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Ein Tag mit Herrn Jules Gebundene Ausgabe – 14. Dezember 2005

4.7 von 5 Sternen 38 Kundenrezensionen

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Die halbe Stunde zwischen Erwachen und Aufstehen ist für Alice die Zeitloseste des ganzen Tages. Da darf sie sich vom Bettuch noch einmal umhüllen lassen wie von einem vertrauten Kleidungsstück. Neben ihr ist der Duft von Jules noch tief ins Laken tief eingegraben, „ein Hauch von verflogenem Alkohol, Muskatnuß und altem Mann“. Jules wird jetzt unten in der Küche stehen, wo er das einzige tut, was er nach Alices Erinnerung im Haushalt immer tut: Kaffee kochen nämlich. Erst wenn der Duft des frisch gebrühten Kaffees durch die Wohnung zieht und Alice sich klar gemacht hat, wie gut es ihr geht, ist die zeitlose halbe Stunde zwischen Erwachen und Aufstehen vorbei.

Eigentlich ist vieles zeitlos im Alltag von Jules und Alice, und vieles ist erstarrt in Ritualen. Dazu gehört auch der Besuch des autistischen Nachbarsjungen David, der auch heute wie selbstverständlich zum Schachspiel vorbeikommen wird. Aber heute ist etwas anders in Alices Leben. Zwar zieht der Kaffeeduft noch durch die Wohnung, aber die Zeit ist diesmal dennoch gänzlich stehen geblieben: Jules sitzt tot auf dem gemeinsamen Sofa. Aber Alice beschließt, trotzdem den Tag mit ihm zu verbringen und mit ihm über all das zu reden, was vielleicht doch nicht so glücklich war in ihrem Leben. Dann kommt David, auch da läuft alles anders. Und dann brechen am nächsten Morgen doch wieder neue Zeiten an und das Leben beginnt mit dem „Duft eines neuen Tages“.

Ein Tag mit Herrn Jules der 58-jährigen niederländischen Autorin Diane Broeckhoven ist ein wundervoll stilles Buch vom Abschied-Nehmen und Mut-Fassen, von der Eintönigkeit des Alltag und von den Überraschungen des Lebens, herrlich unpathetisch und -- ja, vor allem -- auf zauberhafte Art und Weise zeitlos. Große Literatur. --Isa Gerck

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Es hatte geschneit. Alice schaute aus dem Fenster und sah unten die weiß leuchtende Straße. Sie hüllte sich in den Morgenmantel und versuchte so, die Wärme des Bettes unter dem blauen Frotteestoff zu bewahren. Den Gürtel zog sie stramm um ihre Taille und steckte die Hände in die Taschen. Bea, die unter ihnen wohnte, kehrte im gelblichen Schein einer Straßenlaterne auf dem Bürgersteig vor dem Haus Schnee.
„Die ist auch immer nur am Ackern“, dachte Alice.
Sie blieb stehen und hörte zu, wie sich Rauschen und Schaben von Besen und Schaufel immer wieder abwechselten, eine Fanfare in der Ferne, die nicht näher kam. Fröstelnd ging sie in die Richtung, aus der der Kaffeeduft kam.
„Es hat geschneit, Jules“, sagte sie zum Hinterkopf ihres Mannes, der über die Rückenlehne des Sofas ragte. Meistens wartete er in der Küche am Frühstückstisch auf sie, der immer auf die gleiche Weise gedeckt war. Jules antwortete nicht, was ihr ein Lächeln entlockte. Bestimmt starrte er wehmütig in den Schnee und dachte dabei an früher, als es noch richtige Winter gegeben hatte. Eisig und rauh. Langsam kam sie näher, gebremst durch ihre steifen Knie. Aus einem Impuls heraus legte sie kurz die Hand auf sein schütteres Haar. Sacht auftretend ging sie um das Ledersofa herum und setzte sich neben ihren Mann. Daß er von seinen eigenen Hausregeln abwich, um durch die Wand aus Glas die Schneelandschaft in sich aufzunehmen, stimmte sie mild. Auf diese Weise bekam sie selbst unerwartet ein Stückchen Freiheit geschenkt. Die Pflicht rief sie noch nicht gleich.
Sie rückte näher an ihn heran und spürte die Wärme seiner Schulter an ihrer. Kurz neigte sie den Kopf zur Seite, bis der rauhe Stoff seiner Jacke ihre Wange kratzte.
„Es ist irgendwie hell und dunkel zugleich“, sagte sie und lächelte ihr Spiegelbild in der großen Fensterscheibe an.
Jules erwiderte nichts. Reglos blieb er neben ihr sitzen, mit den Händen auf den scharfen Bügelfalten der Hose. In der Küche hörte sie, wie die letzten Tropfen durch die Kaffeemaschine fielen, dann das Finale aus Dampfen und Schnauben. In der lärmenden Stille, die darauf folgte, drang die Wirklichkeit zu ihr durch.
„Jules!“
Ihre Stimme brach mit Kraft aus ihrer Kehle hervor, wie ein Vogel, der aus dem Gebüsch aufschreckt. Sie schüttelte und schlug ihn, bekam aber keine Bewegung in den starren Körper.
„Jules!“
Wieder ein Vogel. Ein kleiner, scheuer.
Er reagierte nicht. Schwerfällig bewegte er sich mit, als sie ihn mit klauenartig gekrümmten Fingern bei den Schultern packte. Jules war tot. Sie konnte es nicht fassen. Im glückseligsten Moment ihres Tages, ihrem Gebärmutterhalbenstündchen, war er gestorben. Doch vorher hatte er noch seine Pflicht getan. Er hatte den Tisch gedeckt und Kaffee aufgesetzt.
Es kam ihr so merkwürdig vor, daß sie neben ihm gesessen hatte und einfach davon ausgegangen war, daß er lebte. Sie hatte mit ihm gesprochen und gedacht, er würde aufstehen, mit ihr in die Küche gehen und sich an den gedeckten Tisch setzen. Dieser Gedanke beruhigte sie. Jules würde erst dann wirklich tot sein, wenn sein Sterben bis ins Mark zu ihr durchgedrungen war. Bisher traf die Wahrheit lediglich von außen zu, an den äußeren Enden ihrer Nerven. Wie Nieselregen sickerte die Wahrheit durch ihre Poren ein.
„Für die Hinterbliebenen ist es immer schlimm“, flüsterte sie, und die Oberflächlichkeit dieser lächerlichen Bemerkung beruhigte sie einen Moment lang. Sie legte ihre noch bettwarme Hand auf seine, die sich kühl anfühlte. Aber nicht kalt.

Natürlich hatten sie übers Sterben geredet, ihre Angst davor, sich in menschliche Wracks zu verwandeln, miteinander geteilt. Jules reagierte immer gereizt, wenn sie sagte, sie fände es gar nicht so tragisch, dement zu werden. Es erschien ihr wie ein recht sorgloses Dasein. Nichts mehr regeln müssen, Schwestern, die einem geduldig das letzte bißchen Leben einlöffelten, die Freundinnen aus dem Kindergarten und die ersten heimlichen Liebhaber, die unerwartet vorbeikamen. Vor allem mit Letzterem konnte sie ihren Mann auf die Palme bringen. Er war ihr erster Liebhaber gewesen, er hatte sie ins Leben und in die Liebe eingeweiht. Sogar fünfzig Jahre später duldete er keine Scherze über sogenannte Rivalen.
„Denk doch auch mal an die Hinterbliebenen und nicht nur an dich selbst“, sagte er dann. „Stell dir vor, du würdest mich nicht mehr wiedererkennen. Auch Hermann nicht, oder die Enkel.“
Tja, das war dann das Problem der Hinterbliebenen, dachte sie. Doch diesen völlig auf sich selbst bezogenen Gedanken sprach sie nicht aus. Ihr kam das so friedlich vor, auf der Schwelle des Todes in einer Nebelbank zu verschwinden, wo Erinnerungen langsam verblaßten und Geräusche verebbten. Sie fand es sogar romantisch, wenn das Leben auf diese Weise erlosch. Wie am Ende eines französischen Films, wenn sich die Farben in einem Panorama aus Pastell brachen. Fin!
Es hatte Momente gegeben, da hatte sie das starke Bedürfnis gehabt, Jules nicht wiederzuerkennen. Doch er war ihr in die Haut eingebrannt. Niemals würde er für sie unsichtbar sein.
Plötzlich sterben, ohne Schmerzen, ohne Angst, das wäre seine Wahl, wenn er eine hätte. Wie der Stoß einer riesigen Hand in den Rücken, ohne jede Chance, sich dagegen zu wappnen. Das Gefühl, das eine Fliege in dem Sekundenbruchteil haben muß, wenn sich die zusammengerollte Zeitung über ihren schutzlosen Körper erhebt. Das fand Alice dann schlimm für die Hinterbliebenen. Und unverschämt, so ganz ohne jedes Vorzeichen einfach aus dem Leben zu verschwinden.
Wenn Jules also nicht wollte, daß sie dement wurde, dann wäre sie doch für ein schönes, tiefsinniges Sterbelager. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Schmerzen und menschenunwürdige Körperlichkeiten wie Windeln oder blauverfärbte Gliedmaßen verdrängte sie. Sie würde in einem warmen Nachthemd unter frischgebügelten Decken liegen, mit silbergrau getöntem Haar und manikürten Nägeln. Sie würde Jules alles sagen können, was sie fünfzig Jahre lang in sich hineingefressen hatte. Daß sie ihn haßte und daß sie ihn liebte. Daß sie manchmal am liebsten weggelaufen wäre und daß sie froh war, geblieben zu sein. Daß sie hatte frei sein wollen und sich mit jeder Faser an ihn gebunden fühlte. Dinge, die man sich vor dem Hintergrund der Alltagssorgen nicht sagt. Sie würden sich bei den Händen fassen und einander vergeben. Alles. Jules’ Kiefergelenk würde sich nur kurz unter seiner schlaffgewordenen Haut bewegen, für sie das Zeichen, einzulenken. Unter diesen endgültigen Umständen würde er sich allerdings beherrschen. Er würde nicht böse werden, ihr keine Vorwürfe machen. Er würde sie in Ruhe sterben lassen. Sie schon vermissen, bevor sie Kraft sammelte für ihren letzten Atemzug.

Alice ging so in ihrer Phantasie auf, daß sie für einen Moment vergaß, daß sie jetzt die Hinterbliebene war. Als ihr das Unabwendbare plötzlich wieder einfiel, traten ihr Tränen in die Augen. Sie wischte sich über die Wange und stupste mit ihren nassen Fingern kurz gegen Jules‘ Handrücken. Die feuchte Kälte des Todes grub sich Gänge unter seiner Haut. Sie erhob sich, nahm das weiße Licht in sich auf, das erbarmungslos ins Zimmer leuchtete. Danach setzte sie sich auf den Couchtisch aus Eichenholz, ihrem Mann direkt gegenüber. Unschlüssig. Sie studierte sein Gesicht. Die Augen waren halbgeschlossen wie bei einem Kind, das mitten im Spiel vom Schlaf übermannt worden war. Um die Lippen - bildete sie sich das ein oder waren sie bläulich? – spielte der Schatten eines Lächelns. Hatte er die große Hand hinter sich gespürt, die ihn über die Grenze zwischen Leben und Tod gestoßen hatte? Nun erst entdeckte sie seine Brille auf dem Boden. Sie hob sie auf, wischte mechanisch die Gläser mit einem Zipfel ihres Bademantels sauber und schob sie vorsichtig auf Jules’ Nase.

Aus dem Niederländischen von Isabel Hessel.


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