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Ganz normale Männer: Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die "Endlösung" in Polen Taschenbuch – 1. September 1999

4.5 von 5 Sternen 24 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Christopher R. Browning, geboren 1944, ist Professor für Geschcithe an der Pacific Lutheran University, Tacoma, Washington. Sein Buch "Ganz normale Männer" hat seinen Ruf begründet.


Kundenrezensionen

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Top-Kundenrezensionen

Von Ein Kunde am 6. April 2005
Format: Taschenbuch
Auf den ersten Blick ein unspektakuläres Buch, das trotz der Brisanz des gewählten Themas erstaunlich sachlich und emotionslos geschrieben ist. Dennoch lässt es den Leser nicht los, zu erfahren, wie völlig „normale" Männer, die weder sadistisch veranlagt noch als fanatische Nazis anzusehen oder besonders gravierenden psychosozialen Umständen ausgesetzt waren, zu Mördern wurden. Es macht Angst, dass es keinen rationalen Grund für die Hoffnung gibt, dass sich so etwas nie wiederholen kann. Die Geschichte hat dafür leider auch Beispiele geliefert. Eine ganz besondere Würdigung verdient in diesem Buch unbedingt auch die Auseinandersetzung mit Goldhagen („Hitlers willige Vollstrecker"). Der Autor beweist auf eindrucksvolle Weise, dass es unabdingbar ist, die Täter zu verstehen und ihre Motivation im Kontext mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der damaligen Zeit nachzuvollziehen, um sich diesem gespenstischen Phänomen, dass aus Durchschnittsmenschen Massenmörder werden können, nähern zu können. Dieses „Verstehen" hat nichts mit „Entschuldigen" oder „Relativieren" zu tun. Dem Autor diesen Vorwurf machen zu wollen, wäre absurd und ungerecht.
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Von Ein Kunde am 11. April 2002
Format: Taschenbuch
Christopher R. Brownings Buch ist alles andere als ein leicht erträglicher, schwungvoller Lesestoff, den man sich "zwischendurch" reinzieht. Brownings Buch ist eine genau ausgearbeitete, wissenschaftliche Studie, die sich mit den Vorgängen und Vorfällen in den Jahren 1942 bis 1944 in Polen befaßt, die nahezu unbeachtet blieben, bis sie für ihn und für Goldhagen interessant wurden. Browning geht strikt nach tatsächlichen Angaben vor, schildert eindrucksvoll, genau und erschreckend detailliert, aber ohne je ins Kitschige, Wertende oder Belehrende zu rutschen, die Bedingungen, Begebenheiten und Situationen rund um das Polizeibataillon 101, das mehr als wütend und zerstörend durch die Judenverfolgung und -vernichtung Polens raste. Allein, daß Browning auf die Aussagen aus den Verhörprotokollen und Gerichtsakten zu diesem Fall aus den 1960er Jahre angewiesen war, zeigt sehr deutlich wie unbeachtet und unbedeutend die Vorfälle in Polen bis dahin und bis heute behandelt werden.
Brownings Stellungnahme zu Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" (Goldhagen ist übrigens ein sehr guter Freund Brownings) hat völlige Berechtigung, bezeichnet Tatsachen und gibt eine gute Position zur unwissenschaftlichen Vorgehensweise Goldhagens zu dieser Thematik wider - eine Haltung, die ich großteils mit Browning teile.
Dieses Buch ist nicht nur wissenschaftlich absolut vorbildhaft, es sollte auch zum verpflichtenden Lesestoff in Oberstufen werden.
Sollte man sich dafür entscheiden dieses Buch zu lesen, sollte man sich unbedingt darauf einstellen, dieses Buch nicht als Bettlektüre zu benutzen (damit man nachher noch schlafen kann...) und eventuell im Vergleich Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" zu lesen.
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Format: Taschenbuch
Die erste und längste Phase des Umgangs mit brutaler Gewaltausübung war Leugnung ( die Unfähigkeit zu Trauern). Dann kamen immer mehr unwiderlegbare Darstellungen, dass viele dabei waren, mitgemacht haben und mindestens davon wussten. In diese Phase fällt auch die Doktorarbeit von Browning, die dann als Buch erschien und, in Anlehnung an die Auffassung von Hannah Arendt, den bezeichnenden Titel trägt: Ganz normale Männer. Gerade die Entdämonisierung ist das Bedrohliche. Schon Hannah Arendt wurde dafür gescholten, dass sie das Böse durch Entdämonisierung näher an jeden einzelnen heranrückte. Eichmann war eben kein Monster, sondern potentiell der nette Nachbar von nebenan. Inzwischen hat es weitere Studien gegeben,insbesondere vom Erinnerungsforscher Harald Welzer zur Frage, wie aus normalen Männnern Massenmörder werden konnten. Je sozialpsychologischer der Ansatz, desto mehr wird man den Strukturen eine wichtige Steuerungsfunktion zuweisen. Browning mühte sich in seiner Studie, Differenzierungen vorzunehmen, nicht alle zu willigen Vollstreckern ( Goldhagen) zu erklären,sondern auch die zu beschreiben, die sich widersetzten. Nach den neueren Studien, die die umfassende Bereitschaft zur Anpassung zu belegen scheinen, ist man neugierig, mehr zu erfahren, aufgrund welcher " Ausstattung" Menschen sich denn weigerten, diese Greueltaten mitzumachen. Religiöse Bindungen ? Andersgeartete Wertmaßstäbe des Nicht-Handelns oder schlicht mangelnde Entschlossenheit ? Inzwischen gibt es fast eine Beweislastumkehr: der Mitmacher ist die Normal-Rolle, was macht den Verweigerer aus ?Lesen Sie weiter... ›
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Format: Taschenbuch
Browning räumt in seiner fundierten, beeindruckenden Dokumentation auf mit dem Mythos vom "gerechten Krieg", vom "ritterlichen Kampf", von den Idealen "ehrenhaften Soldatentums".
Nicht nur der dazu ausgebildete Soldat sei zum Töten fähig, sondern jeder Mensch sei dazu veranlagt, insbesondere, wenn er sich von der Gemeinschaft (Kameradschaft) akzeptiert fühlt, durch die "segensreiche" Kulturdroge Alkohol enthemmt ist und "höhere" Ziele vorgegeben sind.
Umso erstaunlicher ist die Tatsache, daß sich nach der Dokumentation bis zu 20% dem Befehl zum infernalischen Massenmord verweigerten (ohne dadurch Schaden an Leib und Leben zu nehmen) und die Verachtung der Gemeinschaft als unmännlicher "Weichling" auf sich nahmen.
Diese haben meine besondere Hochachtung, zumal ich mir nicht sicher sein kann, wie ich mich selbst in einer vergleichbaren Situation verhalten hätte, zumal ich als Kriegsteilnehmer und Wehrmachtsangehöriger das "Glück" hatte, zwar in todbringende Kampfeinsätze, aber nicht in die beschriebenen unvorstellbaren Massenmorde verwickelt worden zu sein, die ich (wie die Mehrzahl der Kriegsgeneration) seinerzeit auch leider nicht geglaubt hätte!
Diese Massenmmorde, wie überhaupt der perfide raffiniert ausgeklügelte Holocaust (und weitere Unsäglichkeiten wie Hiroshima und Dresden), unterscheiden sich durch die Regierungsverantwortung von den vielfältig auf allen Seiten auch in der jüngeren Vergangenheit weiter vorgekommenen Unmenschlichkeiten im ausufernden, sich progredient brutalisierenden Kampfgeschehen.
Ein erschüttendes Zeugnis unseliger deutscher, aber auch der Menschheits- Geschichte, das man nicht so schnell wieder aus der Hand legt und das aus der Distanz eines amerikanischen Wissenschaftlers absolut redlich wirkt!
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