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am 14. August 2014
Bissig und satirisch nimmt Fontane die Besitzbürger des 19. Jh. mit ihrer Schmalspur-Bildung gekonnt auf die Schaufel. Lesevergnügen ist garantiert, und die Jenny Treibel erkennt man auch in unserer Gesellschaft auf Schritt und Tritt wieder.
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am 23. April 2017
Wie mussten es von der Schule aus lesen, also hatte ich keine Wahl. Wer aber überlegt es sich aus freien Willem zu kaufen, dem kann ich nur abraten. Das ist ein sehr eintöniges Buch mit sehr sehr geringem Unterhaltungswert
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am 8. September 2013
Theodor Fontane ist ein Autor des Realismus. Seine Werke werfen zugleich auch immer einen kritischen Blick auf das Zeitgeschehen. Adel und Finanzwirtschaft trafen sich im Zeitalter der Industrialisierung beim abendlichen Diner und tauschten freundliche Nettigkeiten aus. Garniert wird das Ganze mit künstlerischen Einlagen. Die Industriekapitäne planten ihren nächsten Schachzug. Die Damen der Gesellschaft schmückten sich mit Edelsteinen und Halbwissen. Krönender Abschluss der Soiree im Hause der Treibels ist der Liedervortrag von Frau Kommerzienrätin: „Wo sich Herz zum Herzen find’t“.

Das, was für die Ohren der modernen Leser nach gesellschaftlichem Small Talk klingt, birgt politischen Sprengstoff. Die Arbeiter forderten ihr Recht und die Privilegien des Adels werden bedroht. Deshalb tritt man bescheiden auf, um nicht „dem Neid der Menschen und dem sozialdemokratischen Gefühl so ganz nutzlos neue Nahrung zu geben“.

In Theodor Fontanes Roman ‚Frau Jenny Treibel’ prallen Wirtschaft und Wissenschaft in Person zweier sehr ungleicher Frauen aufeinander. Auf der einen Seite steht ‚Frau Kommerzienrätin Jenny Treibel’ - Fontane verschweigt den Gesellschaftsrang im Romantitel - geborene Bürstenbinder. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen („die gute Frau Bürstenbinder, die das Püppchen drüben im Apfelsinenladen immer so hübsch herauszuputzen wusste“), hatte aber durch die Heirat mit dem „Berlinblaufabrikanten“ Treibel Geld und Titel erworben. Professor Willibald Schmidt, der in jungen Jahren vergebens um die Gunst von Jenny Bürstenbinder warb, nennt die Kommerzienrätin „Ein Musterstück einer Bourgeoise.“ Nach außen betont Jenny Treibel, dass „Geld eine Last ist und dass das Glück ganz woanders liegt“, doch Corinna Schmidt pariert im Gespräch der beiden Damen: „Das sagen alle die, die drüber stehen und die kleinen Verhältnisse nicht kennen“.

Corinna Schmidt, Tochter von Professor Willibald Schmidt, ist ihre Gegenspielerin. Sie ist gebildet und besitzt Verstand. Das Werben ihres Cousins Marcel, ein angehender Archäologe, weist sie zurück. Sie träumt von einem sorglosen Leben im Wohlstand und legt ihre Motive Marcel gegenüber offen: „Aber ein Hang nach Wohlleben, der jetzt alle Welt beherrscht, hat mich auch in der Gewalt, ganz so wie alle anderen, und so lächerlich und verächtlich es in deinem Oberlehrers-Ohre klingen mag, ich halt es mehr mit Bonwitt und Littauer als mit einer kleinen Schneiderin, die schon um acht Uhr früh kommt und eine merkwürdige Hof- und Hinterstubenatmosphäre mit ins Haus bringt und zum zweiten Frühstück ein Brötchen mit Schlackwurst und vielleicht auch einen Gilka kriegt. Das alles widersteht mir im höchsten Maße; je weniger ich davon sehe, desto besser. Ich finde es ungemein reizend, wenn so die kleinen Brillianten im Ohr blitzen, etwa so wie bei meiner Schwiegermama in spe …. ‚sich einschränken’, ach, ich kenn das Lied, das immer gesungen und immer gepredigt wird …“.

Während eines Diners bei Treibel kokettiert mit Ihrem Wissen und umgarnt geschickt den jüngsten Spross der Treibelschen Dynastie, Leopold. Aber eine Ehe mit dem als willensschwach, ängstlich und zögerlich beschriebenem Leopold will Jenny Treibel auf jeden Fall verhindern.

Fontanes Roman endet mit einem Happy End. Corinna gelangt zur Einsicht, dass man nicht „die ganze Welt auf den Kopf stellen“ kann, um mit den Worten der Wirtschafterin Schmolke zu sprechen, und dass man „sein Leben nicht auf Hass stellen“ soll. Professor Schmidt bezeichnet die Eskapade als Irrtum, Tollheit und Schritt vom Weg. Corinna heirate Marcel, bekennt jedoch: „Sieh das mit dem Leopold, das wäre vielleicht gegangen, warum am Ende nicht? … Aber diese Mama, diese furchtbare Frau … Und mehr noch Marcel, ich glaube nicht, dass ich sehr unglücklich geworden wäre …“. Sieg des Verstandes oder Eingeständnis der Niederlage? Wenn Professor Schmidt Pindar zitiert („Werde, der du bist“) sieht er Marcel an den großen Grabungsstätten forschen, aber für Corinna fällt ‚nur’ die Rolle der Begleiterin ab. Ob die junge Frau darin die Erfüllung ihres Lebens finden wird?
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am 12. Juli 2010
Stück Fontanes. Eines der bedeutendsten. Wichtiger Bestandteil in seiner Berliner-Romane-Zeit und behält den typischen Charakter Fontanes bei. Man findet ihn selbst in einer Figur wieder und auch seine Mitmenschen spiegeln sich in den handelnden Figuren. Schönes Buch. Ab und zu komplizierte Formulierungen oder langatmige Sätze - aber die damalige deutsche Literatur ist so. Und das macht sie so schön.
Gerne gekauft - nicht bereut es im Unterricht behandelt zu haben.
Empfehlenswert für Schüler.
Gute Erklärungen für heutige ungebrauchte Worte.
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am 27. März 2005
Dieses Buch ist eines der wenigen, das mich in der Schule wirklich fasziniert hat! Die Handlung an sich gibt nicht besonders viel her: Jenny Treibel versucht die Heirat ihres Sohnes Leopold mit Corinna, einer Professorentochter, zu vereiteln, da sie diese als unter ihrerm Stand/Würde ansieht.
Hierbei kommt der Charakter der Jenny Treibel voll zur Geltung: selbst einmal arm gewesen versucht sie nun alles, um ihre Stellung im Besitzubürgertum zu halten und zu mehren. Fontane hat es wirklich verstanden den Realismus in dieses Buch zu bringen und er zeichnet ein detailliertes Bild der wilhelminischen Gesellschaft.
Ich empfehle dazu die Lektürehilfe von Klett, die einem wirklich noch jeden Winkelzug und die versteckten Genialitäten in diesem Werk aufzeigt, um voll in den Genuss dieses Buchs zu kommen.
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HALL OF FAMEam 6. Juni 2007
Jenny Treibel hat es geschafft: Durch die Heirat mit einem Fabrikanten ist sie aus einfachen Verhältnissen ins Berliner Großbürgertum aufgestiegen. Stolz trägt sie den Pomp ihrer Klasse zur Schau und schwärmt gleichzeitig verklärt von der romantischen Liebe und vom einfachen Leben. Diese Ideale vergisst sie allerdings ganz schnell, als sich die kluge Professorentochter Corinna mit Jennys willenlosem Sohn Leopold verlobt. Die Mutter wirft ihr ganzes Gewicht in die Waagschale, um die nicht standesgemäße Verbindung zu verhindern. Der lebhaften Corinna bleibt trotz ihres Charmes der gesellschaftliche Aufstieg verwehrt, sie muss sich den bürgerlichen Konventionen fügen. Theodor Fontane hat mit "Frau Jenny Treibel" im Alter von 72 Jahren seine Höchstform erreicht. Voller Humor zeichnet der Meister des poetischen Realismus ein lebendiges Bild der Berliner Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts. Der Roman besitzt alle Qualitäten, für die Fontane verehrt wird: Lächelnd und voller Menschenliebe schildert der Autor unterschiedliche Charaktere, deren Gespräche er mit ironischen Seitenhieben auf die konservative Gesellschaft spickt. Die Lektüre von Fontanes witzigstem Werk ist eine Zeitreise in eine andere Welt, in der die Suche nach dem Glück aber offenbar ebenso dramatisch und komisch war wie heute.
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am 20. November 2007
Berlin im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Regiment im Haus von Kommerzienrat Treibel führt seine Frau Jenny, die aus einfachen Verhältnissen stammt, sich daran aber nicht gern erinnert und stets bestrebt ist, sich standesgemäß zu geben. Sie hofft, dass Treibels politische Ambitionen Früchte tragen, produziert sich gerne bei gesellschaftlichen Zusammenkünften und versucht, ihren hoffnungslosen zweiten Sohn Leopold auch noch anständig zu verheiraten.

Dass die kecke, gewitzte und kokette Professorentochter Corinna Schmidt ein Auge auf Leopold geworfen zu haben scheint, passt der Dame so gar nicht ins Konzept. Leopold soll wie sein älterer Bruder eine Frau von gleichem Stand heiraten, schließlich ist Otto Treibel mit einer Hamburgerin aus sehr gutem Hause verheiratet.

Fontane zeichnet hier mit Witz und Ironie ein satirisches Gesellschaftsbild, das mir nach einigen Anlaufschwierigkeiten (viel politisierendes Wortgeplänkel bei geselligen Abenden, zahlreiche Bezüge zur damaligen aktuellen Gesellschaftslage, die mir nichts sagten) doch noch Spaß gemacht hat, mit sprechenden Namen (am besten fand ich, wenn er die Töchter von Professor Kuh als Kälber bezeichnet hat ) und etwas überzeichneten Figuren, den Irrungen und Wirrungen von Liebe und Kalkül bei der Partnerwahl und einer leise durchklingenden Kritik an Standesdünkel und Überheblichkeit, die sich in der Person von Jenny Treibel konzentrieren. Die Titelfigur war somit eine der unsympathischsten Figuren für mich.

10 Jahre nach Anschaffung als Schullektüre, die nie beendet wurde, bin ich froh, das Buch endlich gelesen zu haben - auch wenn ich mich zumindest anfangs auf die Sprache und die Hintergründe erst mal richtig einlassen musste.
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am 5. August 1999
"Frau Jenny Treibel" gehört zu Theodor Fontanes bekanntesten und auch besten Romanen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der heiratsbedingte Aufstieg der Kleinbürgerin Jenny Bürstenbinder in die Kreise der Fabrikanten-Bourgeosie in den 1880er Jahren. Relativ schnell hat sie sich dem Verhalten, der Sprechweisen und dem Lebensstil ihrer neuen Schicht angepaßt und entsprechend hat sie auch ihre Söhne erzogen. In ihrem Gedächtnis, in ihrem Herzen - wie sie es nennt - trägt sie jedoch die Erinnerung an ihre Jugendzeit, die sie trotz der erlebten Armut zusehends als einfaches, aber glückliches Leben idealisiert. Voller Sentimentalität erinnert sie sich ständig an das Lied "Wenn sich Herz zum Herzen findet", das ihr damaliger Verehrer für sie geschrieben hat; sie läßt es auf ihren Gesellschaften vortragen und wird nicht müde zu beteuern, daß "Herz" und "Liebe" die eigentlichen Werte seien, ohne die man nicht glücklich werden könne. Nichtsdestotrotz hatte sie seinerzeit ihren Verehrer im Regen stehen lassen, als der renommierte und vor allem reiche Fabrikant Treibel um ihre Hand anhielt. Diese Vergangenheit Jennys wird Gegenwart, als die Tochter ihres ehemaligen Verehrers ihren willenschwachen Sohn heiraten will und somit selbst den Aufstieg in die Bourgeosie beabsichtigt. Alle heeren Worte, alle beschworenen Werte sind bei Jenny schnell über Bord geworfen, sie kämpft nun wie eine Löwin, um diese unstandesgemäße Heirat zu verhindern. Diese Geschichte ist höchst amüsant geschrieben und brilliert in ihrer subtilen Ironie, hinter der der Leser immer wieder den augenzwinkernden Fontane erkennt. Unbedingt zu empfehlen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 6. April 2012
Frau Jenny Treibel, Fabrikantengattin und "Kommerzienrätin", hat um des Geldes Willen nach oben geheiratet, zelebriert aber nach 30 oder mehr Jahren Ehe noch immer eine sentimentale Freundschaft zu ihrer Jugendliebe, einem Gymnasiallehrer. Doch wie wird sie reagieren, wenn dessen lebhafte, intelligente fünfundzwanzigjährige Tochter nun ihrem eigenen netten, mediokren Sohn Avancen macht, ebenfalls um des Geldes Willen?
Das ganze sanfte Drama spielt sich, hauptsächlich durch Gespräche der Protagonisten erzählt, binnen weniger Wochen und einiger Abend- und Nachmittagsgesellschaften ab, ein schönes Gesellschaftsporträt mit vielen zeittytischen Anspielungen, eine wunderbare Zeitreise ins späte 19. Jahrhundert. Ein wenig unglaubwürdig, weil zu gutmütig, scheint mir der Kommerzienrat Treibel zu sein. Überhaupt kommen, wie oft bei Fontane, die Männer eher besser weg als die Frauen, ungeschlagen allerdings die herzensgute Haushälterin Schmollke, die aber wiederum auch dadurch besticht, dass sie ständig ihren ebenfalls herzensguten Verblichenen zitiert.
Lesen und genießen.
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am 13. Dezember 1999
In Anbetracht des Verlages, der Aufmachung und des ungemein günstigen Preises der vorliegenden Ausgabe drängt sich mir folgendes auf: Sicherlich geht es mir wie vielen anderen Lesern: Zahlreiche Bücher, die man in der Schule lesen mußte, werden alleine schon durch diese Tasache zu unsäglichen Machwerken, die man mit der nächsten Appollo-Rakete auf den Mond schießen möchte. Bei "Frau Jenny Treibel" von Fontane ging es mir nicht so. Denn die Geschichte ist einfach zu stark, die Sprache zu gewitzt als daß man das Buch nach bestandenem Abitur einfach zur Seite legt - auf Nimmer Wiedersehen. Fontanes Gesellschaftssatire über den sozialen Aufstieg und den damit verbundenen mentalen und psychischen Veränderungen eines Menschen stammt aus dem vergangenen Jahrhundert, es könnte jedoch auch heute spielen. Selbstsucht, Überheblichkeit, Vergessen der Vergangenheit, soziale Härte, aber auch gleichzeitig die Idealisierung der guten alten Zeit - alles Elemente eines ständig aktuellen Themas, hier thematisiert in Jenny Bürstenbinder, der Tochter eines kleinen Gemüsehändlers, die in die höchsten bourgeoisen Kreise einheiratet. Fontanes witzig-ironischer Schreibstil macht die Lektüre darüber hinaus zu einem einzigartigen Erlebnis!. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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