Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Jetzt informieren 30 Tage lang gratis testen Cloud Drive Photos Learn More TDZ Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited Autorip longss17



Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 9. Dezember 2012
Ein mitreißender Schriftsteller ist und wird der Autor nicht. Sei es drum, wer sich das Buch kaufen oder schenken lassen will, weiß ums Thema und hat eine der drei Haltungen (Pro-Euro, Anti-Euro oder die Euro ist mir doch egal).

Was der Leser hier bei Sarrazin findet, ist geschichtlicher Hintergrund zur Währung und ihrer Entstehung und ansonsten, wie im Erstling auch, sarrazinistische Daten-und Quellenakribie zu den Einzelthemen, über die er schreibt, was ja für seine Titelthese und sonstigen Aussagen nicht so ganz unwichtig ist.

Der Leser erhält ein vorzügliches Sachbuch zum Thema. Sarrazins Thesen sind seine, der Leser mag sie teilen
Oder nicht, sie sind nicht Gegenstand der Bewertung.

Abschließendes Statement: wie auch sein Aufreger-Erstling hat auch dieses politisch unkorrekte Werk die Qualität, ein Klassiker zu werden.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Mai 2015
Unbestritten, 2012 hat er etwas geschrieben, worüber er viel weiß. Als Volkswirt, als Berliner Senator für Finanzen, als Bundesbankvorstand und als Architekt der deutschen Währungsunion kennt er sich aus. Abenteuerliche Spekulationen über das Sarrazin-Gen fehlen und Provokationen findet man selten. Zugegeben, er schrieb gewohnt kühl, aber auch sachlich.

Schon 1998 hatte er das Buch „Der Euro“ veröffentlicht. Zwar war der Autor damals noch Euro-optimistischer, doch viele seiner Mahnungen und Warnungen sind leider nicht befolgt worden. Liest man heute sein 2012 erschienenes Buch „Deutschland braucht den Euro nicht“, dann kann man nur sagen: Hätte Griechenland schon 2010 Pleite gemacht, dann wären uns viele Hilfsprogramme erspart geblieben.
Im Zentrum seiner Thesen steht: Die Währungsunion sei eine Geschichte von Vertragsbrüchen. „No-Bail-out“ wurde geopfert zugunsten der Maxime „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“.

Dabei braucht Europa den € nicht unbedingt. Die Südländer werden ökonomisch vom Norden abgehängt und leiden darunter, weil sie nicht abwerten können. Eigentlich wollten sie ja nur günstige Zinsen, um ihre Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. Letzteres ist geblieben und ihre Schulden sind sogar viel höher geworden. Abwerten können sie ja nicht. Doch wie sollen sie ihre Produktivitätsnachteile ausgleichen? Letztendlich bleibt nur die Schuldenspirale: Last Grexit when?

Und wie schneiden die Länder im Norden ab? Die reichen Länder haben Zinsnachteile und tragen ein hohes Risiko. Entweder akzeptieren sie irgendwann Eurobonds oder sie schauen zu, wie diese quasi durch die Hintertür eingeführt werden und zwar indirekt durch Ankauf von Staatsanleihen, die das Geld nicht wert sind. Letztendlich rechnet sich der Euro auch für die Reichen nicht. Sarrazin stellt fest, dass sich der Euro für niemanden gelohnt habe.

Dennoch gibt er zu, dass es zum Austritt viel zu spät sei. Um zu retten, was noch zu retten ist, empfiehlt er zum Schluss, die negativen Target 2-Salden zu begrenzen. Deutschland hat über 500 Milliarden € Forderungen. Griechenland hat knapp 100 Milliarden € Verbindlichkeiten, Spanien sogar fast 200 Milliarden €. Unvorstellbar was passierte, wenn nach Griechenland auch noch Spanien insolvent werden würde. Sarrazin besteht auf die Wiederherstellung des „No-Bail-out“-Gebots, sowie auf die Rückkehr der EZB zur ihrer originären Aufgabe: Geldwertstabilität!

Da man die politische Union (noch) nicht realisieren konnte, versuchte man es zuerst mit einer Währungsunion. Nun steht die Währungsunion am Abgrund und der politische Wille für eine politische Union ist geringer als vorher. Sarrazin hat ein gutes Buch geschrieben mit vielen historischen Exkursen von der Lateinischen Münzunion bis zu Bretton Woods. Beim Euro war der Wunsch Vater des Gedankens. Man glaubte, es könnte funktionieren. Heute stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Uns bleibt nur die Hoffnung auf einen Turnaround.
0Kommentar| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Mai 2012
Auch das neue Buch des ehemaligen Bundesbankvorstandes Thilo Sarrazin ist mit über 400 Seiten und vielen Fußnoten keine leichte Urlaubslektüre, sondern macht den Eindruck eines qualifizierten Sachbuches. Sarrazin belegt mit Sachverstand und Pragmatismus die finanztechnischen Geburtsfehler des Euro aber auch deren innen- und aussenpolitschen Hintergründe. Als ausgewiesener Finanzfachmann weiß er, worüber er spricht. Seine Thesen sind immer schlüssig und akribisch belegt. Sarrazin ist allerdings nicht der einzige und auch nicht der erste, der darauf hinweist und ein gut informierter Bürger kann an seinen Thesen wenig Provozierendes finden. Das wurde ihm natürlich auch schon vorgeworfen. Das Buch möchte ich daher unter vier Gesichtspunkten beurteilen:
a) belegt es seine Euro Thesen (oder widerlegt es Euro-Lügen) mit qualifizierten Fakten und Daten
b) bringt es neue innovative Argumente oder wenigstens neues über die Hintergründe der Fehlentscheidungen
c) zeigt es Lösungswege auf Makro oder Mikroebene
d) beantwortet es die Frage "Cui Bono" - wer sind die Nutznießer des EU Debakels?

Das Buch punktet in allen Kategorien mit AAA in Kategorie a) und b). Einige wenige seiner Bemerkungen sind polemisch.

1. FEHLENTSCHEIDUNGEN UND KONSTRUKTIONS FEHLER DER EURO-POLITIK.
Zitat: Wie viele ältere Männer war Helmut Kohl von dem Gefühl getrieben, wichtige langfristige Fragen, für die die Weisheit und Macht seiner Nachfolger nicht ausreichen würde, möglichst zu seiner Zeit abschließend zu regeln, mochten ein paar technische Unterpunkte auch noch ungeklärt sein. So kam Deutschland zum Euro".
Die Euro-Einführung haben mittlerweile alle Ökonomen und die gesamte Wirtschaftspresse, die ein Mindestmass an Urteilungsvermögen und Unabhängigkeit vom Politikbetrieb und den Wirtschaftsmächten haben, als großen Fehler erkannt. Nach Sarrazins Darstellung war die Einführung des Euro ein finanztechnischer Fehler wider besseren Wissens und er beleuchtet präzise, fokussiert und sachlich die Auswirkungen für Deutschland und Europas Bürger. Insbesondere das Aufheben des Haftungsausschluss für die Schulden anderer Länder - des sogenannten No-Bail-out-Prinzips war seiner Ansicht ein schwerer Fehler.

2. DEUTSCHLAND HAT KEINEN VORTEIL VOM EURO
"Mehrheitlich betrachteten wir damals (Juli 1989 d. Verf.) im Hause alle Überlegungen für eine
Europäische Währungsunion als Anschlag auf die deutsche Stabilitätskultur" und "Der große Erfolg der europäischen Integration fand bis zum Beginn der gemeinsamen Währung statt", argumentierte Sarrazin. "Die reinen Daten und Fakten sagen, dass Deutschland durch den Euro keine messbaren Vorteile hatte".
Für die Südländer habe die Gemeinschaftswährung "wachsende Risiken" gebracht. Außerdem ist der Anteil des deutschen Exports, der in die Euro-Zone geht, seit Beginn der Währungsunion deutlich gefallen, der Außenhandel mit den Euroländern hat sich unterproportional entwickelt und in Nicht-Euro-Staaten aus Asien und Südamerika stark gestiegen. Die starken EU Länder profitierten nicht, die schwachen Länder wurden destabilisiert.

3. EUROPA HÄNGT NICHT VOM EURO AB
Zitat: "Sind die Briten, Schweden, Polen, Tschechen keine Europäer oder leben sie in gescheiterten Staaten, nur weil sie nicht mit dem Euro zahlen?"
Argument: Europa ist erfolgreich, wenn Frieden herrscht, wenn in den Ländern Europas die Demokratie stabil bleibt bzw. sich weiter festigt, wenn die Menschen aus eigener Kraft ihre Lebensverhältnisse verbessern können, Arbeit finden und von den Früchten ihrer Arbeit leben können. Er weißt auch richtigerweise darauf hin, dass der gemeinsame Euro nicht notwendig ist für das Projekt "Europa", sondern die europäischen Völker jetzt sogar gegeneinander aufhetzen. Mit der drohenden Staatspleite einzelner Länder wird die Europäische Währungsunion endgültig zum Alptraum. Sarrazin widerlegt Angela Merkels Diktum "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa" - Europa braucht nicht nur den Euro nicht, sondern dieser destabilisiert Europa wirtschaftlich und gefährdet den sozialen Frieden.

4. EUROBONDS SIND KONTRAPRODUKTIV
Argument: Länder mit einer weniger soliden Finanzpolitik werden durch Eurobonds von den wirtschaftlichen Folgen ihres finanziellen Handelns entlastet, während die solideren Länder zusätzliche Haftungsrisiken auf sich nehmen. Die weniger soliden Länder im Euroraum die haben Mehrheit, deswegen seien Eurobonds in seinen Augen nichts weiter als die ultimative Vergemeinschaftung der Finanzpolitik zu Lasten der finanzstarken Länder". Nebenbei, in der Zeit vor der EU Krise hatten wir de-facto Eurobonds, sie sind Problem, nicht Lösung.

5. SELBSTBESTIMMUNG VON SCHULDENLÄNDERN
Argument: Weder Zahlmeister noch Zuchtmeister. Die stabilen Euro-Länder dürfen den Schuldenländern keine Vorschriften mehr machen, wie sie ihre Staatshaushalte gestalten und inneren Angelegenheiten regeln sollen, die über die Herstellung des gemeinsamen Marktes hinausgehen. Wenn ein Land unter der Disziplin der gemeinsamen Währung nicht leben kann oder will, solle es jederzeit frei sein, zu seiner nationalen Währung zurückzukehren. Europa müsse aufhören, Geld dorthin zu schicken und den Bürgern es selbst überlassen, ihren Weg zu finden.

6. DEUTSCHE VERPFLICHTUNGEN
Argument: Deutschland müsse laut Sarrazin alle bereits gemachten Hilfszusagen einlösen, aber keine weiteren Zusagen mehr machen. Der Rettungsschirm ESM überfordert Deutschland, lähmt die Reformanstrengungen in den Problemländern wenn die Europäische Zentralbank dauerhaft die Geldwertstabilität unterminiert, dann sind die Grundlagen der Währungsunion hinfällig.
Sarrazin führt zu Recht aus, dass Deutschlands Geschichte eben nicht für die Begründung einer (extrem weitreichenden) währungspolitischen Entscheidung herangezogen werden darf. So ganz lang sind hier die Haare nicht, an denen sich seine These herbeiziehen lässt, nach dem Deutschland wegen seiner historischen Schuld von anderen erpresst oder sogar bekämpft würde. Diverse Mitglieder aller Parteien (Schäuble, Kohl, Roth, Cohn-Bendit, Verheugen) mahnten mit Verweis auf den 2. Weltkrieg zu einer sogenannten besonderen Verpflichtung zur Solidarität(zum Zahlen): "Sie sind außerdem getrieben, von dem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir all unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben."

7. RISIKEN DES AUSSTIEGES
Thilo Sarrazin hält das Festhalten am Euro um jeden Preis für einen fatalen Fehler. Er meint: Lieber ein Euro-Ende mit schmerzhaftem Crash als dauerhaft hohe Kosten in der Transfer-Union.

8. LÖSUNGSANSÄTZE
Das Buch enthält solide Argumente u. Lösungsansätze, z.B. wie sich die Bundesbank und EZB verhalten soll, zum Investment- und Publikumsbanking. Das jetzige Modell bei dem die Bundesbank durch Target2 Forderungen von zuletzt über 500 Milliarden Euro gegenüber den Notenbanken finanzschwacher Länder erpressbar ist, wird mit dem Schweizer und US Modell verglichen. Ich glaube es ist auch zuviel verlangt, in diesem Disaster digitale Richtungsansagen zu erwarten. In der FAZ hat er die Metapher von Klausewitz - geordneter Rückzug als schwierigstes Manöver - gebracht. Sarrazin präsentiert, und das ist m.E. auch richtig, Szenarien, Risiken und Mitigierungen von Risiken. Er gibt auch einen klaren Hinweis wie der kalten Enteignung - die insbesondere in der deutschen Alterstruktur zuschlägt - begegnet werden kann. Wenn er aus dem Nähkästchen plaudert wird das das Buch stellenweise ein Lehrbuch.

9. CUI BONO
Sarrazin geht nicht so weit zu behaupten, die entscheidungstragenden Politiker haben die nun eingetretene Krise mehr oder weniger wissentlich eingeplant und/oder als Legitimation zur Durchsetzung von noch mehr postdemokratischem Zentralismus in Europa genutzt - obwohl der Schluss naheliegt. Allerdings belegt er, dass alle Rettungsaktionen ein krankes System stützen. Hätten wir einen Schuldenschnitt gehabt, wäre der ganze Spuk mit Griechenland schnell vorbei gewesen, und die Welt müsste sich mit dem wahren Problem beschäftigen, mit den USA und UK.

Sarrazin neues Buch unterlegt recht präzise den Verdacht, wir Bürger werden in der Europa- und der Eurofrage verschaukelt, die Wahrheit werde uns nicht gesagt, und Steuerzahler sollen die Fehlleistungen von Banken, Versicherungen und der Politik ausbaden. Die derzeitige Kakophonie, in der Politiker und Journalisten ideologische Mantras sowie sinnfreie Postulate den sachlichen Argumente des Herrn Dr. Sarrazin entgegensetzen, weil sie den unabhängigen Fachmann nicht totschweigen können, sind bezeichnend.

Das Besondere an Sarrzins Protest gegen die maßgeblichen Eliten - im letzten Buch gegen die Sozial-, Bildungs- und Einwanderungspolitik, jetzt gegen die Finanz-, Währungs- und Europapolitik - wird eben hier von einem Mitglied derselben Eliten formuliert. Sarrazin legt den Finger in die Wunde EU und Euro, und seine Kritik aus dem Inneren des Kritisierten heraus macht ihn zum Hassobjekt der mit der gesamten vorhanden publizistischen Feuerkraft bekämpft wird. Die Aufregung und die Provokation von Sarrazin liegt aber in der Befindlichkeit der Empfänger, weil hier ein Experte mit Zugang zu Massenmedien klar und gut verständlich Scheinargumente widerlegt, und als Insider das geschichtliche Versagen der deutschen politischen Klasse dokumentiert. Darum fünf Sterne.

P.S. In diesem Zusammenhang lohnt es sich sein Buch "Der Euro, Chance oder Abenteuer?" aus dem Jahre 1997(wieder) zu lesen, welches noch vorsichtig optimistisch Risiken beschrieb die nun eingetreten sind.
2222 Kommentare| 341 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Juni 2012
Die Schaffung einer europäischen Einheitswährung erfolgte nicht durch eine ökonomische Notwendigkeit, die Ökonomie stand dabei nicht einmal im Vordergrund. Der Euro wurde erdacht und eingeführt aus rein politischen Gründen, um die Einheit Europas voranzutreiben.

Thilo Sarrazin beschreibt in seinem Buch das Wesen und die Aufgabe einer Währung, die im Außenverhältnis, also in ihrem Tauschwert auf dem Devisenmarkt, die individuelle Leistungsfähigkeit und Beschaffenheit der dahinterstehenden Volkswirtschaft unmittelbar repräsentiert. Wenn es erforderlich ist, Preisunterschiede auf internationalen Märkten durch Abwertung der eigenen Währung auszugleichen, kann dieses Instrument der Notenbanken die Konkurrenzfähigkeit im Export, sowie die Erschwinglichkeit der Waren auf dem heimischen Markt sicherstellen.

Das ist der Grund für die unterschiedlichen 'Härten' und Höhen der einzelnen Währungen auf dem internationalen Devisenmarkt. Sarrazin beschreibt, wie der Euro als künstliche Gemeinschaftswährung diese lebensnotwendigen Funktionen jenen Ländern nahm, deren Volkswirtschaften nicht der Wechselkurshöhe und der Stabilität des Euro entsprachen.

Sarrazin widerlegt die Mär, Deutschland profitiere von der Einführung des Euro. Er stellt anhand eindeutiger Zahlen klar, daß vielmehr Deutschlands Volkswirtschaft dem Euro gewachsen war, durch diesen also keine unmittelbaren Nachteile für Deutschlands Wirtschaft entstanden. Andere Staaten, wie Griechenland, Italien oder Spanien waren dem Euro dagegen nicht gewachsen, ihnen wurde das politische Konstrukt zum Verhängnis. Ihre Waren wurden international konkurrenzunfähig, die Preise im Inland stiegen im Übermaß. Das sorgte z.B. für eine Abwanderung der Industrie aus Spanien, die Ursache der großen wirtschaftlichen Not dieses Landes.

Es ist also tatsächlich so, daß nur wenige europäische Länder stark genug waren, eine politisch gewollte Einheitswährung zu ertragen, und Deutschland ist eines davon. Die meisten Länder Europas waren dafür allerdings zu schwach, und die katastrophalen Folgen zeichnen sich nun ab.

Natürlich ist der politische Wille noch immer da, er ist ungebrochen und beherrscht das Feld. Und so ist es kein Wunder, daß man das gescheiterte Experiment um jeden Preis aufrechterhalten will, und daß uns von regierungsamtlicher Seite Durchhalteparolen und Beschönigungen verabreicht werden.

Und die einzige Möglichkeit, das Chaos noch ein wenig vor dem Zusammenbruch zu bewahren, ist die Transferunion, d.h. die gleichmäßige Verteilung des im Euro-Raum erwirtschafteten Vermögens auf alle Mitgliedsstaaten. Das bedeutet für Deutschland, einen großen Teil seiner erwirtschafteten Werte ins Ausland zu überweisen, ungeachtet der immer schneller wachsenden deutschen Staatsverschuldung.

Diese Kosten übersteigen in absehbarer Zeit jene der Wiedervereinigung, des Versailler Vertrages, des ganzen Zweiten Weltkrieges - und dies nur als Preis für eine politische Union, die als vermeintliches Zusammenrücken der Völker fehlinterpretiert wird. Wie Sarrazin sehr richtig schreibt, passiert bereits das Gegenteil dieser Annäherung. Vielmehr hört bei Geld bekanntlich die Freundschaft auf. Und wenn die Einen die Schulden der Anderen übernehmen müssen, jene aber wiederum von den Zahlern bevormundet werden, kommt es zu Aggressionen und Feindschaften, die aus dem europäischen Traum vielleicht sehr bald ein europäisches Trauma machen, das zu schwer korrigierbaren wirtschaftlichen Schäden - und irreparablen Rissen zwischen den europäischen Völkern führen wird.

Sarrazin vertritt den Standpunkt, daß eine europäische Währung durchaus nicht grundsätzlich abzulehnen ist, diese muß aber in erster Linie nach ökonomischen Gesetzen funktionieren, sie darf nicht politisch erzwungen werden, wenn sie finanzwirtschaftlich nicht machbar ist.

Der Euro in seiner derzeitigen Form kann als Verbrechen bezeichnet werden, er vernichtet Wohlstand und Besitz in gewaltigen Dimensionen. Erst in den südlichen Ländern durch Abbau von Wirtschaft, dann im Norden durch finanzielle Haftung für diese Schäden.

Der politische Wille einiger Weniger ruiniert so unsere europäische Zukunft. Je eher damit Schluß ist, desto besser!
3232 Kommentare| 212 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Mai 2012
(Eines vorab: Ich habe das Buch bereits seit vergangenem Freitag, also vier Tage vor dem offiziellen Erscheinen. Mein Buchhändler in der Provinz hatte es einfach so dastehen und da habe ich natürlich zugeschlagen. Ich wusste gar nicht, dass das Buch erst noch rauskommt, sonst hätte ich gefragt, warum die das schon haben.)

In gewisser Weise wähnt man sich in einem Déjà-vu: Wie 2010, als "Deutschland schafft sich ab" kurz vor der Veröffentlichung stand, kocht unvermittelt eine Debatte um ein Buch und einen Mann hoch. Diese Debatte möchte ich hier nicht rekapitulieren, den meisten Lesern wird sie bekannt sein. Interessant war aber, dass es den Medien und Politikern nicht gelang, der unangenehmen Debatte aus dem Weg zu gehen, in dem man Sarrazin nach Elba geschickt hat. Nein, Sarrazin ging auf Tournee und war immer wieder medial präsent.

Mit "Europa braucht den Euro" nicht folgt nun der zweite Streich (auch wenn S. schon mehrere Bücher geschrieben hat). In diesem Fall schrieb er aber nicht als Autodidakt über ein Thema, in das er sich erst im Alter eingearbeitet hat, sondern über einen Komplex, der ihn sein ganzes Berufsleben begleitet hat. Genau damit beginnt nach einem Vorwort auch das Buch: Sarrazin schildert seinen Weg durch die Ministerialbürokratie von Bonn und Berlin und beschreibt - teilweise sehr ausführlich - die Zusammenhänge und Grundsätze der deutschen Geld- und Wirtschaftspolitik. Man merkt hier gleich: An Insiderwissen kann ihm wohl kaum einer das Wasser reichen, im Gegensatz zu seinen Kritikern, war er einfach "dabei". Interessant ist auch die Selbstkritik bzw. der Rekurs auf seine eigene, veränderte Einstellung zum Euro. Den vorsichtigen Optimismus vor der Währungsumstellung verschweigt er nicht.

Später folgen weitere Punkte, u.a.:
- Die Abläufe vor dem Einstieg der EZB in den massenhaften Staatsanleihenkauf (damals war Sarrazin noch Vorstand der Bundesbank)
- Die (falschen) Anreize, die den Mittelmehranrainern durch eine verfehlte EU-Subventionspolitik gewährt wurden.
- Die Interessen der aktuellen europäischen Regierungsschefs.
- Der Euro erfüllt nicht seinen Zweck, die europäischen Nationen zusammenzubringen, sondern fördert derzeit im Gegenteil den Streit zwischen seinen Mitgliedern und Bürgern.

Ein umstrittener Punkt, der aus den vorveröffentlichten Textschnipseln (!) hervorgeht, ist der Vorwurf Sarrazins, dass viele währungs- und stabilitätspolitische Diskussionen mit dem Totschlagargument des Holocaust und der daraus resultierenden besonderen Verpflichtungen Deutschlands geführt würden. Ich bin mir unschlüssig, ob ich dem vorbehaltlos zustimmen kann - bin aber gleichzeitig der Meinung, dass das kein Grund ist, das Buch, seinen Autor und die Argumente zu schmähen. Dafür nimmt dieser Punkt einfach viel zu wenig Platz in Argumentation und Seitenzahl ein.

Zum Ende zieht Sarrazin seine Schlüsse: Interessanterweise ist er nicht für einen deutschen Ausstieg aus dem Euro - was durch viele Medien und Politiker suggeriert wird. Er ist schlicht für einen "geordneten Rückzug" (Interview vom 21.5. mit der FAZ): Rückzug auf die strikten Maastricht-Regeln und den Stabilitätspakt und eine "deutsche" Stabilitätskultur in Inflation und Haushalt. Länder, die sich dem nicht fügen, können und sollten den Euro - schon aus Eigeninteresse - verlassen.

Ich bin jedenfalls froh, das Buch gelesen zu haben, da es mir interessante und erhellende Einblicke in (wirtschafts-) politische Abläufe gewährt hat. Ich kann nicht jede Aussage überprüfen, stelle hier aber anheim, dass sich Sarrazin bei seinem Heimspiel keine großen zahlenmäßigen Schnitzer erlaubt hat. Bisher kann ich das Buch nur empfehlen, denn es liefert in seiner Gesamtschau einen umfangreichen - und medial derzeit auch den einzigen umfassenden - Überblick über den Euro und die Krise in Europa.
2323 Kommentare| 216 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Januar 2013
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, TS führt dem Leser klar vor Augen, dass nicht Europa scheitere, scheitere der Euro, wie Angela Merkel gerne postuliert, sondern Europa scheitert, scheitert der Euro nicht.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. August 2015
Thilo Sarrazin ananlysiert im vorliegenden Buch, kühl, sachlich und emotionslos, die harten Fakten des Euroexperiments bis zum heutigen Tage.
Hierbei beginnt er mit der Vorgeschichte der Europäischen Wirtschaftsraums und bezieht auch die geldpolitische Entwicklung in die Betrachtung ein.
Besonders beeindruckte mich die Ziehung der Bilanz durch die Frage:"Wem hat der Euro zum heutigen Tage einen Vorteil verschafft?"
Hohe Arbeitslosigkeit in den südlichen Ländern von 25% und einer Jugendarbeitslosigkeit von 60% in Spanien und Griechenland.
Bürgerkriegsähnliche Zustände im Land der Hellenen und schon längst vergessen geglaubte, hasserfüllte Anfeindungen gegen deutsche Politiker, unter Anspielung auf die deutsche Geschichte, stellt für mich das Friedensprojekt Euro in Frage.
Bleibt nur noch Deutschland als der große Gewinner, der er ja durch gebetsmühlenartige Wiederholung in den Medien, Aufnahme in das Gedankengut der Bevölkerung finden soll. Hier werden vorrangig deutsche Exporte in die Eurozone als Argument angeführt.
Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache, so sind die genannten Exporte von ehemals 46% im Jahr 1995, auf 37%, rückläufig.
Dagegen stiegen die Exporte in Nichteuroländer, im gleichen Verhältnis an, trotz Wechselkursrisiko und uneinheitlichem Marktumfeld.
Im Gegenzug verteuerten sich die deutschen Importe aus der Eurozone zusehends, aufgrund der steigenden Preise von Gütern und Dienstleistungen in den Nachbarländern. Im Zeitraum von 1995 bis 2007, verteuerten sich deutsche Produkte um 9%, jene in Griechenland dagegen um 60%, Spanien 52%, Portugal 45% und Italien um 36%.
(Die Zahlen entnahm ich dem Buch "Die Moral des Scheingeldes", wo als Quelle "Eurostat" vermerkt ist)
Diese Verteuerung der ausländischen Produkte, entstanden durch die Lohn- Preis Spirale, sind auch der Grund für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der erwähnten Staaten.
Im weitern Schluß heißt das, dass deutsche Exporte im Verhältnis zu den Importen, real einen immer geringeren Ertrag realisieren.

Durch die enormen Lohnsteigerungen in den Nachbarländern, stieg in gleichem Maße, das Netto Gesamtvermögen der Haushalte. Hier rangiert Deutschland hinter Frankreich, Österreich und Spanien.
Als Konsens tritt Deutschland demnach als Gläubiger oder Geberland für Staaten auf, deren Bevölkerung ein höheres Vermögen besitzt, als die des eigenen Volkes, was dem einzelnen Bürge, so er es denn erfahren sollte, sich schwer vermittelt werden könnte.

Ein Blick auf die TARGET 2 Salden von über 500 Mrd. Euro, unermauern das oben gesagte, denn zerbräche die Eurozone, oder scheidet ein einzelnes Land aus (z.B. GREXIT), wären die aufgelaufenen Beträge verloren.

Das Problem des Staatenverbundes, Eurozone, liegt meines Erachtens in der perspektivischen Dissonanz der einzelnen Staaten.
Während Deutschland die D-Mark opferte und Gewissheit gegen Hoffnung tauschte, Hoffnung auf eine ebenso stabile Währung, aber auch auf das Zusammenwachsen und das friedenstiftende Moment einer gemeinsamen Währung. Hierbei sei angemerkt, dass in den 60 Jahren ohne Euro, der Friedensprozess in Europa ebenso prosperierte.
Dem gegenüber, die südlichen Peripheriestaaten, welche von vorn herein, eine Steigerung des Lebensstanddards durch den Eintritt in eine Transferunion anstrebten.
Frankreich, als besonderer Kandidat, dessen Motivation in einer Schwächung Deutschlands lag, was Aussagen wie: " Maastricht ist ein Versailler Vertrag, ohne Krieg. Ein super Versaille." Oder ganz banal: "Jetzt müssen sie zahlen!", belegen.
(Diese Aussagnen stammen übrigens vom ehemaligen französichen Präsidenten Francois Mitterand)

Thilo Sarrazin hat ein hervorragend aufklärendes Buch verfasst. Dass man sich mit der nicht hoffähigen Wahrkeit, nicht nur Freunde schafft, nahm er wohl in Kauf.
Meine Hochachtung vor dem Mut und der geistigen Leistung zu vorliegendem Werk.
Könnten 6 Sterne vergeben werden, wären dem Autor diese, von meiner Seite, sicher.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. März 2013
Super- Danke, Artikel wie beschrieben. Preis - Leistung sehr gut, 100 % weiterzuempfehlen. Gefällt mir sehr. unkompliziert handzuhaben. Danke nochmals
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Europa steht an einem Scheideweg. Tagtäglich werden wir mit neuen Meldungen konfrontiert, die das Fortbestehen der europäischen Währungsunion zu einer Zerreißprobe werden lassen. Seien es Griechenlands Unwille, den Sparanforderungen Folge zu leisten, die spanischen Banken, die nunmehr vor einem Kollaps stehen könnten und durch einen Staat gerettet werden müssten, der noch an den Auswirkungen der 2007er Finanzkrise zu beißen hat oder dem Wechselkurs EUR/USD, der auf ein "historisches Tief" gesunken ist. Welche Folgen haben diese Neuigkeiten? Welche Auswirkungen haben sie auf den EURO? Was passiert, wenn...? Fragen über Fragen, die sich einem stellen, wenn der politische Zirkus nicht spurlos an einem vorbeigeht. Wer könnte diese Fragen nun besser beantworten als Mr. "Zahlen, Daten, Fakten" Thilo Sarrazin, der bereits 2010 mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" die Politiker und das Volk spaltete.

Eingangs möchte ich sagen, dass ich kein Anhänger des Sarrazinismus bin und nicht gleich sämtliche Thesen abnicke, die er verbalisiert. Vor 1 1/2 Jahren habe ich mich an "Deutschland schafft sich ab" ebenfalls versucht, bin aber nicht über die ersten 50 Seiten hinweg gekommen. Bedingt durch meine berufliche Tätigkeit im Finanzwesen hat mich seine Auffassung zum EURO-Debakel jedoch brennend interessiert und habe mir voller Erwartungen "Europa braucht den Euro nicht" gekauft und vorhin beendet. Was mich dann über 420 Seiten hinweg begeistert hat, war keine Begründung der titelgebenden These "Europa braucht den Euro nicht", sondern eine detaillierte, kluge Analyse der Umstände, die zu dem derzeitigen Problem der europäischen Währungsunion geführt haben. Das sollte Ihnen, liebe Lesserinnen und Leser, bewusst sein, wenn Sie sich das Buch kaufen. Der Untertitel "Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat" wird da schon deutlicher. Sarrazin erläutert in acht umfangreichen Kapiteln, wo die Wurzeln des Übels liegen bzw. lagen. Dabei spannt er einen gewaltigen Bogen von der Gründung der Währungsunion bis heute und lässt dabei kaum ein Detail aus. Einflüsse aus Übersee werden ebenso benannt und analysiert wie die innereuropäischen monetären Konflikte. Sie wissen nach Beendigung der Lektüre, wieso die aktuelle Schieflage entstanden ist und welche Ursachen sie hat. Auf geeignete Lösungsansätze verzichtet Thilo Sarrazin jedoch weitesgehend. Leider!

Der Autor ist ein Meister der Statistik: Vergleichstabellen zur Entwicklung des BIP, der geldpolitischen Indikatoren oder Leistungsbilanzsalden sind ebenso ein wichtiger Bestandteil seiner Argumentation wie die Bezugnahme auf Zitate wichtiger Ökonomen und Politiker. Dabei besticht das Werk durch eine fundierte Endnotenarbeit. Nicht ohne Grund nimmt der Anhang ca. zehn Prozent des Buches ein. Die Vorwürfe vieler Journalisten, dass Thilo Sarrazin seine Statistiken fehlinterpretiere, sind daher nur logisch. Jeder liest die Tabellen anders und zieht aus ihr andere Schlüsse. Auch ist der Betrachtungszeitraum natürlich eine wichtige Komponente. Man nehme zum Beispiel den Chartverlauf des DAX: betrachte ich lediglich die Entwicklung seit 2005, sieht das Bild verherrend aus und man könnte meinen, dass Aktien eine schlechte Anlageklasse sind. Strecke ich die Zeitachse hingegen um 20 Jahre, sehen die Fakten gänzlich differenzierter aus. Ich konnte die Interpretation der angegebenen Tabellen und Quellen jedoch nachvollziehen und halte sie für schlüssig.

Thilo Sarrazin arbeitet die ursächlichen Probleme der Währungsunion logisch auf. Von der fehlenden Bildung einer politischen Union bei Eintritt über die Aufnahme finanziell schwacher Staaten bis hin zur Aushebelung des Vertrages von Maastricht. Der Autor legt dezidiert dar, welche Folgen auftreten, wenn ein Staat langfristig Leistungsbilanzdefizite finanzieren muss. Die europäische Geldpolitik, die durch die EZB gelenkt wird, hat exorbitante Auswirkungen auf die einzelnen Länder, denn durch diese supranationale Institution wird die Geldpolitik zentralisiert und es gilt die gleiche monetäre Politik für Griechenland wie für Deutschland. Dass eine dadurch immanente fehlende Abwertungsmöglichkeit der landseigenen Währung für die schwächeren Länder auf die Wettbewerbsfähigkeit erhebliche Folgen haben kann, scheinen die Initiatoren der Währungsunion vernachlässigt zu haben. In diesem Zusammenhang geht der Autor auf die Inkohärenz der Nord- und der Südstaaten der Währungsunion ein. Besonders eingeschossen hat sich Herr Sarrazin auf das No-Bail-Out-Prinzip. Hier erfährt der Leser, welche fundamentalen Auswirkungen das Aufweichen des Maastricht-Vertrages für EURO-Europa hat.

Diese Fokussierung auf die einzelnen Teilbereiche hat stellenweise jedoch zur Folge, dass man als Leser stellenweise den Eindruck bekommt, dass der Autor der Redundanz verfallen ist. Einige Sachverhalte wiederholt Thilo Sarrazin zig Mal. Für manche mag das vielleicht gut sein, da man die wichtigen Aspekte der Argumentation immer wieder vor Augen geführt bekommt, für andere ist es auf die Dauer leider nervig. Das Kapitel "Zur Praxis von Konsolidierung" empfand ich als sehr interessant, da Thilo Sarrazin erläutert, wie er in seiner beruflichen Karriere die Haushalte des Bundes oder der Bahn sanierte. Man müsste diese Abschnitte kopieren und dem griechischen Finanzminister per Eilzustellung zukommen lassen. Vielleicht ist es doch noch nicht zu spät...

Thilo Sarrazin fordert vom Leser einiges ab. Wenn Sie sich mit der Materie noch nicht vertraut gemacht haben, wird Sie das Buch tendenziell überfordern. Er setzt viele Terminologien voraus. Wenn Sie von den Begriffen Moral Hazard, ceteris paribus, Basel II, Target-2-Salden oder der Korrelation von Leistungsbilanzdefiziten und Kapitalimport noch nie etwas gehört haben, werden Sie das Buch enerviert beiseite legen. Grundlegende Kenntnisse der Volkswirtschaftslehre wie z.B. die Zusammenhänge von expansiver Geldpolitik und Inflation oder Inflation und Zinsniveau sollten bei Ihnen vorhanden sein. Der Autor zitiert viele angelsächsische Ökonomen, deren Aussprüche er im Englischen belässt und dem Leser keine Übersetzung zur Verfügung stellt. Einigermaßen gute Englischkenntnisse wären daher nicht von Nachteil.

Am Ende des Sachbuches "Europa braucht den Euro nicht" erhalten Sie zwar keinen goldenen Ausweg aus der Krise, aber dafür wissen Sie detailliert und fundiert, wieso die Fehler der Währungsunion die Finanzkrise seit 2007 befeuert haben (könnten). Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich seinen Thesen nicht 100%-ig zustimme. Aber das soll ein Sachbuch meiner Meinung nach auch gar nicht leisten. Insbesondere bei Thilo Sarrazin habe ich Denkanstöße, andere Ideen und Auslegungen erwartet - und bin vollständig zufrieden gestellt worden.
11 Kommentar| 21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. April 2013
Sarrazin ist nicht irgendwer, sondern ein studierter Wirtschaftsfachmann und jahrelang im Bankwesen tätig. Er weiß also, wovon er redet. Das er sich kritisch gegenüber dem Euro und den ihn tragenden (politisch gewollten, nicht unbedingt ökonomisch sinnvollen) europäishen Währungssystem äußert, brachte ihm den Widerstand derjenigen entgegen, die seinen Thesen nicht folgen wollten oder konnten.
Sarrazin ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, aber man sollte seine Thesen und die Fakten, die er in seinen Büchern aufzeigt, nicht so einfach von der Hand weisen. In seiner Diskussion mit Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten der SPD zeigte sich, dass einem Politiker zu seinen Thesen und Fakten keine konkreten Widersprüche, sondern nur Allgemeinfloskeln einfallen, die der Political Correctness alle Ehre erweisen, aber die im Buch aufgezeigten Fakten nicht widerlegen.
Auch wenn das Buch mit seinen Tabellen, Fakten und Thesen recht trocken und schwer zu lesen ist, sollte man es nicht zur Seite legen, sondern sehr genau hinschauen. Auch wenn die Politik Sarrazin an den Pranger stellt und schlecht redet, so ist doch nicht alles falsch, was er schreibt und an belegbaren Fakten aufzeigt.
Ich finde das Buch sehr empfehlenswert für alle, die dem Geschehen um den Euro Interesse entgegen bringen und nicht kritiklos der Political Correctness in der Euro-Politik folgen wollen.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden