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Kundenrezensionen

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am 2. Mai 2007
Der perfekte Freund eines Mannes, der nach einer Midlife-Crisis ohne Gedächtnis aufwacht, muss schon ein besonderer Mensch sein.

Thema dieses Buches ist die Freundschaft, sind die Beziehungen, die wir mit anderen Menschen knüpfen - und, es wäre sonst kein Suter-Buch, Gedächtnisverlust und das Erlebnis, als ein anderer wieder aufzuwachen, ohne Erinnerung an ein Selbst, das einem fremd erscheint.

Der Plot dieses Buches ist eleganter und weniger vorhersehbar gesponnen als jener der dunklen Seite des Mondes". Das mag auch an der ganzen Anlage des Buches liegen, mir kommt es allerdings auch so vor, als hätte der Autor hier mehr Sorgfalt auf das Spinnen des Plots verwandt. Letztlich, ließe sich sicherlich auch anführen, ist diese Plot-Anlage auch gar nicht so wichtig, schließlich nutzt Suter, wie jeder gute Kriminalautor, die spannende Krimi-Geschichte auch nur als Plattform für die ihn eigentlich interessierenden Fragen.

Umso wichtiger, sage ich, dass diese Plattform so sorgfältig und passgenau gearbeitet ist, dass sie als Bühne keinerlei Stolperfallen enthält, die vom eigentlichen Thema ablenken.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist Suter all das in diesem Buch sehr gut gelungen. Man bleibt dran, an den Nachforschungen und Ermittlungen des gedächtnislosen Journalisten Fabio Rossi.

Sprachlich ist dieses Buch ein absoluter Hochgenuss. Mir fällt kaum ein deutschsprachiger (lebender) Autor ein, der dermaßen klar, prägnant und elegant schreibt wir Suter. Kein Zufall, dass dies ein wirklich häufig geäußerter Gedanke zu seinen Büchern ist. Es ist wirklich fantastisch, mit welcher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit Suter hier seine Geschichte zu Papier bringt. Hatte ich Dürrenmatt im Zusammenhang mit Suter schon erwähnt? Ja, hatte ich, hier also noch mal der Hinweis, auch wenn dieser Hinweis noch so klischeebehaftet (Schweizer!) klingen mag.

Der geneigte Leser resümiert: Sprache toll, Plot gut, und ansonsten? Auch ansonsten bleibt das Buch nichts schuldig. Das Personal ist interessant, die Fragestellungen des Buches ebenfalls spannend. Dass Suter hier wieder einmal eine Persönlichkeitsveränderung beschreibt, stört dabei ebenfalls nur marginal, da auch die übrigen Fragestellungen des Buches, Freundschaft, Korruption, Treue und Liebe weite Räume eröffnen.
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am 22. Januar 2002
Der Journalist Fabio Rossi verliert fuenfzig Tage seiner Erinnerungen, nachdem er niedergeschlagen wurde und beginnt nun, die Tage zu rekonstruieren.
Erste Aufgabe: mit der neuen Freundin klar kommen, er kennt sie zuerst nicht, stellt aber fest, dass er schon bei ihr eingezogen ist. Allerdings sieht sie ganz nett aus, ist aber irgendwie nicht sein Typ. Sein angebliches Lieblingsessen etwa sei Lachs, etwas, was er frueher nie gegessen hat (Lachs, das Schwein des Meeres). Ausserdem raucht er. Seltsam, auch das war fuenfzig Tage vorher nicht so.
Seine Notizen sind verschwunden, auch das Laptop und der Terminkalender wurden gesaeubert. Seine Ex-Freundin und sein bester Freund wollen ihm nicht helfen, beide sind inzwischen auch noch zusammen.
Zuletzt arbeitete er als Journalist - er hatte allerdings gekuendigt - an einem Artikel ueber Selbstmoerder und wohl einem weiteren, irgendwie mit Chemie zusammenhaengend...
Sein neues Leben, auch seine neue Freundin und seine neuen Freunde gefallen ihm nicht. So beginnt er letztlich auf sich alleine gestellt, auch eine dunkle Seite von sich selbst aufzudecken.
Martin Suter hat wirklich einen ganz wunderbaren Krimi geschrieben, amuesant, sehr spannend und gefuehlvoll.
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am 7. Juni 2008
Nach dem Genuß des Hörbuchs Lila, Lila habe ich mir den Namen Martin Suter gemerkt. Ein deutschsprachiger Autor, der irgendwo zwischen Mainstream und Avantgarde schreibt. Eine klar durchstrukturierte Story wird von Beobachtungen und Philosophischen Ansätzen begleitet, die einem das Zuhören zu einer wahren Freude machen. Ein perfekter Freund hat mich in dieser Hinsicht ebenfalls nicht enttäuscht.

Fabio Rossi erwacht im Krankenhaus. Er kann die letzten 50 Tage seines Lebens nicht rekonstruieren. Rossi ist Reporter. Er glaubt, dass er einer großen Sache auf der Spur war, weiß aber nicht mehr, worum es dabei ging. Er stellt überrascht fest, dass er eine neue Freundin hat und seine ehemaligen Freunde sich von ihm abgewandt haben. Dafür hat er wieder Kontakt zu Menschen, die er jahrelang nicht gesehen hat. Allein Lucas Jäger, sein Freund und Mitarbeiter ist noch ein zentraler Punkt in Fabios Leben. Aber Lucas ist plötzlich mit Fabios großer Liebe Norina zusammen. Irgendetwas stimmt da nicht und Fabio versucht, das heraus zu bekommen. Dabei macht er überraschende Entdeckungen und nach und nach verfestigt sich der Verdacht, dass Lucas ihn betrogen hat. Fabio ahnt allerdings nicht, dass er noch nicht einmal an der Oberfläche seiner fehlenden 50 Tage gekratzt hat. Das ändert sich jedoch ziemlich schnell, als er den Einstieg in seine ehemaligen Recherchen wieder findet. Was dann passiert, hätte weder Fabio noch der geneigt Leser jemals geahnt.

Suter schreibt klar, präzise und mitreißend. Sein detailsicheren Schilderungen sind lebhaft, spannend und machen Freude auf mehr. Wenn so eine Story dann noch von einem Sebastian Koch in Hochform gelesen wird, dann braucht uns um den deutschsprachigen Roman nicht Bange zu sein. Hörbücher dieser Klasse werden ihre Zuhörer in jedem Fall finden. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Suter, am liebsten wieder von Sebastian Koch gelesen.
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am 11. April 2008
Fabio ist 33 Jahre alt und Journalist. Als er eines Tages im Krankenhaus erwacht, stellt er fest, dass die Frau, die ihn besucht und ihn küsst, ihm völlig unbekannt ist. Die Frau, für die er Gefühle hat, hat ihn verlassen, wegen seiner Affäre mit dieser Fremden. Fabio ist als Journalist einer großen Sache auf der Spur gewesen und hat wohl in diesem Zusammenhang einen Schlag auf den Hinterkopf bekomnen. Er hat die letzten 50 Tage vergessen. Doch sein ehemaliges soziales Umfeld will mit ihm nicht mehr viel zu tun haben, denn in diesen 50 Tagen habe er sich schlecht benommen und sei ihnen Fremd geworden. Parallel zu seinem körperlichen (Physiotherapie) und geistigen (Neurologie) Aufbauprogramm, recherchiert Fabio sich selbst und eben dieser großen Sache, an die er ebenfalls keine Erinnerung mehr hat, hinterher.

Martin Suter ist mit Ein perfekter Freund ein sehr kurzweiliger und lesenswerter Roman gelungen, allerdings nicht der ganz große Wurf, denn die Krimihandlung, die hinter allem steckt, kommt doch arg reißerisch und konstruiert daher. Amnesie-Geschichten gibt es immer mal wieder, und meistens (wie auch in diesem Fall) ist es spannend zu verfolgen, wie die Protagonisten sich selbst wieder finden müssen. Wer Geschichten dieser Art mag, findet in "Ein perfekter Freund" durchaus eine der besseren, die durch eine klare, stellenweise sehr humorvolle Sprache besticht und die Grundspannung von der ersten bis zur letzten Seite aufrecht hält.
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am 22. Juli 2006
Eigentlich erzählt uns Martin Suter in seinen ersten Büchern immer die gleiche Geschichte: jemand verliert seine Identität - ob ein Alzheimerpatient ("Small World"), Drogenkonsument ("Die dunkle Seite des Mondes") oder hier in "Ein perfekter Freund" aus dem Jahr 2002 ein Unfall- bzw. Verbrechensopfer mit Gedächtnisverlust.

Der Journalist Fabio macht sich daran, die vergangenen Wochen zu rekonstruieren und herauszufinden, was mit ihm eigentlich passiert ist. Dass dabei sein bester Freund eine mehr als zwielichtige Rolle zu spielen scheint, macht für ihn die Sache nicht einfacher...

Alles ist in bewährter Suter-Manier geschrieben bis hin zur originellen Auflösung: der locker-leichte Stil mit den natürlichen Dialogen, ironisch-liebevolle Charakterisierungen und manch kluges Bonmot. Dennoch gestehe ich, dass mich "Ein perfekter Freund" des öfteren ziemlich gelangweilt hat. Die Story der Recherche trägt offensichtlich eine ganze Romanhandlung nicht; gefüllt wird der Rest mit der ausführlichen Beschreibung von Fabios Singleleben: wann und wie und wo er isst, schläft, liebt etc., dazu noch ein paar wenig relevante Nebenfiguren. Der Grat zwischen dem Leicht-Flockigen und dem Banalen ist diesmal verdammt schmal.

Für mich der bis dahin schwächste Roman von Martin Suter.
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am 12. März 2007
Der Journalist Fabio Rossi hat wegen eines Schlags auf den Kopf eine Amnesie und kann sich an die letzten 50 Tage nicht mehr erinnern, in denen aber offensichtlich sehr viel passiert sein muss: Seine alte Freundin ist mir seinem besten Freund zusammen, er hat eine neue, an die er sich aber ebenfalls nicht erinnert, und irgendwie hat er eine Persönlichkeitsveränderung durchgemacht und einige Leute vor den Kopf gestoßen. Dahinter steckt eine mysteriöse Recherche, die ihn in der vergessenen Zeit auf dunkle Machenschaften gebracht hat.

Die Geschichte ist sehr spannend erzählt, am Ende erwartet den Leser eine schöne Überraschung, die durchaus nicht vorhersehbar ist.

Suter schreibt sehr lesbar und schnörkellos, dennoch versteht er es, eine atmosphärisch intensive Kulisse aufzubauen, eine Großstadt in schwüler Sommerhitze, die sich am Ende zusammen mit der Handlung gewittrig entlädt.

Ich hab das Buch in einem Ruck durchgelesen, man kann sich nicht mehr losreißen. Ab und an dann noch ein lakonischer Scherz, eine amüsante Figur (beispielsweise Rossis dicker Psychologe), Kritik am industriellen Lebensstil und ein bisschen schwüle Erotik.

Nur vier Sterne aber deswegen, weil bis zur Fahrt Rossis nach Italien die Atmosphäre in der heißen Großstadt ein wenig eindimensional wirkt, Rossi trifft sich ständig in einem klimatisierten Lokal mit jemandem, von dem er Informationen über seine Blackoutzeit erhofft, und da wiederholen sich die Schauplätze ein wenig, auch wenn die Inhalte recht packend sind.

Insgesamt aber sehr schön zu lesen!
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TOP 500 REZENSENTam 7. September 2005
Martin Suter bestätigt auch mit diesem Roman, was er mit „Small World" und „Die dunkle Seite des Mondes" versprach: Gute, ja sehr gute Unterhaltungsliteratur.
Man sollte mit den richtigen Erwartungen an Suters Bücher herangehen. Es wartet keine Weltliteratur, keine Lektüre, die auch in zwanzig, dreißig Jahren noch zum Muss eines jeden Lesers gehören wird. Aber es warten gut recherchierte, immer auch mit etwas Wissenswertem - in diesem Fall alles rund um einen Gedächtnisverlust - ergänzte Geschichten, die unprätentiös erzählt sind, und immer, nach einer technisch einwandfreien und raffinierten Konstruktion, mit einem überraschenden Plot enden.
Seine Protagonisten sind sympathisch, aber alles andere als fehlerfrei, als perfekt. Im Gegenteil. Wahrscheinlich ist es jedoch genau dieser Umstand, der einem so für sie einnimmt.
Suters Humor ergänzt das Lesevergnügen, das leicht und flüssig ist, ohne in die Niederungen der Trivialliteratur abzurutschen. Dieser Drahtseilakt gelang Suter in allen Romanen, die ich bisher von ihm gelesen habe.
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am 29. Dezember 2012
Der Journalist Fabio Rossi erwacht im Krankenhaus mit einer Gedächtnislücke von 50 Tagen und begibt sich auf die Reise, nicht zuletzt, um zu sich selbst zu finden. Ich lag selbst im Krankenhaus, auch noch in der Schweiz, wo die Handlung spielt, als ich diese spannende Lektüre von Kollegen geschenkt bekam. Wunderbar geradlinig erzählt, aber trotzdem mit vielen überraschenden Wendungen, und auch einigen herben Verlusten auf dem Weg zur Wahrheit, die erschütternd und am Ende auch dramatisch-überraschend ist.
Die Story spielt ganz offensichtlich in Zürich, obwohl das nie gesagt wird, aber wenn man die Stadt und ihre italienische Kolonie ein wenig kennt, findet man sich wieder. Viele interessante Charaktere werden sehr treffend beschrieben, irgendwie alles Figuren, die man im Leben schon mal kennengelernt hat. Insofern traurig, wenn das manche Rezensenten hier nicht erkannt haben; denen fehlt dann wohl ein Stück dieser Lebenserfahrung. Natürlich ist das beherrschende Thema, dass der Leser mit fiebert und sozusagen zusammen mit der Hauptperson ermittelt. Die Rolle des „Freundes“ bleibt dabei lange im Dunklen, ob er nun der Gute oder der Böse ist. Die überraschende Auflösung gibt es in zwei Dosen, während es weniger überraschend ist, dass die eigentliche Geschichte im Hintergrund mal wieder ein Lebensmittelskandal ist.
Die Ärzte im (schweizerischen) Krankenhaus, Spital, wie das dort heisst, haben mir nachträglich 50% gegeben, die ich genutzt habe, sonst könnte ich heute diese Zeilen nicht schreiben. Nicht zuletzt hat mir bei der Genesung dieses wunderbar emotionale und spannende Buch geholfen. Mein Dank dafür den Kollegen und dem Autor, sowie natürlich 5 Sterne.
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am 11. November 2003
Es gibt Schriftsteller, die bewundert man um ihres Talents wegen, Dinge ungewöhnlich, poetisch, komisch oder sonst irgendwie anrührend zu beschreiben. Und es gibt Schriftsteller, die wissen, wie man Spannung erzeugt und seine Leser Seite für Seite bei der Stange hält, bis zum Schluss. Beherrscht einer beides, wird er (oder sie natürlich) vielleicht ein ganz Großer. Suter beherrscht eher die Spannung, ein Sprachgenie ist er nicht - zumindest hat er keinen Spaß an literarischer Sprache und einem gewissen Maß an geheimnisvoller Rest-Rätselhaftigkeit. Er schreibt jederzeit verständlich und geradeaus, fast schon wie ein Zeitungsredakteur. Deswegen wird er wohl auch nie den Nobelpreis für Literatur kriegen - aber er bietet gute Unterhaltung und eine stringente Story, die fleißig recherchiert und nicht ganz so konstruiert ist, dass man sich dran stören würde. Spannend ist seine Geschichte allemal, weil man natürlich wissen will, was sich verbirgt hinter der angeschlagenen Rübe. Die Auflösung ist nicht ganz so spektakulär, aber die kommt ja auch erst zum Schluss. Wie bei einem guten Fernsehkrimi. Überhaupt: Das Buch ließe sich ohne weiteres zu einem Drehbuch für eine der abendlichen Kommissar-Serien umfunktionieren. Vielleicht sollte es Suter mal mit Drehbüchern versuchen... ;-)
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TOP 500 REZENSENTam 30. Dezember 2012
Journalist Fabio Rossi erwacht in einem Krankenhaus. Er trägt einen schweren Kopfverband und wurde offensichtlich brutal niedergeschlagen. Durch die Verletzung ist der Faden der Erinnerung an die letzten Wochen vor dem Unfall abgerissen, und so erkennt er auch die junge Frau nicht, die an seinem Bett sitzt und ihn küsst. Er kann sich schlicht an nichts mehr erinnern.

Offenbar hat Rossi sich in der Zeitspanne, die seinem aktiven Erinnerungsvermögen jetzt fehlt, von seiner langjährigen Beziehung abgewandt und sich neu verliebt. Doch damit nicht genug: er hat auch seinen gut bezahlten Arbeitsplatz als Zeitungsredakteur gekündigt und sich charakterlich stark verändert. Sein einstmals bester Freund und Journalistenkollege, Lucas, scheint ihn darüber hinaus verraten und ihm seine langjährige Beziehung ausgespannt zu haben.

Wie in dichtem Nebel tastet sich der Protagonist durch seine jüngere Vergangenheit und begibt sich auf eine Spurensuche. Dabei muss er feststellen, dass seine gesamten Dateien, Kalender und Aufzeichnungen gelöscht wurden. Hat etwa Lucas ihm eine hoch brisante Geschichte, an der bis zu bis zu seinem Unfall gearbeitet hatte, gestohlen, um sie selbst zu vermarkten?

Mittels Zetteln, Namen, Spesenquittungen und „Geruchsinseln“ setzt der Journalist seinen vergessenen Lebensabschnitt mühsam wie ein Mosaik wieder zusammen. Er findet dabei schrittweise zu seinem letzten Recherchethema, dem Nachweis von Eiweißmolekülen von BSE-verseuchten Rindern in der Schokolade eines Schweizer Süßwarenherstellers. Sollte er von denjenigen dunklen Mächten, denen er auf die Spur gekommen war, aus dem Weg geräumt worden sein, und wird er von ihnen auch weiterhin verfolgt?

Stärker als in den ersten beiden Romanen seiner „neurologischen Trilogie“ entfaltet Suter in „Ein perfekter Freund“ ein Krimi-Szenario, das nach Auflösung drängt. Der „neurologische“ Aspekt des Buches, der Umgang mit einem partiellen Gedächtnisverlust samt seiner sozialen Auswirkungen, rückt dabei ein wenig in den Hintergrund. Insofern fällt der Roman besonders gegenüber dem stärksten Band der Trilogie, „Die dunkle Seite des Mondes“ ab. Hinzu kommen ein paar logische Ungereimtheiten hinsichtlich der Entwicklung der Charaktere, die aber den reinen Unterhaltungswert der gut gebauten, fesselnd geschriebenen Geschichte in keiner Weise mindern.

Lohnt es sich, Martin Suter zu lesen?

Der deutschsprachige Literaturbetrieb wird unverändert von so genannten „Edelfedern" bestimmt. Sie entscheiden darüber (oder versuchen es zumindest), wer „gute" oder „schlechte" Literatur verfasst. Dabei kann es gelegentlich zu Stellungskriegen zwischen den Kritikern kommen, und bisweilen dreht der Wind sogar. Derzeit geschieht das mit dem bisherigen Werk des Schweizer Autors Martin Suter.

Mit dem „Suterismus geht Europa unter", behauptet das Feuilleton des Hamburger SPIEGEL, dessen Redakteure einst zu den größten Fans der Suter-Romane zählten. Mit dem Erfolg von Suter habe der Diogenes- Verlag „seinen historischen Auftrag erfüllt, die deutsche Literatur zu zerstören," urteilt Georg Dietz und erklärt: „Suter täuscht Welt nur an. Er spielt sie uns nur vor. Er tut nur so, als wisse er, wovon er erzählt."

Suter sei „gar kein Schriftsteller", erklärt Ulrich Greiner in der „Zeit", „wenn man darunter jemanden versteht, der die Kunst sprachlicher Aneignung und Durchdringung beherrscht. Kurz gesagt: Suter kann nicht schreiben."
Ob es sich bei derartigen Verrissen lohnt, Suter zu lesen? Es trifft wohl zu, dass der Schweizer Autor aus der dekadent-hohen Sicht eines wohlhabenden Lebemanns schreibt. Seine Helden sind Starjournalisten, erfolgreiche Wirtschaftsanwälte oder Mitarbeiter steinreicher Konzernbosse. Allein daraus auf ein nicht vorhandenes literarisches Talent zu schließen, wäre allerdings mehr als dünn.

Besonders in seinen ersten drei Romanen, die er „neurologische Trilogie" nennt, versteht es der Autor, psychische Prozesse äußerst kenntnisreich und fachkundig zu schildern und soziale Auswirkungen auf den Betroffenen wie seine Umgebung deutlich zu machen. Da er seine Romane zusätzlich in das Gewand gesellschaftskritischer Kriminalliteratur kleidet, entsteht bei der Lektüre eine deutliche Sogwirkung. Suter fesselt, und er löst Fragen aus, die sich vielen Zeitgenossen stellen.

In seinem Erstling „Small World" geht es um das Thema Alzheimer. Einfühlsam und kenntnisreich beschreibt der Schweizer den Prozess des Verfalls seines Protagonisten sowie die Reaktionen seiner Umwelt auf seinen Krankheitsverlauf. Dass die Geschichte um das Schrumpfen der Welt des Hauptdarstellers schließlich in eine Kriminalgeschichte mündet, gibt der Lektüre eine spezielle Note und macht sie doppelt spannend.
Die auf den psychedelischen Hit „The Dark Side of the Moon" der britischen Band Pink Floyd anspielende Kriminalgeschichte „Die dunkle Seite des Mondes" bildet den zweiten Teil von Suters „neurologischer Trilogie". Er behandelt darin die schleichende Persönlichkeitsveränderung und zunehmende Orientierungslosigkeit sowie die Bipolare Affektive Störung des menschlichen Charakters.

„Ein perfekter Freund" schließlich thematisiert den partiellen Gedächtnisverlust samt seiner sozialen Auswirkungen, die der Protagonist nach einem schweren Schlag auf den Kopf erleidet. Wie in dichtem Nebel tastet sich der Leser mit dem Opfer durch dessen jüngere Vergangenheit und begibt sich auf eine unerwartete Spurensuche.
Jeder der drei Bände der „neurologischen Trilogie" steht unabhängig voneinander. „Ein perfekter Freund" fällt allerdings gegenüber den anderen beiden Romanen ab.

Martin Suter wählt für seine Bücher keine Hochsprache oder gar Literatursprache, er schreibt in Umgangssprache. Ihm daraus in literarischer Hinsicht einen Strick drehen zu wollen, halte ich für den verzweifelten Versuch einer selbst ernannten Schar von Gatekeepern des Literaturbetriebs, Literatur weiterhin als etwas Abgehobenes, zwingend Erklärungsbedürftiges betrachten zu wollen. Die geschieht nicht zuletzt, um die eigene Existenzberechtigung zu begründen.

Früher hieß es mal, es lohne sich nur, das zu lesen, was Großkritiker verreißen ... im Falle Suter erhält dieser alte Lehrsatz erneut Berechtigung.
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