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Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Träume und Alpträume: Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert Gebundene Ausgabe – 13. September 2013

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„Mit dem Verstand ist Russland nicht zu bereifen, mit allgemeinen Maßstäben nicht zu messen, es hat ein besonderes Wesen – an Russland kann man nur glauben“, so sagte es der russische Dichter Tjutcev im im 19. Jahrhundert.

Ganz stimmt dieses Bonmont natürlich nicht, wie Neutatz auf den knapp 600 Seiten des Buches (auf die ein umfassendes Literaturverzeichnis dann folgt) fundiert und sehr differenziert aufzeigt. Und kann auch nicht Grundlage einer geschichtlichen Darstellung sein, wie Neutatz ebenso klarstellt.
Entwicklungslinien, Ursache-Folge Systeme und durchaus kühles, strategisches, ebenso häufig menschenverachtendes Denken, das liegt der wechselhaften Geschichte Russlands im 20. Jh. vielfach und sachlich nachvollziehbar zu Grunde. Systeme und Machtansprüche, die Neutatz ebenso konkret und präzise zu beschreiben versteht, wie er die innereuropäischen Bedingtheiten und gegenseitigen Einflussnahmen in seiner Darstellung herausarbeitet.

Aber dennoch, und das ist eine besondere Stärke dieses Werkes, auch das wenig fassbare, die „russische Seele“, in der Praxis gesehen die Bereitschaft des „Volkes“ (oder Unfähigkeit zur Gegenwehr, je nah Betrachtungswinkel) immer wieder auch fast in Lethargie zu verfallen, auch dies findet immer wieder mitschwingend Eingang in das Buch. Eine Befindlichkeit, die bis in die konkrete Gegenwart reicht, in der „der Westen“ oft fast fassungslos vor der Macht einzelner und der (immer schon) gängigen Rechtsbeugung in Russland steht.

Nicht als Hauptaugenmerk des Buches, hier formuliert Neutatz zu Recht, dass es gar nicht darum gehen kann, das „Wesen“ eines Landes zu begreifen.
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Format: Gebundene Ausgabe
Die Menschen, die im Laufe des 20. Jahrhunderts von St. Petersburg bzw. Moskau aus regiert wurden, sind um ihre Geschichte überwiegend nicht zu beneiden, vor allem, wenn man sich die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts vergegenwärtigt: 1. und 2. Weltkrieg, Revolution, der Bürgerkrieg von 1918-1921, der stalinistische Terror der 1930er Jahre; die schweren Hungersnöte der frühen 1920er und frühen 1930er sowie der späten 1940er Jahre mit Millionen von Toten sowie der deutsche Vernichtungskrieg mit noch weit mehr Toten. Daneben brach gleich mehrmals ein ganzes System zusammen, Phasen der Massengewalt und des wirtschaftlichen Chaos prägten viele Abschnitte der Geschichte. Demokratie und Wohlstandsgesellschaft - auf diese Begriffe lässt sich wohl keine Phase der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts bringen.

Darüber hinaus jedoch handelt es sich um eine Geschichte, von deren einzelnen Etappen (bes. der Geschichte der Sowjetunion, der Russischen Revolution, der Stalinära und der "Perestroika") wir so viel hören und deren Elemente mit Phänomenen zusammenhängen, die über Russland und die Sowjetunion hinaus wichtig waren (Kommunismus, Kalter Krieg). Paradoxerweise haben wir (im "Westen") oft dennoch enorme Schwierigkeiten, uns die Geschichte dieses Landes wirklich vor Augen zu führen - weil es uns nach wie vor oft fremd erscheint, ob es um Politik, Gesellschaft, Kultur oder Geschichte geht.
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