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Ein ganzer Kerl Taschenbuch – 2. April 2001

4.0 von 5 Sternen 25 Kundenrezensionen

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Seit er 1972 seinen Klassiker, den Essay "Why They Aren't Writing the Great American Novel Anymore" veröffentlichte, hat Tom Wolfe seine schriftstellerischen Präferenzen laut und deutlich vorgebracht. Für den Musterknaben des New Journalism ist Minimalismus eine Pleite, wenn nicht gar eine Folge von Mutlosigkeit. Die wahre Aufgabe des amerikanischen Schriftstellers sei es, große Romane über gesellschaftliche Beobachtungen zu produzieren -- von der Sorte, die Balzac auftischen würde, hätte er sich ins Viagra-Zeitalter hinübergerettet. Wolfes Manifest hätte einen arroganten Klang, hätte er es nicht bereits 1987 mit Fegefeuer der Eitelkeiten geschafft. Nun, mehr als ein Jahrzehnt später, ist er wieder da mit einem zweiten Roman. Ist der "Mann in Weiß" seinen eigenen Ansprüchen gerecht geworden?

In vielerlei Hinsicht müßte die Antwort "Ja" lauten. Wie sein Vorgänger ist Ein ganzer Kerleine Großleinwand-Arbeit, in der eine Vielzahl von Figuren an der gefetteten Stange des gesellschaftlichen Lebens hoch- beziehungsweise (rasch) an ihr herunterklettern. "In einem Zeitalter wie diesem", erinnert uns eine der Figuren, "im ausgehenden 20. Jahrhundert, war gesellschaftliche Stellung alles, und sie zu erringen, war das Schwierigste, was es gab". Wolfe hat ganz gewiß den Schauplatz geändert. Statt auf New York konzentriert er sich hier auf Atlanta, Georgia, wo der Kampf um Revier und Macht durch Südstaatenanstand zumindest leicht patiniert ist. Die Handlung dreht sich um Charlie Croker, einen egomanischen Südstaatler mit einem im Zerfall befindlichen Immobilienimperium am Hals. Aber Wolfes Aufmerksamkeit konzentriert sich genauso stark auf zwei Nebendarsteller: einen im sozialen Abstieg begriffenen Familienvater, Conrad Hensley, und Roger White II, afroamerikanischer Anwalt bei einer renommierten Kanzlei. Was diese Nebenhandlungen letztendlich zusammenführt -- und einen Feuersturm des Rassenhasses in Atlanta auszulösen droht --, ist die angebliche Vergewaltigung einer Debütantin durch Georgia Tech Football-Star Fareek "The Cannon" Fanon.

Eine detaillierte Inhaltsangabe der Handlung wäre natürlich in etwa so lang wie ein durchschnittlicher minimalistischer Roman. Nur soviel sei gesagt -- Ein ganzer Kerl ist voll von der Sorte hervorragender klassischer dramaturgischer Elemente, wie wir sie von Wolfe inzwischen erwarten. Eine Wachteljagd auf Charlies 29.000-Morgen-Plantage, ein Wichtigtuer-Abend im Sinfoniekonzert, eine politisch geladene Pressekonferenz -- der Autor setzt diese Szenen zusammen mit einer Freude, die sich rasch auf den Leser überträgt. Das Buch ist darüber hinaus sehr, sehr komisch. Die Anwaltskanzleien, wie die vornehme, erfolgreiche Fogg Nackers Rendering & Lean, könnten direkt von Dickens stammen, und Wolfe läßt sogar seinen Nebenfiguren, wie den Berufshinterwäldler Opey McCorkle, lebendig werden: In wahrer Opey-McCorkle-Manier erschien er zum Abendessen mit kariertem Hemd, karierter Krawatte, roten Filzhosenträgern und um seinen Schmerbauch einen großen, alten Ledergürtel, der aussah wie etwas, mit dem man ein Maultier anspannen könnte. Aber hier hatte er seinen sonst üblichen Schwall von schwülstiger Rhetorik gemischt mit Baker-County-Ismen abgelegt. Leser auf der Suche nach einem netteren, sanfteren Wolfe werden möglicherweise enttäuscht sein. Während er die (notwendige) Überlegenheit des Satirikers gegenüber seinem Sujet bewahrt, neigt er dazu, genau dann seine Überlegenheit zu verlieren, wenn er versucht, uns zu bewegen. Trotzdem, wenn es um die maximalistische Porträtierung der amerikanischen Szene geht -- und um reine Satz-für-Satz-Unterhaltung -- dann sieht es so aus, als ob 1998 tatsächlich das Jahr des Wolfes werden kann. --James Marcus -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Ein pralles Sittengemälde. (Der Spiegel)

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Format: Gebundene Ausgabe
Angeblich wollte Tom Wolfe mit "Ein ganzer Kerl" das beste Buch der Welt schreiben. Damit dürften ihm allerdings schon ein paar Leute zuvorgekommen sein. Trotzdem hat er Erstaunliches geleistet. Nachdem der Autor sich mit "Fegefeuer der Eitelkeiten" in den amerikanischen Literatur-Olymp und in ein Luxus-Apartement in New Yorks Park Avenue katapultiert hatte, wollte er jetzt noch einmal nachlegen. Wieder sollte es ein Spiegelbild eines ganz bestimmten Teils der amerikanischen Gesellschaft werden. Diesmal handelt es sich um Atlanta, Georgia während der letzten Dekade unseres Jahrhunderts. Hier residiert Charlie Croker, der als Immobilienentwickler ein Vermögen gemacht hat, welches er in eine Lebensmittelgroßhandelskette, eine 29000-Morgen-Plantage und diverse Gebäude investiert hat. Nun steht er allerdings kurz vor der Pleite, da er für sein jüngstes Projekt, entgegen seinen sonstigen Prinzipien, persönlich gehaftet hat.
Die andere Hauptfigur ist Conrad Hensley. Mit 23 schon verheiratet und Vater von zwei Kindern, ist er Lagerarbeiter in einem vom Crokers Kühlhäusern in Kalifornien. Weil Croker sparen muß, wird Conrad entlassen. Damit beginnt für ihn der Abstieg, oder besser, die Odyssee, die ihn schließlich zu Croker selbst führen wird.
Dann ist da noch Ray Peepgass, der nicht nur mit seinem Namen gestraft ist. Er ist Angestellter im mittleren Managment jener Bank, bei der Croker die meisten Schulden hat. Von seiner Frau aus dem Haus geworfen und einer Ex-Geliebten auf Kindesunterhalt verklagt, sieht er hier seine Chance gekommen, schnell zu viel Geld zu kommen.
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Von Ein Kunde am 15. April 2001
Format: Taschenbuch
Dieses Buch ist absolut super!Ic habe zuvor auch "Fegefeuer der Eitelkeiten" gelesen dem ihc ebenfalls 5 Sterne geben würde. Welches der beiden bis ins tiefste innere sarkastsischen Bücher sie letzlich für das bessere halten bleibt ihnen slebst überlassen. Ich persönlich halte "Ein ganzer Kerl" für etwas besser da es tiefsinniger ist und einen eher traurig/resignierten Blick auf die heutige Geselschafltiche Entwicklung wirft. Dieses Buch ist der satirisache Gegententwurf zu "Fight Club". Beide Bücher entlarven auf perfekte Weise die Probleme der heutigen Gesellschaft.Ich kann beide Werke empfehlen aber Wolfe ist so etwas wie der Loriot unter den Satiren während ich Pahlaniuk wohl eher als wütenden Zyniker bezeichnen würde so ist "Ein ganzer Kerl" etwas besser weil Wolfe der maßvollere 8aber auch ältere) Autor ist. Zum Abschluß bleibt nur zu sagen: Charlie Croker was a man in full he had a neck like a Jersey bull! Charlie Croker! Charlie Croker! Charlie Croker!
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Von Ein Kunde am 10. April 2001
Format: Taschenbuch
Wolfe hat sich nach "Fegefeuer der Eitelkeiten" lange Zeit gelassen, um ein Meisterwerk vorzulegen. Fesselnd vom Anfang bis zum Schluss und sehr humorvoll gibt er einen Einblick in die (Untiefen der) amerikanische Gesellschaft. Ausgeprägte Charaktere, die gerade durch ihre Überzeichnung das Buch zusammen trotz der verschiedenen Handlungsstränge fesselnd machen. Einziges Manko - die deutsche Übersetzung. Nachdem ich zuerst die englische Fassung gelesen hatte, war ich zunächst enttäuscht, als ich den Roman nochmals auf Deutsch lesen wollte. Gerade die langen Passagen, die im Slang verfasst sind, lassen sich sicherlich nur schwerlich übersetzen. Allen, die im Englischen fit sind, kann ich nur die Originalausgabe empfehlen. Für die deutsche Fassung deshalb nur 4 Punkte, sonst wären es 5 (oder auch mehr...).
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Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Wenn man ein Buch mit mehr als 1000 Seiten in der Hand hält, flößt dies schon mal Respekt ein. Wird es eine Qual oder wünschte man sich sogar noch mehr Seiten? Ich hätte mir tatsächlich noch ein paar mehr Seiten gewünscht, in denen das weitere Schicksal der Charaktere weiter ausgeführt worden wäre. So kommt das Ende nach kurzweiliger Lektüre doch etwas unvermittelt und man erhält den Eindruck, der Autor hätte am Ende auch keine Lust mehr gehabt, weiter zu schreiben.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Spannend, aber zu detailliert.Ausgang überraschend, für die Protagonisten (vor allem für den Conrad) mit denen man sich zwischendurch identifiziert eher unerwünscht. Die ganze Welt voll von schlechten Menschen (außer Conrad, der ist dafür das Opfer).
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Format: Gebundene Ausgabe
Mit diesem Roman toppt Tom Wolfe sein Erstlingswerk um Längen! Es ist zumindest mit einer der besten Romane, den ich je gelesen habe. Und zwar mittlerweile zwei Mal, was bei über 1000 Seiten Länge eigentlich schon etwas heißt. Eigentlich, denn diese Seiten sind ein absoluter Genuss und trotz messerscharfer Gesellschaftsanalysen immer ein angenehmes Lesevergnügen.
Tom Wolfe stellt hier neben dem Hauptprotagonisten, dem alternden Immobilientycoon Croker, noch eine ganze Reihe weiterer Protagonisten sehr vielschichtig und hervorragend dar. Deren Handlungsstränge sind zunächst mehr oder weniger lose verbunden und ergänzen sich am Ende zu einem Meisterwerk. Dabei weiß Wolfe instinktiv, wann er welchen Handlungsstrang verfolgen muss und verwebt diese auch immer wieder ganz spielerisch ineinander. Der Roman ist stilsicher geschrieben, niemals banal, aber auch nie mit künstlich überhöhter Sprache. Wolfe ist keiner der sich mit dem Sprachstil selbst darstellt, ganz im Gegenteil, er verwendet sie zur Darstellung seiner Charaktere. Auch dies ist ein Grund, warum er diese verschiedensten Figuren allesamt vollkommen authentisch entwirft.
Bei diesem Buch findet man nur schwer ein Haar in der Suppe. Allenfalls die Tatsache, dass Wolfe lange Zeit alles zu einem absolut genialem Ende arrangiert, welches dann aber etwas mittelmäßig ausfäll. Aber das sind allenfalls 10 Seiten, der Rest des Buches ist ein einziger Genuss. Das ist ein Roman, der es verdient hätte über Jahre an der Spitze der Bestsellerlisten zu stehen!
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