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am 26. November 2011
Klaus-Michael Bogdal hat eine Literaturgeschichte der Romvölker
geschrieben, die in Deutschland seit dem 14.Jahrhundert Zigeuner
genannt werden. Man kann es ja nicht schöner sagen als der Autor:

'Im Anfang war die Chronik. Kein Dokument von eigener Hand, keine Hinterlassenschaft,
nicht einmal ein Fetzen Stoff oder eine Scherbe zeugt heute von der Ankunft
einer Gruppe von Menschen im Europa des 15. Jahrhunderts, die bald im Englischen
als Gypsies, im Französischen als Bohémiens, im Niederländischen als Heiden, im Schwedischen
als Tatern im Spanischen als Gitanos und im Deutschen als Cigäwnär bezeichnet werden.'

Man erfährt, wer sich alles mit dem Thema beschäftigt hat: Angefangen bei Puschkin,
Eichendorff, E.T.A Hoffmann, Victor Hugo oder Tieck und weiter Günter Bruno Fuchs,
Johannes Bobrowski und Marianne Rosenberg.
In Harry Mulischs Roman 'Die Entdeckung des Himmels' spricht ein jüdischer Musiker
im Amsterdam der sechziger Jahre einem Mitglied eines Zigeunerorchesters und ihrem
Primas seine Hochachtung aus:

'Sage ihm, dass Zigeuner für mich heilig sind, weil sie das einzige Volk auf Erden sind,
das nie einen Krieg geführt hat'. Darauf spielen sie für ihn auf eine Weise, die ihn
eine tiefe Verbundenheit spüren lässt und ihn an das Leid seiner eigenen Familie erinnert.'

Dieses Buch ermöglicht einen Blick in den Spiegel. Wir erfahren mehr über unser Denken
Fühlen und Verhalten als über die Romvölker. Das hängt einerseits mit der spärlichen
schriftlichen Überlieferung der Romvölker zusammen und andererseits damit, dass sie zögern
sich zu öffnen, weil sie der Nachwelt eine andere, bessere Lebensgeschichte überliefern
möchten, 'ohne die Erlebnisse , die ihnen lange den Mund verschlossen haben'.

Und es hängt damit zusammen, dass, wie Bogdal schreibt, wir, was das Denken und Fühlen der
Romvölker betrifft in einen undurchdringlichen Nebel zurückblicken, der sich wohl niemals
lichten wird, da es an brauchbaren Zeugnissen mangelt.
Viele Forscher die sich damit beschäftigt haben, sind nach dem Prinzip der stillen Post
vorgegangen. Sozusagen der Grundfehler der Zigeuner war oder ist, in einer Welt zu leben die
auf dem Prinzip der Territorialität besteht: 'Territoriales Denken geht davon aus,dass alles
auf der Erde vorgefundene einschließlich des Bodens und der Menschen, sich in Besitz- und
Eigentumsverhältnissen befindet.'

Wir lesen von der 'gefühlten Bedrohung' die von den Zigeunern ausgeht und, dass das Sprechen
und Schreiben über sie selten mit ruhiger Hand geschieht. Der zivilisatorische Abstand
wird vermessen und schafft 'Raum für staatliches Handeln und alltägliche Diskriminierung'.

Im Prolog schreibt Bogdal, vielleicht sei Fassungslosigkeit das, was zurückbleibt im Blick
auf die zerstörerischen Energien die in diesem Buch gezeigt werden.
Und die romantischen Zigeunerphantasien seien so wirkmächtig, dass sie erfolgreich konkurrieren
mit der Wirklichkeit und diese nicht unerheblich beeinflussen.

Komm Zigan, spiel mir was vor.. Went to see the Gypsy ..
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am 9. Januar 2015
Bogdal schreibt eine Geschichte der Darstellung der "Zigeuner" in der europäischen Literatur und Kunst vom 15. Jahrhundert, dem Zeitpunkt der ersten Zuwanderung, bis heute. Dabei unterscheidet er mehrere Phasen der Konstruktion eines Zigeunerbildes durch die Mehrheitsgesellschaft, beginnend mit der Faszination durch "Fremde aus dem Morgenland", sehr schnell übergehend in Ächtung nomadisierender Menschen, die sich in keine Ordnung einpassen. Zigeuner werden teils als "Primitive" oder eine niedere Menschenart dargestellt, die aber prinzipiell besserungsfähig ist, oder aber als generell degenerierte und minderwertige Rasse, die prinzipiell fern zu halten ist und gegen die sich im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Vernichtungswille eines elimenatorischen Rassismus richtet. Bogdal steigt tief in die Geschichte der europäischen Literatur ein und stellt dabei bedeutende und auch viele weniger bedeutende Werke teils zu ausführlich dar. Heraus kommt dabei immer wieder, besonders in der Zeit des aufkommenden Nationalismus, wie die eigene Nationalkultur in Abgrenzung vom absolut "Anderen" (Parallelen zur Abgrenzung vom Judentum im Antisemitismus werden von Bogdal immer wieder gezogen) konstruiert wird.
Der Band endet mit der Analyse der erst im 20. Jahrhundert entstandenen eigenen Roma- und Sinti-Literatur, die sich im wesentlichen mit der Vernichtungspolitik der Nazis beschäftigt.
Wenn der Autor sich nicht immer wieder in ausführlichen Inhaltsangaben von literarischen Werken verlieren würde, wäre es ein hervorragendes Buch.
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am 24. April 2015
Dieses Buch bietet Fakten und Hintergrundwissen über die Romvölker und über den Ursprung des Konfliktes zwischen "Zigeunern" und "Gadje" in einem bisher ungeahntem Umfang. Sehr gut recherchiert und sehr interessant zu lesen.
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am 21. April 2014
Ich hatte mir das Buch gekauft um mehr über Sinti/Roma/“Zigeuner“ zu erfahren, für den Zweck war es ein ziemlich Fehlkauf. Gerade wenn es um die Vergangenheit dieser Völker geht führt natürlich kein Weg an schriftlichen Quellen vorbei, aber der Autor stützt sich bei seinen Recherchen ausschließlich auf Literatur, in dem Buch findet sich kein Hinweis, dass er jemals selbst mit einem Sinti/Roma gesprochen oder auch nur einen aus der Nähe gesehen hat. Das ist ein bisschen als würde jemand einen Reiseführer für Rumänien schreiben der zwar sämtliche Bücher über das Land gelesen hat es aber nie für notwendig hielt selber dorthin zu fahren. Vor dem Hintergrund ist es geradezu bizarr, dass er seinerseits anderen Autoren vorwirft sie hätten ihre Erkenntnisse nur aus Büchern oder hätten Artikel über Roma geschrieben ohne mit ihnen gesprochen zu haben.

Mein zweiter Kritikpunkt bezieht sich auf die Art der Literatur aus denen der Autor seine Erkenntnisse bezieht, das sind nämlich nur zum Teil Aufzeichnungen von Chronisten, Zeitungsartikel oder Artikel von Wissenschaftlern sondern zum größten Teil (bitte festhalten) Romane! Also auf deutsch Bücher von Autoren, die meistens gar nicht erst behaupten, dass ihre Werke etwas mit der Realität zu tun haben.
Mal angenommen ich wollte etwas über die Ureinwohner von Nordamerika erfahren, würde ich mich dann mit den Werken von Karl May befassen? Sicher nicht, oder?

Aber vielleicht habe ich ja den Zweck des Buchs falsch verstanden, vielleicht geht es dem Autor gar nicht darum objektives Wissen über Sinti/Roma zu vermitteln sondern wirklich nur um die Rolle von „Zigeunern“ in der Literatur. In dem Fall ist es sicher ein hervorragendes Buch, um zu verstehen zu was so was gut sein soll muss man aber wahrscheinlich Geisteswissenschaftler sein.
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am 26. August 2013
Ein sehr umfassendes und gut geschriebenes Kompendium, sofern es um die Reflexion in der Literatur geht, Somit stimmt der Titel. Was fehlt, sind die nüchternen aktuellen Fakten. Hatte mir mehr in Richtung "Lage der Zigeuner" erhofft.
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am 11. Juli 2013
Schon als die Romvölker im Mittelalter nach Europa kamen, stießen sie auf Verachtung und Diskriminierung. Im Englischen hießen sie Gypsies, im Französischen Bohémiens, im Spanischen Gitanos und bei uns Zigeuner – die „ziehenden Gauner“. Diebstahl, Prostitution, Schmutz und Kulturlosigkeit wurden ihnen angedichtet – und aufgezwungen. Die schlimmste rassistische Verfolgung bis zur Vernichtung erlebten sie durch die Hitlerfaschisten.
Aber zugleich hat ihre freiheitliche Lebensweise auch viele Schriftsteller fasziniert – mit teilweise sehr romantischen Vorstellungen. Klaus Michael Bogdal hat eine Art Literaturgeschichte darüber geschrieben. Voller Respekt, aber auch mit dem Eingeständnis, selber nur beschränkte Kenntnisse zu haben, ist dieses wissenschaftliche Buch doch gut lesbar.
Besonders interessant ist die ausführlich nachgewiesene Tatsache, dass die Sowjetunion das erste Land der Welt war, das nach der Oktoberrevolution von 1917 die Romvölker als nationale Minderheit anerkannte, ihre Kultur respektierte, Möglichkeiten zur erstmaligen Verschriftlichung ihrer Sprache entwickelte, Schulen für sie einrichtete usw. Bogdal versteht nicht, warum unter Stalin in den Jahren vor dem faschistischen Überfall auf die Sowjetunion die breit gefächerte Nationalitätenpolitik wieder reduziert wurde. Es galt ein einheitliches Nationalgefühl aller in der Sowjetunion lebenden Völker zu fördern gegenüber dem drohenden Angriff. Das hat neben wirtschaftlichen Problemen und teilweise heftigen Auseinandersetzungen auch die Roma betroffen. Aber der Autor betont sachlich, dass es auch in dieser Zeit keine besondere Diskriminierung der Sinti und Roma gab, dass deren eigenes Theater, künstlerische Zusammenschlüsse bis in den Krieg hinein gefördert wurden.
Das Buch bekommt durch die gegenwärtige Auseinandersetzung um die miserable Lage und Unterdrückung der Romvölker in den osteuropäischen Ländern - aber auch durch die miese Behandlung von Flüchtlingen in Westeuropa und nicht zuletzt hier in Deutschland besondere Brisanz.
Anna Bartholomé
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am 29. Juli 2013
Dieses Buich sollten alle lesen, die sich mit dem Thema "Roma" beschäftigen. Es ist aufschlussreich, sich mit der Geschichte der jahrhundertelangen Verfolgung zu befassen und sich klar zu machen, dass immer dann, wenn politische oder wirtschaftliche Interessen im Vordergrund standen und stehen, die Verfolgung einsetzt.
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am 7. Juni 2013
Ein nicht einfach zu lesendes Werk, das ganz aktuell Pflichtlektüre für bestimmte Bremer SPD-Politiker und für alle anderen dummen, weil vorurteilspflegenden Zeitgenossinnen und Zeitgenossen sein sollte. Aber sie werden es nicht verstehen. Allergrößten Respekt für Herrn Bogdal. Menschenfreund und Wissenschaftler, eine wunderbare Kombination.
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am 8. August 2013
Viele Anrfegunen, gute recherche, immer noch ein Thema voller <Tabus und Vorurteile, ein Volk fernab von jedem Verständnis für Frauenemanzipation und dem Drang, sich Wissensgut der Europäischen geschichte anzueignen, Verständnsi fördernd für eine iun sich verschlossene ethnische Minderheit
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am 27. April 2012
das Buch gibt einen hervorragenden Überblick, zugleich sehr tief und wissenschaftlich sehr genau recherchiert, geht auf viele Facetten der Entwicklung der heutigen Sicht auf die Roma ein und spannend zu lesen! Das lohnt sich!
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