Brechts "Leben des Galilei" denken. Wenn man dieses Buch liest, lacht man unweigerlich über die Blindheit und das Unwissen früherer Generationen. Jetzt beschleicht mich das Gefühl, dass uns dieses Erbe auch bevorsteht. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass die kommenden Generationen über uns ebenso so denken werden wie wir über die vergangenen. Wir sind eben doch noch nicht an der Spitze angekommen.

Insgesamt ist dieses Buch für alle geeigent, die eine neue (kritisch-naturwissenschaftliche) Sichtweise auf die physikalische Naturwissenschaften im Allgemeinen und die Evolutionstheorie im Speziellen werfen möchten, ohne dass hier wieder der alte Streit zwischen Naturwissenschaften und Theologie bedient werden muss. Nagel scheint mir endlich einmal ein Wissenschaftler zu sein, der den Namen Wissenschaftler auch verdient, indem er einen Blick zurückwirft auf das was "wir haben" und das kritisch beschaut und völlig wertfrei feststellen muss, dass Darwin doch viel weniger zu erklären im Stande ist, als vielerorts unkritisch angenommen wird… Und das Ganze ohne Theologie. Das ist erfrischend, denn sonst war man bisher immer gezwungen, Partei zu ergreifen. Doch Nagels Kritik kommt aus dem naturwissenschaftlichen Denken selbst. Genial!
Genau betrachtet ist Nagels Buchtitel etwas unglücklich gewählt. Denn die bisherige naturwissenschafliche Konzeption ist nicht ganz falsch, sie ist nur unvollständig. Das aber zu einem nicht unerheblichenTeil. Zumindest, wenn es um mehr als die Frage geht, warum etwas zu Boden fällt.
Gegen Mitte des Buches - und das soll nicht verschwiegen werden - verlangt die Lektüre dem Leser viel Konzentration ab. Gerade wenn man aus einem anderen wissenschaftlichen Metier kommt. So muss man manche philosophische Begriffe nachschlagen, um dem Gedankengang weiter eng folgen zu können. Doch wenn man dies als Akt der eigenen Horizonterweiterung betrachtet, macht es sogar Spaß.
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am 11. September 2016
Das von einer eher strategischen Warte geschriebene Buch trifft zwei eigentlich offensichtliche Punkte, welche aber für bestimmte, in den siebziger und achtziger Jahren sozialisierte Wissenschaftler neu zu sein scheinen. Erstens, dass der dogmatische Neo-Darwinismus einfach überholt ist: dies kann jeder selbst nachprüfen, man braucht sich nur die hunderten Publikationen zum Thema Epigenetik durchsehen. Das alte DNA Dogma ist gefallen, erworbene Fähigkeiten können weitervererbt werden. Und dass Materialismus und Naturalismus ebenso zu kurz greifen, das kann jeder erkennen, der sich mit Platon, Descartes oder Kant genauer auseinandergesetzt hat. Wozu also die Aufregung?
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am 5. Oktober 2017
Das Buch spricht wichtige Themen an die oft unter den Tisch gekehrt werden oder einfach drüber hinweg gesehen wird. Ganz interessante Lösungen werden angesprochen und auch auch ganz gezielt gesucht. Dabei bleibt der Autor immer sachlich ohne dass es in eine esoterische oder religiöse Richtung geht. Das Buch geht in die Materie und bedient sich ausgiebig mit Fachbegriffen und trockener Theorie. Liest sich stellenweise schwer und eine gewisse Grundkenntniss ist vonnöten um nachvollziehen zu können. Es fordert zum selbstständigen Denken auf. Leute die sich länger mit dem Thema Bewusstsein und Evolution, Geist und Materie beschäftigt haben ein lohnenswertes Buch. Für jemanden der nur einfache Antworten sucht oder sich nur kurz mal mit dem Thema
auseinander setzen will, eher zu trocken und langatmig.
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am 12. Juli 2015
Der Philosoph Thomas Nagel bläst in seinem Buch 'Geist und Kosmos: Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist' zum Angriff auf unser derzeitiges, naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild. Sein Grundargument ist nicht von der Hand zu weisen: Die materialistisch-naturwissenschaftliche Weltsicht hat bis heute kein tragfähiges Konzept entwickelt, um die Existenz von Phänomenen wie Bewusstsein, Verstand oder ethischen Werten zu erklären.

Nagel geht an das Thema behutsam heran, um der Gefahr zu entgehen mit fundamentalistischen Kreationisten in eine Ecke gestellt zu werden. Aber während seine Ausführungen zum Bewusstsein noch verständlich erscheinen, werden die Themen Kognition und Wert zunehmend spekulativer. Die vielen, verschachtelten Sätze und die nebulöse Sprache machen das Verständnis auch nicht einfacher. Es scheint als hätte sich Nagel in seinen eigenen Gedanken verfangen und irre im Kreis umher. Und während in unzähligen Wiederholungen immer die gleichen Ideen wiedergekäut werden, versucht sich Nagel noch nicht einmal an einer klaren Definition der Begriffe Bewusstsein, Verstand und Wert. Auch Themen wie künstliche Intelligenz und eine Bezugnahme auf die moderne Teilchenphysik fehlen völlig. Hier verpasst Nagel die Chance, über den philosophischen Tellerrand zu schauen.

Fazit: Einige gute Anregungen verpackt in einen mühsam zu lesenden Text. Die Hälfte der Seitenzahl hätte für die Botschaft ausgereicht.
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am 25. Dezember 2013
Ich bin auf das Buch gestoßen, weil in der Süddeutschen Zeitung Markus Gabriel Thomas Nagels „Geist und Kosmos“ als sein bedeutendestes Buch 2013 bezeichnet hat.
Da ich schon immer überzeugt war, dass die darwin’sche Sicht der Entstehung der Arten durch Mutation und Selektion unzureichend ist und glaube, dass ohne eine im Hintergrund befindliche geistige Intelligenz Welt und Menschsein nicht zu denken ist, habe ich sehr gehofft, durch dieses Buch stichfeste Argumente an die Hand zu bekommen, mit denen man eingefleischten Darwinisten etwas entgegenhalten kann.

Dann habe ich die Rezension von Openuser gelesen, was mich natürlich neugierig gemacht hat, denn die Kritik an Nagel, „Geist“ nicht definiert zu haben, geht fehl: Der Begriff Geist ist nicht zu definieren, denn definieren heißt eingrenzen, abgrenzen. Definieren kann man nur etwas, was eine begrenzte Gestalt hat und damit dem Bewusstsein begreifbar ist. Begreifbar – begrifflich darstellbar – aber ist nur etwas, das Gegenstand des Bewusstseins, also Objekt sein kann. Geist, so wie ich ihn verstehe, ist aber die Basis des Bewusstseins, also dessen Grund. Damit kann er nicht Objekt des Bewusstseins sein und ist damit nicht definierbar. Es ist das gleiche Verhältnis wie ein gemaltes Bild zu seinem Grund, dem Textilgewebe oder Papier. Würde das Bild seinen Grund zum Objekt machen, würde es zerfallen. Genau das ist das Verhältnis von Bewusstsein und Geist.
Der Verstand kann seine eigene Basis nicht erfassen; könnte er es, wäre der Verstand umfassender als der Geist. Das Wort ist lediglich eine Chiffre für die Überzeugung, dass es etwas Grundlegendes und Umfassendes gibt, das Welt und Mensch übersteigt. Mit Geist hat es die gleiche Bewandtnis wie mit der Welt, von der Markus Gabriel sagt, dass es sie nicht gibt, weil sie das Umgreifende ist, in der alles andere vorkommt, sie selber kommt aber nicht darin vor.
Die meisten Wissenschaftler und Philosophen, gerade überzeugte materialistische Darwinisten, sehen sich berechtigt, den Verstand als die einzig legitime Größe zum Verstehen der Welt anzusehen. Sie glauben, dass unsere Rationalität eine ausreichende Fähigkeit ist, alles im Leben zu verstehen und zu begreifen. Davon gehen sie selbstverständlich aus ohne es zu hinterfragen. Sie müssten aber zeigen, dass die Rationalität eine zureichende Fähigkeit ist. Das aber könnten sie nur mit dem Verstand, der Ratio, und damit wird das ganze hinfällig, denn wenn der Verstand zeigen soll, dass der Verstand die einzig richtige Größe ist, um Welt zu erfassen, dann ist das so, wie wenn die Polizei gegen die Polizei ermittelt. Jeder sieht, dass das nie objektiv sein wird.
Darüber hinaus ist das Vertrauen in den Verstand als solches naiv: Die meisten gehen davon aus, dass der Verstand ihnen ganz selbstverständlich zur Verfügung steht, was ein völliger Irrtum ist. Nur wenn man Geisteskrankheiten, Demenz und Alzheimer ignoriert, kann man aufrechterhalten, einen Verstand zu „besitzen“. Wir besitzen ihn nicht, sondern sind völlig von seinem Funktionieren abhängig. Aber auch das können/wollen die meisten gar nicht sehen.

Nun habe ich voller Erwartung das Buch gelesen und wurde gewaltig enttäuscht. Schon mit meinem Verständnis von Geist dürfte Nagel als Atheist (S. 138) nicht übereinstimmen, denn meine Auffassung von Geist kann man gleichsetzen mit Gott. Es ist völlig unerheblich, welches Wort man dafür wählt, wenn man sich nur darauf verständigen kann, dass es ein transzendentes, d. h. die Welt der Erscheinungen übergreifendes Prinzip gibt.

Was ist der Grund, warum jemand - wie Nagel - nicht das Wirken einer „umfassenden geistigen Quelle“ (S. 39) annehmen kann? Und worin besteht dann der Unterschied zu einem Geist, der „als ein fundamentales Prinzip der Natur“ angesehen werden kann (ebd.)? Weil man dann ein transzendentes Wesen annehmen muss? Ein transzendentes Wesen ist immer ein Denkobjekt des Menschen, wie auch jede Vorstellung von Gott. Da muss man sein Vorstellung von Gott hinterfragen, die immer unsere Vorstellung ist und Gott überhaupt nicht berührt. Warum also kann jemand nicht das Wirken einer umfassenden geistigen Quelle akzeptieren, einer Quelle, die so umfassend ist, dass sie vom Verstand des Menschen nicht erfasst werden kann, weil er ja ein Produkt dieser Quelle ist? Es wäre genau so, wie wenn ein Auto begreifen könnte, wie sein Erschaffer beschaffen ist. Es führt überhaupt kein Weg vom Auto zum Menschen, genau so wie keine Schlussfolgerung vom Menschen auf Gott möglich ist. Wir glauben, von uns aus, von unseren Fähigkeiten - hauptsächlich der Ratio - her, auf deren Ursache schließen zu können und denken uns am Anfang des Universums einen Geist oder Materie. Aber wir haben keine Ahnung, was das sein soll, weder vom Geist noch von der Materie.
Ich habe den Eindruck, Nagel vermeidet das Wort „Gott“ und ersetzt es durch „Natur“. Ich kann nicht sehen, dass damit etwas gewonnen ist: Wir verstehen beide nicht. Wer glaubt, „Natur“ zu verstehen, hat nur noch nicht gründlich nachgedacht.
Warum man sich sträubt, die Quelle, den Ursprung als Gott zu bezeichnen, dafür sehe ich den Grund weniger in der Geschichte des Christentums oder im Übel in der Welt – wie von vielen, auch von Openuser, argumentiert wird -, als im Selbstbewusstsein des modernen Menschen: In der Aufklärung wurde die Vernunft an die Stelle Gottes gesetzt, d. h. der Mensch hat sich an die Stelle Gottes gesetzt. Damit hat der Mensch Gott aus dem Mittelpunkt seines Denkens verdrängt und sich selbst an diese Stelle gesetzt. Der Mensch mit seinem Verstand und Willen sieht sich als Mittelpunkt und alles hat sich seiner Ratio, seinem Verstehen zu unterwerfen. Das ist die Ego-Haltung: Was nicht bereit ist, sich diesem Anspruch zu unterwerfen, hat keine Existenzberechtigung. Gott und Geist aber unterwerfen sich nicht diesem Anspruch, weil sie die Basis allen Seins sind. Darin sehe ich das große Problem derer, die Gott und Geist ablehnen und deshalb gezwungen sind, die Welt rein materialistisch, d. h. reduktionistisch zu erklären.
Nagel versucht nun, ohne auf Gott zurückzugreifen, den Spagat zwischen Materialismus und einem davon unabhängigen Bewusstsein. Mit Recht wird er daher angegriffen, weil es Geist ohne Gott nicht geben kann; es ist dasselbe. Wer das nicht zugestehen kann, wer also Geist, aber nicht Gott denken kann, muss sein Gottesbild überdenken. Für mich ist es völlig gleich, wie man das nennt, was der Grund, die Basis allen Seins ist, die als solche vom Sein und damit also vom menschlichen Bewusstsein, nicht erfasst werden kann. Welche Verpflichtungen sich daraus ergeben, steht auf einem anderen Blatt.

Wir können einfach nicht akzeptieren, dass es etwas gibt, das unser Begreifen übersteigt. Das halte ich für die Arroganz des rational festgelegten Menschen, und davon macht Nagel keine Ausnahme.

Nun glaubt Nagel, mit dem Begriff „Teleologie“ einen Mittelweg gehen zu können zwischen reduktivem Materialismus und einem religiösen Intentionalismus. Aber seine Versuche, teleologisches Denken ohne Bezug auf Gott zu begründen, sind kläglich. Was soll eine „kosmische Prädisposition“ (S. 176) sein? Häufig werden nur Behauptungen in den Raum gestellt: „höchst unplausibel“ (S. 15), dass „Vernunft ein irreduzibles Vermögen“ ist (S. 128), dass das „Leben nicht rein durch Zufall entstanden sein kann“ (S. 130), dass es „mit einer darwinistischen Konzeption … nicht zusammenpasst“ (S. 164) u. a., ohne dass der Versuch gemacht wird, diese Behauptungen nun zu begründen. Etwas als „so gut wie sicher falsch“ (S. 129) hinzustellen oder als „es ist schwer vorzustellen“ (S. 173) zeigt lediglich eine subjektive Meinung; es sind keine Argumente, die einen Andersdenkenden überzeugen werden.
Teleologische Spekulationen werden bloß als Möglichkeit dargestellt (S. 178), ohne dass ein solches Denken solide fundiert würde.
Es gibt keinen Mittelweg: Entweder steht ein intelligenter universaler Geist, den man auch als Gott bezeichnen kann, hinter dem Weltganzen oder alles ist nur zufälliges, blindes materielles Geschehen!

Eine grundlegende Frage scheint mir zu sein, „wie wir uns auf unsere Fähigkeiten, die uns umgebende Welt zu verstehen, verlassen können“ (S. 41). Kann aber jemand ernst genommen werden, der glaubt, „dass unsere Sinne verlässlich sind“ (S. 178)? In „Der trügerische Verstand“ habe ich durch Belege aus der Wahrnehmungsforschung aufgezeigt, wie unzuverlässig unsere Wahrnehmung ist, denn auch Markus Gabriel vertraut in naiver Weise auf die Zuverlässigkeit der Sinne. Man braucht nur an einen Film zu denken, um zu begreifen, dass ab einer bestimmten Bilderfolge das Auge nicht mehr fähig ist, die Einzelbilder wahrzunehmen. So leicht kann die Wahrnehmung und der Sehsinn getäuscht werden!

Auch der Versuch, von Werten her gegen den reduktionistischen Darwinismus zu argumentieren, überzeugt aus zwei Gründen nicht:
Erstens wird Gut und Böse an völlig unzulänglichen Beispielen, nämlich Lust und Schmerz, exemplarisch dargestellt. Weniger überzeugende Beispiele hätte man kaum finden können. Zweitens glaubt er als (naiver) Realist, dass Werte objektiv gegeben wären. Werte sind genau so wenig objektive Größen wie Sinn, Wahrheit, Schönheit etc.

Hat seine Quintessenz: ein allmählich erwachendes Universum (S. 125, 168) eine größere Evidenz als wenn ich sage: Ein unendlicher universaler Geist (Gott) manifestiert sich in der Endlichkeit der Welt? Ich kann es nicht sehen!

Mehr als ein Bekenntnis zu dem, wovon Nagel überzeugt ist, leistet sein nicht immer leicht zu lesendes Buch nicht. Es bietet nicht mehr, als verschiedene Denkmöglichkeiten durchzuspielen.

Nagel gehört in die Reihe naiver Realisten, als den ich Markus Gabriel bezeichnet habe. Der Realismus kann es offensichtlich nicht aushalten, dass es keine Wahrheit und damit auch keine Sicherheit im Leben und Denken des Menschen gibt. Gibt es nicht! Selbst wenn alle Menschen der gleichen Meinung wären, gäbe das keine Sicherheit. Damit müssen wir leben!

Zwei Sterne, denn das Buch hat mir geholfen, klarer zu sehen.
1515 Kommentare| 22 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 7. Oktober 2013
... so titelte die "New Republic" über einer Rezension zu Nagels "Mind and Cosmos" von Leon Wieseltier. Selten schlug ein wissenschaftstheoretisches Werk in jüngerer Vergangenheit solch hohe Wellen. Thomas Nagel, ein atheistischer, linksliberaler Philosoph, noch dazu einer der renommiertesten und populärsten der USA, sagt das Ende des Materialismus und des Darwinismus in heute gängiger Form voraus. Naturalisten, Materialisten, besonders ostentative Atheisten, toben und ergehen sich z.T. in wütenden Beschimpfungen. "Schäbig" seien Nagels Gedanken, "Mitglied einer reaktionären Bande" sei er.

Dabei wäre es ganz und gar nichts Neues, dass sich ein eindimensionaler Naturalismus bzw. Materialismus als Blockade erweist. Zuletzt konnte man das am Anfang des letzten Jahrhunderts beobachten. Die entscheidende Frage war, ob es eine Grundordnung des Seins gibt, die noch bestimmender für das Geschehen in der materielle Welt ist, als die sich aus der physikalisch-chemischen Eigenschaftlichkeit der Dinge ergebenden Wechselwirkungen. Genau diese Sicht der Dinge, sei es in Form eines spinozistischen Weltbildes wie bspw. bei Einstein oder in der eines theistischen wie bspw. bei Planck, war Voraussetzung für die wissenschaftlichen Einsichten, die der festgefahrenen Physik des auslaufenden 19. Jh. zu einem neuen Durchbruch verhalfen.

Ein ähnliches Bild in der Mathematik jener Epoche. Die Konstruktivisten bzw. Positivisten - Hilbert, Russell, Frege - hatten sich mit ihrer Suche nach rein konstruktivistischer Konsistenz festgefahren. Wieder war es jemand, der imstande war, sich eine ebenso unser unmittelbares Denken wie auch die empirischen Muster über- oder hintergreifende Ordnung vorzustellen, der den gordischen Knoten durchschlug: der religiös geprägte Mathematiker Kurt Gödel (Stichwort Unvollständigkeitssätze).

Nagel macht deutlich: Von Antworten in Bezug auf die großen Fragezeichen der Naturwissenschaft - Universum aus dem Nichts, Naturgesetze, Feinabstimmung der Naturkonstanten, Entstehung von Leben aus toter Materie, Entstehung von Bewusstsein - sind wir nach wie vor meilenweit entfernt und es ist auch nicht vorstellbar, wie im materialistischen Paradigma Auswege aus dieser Sackgasse zu finden sind.

Ist Leben, ist gar Bewusstsein reduzierbar auf physikalische Abläufe? Das behaupte ja niemand, sagen einige der Gegner Nagels. Leben sei gegenüber den zugrunde liegenden physikalisch-chemischen Prozessen "emergent"; Bewusstsein gegenüber der zugrunde liegenden Bio- bzw. Neurochemie. So gibt es also keine Rückführbarkeit? - fragt Nagel zurück. Und sofort wird das Dilemma deutlich. Der Begriff der "Emergenz" kaschiert nur klaffende Erklärungslücken in den Theoriegebäuden - zur Klärung beitragen kann er so gut wie nichts.

Doch nicht nur um die Frage, wie Bewusstsein entsteht, geht es. Im Evolutionsprozess ist die treibende Kraft der Druck zur bestmöglichen Anpassung einer Spezies an die Umwelt. Mutation und Selektion - erweitert durch den Horizont, den die moderne Molekularbiologie eröffnet - sind die Mechanismen, durch die sich diese Entwicklung vollzieht. Dass Evolution menschliches Bewusstsein mit einem Denkapparat, der eine cleverere Gefahrenabwehr, Nahrungsversorgung u.ä. ermöglicht hervorbringt, wäre rein formallogisch noch nachvollziehbar. Wie aber erklärt sich eine neurophysiologische Ausstattung, mit der es möglich ist, so etwas wie die Brandenburgischen Konzerte zu komponieren, die Infinitesimalrechnung oder Hegels Phänomenologie des Geistes" zu entwickeln?

Wie, so fragt Nagel, kann die Evolutionstheorie erklären, dass der Mensch eine Vorstellung von objektiver Wahrheit und moralischen Absoluta entwickelt? Bezeichnenderweise wird beides nicht selten von naturalistischer Seite bestritten. Es gäbe keine Objektivität, sondern nur subjektiv konstruktivistische Sichtweisen. Dass Paradoxon, das im objektiven Geltungsanspruch einer solchen Aussage liegt, übersieht man. Ebenso kann keine auf Selbst- oder Gruppenerhalt abstellende Theorie des Altruismus - der sich so, wie fast alles, das menschlichen Leben Sinn und Wert verleiht, als listig verkappter Egoismus darstellt - erklären, warum die Selbstlosigkeit bspw. eines Maximilian Kolbe, Menschen zeit- und kulturübergreifend Respekt abnötigt.

Oft ist im Zusammenhang mit Nagel von einer aristotelischen Renaissance die Rede. Viel eher erinnern Nagels Gedanken jedoch an Hegel oder Schelling. Geist bzw. eine geistige Ordnung als der Materie gegenüber ursprünglicher anzusehen, macht durchaus Sinn. Noch einmal zum Bsp. Relativitätstheorie: Bewegte Objekte schrumpfen, bewegte Uhren gehen langsamer, mit zunehmender Geschwindigkeit vergrößert sich die Masse - physikalische Eigenschaften verändern sich also einzig um des Erhalts einer universellen Ordnung willen. Im Paradigma des damaligen Materialismus hätte man auf derartiges wohl kaum kommen können und die ersten Reaktionen waren dementsprechend.

Nagel bleibt bezüglich der Alternativen zum reduktionistischen Naturalismus im Vagen. Wenn er von Teleologie redet, denkt er offenbar an eine Art Tendenz zur Komplexitätssteigerung, die sich im Rahmen sonstiger Naturgesetzlichkeit im Kontext des jeweils Möglichen verwirklicht. Solche "Tendenzen" gibt es in der Physik auch andernorts. In der Thermodynamik ist, wie der Physiker Ludwig Boltzmann es einst ausdrückte, der zweite Hauptsatz vom molekulartheoretischen Standpunkte ein bloßer Wahrscheinlichkeitssatz" In der Quantenmechanik sind die Positionen der Elektronen unbestimmt; es gibt lediglich eine größere Aufenthaltswahrscheinlichkeit im Bereich der sog. Orbitale. An anderen Stellen im Buch deutet Nagel die Idee einer noch darüber hinaus gehende Zielorientierung und Sinnrealisierung an, etwa wenn er von einer "kosmischen Prädisposition der Entstehung von Leben, Bewusstsein und den Werten, die sich davon nicht trennen lassen" redet.

H. Allen Orr, einer der renommiertesten Evolutionstheoretiker unserer Tage, geht in seiner Rezension in der New York Review of Books" mit Nagel insgesamt nicht konform, gesteht aber zu: "It could turn out that teleological laws affect how the universe unfolds through time. While I suspect some might regard such heterodoxy as a crime against science, Nagel is right that there's nothing intrinsically unscientific about teleology. If that's the way nature is, that's the way it is, and we scientists would need to get on with the business of characterizing these surprising laws. Teleological science is, in fact, more than imaginable."

Dgl. ist für naturalistische Dogmatiker ein Sakrileg. Der Atheist Nagel kann noch so oft betonen, dass er keinen theistischen Standpunkt vertritt, dass er nicht Intentionalität" meint, wenn er Teleologie" sagt - es nützt nichts. Zu sehr scheinen seine Argumente den Theisten, dem Intelligent Design gar, in die Hände zu spielen. Und Nagel, als Freidenker nur der Wahrheit verpflichtet und nicht bereit, sich irgendwelchen PC-Geboten zu beugen, macht i.d.T. deutlich, dass er zwar den Design-Ansatz nicht teilt, ihn aber für legitim und das pauschale ID-Bashing für unseriös hält.

Die Stärke von Nagels Buch liegt in der Herausarbeitung der Fragestellungen, die sich einer Beantwortung im Paradigma eines eindimensionalen Naturalismus entziehen. Dass er selbst keine ausgearbeiteten Antworten zur Hand hat, macht der Autor von vornherein deutlich. Er skizziert in welche Richtung diese aus seiner Sicht gehen müssten. Wirklich überzeugend ist er diesbezüglich nicht. Dennoch - ein revolutionäres Buch, welches das oft allzu selbstgefällige wissenschaftliche Establishment gehörig aufmischt und dem Leser viel Stoff zum Nachdenken bietet.
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am 28. Juli 2016
Man muss Nagel Recht geben, wenn er auf die Grenzen des Naturalismus hinweist und darauf besteht, dass man Bewusstsein, Kognition und Werte nicht mit dem psychophysischen Reduktionsmus erklären kann. Völlig legitim ist es daher "spekulative Überlegungen zu möglichen Alternativen anzustellen, im Licht dessen, wie wenig wir wirklich von der Welt verstehen." (S.181) Die "Imperative der Biologie", die er überwinden möchte, sind in den letzten Jahren in der Tat sehr dominant in den Vordergrund gerückt worden. Dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist (was vielleicht nie der Fall sein wird), ist völlig klar. Dies wird aber auch von einer Reihe führender Hirnforscher überhaupt nicht bestritten (besonders interessant in diesem Zusammenhang ist Nagels Schlusswort mit dem Plädoyer zur Bescheidenheit). Was mich allerdings überhaupt nicht überzeugt hat, ist sein eigener Ansatz, den er dem zu Recht als unvollständig charakterisierten und vom Reduktionismus dominierten wissenschaftlichen Konsens entgegensetzt. Sein Postulat einer "Teleologie in der Naturordnung" ,die dann auch noch ohne Schöpfer (!) ausgekommen soll und von ihm ausdrücklich als "nicht-intentionalistisch" bezeichnet wird, leuchtet nicht ein. Er selbst versteht sich ja, wie explizit dargelegt, als Atheist. Genauso vage bleibt sein Konstrukt einer "kosmischen Prädisposition zum Leben", das nicht weiter ausgeführt wird. Schließlich sollte, wer erkannt hat, "dass die Wahrheit aufgrund unserer wesensmäßigen kognitiven Beschränkungen möglicherweise jenseits unseres Erfahrungshorizontes liegt" (super!) nicht selbst im Titel apodiktisch werden: "Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist". Wir wissen es eben nicht. - Aber: Sämtliche empirische Daten der Wissenschaft, über die die Menschheit gegenwärtig verfügt, scheinen die Richtigkeit der Evolutionstheorie nahezulegen! Was im Sinne Kants hinter den Erscheinungen noch stecken könnte, bleibt (vorerst?) im Dunkeln. Aber zunächst und vor allem sollten wir uns an die Fakten halten.

Viele Grüße
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