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Fetischismus und Kultur: Eine andere Theorie der Moderne Taschenbuch – 1. April 2006

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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Die Hauptthese ist einsichtig und wichtig: Indem der Fetischismus von Europäern bei anderen, vor allem Afrikanern, analysiert und ausgegrenzt, abgelehnt, ins Krankhafte abgeschoben wurde, ist er in unseren Gesellschaften unbemerkt wirkungsmächtig geworden. Am Marxismus und an der Psychologie zeigt Böhme, dass eine scharfe Ablehnung resp. eine Abschiebung in das Pathologische zu einer scharfen Wiederkehr führt, weil die scharfe Ablehnung blind macht für die Fetische bei sich selbst, in unseren Welten, in unseren Gegebenheiten, in unserem Verhalten. Es führt zum Beispiel zu politischem Fetischismus z.B. in der Idolatrie in der kommunistischen Sowjetunion, und zu Blutvergiessen. Im hinteren Teil des Buches kommt die Rolle des Fetischismus im Ernährungsverhalten, in der Mode und im Kino zur Sprache. Kaum je habe ich zu diesen Themen Erhellenderes gelesen.

Hier ein paar Zitate, die das Fazit zeigen sollen: "Die Moderne,..., ist viel weniger aufgeklärt, als sie das von sich selbst annimmt." Das ist so, weil der Fetischismus weiterwirkt und weil diesem rational nicht beizukommen ist. "Das Ende der Denunziation des Fetischismus fiel damit zusammen, dass der Fetischismus selbst in der modernen Gesellschaft ubiquitär wurde und nicht mehr länger in deren Keller verbannt werden konnte, wo er subkulturell sein Schattenreich bilden mochte." Die denunziativen Perioden und deren Überwindung ist das Thema des substanziellen Buches. Und als letztes Zitat: Essen, Mode - Frauen, lesen!!!
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Format: Taschenbuch
Hartmut Böhme: Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne, Rowohlt 2006.

Gegenstand des neuen umfangreichen Werkes des Berliner Literatur- und Kulturwissenschaftlers Hartmut Böhme (Text mit Fußnoten 523 S.) ist zweierlei: erstens die historische Entwicklung verschiedener Begriffe von Fetisch und Fetischismus, zweitens irrationale Tendenzen in der sogenannten "Moderne". Die "Moderne" sei in vielfacher Weise von fetischistischen Praktiken im Umgang mit Waren, Erinnerungsgegenständen und politischen Symbolen dominiert und könne dadurch Rationalitätsanforderungen nicht genügen, die Böhme mit dem Begriff der Moderne verbindet. Diese These macht im wesentlichen die im Buchtitel angekündigte "andere Theorie der Moderne" aus.
Da Fetische symbolisch aufgeladene materielle Gegenstände oder "Dinge" sind, erfordere ihre Untersuchung eine Analyse des Dingbegriffs. Böhme unternimmt dies in Kapitel I und versucht mit Hilfe von Methoden der Phänomenologie aufzuweisen, wie die Dinge der Alltagserfahrung konstitutiert werden, d.h. wie die Wahrnehmung dieser Dinge zustandekommt. Kapitel II handelt von Fetischismus in den Religionen, wobei Böhme sowohl Phänomene aus dem Christentum wie auch aus Religionen nicht-europäischer Naturvölker heranzieht. Hier greift Böhme auf die Kirchenväter zurück, auf Reiseliteratur aus der frühen Neuzeit und auf verschiedene ethnologische Studien, vor allem aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Kap. III untersucht ökonomischen Fetischismus im Umgang mit Waren, wie ihn vor allem Marx mit seinem Begriff des Warenfetischismus thematisierte. Kap.
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Format: Taschenbuch
Hartmut Böhme hat hier ein großartiges Buch vorgelegt, das seinesgleichen sucht. Böhme ist ein hervorragender und vielseitiger Kulturwissenschaftler und kann als einschlägiger Kenner der Materie, sein Buch als wichtiger Quellentext einer Philosophie der Artefakte und der Dinge gelten. Er rekonstruiert Grundlagen des modernen Denkens bei Marx und Freud, kontextuiert diese historisch und knüpft sie kongenial zu einer neuen Sichtweise auf das moderne Denken und auf die moderne Praxis zusammen. In seinem Buch wird sichtbar, dass die Moderne, die Fetischismus auf vormoderne Kulturen projiziert, selbst hochgradig fetischistisch und dabei "blind" auf diesem Auge agiert, und ihre Prozesse auf dem Zirkulieren, auf der Fülle der Dinge aufbaut - und auf den Problemen, die dies aufwirft. Damit hat er nicht nur einen neuen Gegenstand sehr einleuchtend in die Sozialwissenschaften eingeführt, sondern auch eine neue theoretische Lesart der Moderne entworfen, die die entsprechende Aufmerksamkeit und Anerkennung verdient. Seine Theorie ist allerdings keine geschlossenen und hermetische, wie manch Sozialwissenschaftler mit einem überholten Theorieverständnis einzuwenden haben könnte, sondern nach Art der modernen Kulturwissenschaft ein offener Entwurf, der Disziplinengrenzen überschreitet und neben philosophischen und sozialwissenschaftlichen auch ästhetische Überlegungen einbezieht. Gerade deshalb ist sein Buch so inspirierend und anregend für weitere Forschung.

Besonders erhellend ist seine Re-Konstruktion zweier Kreisläufe der Dinge und Artefakte in der Moderne: Die Waren, die zirkulieren und den Gesetzen einer innovativen aber auch zerstörerischen Ökonomie unterliegen.
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