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"Eine Erziehung in Deutschland" ist eine Trilogie aus den Werken "Kuhauge", "Der Wolkentrinker" und "Die Abtreibung". Entstanden und publiziert sind diese zwischen 1984 und 1991, die Trilogie wurde 2006 veröffentlicht. Raddatz Alter Ego Bernd Walther, die Hauptfigur in allen drei Büchern, trägt viele biographische Züge des Autors, der in der DDR als stellvertretender Leiter beim Verlag Volk & Welt, später in der BRD zuerst in derselben Position beim Rowohlt-Verlag und schließlich als Feuilletonchef der ZEIT tätig war.

Behandelt Raddatz in der Erzählung "Kuhauge" (so nannten die Eltern des kleinen Bernd) die Kindheit und Jugend Bernd Walthers mit all ihren Einschränkungen und Bedrohungen in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren in Berlin, schildert er im Roman "Der Wolkentrinker" die Zeit des Studiums in Ost-Berlin, für das sich der Protagonist erst aus Liebe zu einer ehemaligen Lehrerin und dann zu deren Ehemann, einem Hochschullehrer, entschieden hat. Der Abschluss bildet dann in "Die Abtreibung" die Zeit nach Bernds Ausreise nach Westdeutschland mit seiner berufliche Entwicklung als Chefredakteur und Fernsehautor. Das Gesamtwerk ist ein Entwicklungsroman, in den Raddatz vieles aus seinem eigenen Leben einfließen lässt.

In allen drei Teilen erfährt der Leser neben und in der Haupthandlung vieles über Geschichte, Politik, vor allem auch über Kunst, Literatur oder Architektur. Raddatz ist ein sehr detailverliebter Autor, der mich gerade in den Passagen über Archäologie (Bernd ist angehender und dann studierter Archäologe) oder Kunst als Gestaltungselement von Wohnräumen an der ein oder anderen Stelle herausgefordert hat. Manch Absatz liest sich wie ein Artikel aus einer elitären Kunstzeitschrift.

Raddatz wettert und zetert über Entwicklungen in Politik und Wirtschaft in beiden deutschen Staaten, vor allem auch über die Selbstverständlichkeit, mit der Nazikollaborateure, -anhänger oder -parteigenossen nach Kriegsende in Amt und Würden gerieten. Er schimpft gegen Künstler - Schauspieler, Regisseure, Maler, Sängerinnen -, als hinge sein Wohl und Wehe davon ab. Und wer weiß, vielleicht tat das auch. Neben den vielen realen Details schreibt Raddatz in einer ungeheuer bildreichen Sprache über Gefühle, Stimmungen und Beziehungen, wie ich es bei noch nicht sehr vielen Autoren gelesen habe.

Wer sich für Literatur, Kunst, vor allem auch für die Zeit des 2. Weltkrieges, die Nachkriegszeit, das deutsche Wirtschaftswunder und die frühen 60er Jahre inklusive des Mauerbaus und der endgültigen Teilung Deutschlands interessiert, dem sei diese Trilogie ans Herz gelegt.
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am 5. September 2007
Am 3. September 2006 wurde eine der schillerndsten und auch umstrittensten Figuren der deutschen Literaturszene 75 Jahre alt. Um Fritz J. Raddatz auch zu diesem Anlass in gewohnter und spektakulärer Weise in Szene zu setzen, erscheinen etwa zeitgleich literarische Essays von ihm im Zu-Klampen-Verlag, ein Buch über Mein Sylt" im Marebuchverlag und der Briefwechsel mit Uwe Johnson bei Suhrkamp. Im Juli 2006 schon veröffentlichte der Rowohlt-Verlag, bei dem Raddatz nach seiner Übersiedlung in den Westen jahrelang als Cheflektor tätig war, eine Wiederauflage einer Erzählungstrilogie, mit der Raddatz zuerst 1984 sein eigenes erzählerisches Debüt gab. Kuhauge" erschien 1984, Der Wolkentrinker" folgte 1987, und der Band Die Abtreibung" bildete 1991 den Abschluss einer Lebensgeschichte eines gewissen Bernd Walther, dessen biographische Daten und Lebensstationen denen von Raddatz täuschend ähnlich sind. Viele Rezensenten haben die Vermutung geäußert, dass Raddatz hier viele persönliche Erlebnisse verarbeitet.

Bernd Walther steht im Mittelpunkt dieser drei erzählenden Texte. Nach meiner Berechnung im gleichen Jahr wie Raddatz geboren, wächst Bernd Walther in einer Familie auf, in der Vater preußisch korrekt auf Gehorsam drängt und die faschistische Ideologie alles durchdringt. Zu diesem Vater später noch ein längerer Auszug aus dem Buch.
Bernd Walther erlebt wie die anderen Kinder der Kriegsgeneration die Bombennächte, die Befreiung durch die Alliierten. Er schließt seine Schulausbildung ab, und folgt im zweiten Teil Der Wolkentrinker" einer Frau, in die er sich verliebt hat, nach Ost-Berlin. Mittlerweile studiert er Archäologie und muss sich über eine lange Zeit mit seiner Homosexualität auseinandersetzen, bis er endlich der Verführung des Ehemanns seiner Geliebten erliegt. Inwieweit Raddatz hier seine eigenen Auseinandersetzung reflektiert, sei dahingestellt.

Im letzten Band Die Abtreibung" hat Bernd Walther ( wie Raddatz) die DDR verlassen und erarbeitet sich als Chefredakteur und Fernsehautor eine ansehnliche Berühmheit.

Sein Freund und Kollege Joachim Kaiser urteilte nach dem Erscheinen des abschließenden drittenTeils in der Süddeutschen Zeitung": .. alles das ist mit brutal-bösem ( aber nicht zynisch-schadenfrohem) Blick gesehen. Fazit: die Furchtlosigkeit, mit der Raddatz Extremes in einer jungen Seele fixiert, die über alle Konventionalität und Bekanntheit hinausgehenden Einzelheiten und Bilder, die er in knappem Überdruck aus sich herauspresst: Das verdient Respekt."

Ich möchte dies an einer Szene aus Kuhauge" verdeutlichen, ein Stück Prosa, wie ich es brutaler und folgenreicher für die Seele, die so etwas erlebt hat, mir nicht vorstellen kann. Ja, ich behaupte nach einigem Nachdenken, dass diese möglicherweise real erlebte Szene das ganze weitere Leben dieses schillernden Literaturdandys geprägt hat.

Bernd bringt aus der Schule einen Zettel mit nach Hause, von dessen Inhalt er nicht viel begreift: Die Fotze lag am Meeresstrand und wollte sich erquicken, da kam der Piepel angerannt und wollt die Fotze ficken."
Sein Vater findet den Zettel, und dann schildert Raddatz eine Missbrauchsszene, wie ich sie mir schlimmer nicht vorstellen kann und auch brutaler nie gelesen habe. Sie wird das ganze weitere Leben von Bernd Walther ( Raddatz ?) prägen, obwohl kein einziges Mal mehr im weiteren Verlauf der Erzählungen darauf Bezug genommen wird.

Eines Abends kam der Vater in sein Zimmer, in der Hand den bekritzelten Zettel (...) ,Komm mal mit, mein Junge.' Taumelig, dick vollgesogen voll Schlaf steht Bernd auf. Sein Zimmer hat eine stets verschlossene Verbindungstür zum elterlichen Schlafzimmer. Durch die ist der Vater gekommen. Drüben brennt eine Nachtischlampe. Im Bett liegt Irmchen. Nackt. Der Vater zieht den Bademantel aus. Auch er ist nackt.(...)
,Nun zieh dir doch mal den Schlafanzug aus, Bernd-Jörn. Hast du denn schon Haare?' Das ,Bernd-Jörn' macht ihn wach, furchtsam. Er steht über seinen gestreiften Flanellhosen, die faltig auf dem Teppich vor dem Bett liegen. ,Du bist doch nun schon ein großer Junge - schreibst da so`n Zeug auf - ich will dir das lieber mal zeigen.' (...),Komm, leg dich mal da drauf, ich zeige es dir, wie man es macht.' Irgendwie verschwindet dieser unbegreiflich große Pfahl in einer hektischen, gleichzeitig zeitlupenhaft-langsamen Bewegung. Bernd soll es nachmachen, aber er weiß nicht, wie. Er spürt etwas Fettig-Feuchtes, etwas grässlich Glitschiges und weicht zurück. Die Stiefmutter lacht. ,Los, nun zeig es ihm doch, er ist ja noch klein.' Sie biegt sich mit ihren Fingern den eigenen Leib auf. (...) Sie seufzt. , Siehst du, so ist das, mein Sohn. Und es geht so.' Wieder verschwindet der Pfahl. (...),Nichts selber machen', sagt der Vater etwas atemlos, ,Bloß das nicht. Aber anfassen kannst du mal, damit du siehst, wie das bei dir mal wird. So, so ist`s gut. Und nun halt ihn nicht so fest, beweg die Hände mal. Ja, so.' Der Pfahl wippt und schnellt aus Bernds Hand, er ist auch viel zu groß, um ihn zu halten. Der Vater steht jetzt neben dem Bett, seitlich vor dem großen Toilettenspiegel. ,Nun noch mal, du dummer Junge, versuch noch mal, du musst richtig reintunken.' Bernd versinkt in dem Huhn, talgig, unendlich nass. Haare kitzeln, der Bittermandelgeruch wird immer stärker. ,Du musst dich bewegen, Junge, nicht klammern, so wird das ja nichts.' Bernd bewegt sich, er schwimmt aus tiefem dunklem Schlamm an die Oberfläche zur Luft, aber die Wellen überschlagen ihn er ist bleischwer und wolkenleicht zugleich die toten Gänseblümchen stinken und grinsen und das Huhn läuft weg und flattert Huhn ohne Kopf läuft nach dem Schlachten noch totes teigiges glattes Huhn mit schwarzbehaarten Beinen rotem Schopf bleichen Flügeln schwarzen Flügeln Kartoffelschrumpelhuhn gefüllt mit Bittermandel Kopf zerspringt Spiegel zerspringt mein Gott sie frisst den Pfahl. Bernd erbricht. Er speit in den pfahlfressenden Kopf."

Ein Junge, der so etwas erlebt hat, kann später nur selbst zum Täter werden, oder das Erlebte in absoluter Selbstdarstellung und Grandiosität überspielen, in einem schillernden und exaltierten Leben, wo jeden Tag eine neue außergewöhnliche Begegnung, ein neuer extraordinärer, natürlich zur späteren Veröffentlichung bestimmter Brief, eine besonders kritische und vernichtende oder eine vor Lob triefenden Rezension stehen muss, um sich selbst noch zu spüren.

Und selbst wenn sie nicht autobiographisch ist, diese schreckliche Szene mit dem kleinen Bernd, seinem Vater und seiner Stiefmutter, wie kommt ein Schriftsteller dazu, sich so etwas auszudenken ?
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