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am 30. Januar 2004
Diese CDs haben mir für den Unterricht sehr geholfen, Effi Briest nicht einfach nur zu Lesen, zu bearbeiten und zu interpretieren, sondern auch zu verinnerlichen. Ein entscheidender Unterschied ist mir nun im nachhinein aufgefallen.
Gert Westphal schafft es, mit seiner heiteren Betonung, den streckenweise doch melancholischen Text, den Figuren eine fröhliche, lebendige Stimmung zu geben. Besonders die Dialoge zwischen Mutter- und Vater- Briest sind, im Gegensatz zur Verfilmung Fassbenders, eher freundlich gesinnt und neckisch. Während Fassbender die Unterhaltungen der Eltern eher ernst, konfliktträchtig, angespannt und verstritten erscheinen lässt. Dieser heitere Tonfall Westphals, passte auch in meiner Vorstellung von einer lebenslustigen Effi besser, als Fassbenders
äußerst depressive, melancholische Darstellung Effis.
Mir ist klar geworden, wie unterschiedlich man einen Text interpretieren kann, wenn man ihn anders akzentuiert. Nach dem Motto: der Ton macht die Musik.
Ohne das Buch zusätzlich zu lesen, geht es glaube ich nicht so gut. Darum vielleicht erst ein bischen lesen, um sich eine eigene Vorstellung von Effi und der Stimmung machen zu können.
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am 3. Februar 2016
... die Theodor Fontane eine Art Vorlage zu seinem Roman geliefert hat. Noch stärker als bei der Anna Karenina von Tolstoi (gäbe es einen sechsten Stern, würde ich ihn hier, bei Effi Briest, vergeben) wird mit preußischer Knappheit und zugleich mit unglaublicher Intensität das Schicksal einer für damalige Verhältnisse emanzipierten und trotz aller Widrigkeiten starken Frau beschrieben, die letztlich aufgrund ihrer Jugend und der unmöglichen gesellschaftlichen Verhältnisse doch noch zugrunde geht. Vor allem das Schlußwort des Vaters an die Mutter (nach dem Tod der Effi Briest) ging mir sehr nahe, als die Mutter wagte, auf die Jugend der Tochter anzuspielen: "Ach Luise ... das ist ein zu weites Feld ..."

Ich kann nur hoffen, es bei meinen eigenen Kindern besser gemacht zu haben.
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am 6. August 2006
Die Geschichte der jungen Effi Briest, die durch die Hochzeit mit dem Landrat Innstetten immer mehr an Lebensfreude verliert und sich schließlich in eine Affäre stürzt, die tragisch endet, ist eines der bedeutendsten Werke des deutschen poetischen Realismus. Auch wenn sich einige Passagen des Buches auf den ersten Blick eher schleppend lesen, reicht ein genauer Blick, um festzustellen, dass sich hinter diesen Passagen viel mehr verbirgt. Bereits in der Beschreibung des Innenhofes, die am anfang des Romans steht, versteckt sich der komplette Verlauf von Effis Leidensgeschichte, der sich erst nach genauer Interpretation der Motive zu erkennen gibt, als Beispiel die Schaukel und mit ihr das Motiv der Luft, des Schwebens, das den ganzen Roman hindurch ein Sinnbild für Effis Persönlichkeit darstellt. Auch die Leidenschaft und das Gefühl, die in diesem Roman zum Ausdruck kommen, werden erst bei genauem Betrachten und der Interpretation der einzelnen Motive und Stilmittel deutlich, dafür aber umso stärker, als sie in einem "normalen" Roman unserer Zeit überhaupt dargestellt werden könnten.

Wenn man bereit ist, sich auf Fontane und seinen -nicht immer leicht zu entschlüsselnden- Erzählstil einzulassen, bietet der Roman "Effi Briest" eine großartige Leseerfahrung und eine Geschichte, die in ihrer Tragik kaum größer sein könnte.
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am 15. Januar 2015
Ja, „ein weites Feld“ – das trifft meine Empfindungen über Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ ziemlich gut. Allerdings lasse ich – anders als Effi's Vater – die Leser meiner Rezension nicht im Unklaren darüber, wie ich zu einer Sache (in diesem Fall zu diesem Roman) stehe *g*

Warum liest man einen Roman, der von den meisten Deutsch-LK-Schülern gehasst wird? Nun, zunächst muss ich sagen: es hat mich schon länger gereizt, Effi Briest zu lesen – vielleicht, weil ich nicht zu den LK-Geschädigten gehöre *lach*. Außerdem habe ich ein Faible für Klassiker und verzweifelte Ehebrecherinnen (mit Madame Bovary und Anna Karenina stehen zwei weitere Bücher in der Warteschleife *g*).

Gevatter Zufall wollte es, das ich letztes Jahr in Münster in der Bahnhofsbuchhandlung nach einer Fortbildung über das Buch gestolpert bin – zu einem unschlagbar günstigen Preis :-) Kurzerhand hab ich das Buch dann mitgenommen und nach der mehr als 1-stündigen Zugfahrt nach Bielefeld war ich schon in diesem Roman gefangen.
Warum? Bereits nach der eröffnenden Beschreibung von Effi's Heimat setzte sich der Filmprojektor in meinem Kopf in Gang und ich fand mich in Hohen-Cremmen wieder, sah, wie unbeschwert Effi spielte und lachte, schaukelte und einfach eine frohe Stimmung verbreitete, die mir schon nach wenigen Seiten ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte. Dann lernte ich die Freundinnen von Effi, die Eltern und Geert v. Innstetten kennen und war völlig von den Socken, als Effi auf einmal mit ihm verlobt war. Die Selbstzweifel der Eltern ließen nicht lange auf sich warten, verschwanden aber auch ebenso schnell wieder.

Dann begleitete ich das frisch vermählte Paar nach Italien und anschließend nach Kessin, wo der Anfang vom Ende für Effi begann. Die ganze Zeit über habe ich mich immer gefragt, was Effi's Mutter wohl an Geert v. Innstetten gefunden hatte – war er doch (auf der einen Seite) herzlich zu seiner jungen Frau, auf der anderen Seite hat er in der ganzen Zeit nie die von vornherein sehr deutliche Distanziertheit aufgegeben, sondern es wurde sehr schnell sehr deutlich, dass ihm seine Karriere wichtiger war als die Familie. Darum habe ich mich auch für Effi gefreut, als sie mit Alonso Gieshübler einen lieben Freund gewonnen hat, der ihr das Leben jeden Tag mit Zeitungsausschnitten und kleinen Aufmerksamkeiten versüßt.

Effi langweilt sich in Kessin und auf den gesellschaftlichen Besuchen, die sie gemeinsam mit ihrem Mann absolvieren muss, zu Tode und man beginnt sich zu fragen, womit Effi das Ganze eigentlich verdient hat. Dann betritt Major Crampas die Bühne – ein „Frauenliebhaber“ durch und durch, der dabei aber sympathisch agiert. Effi kann sich dem Charme von Crampas nicht entziehen, obwohl sie es eigentlich gar nicht will. Das Verhältnis zwischen Effi und Crampas wird auch nie wirklich offensichtlich beschrieben – es findet eher „zwischen den Zeilen“ und in wenigen, interpretatorisch eindeutigen Passagen (Crampas und Effi allein in der Kutsche oder bei dem unter Crampas Regie aufgeführten Theaterstück) statt. Dafür wird die Eifersucht von Innstetten umso deutlicher, auch wenn er meiner Meinung nach nicht wirklich einen Grund dafür hat *g* - das kann jetzt jeder für sich interpretieren, wie es gemeint ist.

Um es jetzt für den Leser dieser Rezension nicht zu langweilig werden zu lassen (Glückwunsch an die, die bis hierher gelesen haben!), gibt es jetzt 'ne kleine Abkürzung und mein Fazit: Familie v. Innstetten geht von Kessin aus nach Berlin, Effi wird immer kränker, kommt zur Kur, Geert findet durch einen blöden Zufall Briefe, die das Verhältnis zwischen Effi und Crampas offenlegen, es kommt zum Duell zwischen v. Innstetten und Crampas (eine der Stellen im Buch, die kurz, knapp und präzise sind, während andere sehr ausführlich dargestellt werden, was für mich einen Teil des Reizes dieses Buches ausmacht), Geert's Selbstzweifel, ob er richtig gehandelt hat oder nicht, verschwinden ebenso schnell, wie sie gekommen sind, Effi wird aus der Gesellschaft und von ihren Eltern verbannt, fristet mehrere Jahre ein tristes Alltagsleben, macht eine enttäuschende Begegnung mit ihrer inzwischen 10-jährigen Tochter (die sie seit der Verbannung nicht mehr gesehen hat) und kehrt anschließend in die liebenden Arme ihrer Eltern zurück, die ihr mittlerweile verziehen haben.

In Hohen-Cremmen verbringt sie noch eine kurze, unbeschwerte Zeit und stirbt letztendlich - mit sich, Geert und allen anderen im Reinen – ein weiterer Moment im Buch, der mich ziemlich getroffen und berührt hat.

Fazit: Theodor Fontane hat mit „Effi Briest“ eine der schönsten Ehebruchgeschichten der Weltliteratur geschrieben, bei der einem nichts anderes übrigbleibt als mit der Titelheldin zu lachen, zu weinen, zu staunen…Das alles in einer wunderbaren Sprache, bei der die wenigen französischen Worte nicht negativ auffallen (auch wenn ich kein Französisch verstehe, konnte ich mir immer denken, worum es ging). Neben „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel Garcia Marquez bekommt Effi Briest nun einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal und ich werde garantiert nicht müde, Effi Briest als ein Stück großartiger Weltliteratur anzupreisen, für welches man bestimmt erst ein gewisses Alter *hust* erreichen muss, um es zu mögen.

Danke Theodor Fontane!!!
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am 12. Juli 2004
Theodor Fontane wurde erst sehr spät in seinem Leben als Romanschriftsteller erfolgreich und bekannt. Am bekanntesten wurde er dabei wohl mit der Geschichte der „Effi Briest".
Die Fabel dieses Romans hat ihre Quelle in der Wirklichkeit. Fontane - der auch lange als Journalist gearbeitet hatte - griff eine Zeitungsmeldung aus dem Jahre 1886 über ein Duell zwischen einem preußischen Offizier und einem Amtsrichter auf. Der Anlass war die Liebesaffäre zwischen dem Offizier und der Frau des Amtsrichters, Elisabeth von Ardenne.
Damit hatte Fontane sein Thema, wobei er den Schwerpunkt auf die Darstellung der Persönlichkeit der Hauptfigur - Effi - legt.
Fontane gelingt damit eine der beeindruckendsten Darstellungen des Schicksals einer Frau in der deutschen Literatur.
Der Inhalt sei hier nur kurz skizziert: Die 17-jährige Effi verlobt sich mit dem Landrat Geert von Instetten, der immerhin über 20 Jahre älter ist und früher ein Auge auf Effis Mutter geworfen hatte. Die lebhafte Effi langweilt sich im Haushalt Instettens tödlich, zumal er ihr auch nur wenig Aufmerksamkeit zukommen lässt. Auch die Geburt einer Tochter ändert an der für Effi betrüblichen Situation wenig. Erst ein schneidiger junger Offizier namens Crampas bringt ihre Gefühle in Wallung und Frauen, die sich langweilen, sind ja fast zu allem bereit. So hat sie eine kurze, aber heftige Affäre mit ihm und diese fast schon vergessen, als nach Jahren Instetten die Liebesbriefe von Crampas an Effi findet. Er duelliert sich mit Crampas, erschießt diesen und lässt sich von Effi scheiden, die Tochter bleibt bei ihm. Effi - die Ehebrecherin - gerät in gesellschaftliche Isolation und stirbt schließlich verzweifelt und schwermütig.
Fontane gelingt im Roman eine Darstellung Effis, die sie sehr sympathisch macht u d sie eher als Opfer gesellschaftlicher Konventionen und starrer preußischer Ehrbegriffe zeigt, denn als „Familienzerstörerin".
Neben der sehr subtilen Gestaltung dieser Frauengestalt ist vor allem die Prosa Fontanes zu loben - nicht umsonst hat Thomas Mann von sich behauptet, seine literarische Grundbildung bei Fontane erhalten zu haben. Dieses Werk gehört meines Erachtens zum Kanon deutscher Literatur - man muss es gelesen haben.
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am 18. Januar 2008
Ich habe mir das Hörbuch zur Abiturvorbereitung gekauft. Gelesen hatte ich das Buch bereits ein Jahr zuvor. Die Betonung ist eigentlich recht gut. Nur in Dialogen verliert man leider schnell den Überblick, da alle Stimmen gleich gesprochen werden und die Sprecherin ihre Stimme nicht verstellt, sodass man manche Stellen öfter hören muss um alles zu verstehen.
Zur Unterstützung bei gleichzeitigem Lesen der Lektüre oder zur Wiederholung ist das Hörbuch jedoch vollkommen ausreichend und vom Preis-Leistungsverhältnis her auch sehr gut.
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am 8. Oktober 2007
Ich bin völlig begeistert von dieser einfühlsamen Hör-CD von Effi Briest. Gert Westphal schafft es durch seine passende Betonung und Lesegeschwindigkeit nahezu perfekt, den teilweise sehr langatmigen Text (eben Realismus!) genial zu vertonen.
Wenn Sie eine Hör-CD zu Effi Briest erstehen wollen, scheuen Sie nicht den vergleichsweise hohen Preis dieser NDR-Variante von 1987. Es lohnt sich allemal. Sehr empfehlenswert!
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am 1. April 2008
Nachdem ich schon "Irrungen, Wirrungen" aus der Radioropa-Audioriehe gehört und mir die angenehme, gut intonierte Stimme der Vorleserin gefallen hatte, beschloss ich mir auch diesen Roman Fontanes durchs Ohr gehen zu lassen.

Leider kann man bei diesem hier nicht von einem Ohrenschmaus sprechen. Die Vorleserin ist hier eine Andere, ihre Stimme klingt etwas nasal und sie liest nicht so enthusiastisch - eher gezwungen. Wen der niedrige Preis lockt dem sei dies als Warnung gereicht.

Wen die Sprachgüte nicht interessiert und sich nur für den Inhalt interessiert, der bekommt hier Fontanes vollständiges Werk (und nicht gekürzt wie bei vielen anderen Audioausgaben) zu einem niedrigen Preis.
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Effi Briest wird mit ihren 17 Jahren mit dem Baron von Innstetten verheiratet, der jedoch 20 Jahre älter als sie ist und Effi wie ein Kind behandelt. Effi fühlt sich in ihrem neuen Zuhause in Hinterpommern nicht wohl, denn sie glaubt dort einen Spuk zu vernehmen. Sie gebiert eine Tochter und fängt doch eine Affäre mit dem Major Crampas an. Nach Jahren erst fliegt dieser Faux-Pas auf und Innstetten duelliert sich daraufhin mit Crampas, wobei dies für Effi unglückliche Auswirkungen auf ihr weiter bevorstehendes Leben nimmt...

Effi Briest ist unbestreitbar ein Klassiker der deutschen Literatur und insbesondere des Bürgerlichen Realismus/Gesellschaftsromans im 19. Jahrhundert. Fontane verfasste dieses und andere Werke erst in späteren Jahren seines Lebens, doch diese Reife ist ihm nicht abzuerkennen. Die Geschichte der jungen, frischen Effi, die Stück für Stück zu einer alten, kränklichen Frau wird, die viel Leid und Erduldungen in ihrem Leben hat hinnehmen müssen ist für den Leser natürlich bemitleidenswert. Fontanes Erzählstil jedoch ist, abgesehen von der großartigen Handlung, etwas langgezogen und nicht farbprächtig genug, die Worte und Beschreibungen wirken nicht sehr beeindruckend, doch nichtsdestotrotz sollte man dieses, sein bekanntestes Werk, gelesen haben, um sich zumindest einen Eindruck über diese literarische Epoche zu verschaffen. "Effi Briest" gilt als Vorform der späteren Romane, zum Beispiel Manns "Buddenbrooks", der "Effi Briest" als ein Werk bezeichnet, das in einer Bibliothek, wenn man sie auf 5,6 Bücher kürzen würde, nicht fehlen dürfte. Fontane hat die Wahl zu meinem persönlichen Lieblingsautor zwar nicht gewonnen, doch überzeugt er mich trotzdem vollends in seinen Absichten, Anschauungen und Darstellungen, ich vergebe 4 Sterne für ein Werk, das stets als aktuell angesehen werden kann, womöglich in anderen Ländern dieser Welt.

~Bücher-Liebhaberin~
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am 29. März 2009
Angesichts der neueren Verfilmung des Stoffes, bei der man vermeintlicherweise glauben mag, die Geschichte der Effi Briest von Fontane aufgetischt zu bekommen, lohnt einmal wieder die Lektüre des Originals. Man wird dabei entdecken, dass der Roman eine sehr andere Geschichte erzählt als ihre aktuelle Verfilmung - und zwar nicht nur wegen des geänderten Schlusses.
Fontane orchestriert in großartiger Weise all die unterschiedlichen Stimmen seiner Figuren Effi, Frau und Herr Briest, dem Liebhaber Crampas und dem ältlichen Innstetten. Von einem Distanz haltenden und Überblick bewahrendem Erzähler werden sie alle in ihrer gesellschaftlichen Rolle erfasst und beleuchtet. Aus der erzählerischen Distanz begreift man den gesellschaftlichen Zwang, dem alle hier auftretenden Charaktere unterworfen sind: Das naive Mädchen Effi, die - noch halb Kind - ihren Eltern gefallen will, zugleich aber den preußisch eingeimpften Ehrgeiz in sich kultiviert; die sich selber halb weis machen will, sie könne diesen 30 Jahre älteren Innstetten lieben, der pikanterweise vor vielen Jahren um die Mutter geworben hat. Innstetten, der sich - mitunter sogar rührend - um das ihm doch recht fremde Mädel kümmert, der aber keinerlei Schimmer hat, was eine Beziehung zu einem Menschen neben der gesellschaftlichen Konvention und Rolle noch sein könnte; der schließlich einen Menschen im Duell erschießt, nicht weil er aus den tiefen seiner Verletztheit nicht anders konnte, sondern weil er glaubt, gesellschaftlich wohl so handeln zu müssen - auch wenn ihm selbst leichte Zweifel hieran kommen. Schließlich die Eltern, die ihre eigene Tochter nach dem entdeckten Ehebruch mit Crampas glauben verstoßen zu müssen, weil es sich wohl so geziemt. Ein Haufen Fremdbestimmter, die eigentlich nicht wissen was sie tun, noch was sie tun sollen. Die dem Popanz eines abstrakten Ehrenkodex aufsitzen, aus dem es innerhalb dieser Gesellschaft kein entkommen gibt.
Das soll erzählt werden. Fontane übt an seiner Gesellschaft Kritik, indem er sie in ihrer Beschränktheit zeigt und die Mittel, mit denen er dies tut, sind wunderbar: Die Spannung der Geschichte ergibt sich einzig aus dem Zuschauen der Charaktere in ihrer jeweiligen Zwangsituation. Die psychologische Genauigkeit dabei ist für den Leser schierer Erkenntnisgenuss. Hinzu kommen die vielen Motive und Symbole wie die Schaukel, der reißende Schlon und der exotische Chinese, die - verwoben mit dem gesamten Stoff - die Handlungsgeschichte überhöhen und aufladen. Diejenigen Elemente hingegen, die man auf der Geschehensebene landläufig mit Spannung verbindet wie die Hochzeit Effis, die Affäre mit Crampas oder das Duell mit Todesfolge werden geschickt, ja mit Meisterschaft übergangen. Diese hochgradige, an Lakonie grenzende Subtilität macht einem erst die ganze Wucht der des Erzählten erfahrbar. Wenn es beispielsweise im ersten Satz des 3. Kapitels - nachdem wir Effi bisher nur als kindliches, mit Freundinnen spielendes Mädchen wahrgenommen haben - heißt: "Noch an demselben Tage hatte sich Baron Innstetten mit Effi Briest verlobt." Effi Briest zeigt Fontanes ganze Könnerschaft.
Was macht der Film von Hermine Huntgeburth hieraus? Ich möchte vorwegschicken, dass ich Literaturverfilmungen grundsätzlich für ein spannendes Genre halte. Huntegeburths Film jedoch läuft in allen Bereichen auf eine unentschuldbare Verflachung hinaus. Die Vielschichtigkeit der Charaktere wird gegen ein holzschnitzartiges Gut / Böse vertauscht. Effi ist von Anbeginn die trotzige Kritikerin, die sich dieser Gesellschaft ausgeliefert fühlt und aufbegehrt. Innstetten wirkt in seinem Verhalten wie ein brutaler Waldschrat, der Effi in der Hochzeitsnacht aufs Übelste vergewaltigt. Der Sympathieträger Sebastian Koch hingegen widerspricht dieser Aussageabsicht der Regisseurin. Die Affäre (im Buch gibt es nur einen einzigen erzählten Kuss und bis zur Entdeckung der Briefe weiß man nicht definitiv von der Affäre) wird natürlich weidlich ausgekostet. Und schließlich emanzipiert sich Effi zum Schluss des Films. Sie ist nicht - wie alle anderen Figuren im Roman ebenfalls - das Opfer ihrer Gesellschaft, sondern transzendiert diese. Sie geht als alleinige Siegerin, als erste emanzipierte Frau über ihre Gesellschaft hinaus und lässt alle anderen bedröppelt zurück. Das wiederum verkehrt die Aussage Fontanes ins Gegenteil! Während Fontanes Roman eine zwar unausgesprochene - und daher umso harschere - Kritik an der gründungsbürgerlichen Gesellschaft der Bismarckzeit übt, entlässt der Film sein Publikum in mit dem siegesgewissen Lächeln auf den Lippen, es wieder einmal geschafft zu haben. Jawohl Effi, du hast es all diesen Relikten der Vergangenheit gezeigt.
Natürlich muss das Kino in seiner Zuschauerlenkung anders arbeiten als der Film. Es ist allerdings schade, wenn es ihm nur noch gelingt, die einfachsten und basalsten Gefühle auszudrücken.

Thomas Reuter
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