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Old Major hatte einen Traum, einen Traum den er allen anderen Tieren auf der Farm der Jones mitteilen will. Als hoch angesehener alter Keiler und preisgekrönt hat er das Ohr der Tiere und so lauschen alle seinen Worten, als er sich mit verheißungsvollen Worten an sie wendet. Der Mensch ist das größte Problem der Bauernhofgesellschaft. Er beutet die Tiere aus, ermordet und unterjocht sie, doch selbst produziert er nichts. Außer zum Ausbeuten ist der Mensch zu nichts gut, die Tiere sollten sich also befreien und gegen ihren Unterdrücker revoltieren. Kaum drei Tage nach seiner Ansprache ist Old Major friedlich entschlafen, doch mit seiner Vision einer freien Gesellschaft hat er eine glorreiche Vision hinterlassen.

Die drei einflussreichsten Schweine spinnen Old Majors Gedanken weiter und schaffen aufgrund seiner Rede den Animalismus, eine neue und gerechtere Gesellschaftsform. Unter der Führung von Schwatzwutz, Napoleon und Schneeball kommt es zur Revolution, die Jones werden vertrieben, zu Recht, denn Mr. Jones hatte sich seit geraumer Zeit nicht mehr um sie gekümmert. Umgehend werden die 7 Gebote des Animalismus erlassen und auf die Rückwand der großen Scheune geschrieben:

1. Alles was auf zwei Beinen geht, ist ein Feind
2. Alles was auf vier Beinen geht oder Flügel hat, ist ein Freund
3. Kein Tier soll Kleider tragen
4. Kein Tier soll in einem Bett schlafen
5. Kein Tier soll Alkohol trinken
6. Kein Tier soll ein anderes Tier töten
7. Alle Tiere sind gleich

Die Erinnerung an die Diktatur der Menschen soll in jeder Hinsicht getilgt werden, so wird die "Herren-Farm" in "Farm der Tiere" umbenannt und das Farmerhaus zum Museum umfunktioniert. Die Tiere sind glücklich nun endlich für sich selbst arbeiten zu dürfen und die erste eigene Ernte ist sogar ein weit größerer Erfolg als erwartet. Sogar ein Rückeroberungsversuch der Menschen wird im Laufe der Zeit abgewehrt. Doch die Schweine, welche mit der Zeit im Interesse der Gemeinschaft als Klügste begonnen haben Schreiben und Lesen zu lernen, um den Tieren das Wissen der Menschen zu erschließen erlangen immer mehr eine Führungsrolle auf der Farm...

Neben 1984 ist die Farm der Tiere wohl George Orwells bekanntestes Werk. Nicht nur wegen der brillanten Allegorie und Persiflage der frühen Sowjetunion, sondern vor allem weil das Buch als Zeichentrickfilm adaptiert auch schon durch das Kinder- und Feiertagsprogramm mancher TV-Sender gegeistert ist. Die Paralellen zwischen der Farm der Tiere und der Sowjetunion sind beinahe offensichtlich, allerdings braucht man den Schlüssel zum Verständnis (Napoleon=Stalin, Schneeball=Trotzki, Old Major=Lenin/Marx, Farmer Jones=Zar Nikolaus II.) nicht zu kennen, um das Grundthema einer mit der Zeit pervertierten Revolution zu begreifen.

Das Werk selbst profitiert eindeutig von seiner einfach verständlichen Sprache, die bei Orwell gerne kritisiert wird. Dessen ungeachtet wird gerne übersehen dass die Farm der Tiere gerade wegen ihrer Einfachheit auch einem jüngeren und sonst Literatur gegenüber weniger aufgeschlossenem Publikum zugänglich gemacht wird. "Alle Tiere sind gleich, Aber manche sind gleicher.", wie das schlussendlich letzte verbliebene Gebot auf der Farm der Tiere lautet ist nur ein Beispiel für die Interpretationsfähigkeit Orwells Meisterswerks. Diskutiert man über dieses Werk wird man im Gespräch vielleicht auf Betrachtungsweisen stoßen, die einem selbst gar nicht in den Sinn gekommen wären. Das Scheitern der animalistischen Vision ist keineswegs dogmatisch, erfasst aber zumindest den Kern der realen Problematik einer sozialistischen Revolution. Eine permanente innere Revolution, ohne Elitenbildung, ohne Verfolgung, Ausgrenzung und Ermordung von Regimegegnern findet in der Realität jedenfalls keine Beispiele, die Farm der Tiere aber so manche. Prinzipiell ist Orwells Theorie auch nicht auf den Kommunismus beschränkt, denn Visionen von einer freieren Gesellschaft und Revolutionen die am Ende ihre Ideale verrieten gab es schon viele.

Fazit:
Für jedermann verständlich, amüsant und vielfach interpretierbar, ein faszinierendes Werk.
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HALL OF FAMEam 30. Dezember 2004
Die weltberühmte "Animal Farm" ist die Geschichte von einer englischen Farm, auf der die Tiere revoltieren und den Farmer vertreiben. Anhand dieser Farm zeigt Orwell auf, wie sich über die Jahre gesellschaftliche Machtstrukturen, Korruption und Ungerechtigkeit bis hin zu totalitären Verhältnissen ausbilden.
Die anfängliche Basisdemokratie mit einem Parlament und einem Grundgesetz wird schnell durch die intelligenten Schweine dominiert. Zunehmend entwickeln sie sich zu einer Art politischen Kaste, die auf Kosten der anderen lebt. Während die Masse der Tiere, das 'Volk', geradezu naiv an die Gerechtigkeit und auch den guten Willen der Schweine glaubt, nehmen die Schweine, allen voran der gerissene Napoleon, dreist immer mehr Sonderrechte in Anspruch und verbiegen das Gesetz. Schließlich übernehmen sie vollständig die Rolle des Farmers. Als der Unmut steigt, unterdrücken sie die Tiere durch eine trainierte Hundemeute, die in Polizeifunktion bedroht und sogar tötet. Das Buch endet mit einem heimlichen Treffen zwischen den Schweinen und eigentlich feindlichen menschlichen Nachbarn, bei denen die anderen Farmer dazu gratulieren, dass die Tiere mehr denn je arbeiteten - unter schlechteren Bedingungen als je zuvor. Die Schein-Demokratie war geboren.
Das Buch entstand 1945 und war durch 2 Weltkriege, Nationalsozialismus und Stalinismus geprägt. Doch auch die Parallelen zu den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte sind frappierend: wie bei Orwells Schweinen gibt es Sonderrechte und Immunität für die politische Klasse; Gesetze und Rechtsprechung, die ausgehöhlt werden und sich immer mehr von dem natürlichen Rechtsempfinden entfernen; moralische Werte, die vom Volk gefordert, aber von Politikern nicht gelebt werden; gezielte Desinformation; inszenierte Bedrohungen, Feindbilder und Kriege; zunehmende Überwachung und Beschneidung der Freiheitsrechte. Die von Orwell beschriebenen Methoden und Vorgänge wiederholen sich in der Geschichte immer wieder. Die "Farm der Tiere" wird ein für alle Zeiten aktuelles Buch sein.
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am 17. Februar 2006
Was für ein Buch. Einfach genial.
Es ist einfach genial, wie Orwell dieses Thema darstellt, die Revolution und ihre Folgen.
Die Schweine, als die klügsten Tiere überhaupt, werden zum Führer der Revolte. Genial.
Wie sich die 7 Gebote im Laufe der Zeit auf "magische" Weise wandeln. Genial.
Dieses Buch ist voller Witz und Ironie. Es ist spannend geschrieben. Die Geschichte der Herren-Farm ist ein Spiegelbild für alle.
Dieses Buch ist eines der bestens, das ich je gelesen habe.
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am 13. Oktober 2005
Mit 'Farm der Tiere' schuf der 1903 geborene George Orwell eine wunderbare Allegorie auf die Entwicklung der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution 1917. Das Buch entstand 1943/44 wurde jedoch von sämtlichen Verlagen abgelehnt, weil man es nicht wagte die eindeutig auf Stalin zugeschnittene Kritik des Werkes öffentlich zu äußern - mit Verbündeten geht man nicht so um. Orwell selbst zog deshalb sehr hart mit den englischen Intellektuellen ins Gericht, was man auch im Nachwort des Buches gut nachlesen kann. Das Buch wurde dennoch erst 1945 nachdem sich der Bruch zwischen Ost und West abzeichnete veröffentlicht.
Inhalt und Interpretation: Die Herrenfarm wird von einem schlechten Farmer regiert. Nicht nur beutet er die Tiere aus, lässt sie schuften und gibt ihnen wenig zu essen, sondern er ist noch dazu wirtschaftlich am Ende (das zaristische Regime). Da steht eines Tages Old Major (Marx) ein altes Schwein auf und beruft eine Versammlung ein in der er all den Tieren der Farm seinen Traum erzählt. Er träumte von einer Welt ohne Knechtschaft, wo alle Produktionsmittel denen gehören, die dafür arbeiten. Noch ehe die Revolution ausbricht stirbt Old Major und die anderen Schweine übernehmen die Herrschaft, allen voran Napoleon (Stalin) und Schneeball (Trotzki). So stellen sie sieben Regeln auf und die wichtigste steht allen anderen voran: "Alle Tiere sind gleich".
Doch Macht korrumpiert sagt ein altes Sprichwort und so ist es auch hier. Die Schweine, die zunächst wirklich vorbildlich agierten, nehmen sich immer mehr heraus, verlangen von den anderen Tieren immer mehr Einsatz nur um letztlich selbst besser zu leben. Das geht so weit, dass eine Regel nach der anderen eine Änderung erfährt, die das widersprüchliche Handeln der Schweine überdecken soll. Als es zum Streit zwischen den beiden Anführern kommt wird Schneeball von der Farm verjagt und Napoleon übernimmt ein immer schlimmer werdendes Kommando. Der Machtmissbrauch gipfelt letztlich darin, dass Napoleon alle Regeln verwirft und nur noch eine gelten lässt. "Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher". Schließlich setzen sich die Schweine mit den Menschen wieder an einen Tisch, die Menschen stellen fest, dass es den Schweinen gelungen ist die Tiere noch mehr auszubeuten als die Menschen und so feiern sie Freundschaft. Als gelungenes Schlusswort hält Orwell fest, dass die Schweine nicht mehr von den Menschen zu unterscheiden waren.
Wie gesagt, das Buch gibt sehr gut - wenn auch in einer Fabel verklausuliert - die sowjetische Geschichte von 1917 bis in den zweiten Weltkrieg wieder. Aber man kann auch weiter greifen: es ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Macht zum Missbrauch einlädt, eine Warnung an alle die ihr Heil in totalitären Regimes suchen.
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am 11. August 2015
"Farm der Tiere" ist ein moderner Klassiker. Das Buch wurde in den frühen 40er Jahren geschrieben und zeigt wunderbar auf, dass jegliche Revolutionen, die eigentlich für Gerechtigkeit sorgen sollen, zu Machtverschiebungen führen. Als "Vorbild" für die Handlung des Buches hat Orwell die Revolution durch die Bolschewiken in Russland genommen.

Handlung (Achtung Spoiler!):
Auf der Herren-Farm herrscht bei den Tieren große Unzufriedenheit: Sie werden von dem Farmer ausgebeutet und geschlachtet. Das wollen die Tiere nicht länger hinnehmen und planen unter der Führung der intelligenten Schweine die Revolution: Sie vertreiben den Farmer und gründen einen Staat: "Farm der Tiere". Dieser Staat hat fünf Gesetze, die dafür sorgen sollen, dass keine Tier benachteiligt wird oder jemals mit Menschen zu tun haben soll. Der "Revolutionsführer" Napoleon ist ein Schwein, welches zunächst diese positiven Regeln propagiert. Doch nach einiger Zeit wächst die Macht von Napoleon und er errichtet eine Diktatur. Hunde sind seine Leibgarde, Tauben seine Spione, Schafe seine dummen Gefolgsleute und Schwatzwutz - ebenfalls ein Schwein - sein Propagandist. Die freiheitlichen Gesetze werden nach und nach geändert und außer Kraft gesetzt. Die freiheitliche Hymne wird verboten. Wer nicht für Napoleon ist, ist gegen ihn. Und so kommt es, dass Napoleon mit den benachbarten Farmern paktiert, selbst wie ein Mensch wird und alle Tiere der Herren-Farm ausbeutet. Es hat sich nichts geändert.
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am 15. November 2007
Der Roman "Farm der Tiere" von George Orwell aus dem Jahr 1944 beschreibt, wie sich Tiere auf einer Farm durch einen Aufstand gegen die menschlichen Besitzer aus ihrer Knechtschaft befreien und beginnen, die Farm auf eigene Faust zu betreiben. Angetrieben sind sie vom Gedanken an Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, immer das Bild einer "idealen" Gesellschaft vor Augen, in der alle Tiere zu gleichen Teilen arbeiten und in gleichem Maße an den Erträgen beteiligt sein sollen. So gründen sie ihre eigene "Staatsform", den "Animalismus", bestehend aus sieben Regeln ("Gesetzen"), welche sie in Form einer "Verfassung" an die Wand einer Scheune schreiben. Im Kern besagt der Animalismus, dass alle Tiere gut und alle Menschen schlecht seien, und jede Ähnlichkeit oder gar der Kontakt zwischen beiden unbedingt zu vermeiden sei. Die siebte Regel lautet "Alle Tiere sind gleich".

Doch es zeigt sich sehr bald, dass die Schweine - unter deren Leitung der Aufstand stattgefunden hat, da sie die klügsten Tiere sind - die Herrschaft an sich reißen und sich selbst gegenüber den anderen Tieren bevorteilen. Sie geben die Arbeit vor, und die anderen Tiere führen sie - ohne sie ernsthaft zu hinterfragen oder zu murren - durch, da sie intellektuell den Schweinen unterlegen sind und sich auf diese verlassen.

Nach und nach wird aus dem anfänglichen Animalismus eine Diktatur unter Napoleon, dem Anführer-Schwein. Die Tiere müssen immer länger bei immer weniger Futter arbeiten. Um sie gefügig zu machen und ruhig zu halten, werden von den Schweinen Lügen erzählt und Bedrohungsszenarien aufgebaut (in der Art "wenn ihr nicht hart arbeitet, erobern die Menschen die Farm zurück"). Die Schweine beginnen nach und nach, jedes der sieben Gesetze zu brechen und anschließend neu auszulegen. Den anderen Tieren ist zwar dunkel bewußt, dass hier ein Unrecht geschieht, doch sie sind nicht in der Lage es zu artikulieren oder gar etwas dagegen zu unternehmen. Zu groß ist die Anst vor einer Strafe durch die Schweine. Am Ende steht nur noch ein Gesetz an der Scheunenwand geschrieben, was gleichzeitig das wohl berühmteste Zitat des Romans sein dürfte: "Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher".

Ich halte "Farm der Tiere" für eine der besten Geschichten, die jemals verfasst wurden. Was eigentlich eine exakte Beschreibung der Oktoberrevolution in Russland ist, bei der der anfängliche Gedanke des Kommunismus in der Diktatur unter Stalin endete, lässt sich auf viele andere geschichtliche Ereignisse - auch Ereignisse der Gegenwart - anwenden. So ist es bspw. hochinteressant, wie die Schweine gegenüber den anderen Tieren nach Belieben Feindbilder aufbauen und wieder zerstören, wie sie es gerade brauchen, um ihre Herrschaft zu sichern und ihre Taten durch "Gründe" zu untermauern. Nichts schweißt ein Volk mehr zusammen als ein gemeinsamer Feind, und es wird blind geglaubt was einem die "Anführer" erzählen, auch wenn es noch so unsinnig ist (denkt noch jemand gerade an die "Massenvernichtungswaffen" im Irak?).

Auch zeigt die Fabel wunderbar, aus welchen Gründen eine Ausbeutung der Massen funktioniert: Manche Tiere sind zu beschränkt, um etwas dagegen zu unternehmen und die Argumentation der Schweine überhaupt zu durchschauen, andere sind zu faul, sich ihre eigene Meinung zu bilden und befolgen blind, was ihnen gesagt wird, weil sie nur das glauben. Hier zeigt sich eine wesentliche Ursache für das Nicht-Funktionieren einer "gleichen" Gesellschaft in der Realität: Die ungleiche (aber natürliche) Verteilung von Machtinteressen und - ganz simpel - der Intelligenz.

Ich kann das Buch jedem sehr empfehlen, es verwendet einfache sprachliche Mittel und ist sehr verständlich geschrieben. Durch den für einen Roman eher geringen Umfang (knapp über 100 Seiten in dieser Ausgabe) und die interessante Handlung lässt es sich in kurzer Zeit durchlesen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 7. Dezember 2014
Eric Arthur Blair alias George Orwell hat mit der 1945 veröffentlichten Fabel "Farm der Tiere: Ein Märchen" eine ausgesprochen unterhaltsame Persiflage auf den Sowjetkommunismus geschaffen. Auch knapp 70 Jahre nach seinem Entstehen zählt dieses Werk zu den eindrücklichsten Beschreibungen der Transformation der Sowjetunion von der Oktoberrevolution 1917 bis zum Hitler-Stalin-Packt des Jahres 1939.

"Die derzeit herrschende Orthodoxie verlangt die unkritische Bewunderung Sowjetrusslands. Jeder weiß das, fast jeder handelt danach. Jede ernsthafte Kritik am Sowjetregime, jede Enthüllung von Tatsachen, die die Sowjetregierung lieber weiterhin verborgen sähe, ist nahezu undruckbar." (Loc 1.446 von 1.600 im Kindle e-book). "Der dunkle Punkt der literarischen Zensur in England ist, dass sie weitgehend freiwillig geschieht." (Loc 1.430). So bedauerlich der Widerstand gegen dieses metaphorische Meisterwerk im kriegsversehrten England des Jahres 1945 war, so bedrückender ist der Bedeutungsverlust dieses Klassikers in der Gegenwart. Ein spezieller Dank daher an den Verlag Diogenes für die Umsetzung dieser auch technisch sehr gelungenen e-book Version.

"Farm der Tiere" handelt von Erhebung der Tiere einer englischen Farm gegen die Herrschaft ihres menschlichen Besitzers. Nach anfänglichen Erfolgen und beginnendem Wohlstand übernehmen die Schweine immer mehr die Führung und errichten schließlich eine Gewaltherrschaft, die schlimmer ist als diejenige, welche die Tiere abschütteln wollten. "Freilich arbeiteten in diesem Jahr alle Tiere wie Sklaven." (Loc. 1.167) "[..] die niederen Tiere auf der Farm der Tiere mehr arbeiteten und weniger Futter bekamen als irgendwelche sonst in der Grafschaft." (Loc. 1.367) Die herrschende Klasse der Schweine trat vielmehr in die Rolle der alten Herrscher und perpetuierte so die Lebensverhältnisse der unteren Schichten. "Die Tiere draußen blickten von Schwein zu Mensch und von Mensch zu Schwein, und dann wieder von Schwein zu Mensch; doch es war bereits unmöglich zu sagen, wer was war." (Loc. 1.408)

Für mich zählt dieses Buch noch mehr als das danach veröffentlichte "1984" zu den absolut lesenswerten Klassikern der Gesellschaftskritik. Auf sprachlich und stilistisch eingänglichem Niveau werden Entwicklungen nachgezeichnet, die auch für andere sozialistische Systeme exemplarisch sind. Trotzdem gewinnt dieses Buch durch den klaren Bezugsrahmen zum Sowjetkommunismus. Eine gewisse Grundkenntnis über maßgebliche Akteure wie Stalin, Molotow und Trotzki helfen daher beim Verstehen. Absolut lesenswert.
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Die weltberühmte "Animal Farm" ist die Geschichte von einer englischen Farm, auf der die Tiere revoltieren und den Farmer vertreiben. Anhand dieser Farm zeigt Orwell auf, wie sich über die Jahre Machtstrukturen, Korruption und Ungerechtigkeit bis hin zu totalitären Verhältnissen in einem Staat ausbilden.
Die anfängliche "Basisdemokratie" mit einem Parlament und einem Grundgesetz wird schnell durch die intelligenten Schweine dominiert. Zunehmend entwickeln sie sich zu einer Art politischen Kaste, die auf Kosten der anderen lebt. Während die Masse der Tiere, das "Volk", geradezu naiv an die Gerechtigkeit und auch den guten Willen der Schweine glaubt, nehmen die Schweine, allen voran der gerissene Napoleon, dreist immer mehr Sonderrechte in Anspruch und verbiegen das Gesetz. Schließlich übernehmen sie vollständig die Rolle des Farmers. Als der Unmut steigt, unterdrücken sie die Tiere durch eine trainierte Hundemeute, die in Polizeifunktion bedroht und sogar tötet. Das Buch endet mit einem heimlichen Treffen zwischen den Schweinen und eigentlich feindlichen menschlichen Nachbarn, bei denen die anderen Farmer dazu gratulieren, dass die Tiere mehr denn je arbeiteten - unter schlechteren Bedingungen als je zuvor.
Das Buch entstand 1945 und war durch 2 Weltkriege, Nationalsozialismus und Stalinismus geprägt. Doch auch die Parallelen zu den Zuständen der heutigen Welt sind frappierend: wie bei Orwells Schweinen gibt es Sonderrechte und Immunität für die politische Klasse; Gesetze und Rechtsprechung, die sich immer mehr von dem natürlichen Rechtsempfinden entfernen; moralische Werte, die vom Volk gefordert, aber von Politikern nicht gelebt werden; gezielte Desinformation; inszenierte Bedrohungen, Feindbilder und Kriege; zunehmende Überwachung und Beschneidung der Freiheitsrechte. Die von Orwell beschriebenen Methoden und Vorgänge wiederholen sich in der Geschichte immer wieder. Die "Farm der Tiere" wird ein für alle Zeiten aktuelles Buch sein.
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am 31. Januar 2015
Als Kind hatte ich bereits den Film zum Buch gesehen. Damals war mir die Bedeutung von dem, was ich sah noch nicht wirklich klar. Mit rund 15 Jahren Abstand wollte ich mich nun noch einmal an das gedruckte werk heran trauen. Obwohl das Buch schon einige Jahre auf dem Buckel hat ist es erfreulich gut zu lesen, inwieweit die Übersetzung das Original wiedergibt kann ich mangels Vergleich nicht sagen - fest steht nur, dass der Übersetzer einen gut lesbaren Text abgeliefert hat. Das ist ja leider nicht immer der Fall. Zum Inhalt des Buches wurde schon viel geschrieben und viel gesagt. Nach Eigenbezeichnung ein Märchen, irgendwie auch eine Fable, eine Satire, eine Metapher, ein vielschichtiges Buch.
Besonders ans Herz gelegt seie übrigens auch noch der Nachspann des Autos, "Pressefreiheit". Ein interessanter Einblick in die Gedankenwelt des Autors und eine harsche Kritik an der angeblichen Meinungsfreiheit in unserer westlichen Welt.
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am 2. Juli 2014
Eher eine Fabel oder eine Parabel. Aber wenngleich ich persönlich "ein Märchen" auf dem Titel als etwas unzutreffend empfinde ist das vielleicht nicht so wichtig. Wichtiger ist da schon der Hinweis, dass es - auch wenn die Akteure hier sprechende, logisch handelnde Tiere sind - kein Kinderbuch ist. Leider hat sich das wohl noch nicht bis zu Produzenten von Zeichentrickfilmchen rumgesprochen die wohl genau das dachten und damit den Stoff übelst verniedlicht haben.

Klar, der geschichtlich vorbelastete Mensch entdeckt sehr schnell, das Orwell hier mehr oder weniger 1:1 die russische Revolution beschreibt (gibt er im Nachwort auch offen zu). Nur sollte man sich bei dieser Erkenntnis nicht stolz auf die Schulter klopfen und aufhören, beim lesen zu denken.

Da hier sehr verständlich und detailliert beschrieben wird, wie die Mechanismen beim Aufbau einer Diktatur funktionieren, wie auch die eigene Schuld der späteren Opfer durch Lethargie, blinden Kadavergehorsam und das ignorieren eigener, unguter Bauchgefühle ("Äh, war die Regel ursprünglich nicht etwas Anders formuliert? Hab ich mich wohl geirrt....") eine gewichtige Rolle, ja eigentlich die tragende, die dies erst möglich macht, spielt ist hervorragend beschrieben. Auch der Einzige, der von Anfang an befürchtet, in welche Richtung das ganze geht, der Einzige, der genau weiß, wie sehr im Lauf der Zeit die Tiere mit den vermeintlichen "Verbesserungen" im Gegensatz zu früher veräppelt werden - nämlich der Esel - beschränkt sich auf die Rolle des zynischen Zuschauers.

Und nun kann ich den Bogen zum hier und heute spannen. Wie, wieso denn das? Wir leben doch in einer tollen Demokratie, oder was labert der denn hier? Wer kritisch durchs Leben geht, wer sieht, das unsere ach-so-tollen-Grundrechte, auf die wir immer noch so stolz sind peu á peu ausgehöhlt werden und Mahner, die (um nur ein Beispiel zu nennen) die gesamte Agenda 2010 mit allem, was daranhängt für den schlimmsten Verfassungsbruch seit Gründung der BRD halten oder die (um ein weiteres zu nennen) die immer stärker werdende Überwachung des Bürgers unter dem Vorwand der Sicherheit anprangern als "Spinner" (oder eben "Esel") abgetan werden während von "oben" (da halte ich die Schweine als Anführer übrigens für ein sehr passendes Bild) den Schafen, die durch blindes Blöken jede Diskussion im Keim ersticken erzählt wird, wie toll doch alles in Ordnung ist weiß, was ich meine.

Um bei der Metapher von Orwell zu bleiben: man sollte sich nie das Lied "Tiere Englands" verbieten lassen...
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