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Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen
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am 7. April 2011
1997 erschien erstmals ein Jahrbuch für Kulturmanagement, damals beim NOMOS-Verlag und unter inhaltlicher Verantwortung des Instituts für Kulturmanagement an der PH Ludwigsburg. 7 Bände und 7 Jahre später, im Jahre 2004, lief diese kleine Tradition mit dem letzten Band fast unbemerkt aus, und es schien, die zahlreich verfügbaren Fachbücher zu einzelnen Aspekten des Kulturmanagements hätten eine übergreifende Publikation obsolet gemacht. Doch bereits mit der Gründung des Fachverbands Kulturmanagement 2007 wurde der Bedarf an einer akademischen Diskussion darüber erneut artikuliert, was Kulturmanagement sei und wohin es sich entwickeln sollte.

Nun liegt beim transcript-Verlag das erste Jahrbuch für Kulturmanagement vor, der vieles von den zum Teil lebhaften Diskussionen widerspiegelt, die allein im Fachverband in diesen 2 Jahren geführt wurden. Der Übertitel "Forschen im Kulturmanagement" darf durchaus als Postulat angesehen werden, da man sich im Fachverband darüber einig ist, mehr für die Forschung der Fachdisziplin zu tun. Obschon die bereits erwähnte Vielfalt an vorhandener Literatur zu den verschiedenen Teilaspekten des Kulturmanagements beeindruckt, schließt das vorgelegte Jahrbuch Lücken. Hier ragt vor allem der Beitrag von Dirk Baecker heraus, der über "Zumutungen organisierten Arbeitens im Kulturbereich" schreibt. Baecker, der vor einiger Zeit von der Uni Witten-Herdecke zur Zeppelin-University nach Friedrichshafen gewechselt ist, verortet diese Zumutungen im Kulturmanagement an den Stellen Organisation (Kommunikation über Arbeit), Kultur (Kommunikation über Werte) und Management (Kommunikation über Entscheidungen).

Birgit Mandel fordert in ihrem Beitrag zu Recht eine Erweiterung der Rollen von Kulturmanagern. Während sich viele als "Rationalisierer" verstanden haben, der die Professionalisierung des Kulturbetrieb im wesentlichen mit mehr Effizienz zu erreichen suchte, kommt künftigen Generationen von Kulturmanagern die Aufgabe zu, zu gestalten, unternehmerisch zu handeln, Bildungsfragen oder politische Aspekte stärker in ihr Handeln zu integrieren. Damit wächst Kulturmanagement deutlich über das Managen im Kulturbetrieb hinaus. Dies führt nicht zu letzt zu neuen beruflichen Chancen in anderen Sektoren. Auch Mandel macht ein Defizit in der Forschung des Fachs aus, was auch eine Umfrage unter 15 Lehrenden an deutschen Hochschulen im letzten Jahr dokumentiere.

Am Handbuch erkennt man deutlich das derzeitige Ringen um eine Deutungshoheit über die Disziplin. Da stehen auf der einen Seite die Hermeneutiker wie ein Dirk Baecker, Martin Tröndle oder Karen van den Berg, auf der anderen Seite stehen die Empiriker wie Birgit Mandel oder Armin Klein. Außerdem steht mit Patrick Föhl und Patrick Glogner eine junge Generation von Kulturmanagern am Start, die sich sehr kritisch - auch in diesem Jahrbuch - zur anhaltenden Diskussion um das Selbstverständnis des Faches äußern. Hier wird insbesondere die Abkehr von Instrumenten und Techniken kritisiert. Sie fordern in ihrem gemeinsamen Beitrag, die Debatte vom Kopf auf die Füße zu stellen. Dieser fachliche Diskurs sollte nicht vorschnell kritisiert werden. Er könnte vielmehr dazu beitragen, im Wettbewerb der Studiengänge insgesamt für eine stärkere Spezialisierung und Profilierung zu sorgen. Dies setzt allerdings eine bewusste Entscheidung der Studierenden für ein Profil voraus.

Was damit nicht gesagt sein soll, ist eine Entscheidung der künftigen Fach- und Führungskräfte für Theorie ODER Praxis. Die philosophischen Impulse, eine ausreichende kulturwissenschaftliche Bandbreite und den kulturgeschichtlichen Hintergrund brauchen angehende Kulturmanager an Unis und Hochschulen genauso wie praktische Beziehungspunkte und manageriale Kompetenz. Beides hat seinen Platz, wobei einige Studiengänge immer Akzente setzen werden, die stärker zu der einen oder anderen Seite tendieren. Das Jahrbuch bietet genügend Denkanstöße von ausgewiesenen Kulturmanagement-Experten, um sich bei dieser durchaus individuellen Entscheidung besser zu verorten. Insofern sei die Lektüre ausdrücklich empfohlen. Verschiedene Schulen gibt es im übrigen auch in anderen Fachdisziplinen. Man ist definitiv in den letzten Jahren vorangekommen, um Kulturmanagement als Studienfach zu etablieren. Ob es sich freilich lohnt, mit letzter Kraft jeden Geisteswissenschaftler davon zu überzeugen, dass Kulturmanagement eine eigenständiges Forschung und Theoriebildung benötigt, darf durchaus bezweifelt werden. Diese Energie wünscht man sich eher bei der Lösung der Herausforderungen, vor denen der Kulturbetrieb draußen im Lande steht.---Dirk Heinze, Kulturmanagement Network
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