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am 24. März 2011
Das hier besprochene "Eichmann war von empörender Dummheit" ist sozusagen das "Buch zum Buch", nämlich zu der im selben Verlag (Piper) erschienenen Studie "Eichmann in Jerusalem" (dt. 1964) von Hannah Arendt. Es schmälerte den Rang dieser wichtigen Neuerscheinung nicht, wenn man darauf deutlicher hinwiese. Denn die Lektüre der Briefe, des Gesprächs (es ist entgegen dem Plural im Untertitel "Gespräche und Briefe" nur eines) und der andernorts schon veröffentlichen, hier nun wiederabgedruckte Texte und Rezensionen zu "Eichmann in Jerusalem" bringt naturgemäß demjenigen Leser mehr, der den ständig in Bezug genommenen "Eichmann in Jerusalem" schon kennt. Wer sich für den Eichmannprozess und die zum geflügelten Wort gewordene "Banalität des Bösen" näher interessiert, dem sei daher empfohlen, zuvor "Eichmann in Jerusalem" und dazu vielleicht auch die ihm ebenbürtige Reportage "Strafsache 40/61" zu lesen, letztere verfasst von keinem geringeren als Harry Mulisch.

Wir haben es bei "Eichmann war von empörender Dummheit" also mit Sekundärliteratur zu tun. Im Rahmen ihrer dienenden Funktion mag man - soll man's wirklich in der Sprache der Zeitungsschlagzeilen sagen? - tatsächlich von einer "Sensation" sprechen: Das Buch enthält ja einen Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Joachim Fest, den man jetzt erst entdeckt hat. Aber offen gestanden: Viel geschrieben haben die beiden einander nicht, und so beeinhaltet der Band denn auch noch ein Radiointerview und Beiträge aus der Hannah-Arendt-Debatte, ein langes Vorwort der Herausgeber und einen umfangreichen Fußnotenapparat. Ich persönlich halte den Fußnotenapparat für übertrieben ausführlich, denn wer sich ein solches Buch kauft, sollte eigentlich wissen, was die Nürnberger Prozesse waren. Statt dessen bleiben die feuilletonistisch eingefärbten "Rechtsausführungen" in dem mitabgedruckten Essay von Reinhart Baumgart (Verwechslung des Strafgesetzbuchs mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch, Datierung des BGB auf 1871 [es ist von 1900]) völlig unkommentiert; auch ist den fußnotverliebten Herausgebern nicht aufgefallen, dass es 1964 den von ihnen obstinat SWR genannten Runksender, als das Arendt-Fest-Interview ausgestrahlt wurde, noch gar nicht gab.

Frau Arendt und Herr Fest bedienen sich in ihren Briefen und beim Radiointerview einer präzisen, Frau Arendt zugleich einer undiplomatisch deutlichen Sprache. Im Vergleich zur wohltuenden Diktion dieser beiden Denker fällt das Vorwort der Herausgeber leider stark ab.
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am 19. Januar 2017
Diese Buch ist für die ganze Familie zu empfehlen und sollte meiner Ansicht nach, auch zusammen gelesen werden. Hier wird sehr gut beschrieben was unüberlegtes Handeln und voreiliges Urteilen bewirken. Eltern können sich durch dieses Buch Vermeidungskonzepte erarbeiten und junge Leser auf Fehlverhalten durch Ihr soziales Umfeld reagieren.
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... heißt eines der wichtigsten Werke von Hannah Arendt, die sich auch grundlegend mit den Elementen und Ursprüngen totaler Herrschaft auseinandergesetzt hat: "Vom tätigen Leben", das war bei ihr immer und vor allem ein denkendes Leben. Für ihr Buch über den Eichmann-Prozess (Eichmann in Jerusalem) musste sie viel Kritik einstecken, gerade auch von denen, die nur dessen Untertitel kannten, "Ein Bericht von der Banalität des Bösen". Das hier nun vorliegende, ein Radiogespräch und einen Briefwechsel mit dem ehemaligen FAZ-Herausgeber und Hitler-Biografen Joachim Fest versammelnde Buch dreht sich im Kern um die daraus entstandene Kontroverse, die auch in einem eigens hinzugefügten Kapitel dokumentiert wird. Selbst wenn man wie ich der Meinung ist, dass Hannah Arendt Eichmann in Jerusalem zumindest insofern auf den Leim gegangen ist, als er sich in seinem Prozess hinter der Maske des banalbösen Biedermanns versteckte, die den Brandstifter nur verbergen sollte, so lohnt die Auseinandersetzung mit diesem Buch in jedem Fall. Denn die darin aufgeworfene Frage, wie ein erschreckend normal (wirkender) Mensch zum Verbrecher (gegen die Menschlichkeit) werden konnte, ist leider zu allen Zeiten aktuell. Und vielleicht sollte man sich auch nicht allzu sicher sein, dass man selbst in dunkelster Zeit auf der "richtigen" Seite gestanden hätte. Die Beschäftigung mit dem, was war, kann einem eine sehr gute Hilfe dabei sein zu verstehen, was ist. Wie man sein (und auf welcher Seite man stehen) möchte, wenn die Zeiten wieder dunkler werden. Und waren die Zeiten schon jemals so "hell", dass man NICHT aufstehen möchte und schreien angesichts all des (keineswegs banalen, sondern von bewusst agierenden, ihren persönlichen Vorteil über alles und alle andere stellenden Menschen verursachten) Leids in der Welt? Nur dass das Schreien halt nichts hilft; denken und handeln, vielleicht, ein bisschen.
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am 18. August 2011
Der Eichmann-Prozess jährte sich kürzlich zum fünfzigsten Mal, Grund genug für Ursula Ludz und Thomas Wild, eine überaus interessante Neuentdeckung auf den Buchmarkt zu bringen: Den Briefwechsel Hannah Arendts mit dem Historiker Joachim Fest, dessen Hitler-Biographie auch heute noch zum Standard der NS-Geschichtsschreibung zählt.

Im Zuge der Eichmann-Kontroverse führten Joachim Fest und Hannah Arendt ein Radio-Interview, das 1964 im Rundfunk ausgestrahlt wurde und nun erstmalig in Buchform dokumentiert wird, zuvor war es lediglich im Internet veröffentlicht worden. Diesem Interview ist ein Briefwechsel vorausgegangen, den Ludz und Wild zusammengetragen haben. Er verdeutlicht vor allem, wie sehr Arendts Kritiker ihr Buch missverstanden haben und fasst gemeinsam mit dem Interview Arendts Auffassung von der Rolle Eichmanns pointiert und ohne viel Drumherum zusammen.

Ergänzt wurden Interview und Briefwechsel mit vier Dokumenten aus der sogenannten Arendt-Kontroverse, sowie einem zuweilen aufgeblähten Anmerkungs-Apparat.

Gelungen ist aber das ausführliche Literaturverzeichnis, das dem interessierten Leser das tiefere Eintauchen in den Eichmann-Prozess und die sich daran anschließende Kontroverse enorm erleichtert. Sicherlich ist die Lektüre dieser Neuerscheinung nur sinnvoll, wenn man auch Arendts Eichmann-Buch gelesen hat oder zumindest mit ihren Hauptthesen vertraut ist.
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am 25. Februar 2013
Hannah Arendt beschreibt Eichmanns Dummheit, die weder grausam noch dämonisch war, sondern einfach die Gedankenlosigkeit eines Funktionärs innerhalb eines bürokratischen Systems ausdrückt, und bezeichnete sie in ihrem Buch "Eichmann in Jerusalem" als „Banalität des Bösen“. Mit diesem Begriff (unter anderem) löste sie eine der grössten Kontroversen des letzten Jahrhunderts aus.

Das vorliegende Buch enthält ein Gespräch mit Joachim Fest, welcher zur selben Zeit wie Hannah Arendt Eichmann in Jerusalem sein Werk Das Gesicht des Dritten Reiches veröffentlicht hatte, welches zu einem ähnlichen Schluss kam wie Arendt.

Das Gespräch behandelt Themen wie die Definition eines neuen Verbrechertypus, welcher eben keine kriminelle Energie hat, sondern aus (oft blindem ) Gehorsam handelt, es handelt von der Frage nach Verantwortung und Schuld in einem totalitären System, von Gerechtigkeit nach einem historischen Unrecht solchen Ausmasses, sowie von gut und böse als moralischen Urteilen.

Neben dem Gespräch findet man den das Gespräch vorbereitenden Briefaustausch zwischen Arendt und Fest sowie sporadische spätere Briefe, welche eher auf eine intellektuelle Verbindung denn auf eine Freundschaft hinweisen, allerdings von gegenseitigem Respekt zeugen.

Anschliessend folgen vier Dokumente aus der Kontroverse um Hannah Arendt und Eichmann in Jerusalem, welche während des Austauschs zwischen Arendt und Fest erwähnt worden sind. Die Stellungnahme des Council of Jews from Germany tut sein Unverständnis kund über die „unverantwortbaren Schlussfolgerungen“, die Hannah Arendt aus „unfundiertenn Feststellungen“ zog, Golo Manns sarkastischer Text voller plakativer Herabwürdigungen gibt ihr immerhin in Bezug auf das Portrait Eichmanns recht und Mary McCarthy verteidigt das Buch so sachlich, wenn auch offensichtlich wohlgesonnen. Den Abschluss macht Reinhard Baumgard mit einem Nachwort zu Hannah Arendts Eichmann-Buch: Mit Mördern leben?

Die Zusammenführung der Texte ist aufschlussreich und sinnvoll, die Einleitung zeigt durch Vorwegnahme und Zusammenfassung einiger zentraler Argumente die Grundaussagen des Austauschs und hilft damit beim Verständnis des Kommenden. Die abschliessenden Dokumente aus der Kontroverse verdeutlichen die Unsachlichkeit der Angriffe gegen Hannah Arendt und ihr Buch.

Fazit:

Die spannende Analyse eines Jahrhundertverbrechers und des Systems, das ihn zustande brachte. Sehr empfehlenswert.
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am 22. März 2015
Hannah Arendts Publikationen zum Eichmann-Prozess (insbesondere ihr Werk "Eichmann in Jerusalem") hatten heftige Kontroversen vor allem in Israel, Deutschland und den USA ausgelöst, die bis zu persönlichen Anfeindungen der Philosophin reichten. Kontrovers waren hier vor allem ihre Analyse der Rolle der Judenräte, die Demaskierung des vermeintlichen Dämons Eichmann als Biedermann und ihre Thesen zur Schuldfrage scheinbar Unbeteiligter.
Hannah Arendt hat die Angriffe gegen ihre Person und gegen ihre Publikationen nie verteidigt oder versucht sich zu rechtfertigen, sondern hat ganz ruhig und wissenschaftlich darauf reagiert, indem sie versuchte mit Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen, deren Ansicht/Logik zu verstehen und so gedanklich weiterzukommen. In einem Briefwechsel mit Klaus Piper und Joachim Fest wurde dann das in diesem Buch abgedruckte Radiointerview vorbereitet. Alle die oben genannten Kontroversen wurden hierbei kritisch und frei von den Beiden diskutiert. Dieses Interview ist für mich die gewinnbringendste Sekundärliteratur zu "Eichmann in Jerusalem". Außer diesem Interview sind noch weitere überwiegend kritische Stellungnahmen zu dem Werk abgedruckt, u.a. auch die sehr polemisierende und beleidigende von Golo Mann.
Der abgedruckte Briefwechsel zwischen H. Arendt und J. Fest trägt inhaltlich relativ wenig zu der Eichmann-Kontroverse bei, offenbart aber die respektvolle, interessiert-wissenschaftliche Beziehung zwischen den beiden Intellektuellen.
Den Abdruck eines Anhangs mit Literatur-, Sach- und Autorenregisters, wie geschehen, halte ich für unentbehrlich. Die Gestaltung ist aber misslungen: Am Ende des Buches befinden sich 4 Anhangskapitel (1. Zum Vorwort, 2. zum Interview, 3. zu den Briefen, 4. Autorenverzeichnis), die in ihrer Nummerierung wieder bei 1 anfangen und zahlreiche Querverweise auf Positionen anderer Anhangskapitel enthalten. Das macht die Nutzung des Anhangs überflüssig umständlich.
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