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Freitisch: Novelle Gebundene Ausgabe – 15. Februar 2011

3.8 von 5 Sternen 16 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Uwe Timms klug komponierte und sehr unterhaltsame Novelle ist beides – eine Hommage an Arno Schmidt und gleichzeitig ein ironisches Stück über die Denkmalisierung eines Schriftstellers.« (Hajo Steinert Tagesanzeiger, Hajo Steinert 2011-11-08)

»Abermals erweist sich Timm jedoch als ein sehr eigenständiger und präziser Sprachästhet; schon dies ein guter Grund für die Lektüre seines neuen Buches.« (Westfalenpost)

»[...] geistreich, pointiert und mit ironischer Gelassenheit [...]« (Stern)

»Ein literarisches Fest, wie man es nur selten feiern kann.« (Darmstädter Echo)

»Anspielungen auf Arno Schmidt [...] durchziehen die Erzählung, die zwanglos, mit einer sehr entspannt wirkenden Anmutung von Zerstreutheit, zwischen damals und heute hin- und herspringt.« (ZEIT Literatur)

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Uwe Timm, geboren 1940, freier Schriftsteller seit 1971. Sein literarisches Werk erscheint im Verlag Kiepenheuer & Witsch, zuletzt Vogelweide, 2013, Freitisch, 2011, Am Beispiel eines Lebens, 2010, Am Beispiel meines Bruders, 2003, mittlerweile in 17 Sprachen übersetzt, Der Freund und der Fremde, 2005, und Halbschatten, Roman, 2008. Uwe Timm wurde 2006 mit dem Premio Napoli sowie dem Premio Mondello ausgezeichnet, erhielt 2009 den Heinrich-Böll-Preis und 2012 die Carl-Zuckmayer-Medaille.
Weitere Titel bei Kiepenheuer & Witsch: Der Mann auf dem Hochrad, Legende, 1984. Morenga, Roman, 1984. Der Schlangenbaum, Roman, 1986. Vogel, friß die Feige nicht. Römische Aufzeichnungen, 1989. Kopfjäger, Roman, 1991. Erzählen und kein Ende, 1993. Die Entdeckung der Currywurst, Novelle, 1993. Johannisnacht, Roman, 1996. Nicht morgen, nicht gestern, Erzählungen, 1999. Eine Hand voll Gras, Drehbuch, KiWi 580, 2000. Rot, Roman, 2001, Sonderausgabe 2005. Am Beispiel meines Bruders, 2003. Der schöne Überfluss. Texte zu Leben und Werk von Uwe Timm, hrsg. von Helge Malchow, 2005.


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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Gebundene Ausgabe
'Vor dem Rathaus habe ich auf ihn gewartet.
Entschuldigung, sagte ich, wir kennen uns.
Er sah mich an, sucht in meinem Gesicht und sagte dann: Hm.'

Mit diesem Satz beginnt das Wiedersehen zweier ehemaliger Freunde. Der eine (der mit dem "Hm"), jetzt ein erfolgreicher Fachmann für Abfallwesen, ist eigentlich zu einem Geschäftstermin in die Kleinstadt im Nordosten Deutschlands gekommen, in die der andere, der Ich-Erzähler, vor Jahren als Lehrer zugezogen ist und hier in einer Idylle mit Frau, zwei Kindern, und vielen Büchern lebt. Die Frau hat ihn inzwischen links überholt, wie er sagt, die zwei Kinder rechts, und er selbst hält weiterhin an Arno Schmidt fest, dem Autor, dem damals die ganze Begeisterung der Tischrunde gegolten hat, die sich täglich am FREITISCH zur gesponserten Gratisausspeisung versammelte.

Jetzt sitzen einander also zwei aus dieser Runde im Stadtcafé gegenüber und vergleichen die Erinnerungen die ihnen von damals geblieben sind. Den erfolgreichen Geschäftsmann amüsiert, dass der Lehrer Gratisnachhilfe gibt: "Das ist also aus dem revolutionären Projekt der neuen Gesellschaft geworden 'Nachhilfe in Deutsch für die bildungsferne Jungend des Dorfes', und beide sehen die damaligen Zeitgenossen aus der Distanz ihrer heutigen soliden Existenz: '...sie hatten Träume, in denen sie ihre Haut wechselten. Vielleicht war es auch nur ein bestimmtes Hasch, das sie so träumen ließ. Sahen morgens in den Spiegel und erkannten sich nicht wieder.
Was? Den kenn ich nicht! Dich rasier ich nicht! So kam es zu diesen Dreitagebärten, die sich bis heute bei älteren Medienleuten wie Schimmel im Gesicht gehalten hat'.
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Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Dieses Buch ist Tertiärliteratur über Arno Schmidt. Es ist meine erste Timm-Begegnung, aber vermutlich nicht die letzte.
Für mich als ehemaligen Abonnenten des Bargfelder Boten war mir diese kurze Erzählung fast eine Notwendigkeit, nachdem sie mir ein alter Freund (der nie Arno Schmidt gelesen hat) empfohlen hatte.
Von Timm wusste ich nur, dass er einige ordentliche Preise (Döblin-Preis? nein, meine Erinnerung trog, es war nur der Boell-Preis) erhalten hat, was ihn empfiehlt, und ein ehemaliger DKPler ist, was ihn nicht empfiehlt.

Das Buch kann ich empfehlen. Mit 5 Sternen ist es allerdings gut bedient. 4 und ein halber hätten es auch getan. Die Story selbst hat Konstruktionsmängel, aber sie ist thematisch interessant genug für 5 (sofern man Schmidtianer ist oder war).
Sie spielt teils in den frühen 60ern, noch vor der Notstandsgesetzgebung und den dadurch ausgelösten Studentenunruhen, und teils heutzutage, in Anklam an der Peene, unweit der Ostsee. Der 60er Teil ist in München und Bargfeld angesiedelt, wobei ein Schmidtscher Kameoauftritt (nebst Alice) eher irrelevant bis albern ist. Wichtiger sind die Münchner Gespräche und Gedanken über ihn.

Der zeitgenössische Teil ist ein Treffen zweier Mitglieder der alten Clique, mit Reminiszenzen von alten Tagen, und Erzählungen vom Seitherigen, angereichert mit Ortskunde (viel 30jähriger Krieg und viel Bombardierung im 2. Weltkrieg, was als Erklärungsmittel für den lokalen Hang zur Xenophobie missbraucht wird). Nette Nebenwirkung durch die Tatsache, dass der Ort Heimat des Fliegers Otto Lilienthal war. Lilienthal war Thema und Titel des letzten unvollendeten Schmidt-Werkes (sofern meine Erinnerung mir keine Falle stellt).
Spass, aber nicht unbedingt nachhaltige Tiefenwirkung. Manche Bücher bleiben bei einem ohne dass man es erwartete. Von diesem erwarte ich es nicht ...
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Format: Taschenbuch
Treffen sich zwei alte Studienfreunde nach ca. 40 Jahren in Anklam, als quasi Gegner, der eine lebt dort, der andere will dort eine Müllkippe errichten. Sie tauschen sich aus, über Ihre Intellektuelle Vergangenheit, falsche Zukunftseinschätzungen, über den Werdegang der anderen und über den eigenen, der ebenfalls etwas anders verlief als vorgesehen.
Gute Idee und für alle Arno Schmidt Fans vermutlich ein Genuss -
Wie mag es Lesern ergehen, denen die literarischen Referenzen von Arno Schmidt bis Oliver Sacks nicht vertraut sind? Dann wird es heikel, denn auch mir, dem die Referenzen bekannt sind, bleibt die Literatur unzugänglich, man fühlt sich wie vor Arno Schmidts Pforte - als ungebetener Gast, der nicht eingelassen werden soll. Not my favorite - gleichwohl ich den Schriftsteller sowie seine Referenzen sehr schätze.
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Format: Gebundene Ausgabe
Wer anders sein wollte, musste in diese Kneipe gehen. Wo sich die trafen, die Sartre gelesen hatten, die Francois Hardy hörten, oder aber vom Glas-Zersinger des Günter Grass erzählen konnten und davon, dass in eben der "Blechtrommel" erstmals in westdeutscher Literatur ein SA-Trupp vorkamen, der einen jüdischen Laden stürmt. Da diskutierte sich was zusammen in der Kneipe, da war in den frühen 60er Jahren ein Vorabend zu ahnen, dem dann später die unruhigen Tage der 68er Zeit folgen sollten. In dieser Kneipe zitierte dann einer "Fern u=bootete eine lange Limousine durch Getreidemeere", das war aus "Kühe in Halbtrauer", jenem Buch von Arno Schmidt, das den Protagonisten der jüngsten Novelle von Uwe Timm damals, am "Freitisch", wesentlichen Debattierstoff lieferte.

Der Lehrer, in den 60ern am Freitisch noch Student, und die anderen, die das kostenfreie Essen in der Kantine einer Versicherung genossen, wussten nichts vom Vorabend. Aber als man sich im Städtchen Anklam, im Heute des vereinigten Deutschlands wiedertrifft - der Schmidt-Verehrer Euler und eben jener Lehrer - da hat man mehr als vierzig Jahre hinter sich, und weiß, dass den unruhigen Tagen die ruhigen Jahre folgten, aus denen der eine heute seine Pension bezieht, der andere eine Geschäftsidee entwickelt: Wie man den Müll der Städte schneller und effizienter vom Haus auf die Kippe bringt. "Das also ist aus dem revolutionären Projekt der neuen Gesellschaft geworden - Nachhilfe in Deutsch", lässt Uwe Timm den Euler über den Lehrer denken, der anscheinend mal die DDR gut fand, und der aus dem Westen nach Anklam gekommen war, weil er "das Verschwinden einer doch anderen Lebensform studieren" wollte.
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