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Eine Verzweiflung: Roman Gebundene Ausgabe – 9. März 2001

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Yasmina Reza, 1957 in Paris geboren, hat sich mit ihren beiden Erfolgsstücken Kunst und Drei Mal Leben auf der Bühne gleichsam unentbehrlich gemacht. Mit Eine Verzweiflung legt sie ihren ersten Roman vor.

Samuel ist gerade mal Anfang 70. Aber so alt, wie er sich fühlt, will er gar nicht werden. Die Maschine läuft noch leidlich, aber wozu. Das Spiel ist aus. Alle Schlachten sind geschlagen. Was bleibt, ist Resümieren.

Yasmina Rezas Roman ist aus der Perspektive eben dieses alten Mannes erzählt, der sich über die Eitelkeit anderer belustigt und sich doch selbst die Haare färben lässt, aber eben nur etwas schwächer -- mit dem Ergebnis, dass ein Unterschied zu vorher nicht zu sehen ist. "Kurzum, wenn du gefärbt bist, siehst du aus wie gefärbt, und wenn du nicht aussiehst wie gefärbt, bist du überhaupt nicht gefärbt."

Von seinem Sohn will sich Samuel das Wort "glücklich" erklären lassen, voller Unverständnis für das Glück des Jungen, das dieser an fernen Badestränden zu genießen vorgibt. Aber ist er überhaupt anwesend? Oder braucht der alte Räsoneur nur einen Adressaten für seine Schimpfrede über Gott und die Menschheit, um die eigene Verzweiflung zu tarnen -- und sei es ein Phantom.

Die schönste der drei Geschichten, aus denen sich Eine Verzweiflung zusammensetzt -- und die zarteste -- ist Samuels späte Begegnung mit Geneviève, die früher einmal die Geliebte eines Freundes war. Was die beiden da nach ihrem Tänzchen im Wohnzimmer erleben, soll hier nicht verraten werden.

Yasmina Reza kann ihre Herkunft vom Theater nicht verleugnen. Warum auch? Ihr Roman liest sich wie eine Komödie, ein Stück Rollenprosa. Rezas Empathie für die Vaterfigur lässt bei aller Nähe auch ironische Distanz zu. Und den Charme ihrer Schreibkunst macht nicht zuletzt auch aus, dass die Regeln der Rollenprosa mitunter leichthin verabschiedet werden, wenn sich ein Gesprächsbeitrag, den Adressaten vergessend, unversehens zu kleinen Erzählungen verselbstständigt -- was mit Vorliebe geschieht, wenn es um Liebesgeschichten geht. Ob im Rampenlicht oder unter der Leselampe: Yasmina Reza versteht es, ihr Publikum zu verzaubern. --Graenitz

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Yasmina Reza, 1957 geboren, ist Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin und die meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin. Bei Hanser erschienen die Romane Eine Verzweiflung (2001) und Adam Haberberg (2005), Im Schlitten Arthur Schopenhauers (2006), Frühmorgens, abends oder nachts (2008) über Nicolas Sarkozy und zuletzt Nirgendwo (2012). Im Jahr 2011 wurde ihr Theaterstück Der Gott des Gemetzels sehr erfolgreich und mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly hochkarätig besetzt von Roman Polanski verfilmt.


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Format: Taschenbuch
Vater Benjamin liest seinem Sohn die Leviten. Es ist ein lang angelegter amokartiger Monolog der Verzweiflung des verbitterten Siebzigjährigen an seinem laschen Jungen, der gerne in der Welt umherreist. Er wirft ihm, der, wie alle anderen Menschen auch, bloss glücklich sein will, Mangel an Ehrgeiz vor. Er sei ein willenloses Weichei und Herdentier, das in der Masse untergehe. Sein Anklagepunkt ist der Pakt mit der oberflächlichen, unbekümmerten, nach Bequemlichkeit strebenden Lebensart in der trägen Mittelmässigkeit. Das einzige Credo, das ihn als Vater je erfüllt habe, das Antibürgerliche, fege sein Sohn innerhalb einer einzigen Generation weg, um ja nicht die Ordnung der Dinge und die Monotonie des Alltags zu stören.
Er, der Vater, nähme es noch hin, dass sich nichts ändere; soll er aber einem Sohn verzeihen, dessen Ansichten Ekel bereiteten und der sich allem anpasse, nur nicht seinem Erzeuger? Und nähme er seinen Sohn auch an der Hand, so wäre dieser trotzdem radikal abwesend. Alles, was einen Mann stärke und ihn über seine Verhältnisse hinaushebe, habe sein Sohn in der Versenkung verschwinden lassen, statt zu kämpfen und das Leben aufzurütteln. Das Streben nach Glück sei ein Zeichen von Schwäche und Dummheit, denn es verlange Bequemlichkeit, Anpassung und Selbstaufgabe. Daraus folge Gleichförmigkeit, Eintönigkeit und Langweile. Pech für selbstbewusste Querdenker! Das Unglück des Vaters beruhe folglich auf dem Glück der anderen, und ihm bleibe nur noch die unerträgliche Langweile, Einsamkeit und Fadheit seiner Existenz, woraus schliesslich die Angst vor dem Tod wachse.
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Format: Gebundene Ausgabe
Yasmina Reza scheint oftmals nur traurig zu sein; in Wahrheit ist sie eine Realistin; schonungslos, manchmal bitter, immer treffend. Der Monolog des alten Perlman ist eine Abrechnung, in erster Linie mit seinem Sohn. Aber auch mit dessen Generation und denen, die "glücklich" sein wollen, doch nur angepasst und durchschnittlich sind. Und schließlich rechnet er auch mit sich selbst ab.

Die Sprache ist wunderbar passend, trocken, bisweilen verdreht, anklagend im Ton, raffiniert in der Wahl. Eine Freude.
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Format: Gebundene Ausgabe
Der im Hanser Verlag erschienene Roman „Eine Verzweiflung" von Yasmina Reza gibt ein imaginäres Gespräch wider, das der 73jährige Vater mit seinem Sohn führt, der in Mombasa oder Kuala Lumpur ein Sabbat-Jahr eingelegt hat und dort versucht, glücklich zu sein und es sich gut gehen zu lassen. Diesem Versuch, glücklich zu sein, sich an zu passen, jedem illusionären Selbstbetrug gilt der Zorn und der sarkastische Witz des Alten. Im Verlauf seiner Rede, seiner wüsten Beschimpfungen, der skurrilen Anekdoten seines Lebens, wird der Leser vertraut mit einem Menschen, der ohne Hoffnung auf „Glücklichsein" sein Leben im Widerstand gegen die gemütliche Selbstbescheidung gelebt hat. Und schließlich gelingt es dem Alten sich mit dem Leser, wie dem imaginären Sohn, einen momentlang zu versöhnen, zu einem großen Gelächter über die Absurdität des Lebens.
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Format: Gebundene Ausgabe
eine Grübelei, unterhaltsam, beinahe spannend, sarkastisch...
einfach gut, kurz und gut.
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