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Holger Teschke wurde auf Rügen geboren und wuchs auch dort auf. Inzwischen lebt er in Berlin und in den USA als Künstler. Natürlich muss man, wenn man ein Buch in dieser Reihe verfasst, nicht unbedingt in der Gegend wohnen, die man für andere beschreiben möchte. Aber von Nachteil scheint das auch nicht zu sein, insbesondere dann nicht, wenn sich die Lebensumstände für alle dort in den letzten 20 Jahren dramatisch veränderten haben.

Da der Autor diese Veränderungen auf Rügen nicht selbst erlebt hat, ist es kein Wunder, dass er bei seinen Beschreibungen meistens in einer lange zurückliegenden Vergangenheit verweilt oder in den Erlebnissen seiner Jugend in der DDR. Das mag alles ganz interessant sein. Aber eine Gebrauchsanweisung für Rügen und Hiddensee sollte doch zumindest überwiegend im Jetzt und Hier bleiben und das aktuelle Lebensgefühl der Menschen beschreiben, ihre Sorgen und Freuden. Oder den Zustand der Inseln, das, was den Besucher dort erwartet oder auch nicht, das Besondere, das Einzigartige.

Ein wenig davon steht hier und da im Text, aber der Schwerpunkt liegt eindeutig leider in der Vergangenheit. Für eine Gebrauchsanweisung ist das vielleicht ein wenig unpraktisch. Dabei gibt es wirklich interessante Sachen zu berichten. Zum Beispiel die strittige und komplizierte Verkehrssituation.

Wenn man mit dem Auto nach Rügen fährt, überquert man eine imposante Brücke, die Stralsund nicht den Status eines Weltkulturerbes entrissen hat, obwohl sie viel dominanter wirkt als ihre kleine Schwester in Dresden, die man dort vom Stadtkern noch nicht einmal sehen kann. Mehrmals klagt der Autor punktuell über irgendeine Betonfraktion auf Rügen, die eine Autobahn nach Saßnitz bauen will, weil man nämlich bisher immer ewig im Stau stand, insbesondere wenn man gerade von einer Fähre kam. Genaues erfährt der Leser jedoch nicht.

Die Menschen auf Rügen leben im Spagat zwischen Wirtschaftsinteressen (etwa dem Fährverkehr), die eine entsprechende Verkehranbindung erfordern und einer nicht genau definierten Art von Tourismus. Soll er sanft sein oder doch Massen anlocken? Dazu erfährt man auch nicht viel in diesem Buch. Wie denken die Menschen auf Rügen (oder die Rüganer und Rüganerinnen, wie Teschke so schön politisch korrekt herumstelzt)?

Was ist überhaupt mit der Wirtschaft? Wie geht es den Menschen, was bewegt sie, wie leben sie, wie hat sich ihr Leben in den letzten Jahren verändert? Dazu kommen gelegentlich ein paar Bemerkungen. Mehr aber eben nicht. Vielleicht fehlte dem Autor auch ein wenig der Mut, um Dinge beim Namen zu nennen und dem Leser ein wirkliches Gefühl für das zu geben, was ihn erwartet, wenn er Rügen besucht. Beispielsweise die sogenannte Bäderarchitektur. Teschke bestreitet, dass es sie wirklich gibt und nennt das, was da steht, ein Sammelsurium. Recht hat er, aber das wäre es doch wert, etwas genauer zu werden.

Von einer Gebrauchsanweisung erhofft man sich vielleicht doch wenigstens etwas Praktisches. Das jedoch muss man in diesem Buch leider im Text wirklich suchen. Und wenn dann doch plötzlich ein interessantes Thema aufkommt, etwa das der "Abzockerinsel", dann wird es leider abgewürgt. Dabei ist der Text insgesamt durchaus informativ, wenn man sich für die etwas weiter zurückliegende Historie von Rügen interessiert oder für die damals agierenden Figuren, für die Geschichte von Gebäuden oder Dörfern, aber er hat nach meiner Ansicht das eigentliche Thema etwas verfehlt. Rügen gehört zur Vergangenheit des Autors. Und das merkt man dem Buch deutlich an. (Drei Sterne bedeuten laut Seitenbetreiber "nicht schlecht".)
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am 13. August 2013
Viele Leute, die auf die Insel Rügen fahren, kennen nicht mehr, als ihr Urlaubsziel, und von dort bewegen sie sich nicht mehr weg. In Binz zum Beispiel. Oder Göhren. Oder Glowe. Dabei hat Rügen noch sehr viel mehr zu bieten.

Holger Teschke hat eine "Gebrauchsanweisung für Rügen und Hiddensee" geschrieben. Ähm, nein, eigentlich hat er das nur am Rande, aber das Buch ist trotzdem sehr interessant und für Rügen-Fans sowieso sehr spannend. Teschke berichtet von Land und Leuten, von der Sprache, von den Kirchen, der Natur, den Häfen und den Schlössern. Was gibt es dort zu sehen, wie ist die Geschichte. Hinzu kommt ein recht ausführlicher Guide, in dem die wichtigsten Orte auf Rügen - vom Kap Arkona bis Zudar - beschrieben werden.
Ein tolles Buch zum Schmökern. Erstaunlicherweise komplett ohne Fotos, aber die bekommt man ja in den zig Bildbändern über Rügen. Nervig sind nur die sich immer wiederholenden Anmerkungen zum aktuellen politischen Geschehen. So muss Teschke gleich mehrmals sagen, dass der die neue, geplante B96n nicht gut findet. Das ist in Ordnung, es gibt dazu auch noch ein interessantes, spezielles Kapitel am Ende, aber das ewig Draufrumreiten nervt.
Das ist aber das einzige Manko.
11 Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Juli 2013
Lebe seit einiger Zeit in Sassnitz und habe das Buch mit großem Gewinn gelesen. Sowohl im Stil als auch im Informationsgehalt sehr gut. Empfehlung an alle Rügenfans!
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am 16. Juli 2013
Sehr persönliche und eingehende Schilderung Rügens und seiner wunderbaren Natur und Kultur von einem echten "Rüganer"
Für jeden Freund dieser Insel ein absolutes Muss!
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