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Frau Jenny Treibel oder »Wo sich Herz zum Herzen findt«: Roman (insel taschenbuch) Taschenbuch – 24. Januar 1984

4.0 von 5 Sternen 55 Kundenrezensionen

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Berlin. Hauptstadt des vereinten Deutschlands. Und Reichshauptstadt zu der Zeit, als dieser Roman erschien, 1892 in der Deutschen Rundschau. Theodor Fontane hat in seinen "Berliner Romanen" ein Stück deutsche Geschichte eingefangen -- die Gründerzeit. Zeit des Wohlhabens und der Wohlhäbigkeit, Zeit des Protzes und der Äußerlichkeiten; für den privilegierten Teil der Gesellschaft zumindest.

Es ist die Geschichte einer Neureichen, die Fontane hier kunstvoll erzählt, einer Vertreterin der von ihm so verachteten Bourgeoisie: Kommerzienrätin Jenny Treibel, geborene Bürstenbinder, Tochter eines kleinen Materialwarenhändlers. Eine seltsame Mischung aus Sentimentalität und Berechnung macht den Charakter der Protagonistin aus, die in ihrer Jugend den romantischen Gedichten des begabten, aber unbedeutenden Studenten Wilibald Schmidt lauschte, dann aber doch lieber den reichen Fabrikanten Treibel heiratete. Genau das, eine Heirat mit einem reichen Mann, verwehrt sie nun der klugen und geistreichen Corinna Schmidt, der Tochter Wilibalds. Denn der reiche Mann ist ihr Sohn Leopold, ein weiches und ziemlich langweiliges Muttersöhnchen. Trotz aller Hochmütigkeit und Hartherzigkeit bleibt die Zeichnung der Jenny Treibel, wie auch der anderen Figuren, immer ironisch, immer komisch; denn Fontane wollte keine moralische Vernichtung, sondern eine "humoristische Verhöhnung" der Bourgeoisie.

"Die Echtheit des Kolorits", die "treue Darstellung des gegenwärtigen Berliner Lebens" haben Zeitgenossen Fontane beschieden. Die realistische und subtil-ironische Zeichnung der Berliner Gesellschaft übt bis heute eine unglaubliche Faszination aus -- vielleicht besonders vor dem Hintergrund des vereinten Berlins, das sich, gut hundert Jahre nach der Gründerzeit im Kaiserreich, erneut in einer Phase des Aufschwungs befindet. --Lilli Belek -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Großartig ist das Sprachaufgebot mit Ulrich Matschoss, Imogen Kogge, Dietmar Mues und Maria Körber, die Jenny Treibel einzigartig verkörpert." (Ostthüringer Zeitung)

"Von 1985 stammt dieses schön lebendig gestaltete Hörspiel, dessen Fassung kein Geringerer als Fontane-Verehrer Walter Jens besorgte." (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

"Das aufwändige Hörspiel von 1985 mit Maria Körber als Jenny und Imogen Kogge als Corinna ist nun endlich im Handel." (Münchner Merkur) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Kindle Edition Verifizierter Kauf
Bissig und satirisch nimmt Fontane die Besitzbürger des 19. Jh. mit ihrer Schmalspur-Bildung gekonnt auf die Schaufel. Lesevergnügen ist garantiert, und die Jenny Treibel erkennt man auch in unserer Gesellschaft auf Schritt und Tritt wieder.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Wie mussten es von der Schule aus lesen, also hatte ich keine Wahl. Wer aber überlegt es sich aus freien Willem zu kaufen, dem kann ich nur abraten. Das ist ein sehr eintöniges Buch mit sehr sehr geringem Unterhaltungswert
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Format: Broschiert
Theodor Fontane ist ein Autor des Realismus. Seine Werke werfen zugleich auch immer einen kritischen Blick auf das Zeitgeschehen. Adel und Finanzwirtschaft trafen sich im Zeitalter der Industrialisierung beim abendlichen Diner und tauschten freundliche Nettigkeiten aus. Garniert wird das Ganze mit künstlerischen Einlagen. Die Industriekapitäne planten ihren nächsten Schachzug. Die Damen der Gesellschaft schmückten sich mit Edelsteinen und Halbwissen. Krönender Abschluss der Soiree im Hause der Treibels ist der Liedervortrag von Frau Kommerzienrätin: „Wo sich Herz zum Herzen find’t“.

Das, was für die Ohren der modernen Leser nach gesellschaftlichem Small Talk klingt, birgt politischen Sprengstoff. Die Arbeiter forderten ihr Recht und die Privilegien des Adels werden bedroht. Deshalb tritt man bescheiden auf, um nicht „dem Neid der Menschen und dem sozialdemokratischen Gefühl so ganz nutzlos neue Nahrung zu geben“.

In Theodor Fontanes Roman ‚Frau Jenny Treibel’ prallen Wirtschaft und Wissenschaft in Person zweier sehr ungleicher Frauen aufeinander. Auf der einen Seite steht ‚Frau Kommerzienrätin Jenny Treibel’ - Fontane verschweigt den Gesellschaftsrang im Romantitel - geborene Bürstenbinder. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen („die gute Frau Bürstenbinder, die das Püppchen drüben im Apfelsinenladen immer so hübsch herauszuputzen wusste“), hatte aber durch die Heirat mit dem „Berlinblaufabrikanten“ Treibel Geld und Titel erworben. Professor Willibald Schmidt, der in jungen Jahren vergebens um die Gunst von Jenny Bürstenbinder warb, nennt die Kommerzienrätin „Ein Musterstück einer Bourgeoise.
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Format: Broschiert
Dieses Buch ist eines der wenigen, das mich in der Schule wirklich fasziniert hat! Die Handlung an sich gibt nicht besonders viel her: Jenny Treibel versucht die Heirat ihres Sohnes Leopold mit Corinna, einer Professorentochter, zu vereiteln, da sie diese als unter ihrerm Stand/Würde ansieht.
Hierbei kommt der Charakter der Jenny Treibel voll zur Geltung: selbst einmal arm gewesen versucht sie nun alles, um ihre Stellung im Besitzubürgertum zu halten und zu mehren. Fontane hat es wirklich verstanden den Realismus in dieses Buch zu bringen und er zeichnet ein detailliertes Bild der wilhelminischen Gesellschaft.
Ich empfehle dazu die Lektürehilfe von Klett, die einem wirklich noch jeden Winkelzug und die versteckten Genialitäten in diesem Werk aufzeigt, um voll in den Genuss dieses Buchs zu kommen.
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Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT am 6. Juni 2007
Format: Taschenbuch
Jenny Treibel hat es geschafft: Durch die Heirat mit einem Fabrikanten ist sie aus einfachen Verhältnissen ins Berliner Großbürgertum aufgestiegen. Stolz trägt sie den Pomp ihrer Klasse zur Schau und schwärmt gleichzeitig verklärt von der romantischen Liebe und vom einfachen Leben. Diese Ideale vergisst sie allerdings ganz schnell, als sich die kluge Professorentochter Corinna mit Jennys willenlosem Sohn Leopold verlobt. Die Mutter wirft ihr ganzes Gewicht in die Waagschale, um die nicht standesgemäße Verbindung zu verhindern. Der lebhaften Corinna bleibt trotz ihres Charmes der gesellschaftliche Aufstieg verwehrt, sie muss sich den bürgerlichen Konventionen fügen. Theodor Fontane hat mit "Frau Jenny Treibel" im Alter von 72 Jahren seine Höchstform erreicht. Voller Humor zeichnet der Meister des poetischen Realismus ein lebendiges Bild der Berliner Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts. Der Roman besitzt alle Qualitäten, für die Fontane verehrt wird: Lächelnd und voller Menschenliebe schildert der Autor unterschiedliche Charaktere, deren Gespräche er mit ironischen Seitenhieben auf die konservative Gesellschaft spickt. Die Lektüre von Fontanes witzigstem Werk ist eine Zeitreise in eine andere Welt, in der die Suche nach dem Glück aber offenbar ebenso dramatisch und komisch war wie heute.
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Format: Broschiert
Berlin im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Regiment im Haus von Kommerzienrat Treibel führt seine Frau Jenny, die aus einfachen Verhältnissen stammt, sich daran aber nicht gern erinnert und stets bestrebt ist, sich standesgemäß zu geben. Sie hofft, dass Treibels politische Ambitionen Früchte tragen, produziert sich gerne bei gesellschaftlichen Zusammenkünften und versucht, ihren hoffnungslosen zweiten Sohn Leopold auch noch anständig zu verheiraten.

Dass die kecke, gewitzte und kokette Professorentochter Corinna Schmidt ein Auge auf Leopold geworfen zu haben scheint, passt der Dame so gar nicht ins Konzept. Leopold soll wie sein älterer Bruder eine Frau von gleichem Stand heiraten, schließlich ist Otto Treibel mit einer Hamburgerin aus sehr gutem Hause verheiratet.

Fontane zeichnet hier mit Witz und Ironie ein satirisches Gesellschaftsbild, das mir nach einigen Anlaufschwierigkeiten (viel politisierendes Wortgeplänkel bei geselligen Abenden, zahlreiche Bezüge zur damaligen aktuellen Gesellschaftslage, die mir nichts sagten) doch noch Spaß gemacht hat, mit sprechenden Namen (am besten fand ich, wenn er die Töchter von Professor Kuh als Kälber bezeichnet hat ) und etwas überzeichneten Figuren, den Irrungen und Wirrungen von Liebe und Kalkül bei der Partnerwahl und einer leise durchklingenden Kritik an Standesdünkel und Überheblichkeit, die sich in der Person von Jenny Treibel konzentrieren. Die Titelfigur war somit eine der unsympathischsten Figuren für mich.

10 Jahre nach Anschaffung als Schullektüre, die nie beendet wurde, bin ich froh, das Buch endlich gelesen zu haben - auch wenn ich mich zumindest anfangs auf die Sprache und die Hintergründe erst mal richtig einlassen musste.
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