Rezension aus Deutschland vom 22. Juni 2011
Alle, die Dungeon Siege 1 und 2 gespielt haben wissen, dass es sich hier um ein Hack-and-Slay-Spiel handelt. Ein solches Spiel hat sich schon immer fundamental von RPGs unterschieden, die mehr storylastig waren. Hack-and-Slay ist normalerweise nicht mein Fall, aber DS1 und 2 habe ich immer gemocht. Die Spiele waren interessant und machten Spaß. Was die guten Leute bei Square Enix und Obsidian allerdings vergessen haben ist, dass selbst ein Hack-and-Slay wie Dungeon Siege sich nicht nur auf willenloses Metzeln konzentrieren und alles anderen vernachlässigen sollte. Das hat man aber getan und dabei teils haarsträubende Anfängerfehler gemacht. Ich habe DS3 durchgespielt und werde hier meine positiven, negativen und sonstigen Eindrücke mal auflisten. Wie man sehen wird ist die negative Liste sehr lang und es fiel mir wirklich schwer auch nur einen wahren Pluspunkt zu finden. Tut mir wirklich leid, aber es ging nicht anders. Gespielt habe ich mit einer GeForce 9600 GT 512 mb, 3 GB RAM, AMD 64 X2 mit 2x2,6 GHz. Das Spiel lief auf höchsten Einstellungen flüssig.
Negativ
- Die Kamerasteuerung und -einstellung ist auf antikem Niveau, da man nur 2 Einstellungen hat und die Kamera immer irgendwie nur auf den Spielcharakter fixiert ist. Weitsicht ist im Prinzip nicht vorhanden, was bei der Vogelperspektive noch okay ist, aber beim Ranzoomen sollte die Kamera frei kippbar sein und das ist sie absolut nicht (man kann selbst mit gekippter Kamera ca. 15 Meter weit sehen). Sehr schlecht für Fernkämpfer.
- Die Tastenbelegung ist im und außerhalb des Spiels nicht einsehbar und deshalb auch nicht veränderbar. Ich konnte es erst nicht glauben, aber selbst nach ewigem Suchen habe ich nichts gefunden. Unprofessionell.
- Effektanimationen sind teilweise mittelalterlich. Die Feuer- und Wasseranimationen sind schon vor Jahren überholt gewesen.
- Das Spiel wird als Action-RPG geführt. Es ist aber eher Action und kaum RPG nach heutigen Standards. Selbst RPGs aus den 90ern hatten mehr RPG-Elemente als DS3. Die Individualisierung des Charakters beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass man zwischen vier Spielfiguren wählen darf und später im Spiel an seinen Fähigkeiten und Attributen etwas herumspielen darf.
- Leute, die DS1 und 2 gespielt haben, werden sich in DS3 kaum wohl fühlen. Es wurde zu viel verändert und konsolentauglich gemacht. Das Spiel wirkt viel zu billig für den Preis, der verlangt wird und bei manchen Fehlern (z.B. Tastenbelegung, Kamerasteuerung ...) fragt man sich, ob da nur Azubis bei der Programmierung drangesessen haben
- Schlauchlevels zum Quadrat. In DS3 kriegt man fast Platzangst, so schmal und eng sind die Wege und Pfade. Das führt natürlich auch dazu, dass man ständig an irgendwelchen Kieselsteinen und Baumblättern hängen bleibt.
- Die Charaktersteuerung ist grottig. Da man die Tastenbelegung nicht ändern kann, muss man damit klarkommen, dass man mit A und D nur die Kamera drehen, aber nicht den Charakter seitwärts laufen lassen kann. Das führt dazu, dass man die Spielfigur erst mühsam auf ein Ziel ausrichten und dann loslaufen muss. Steuert man die Kamera mit der Maus, dann tut einem irgendwann der Zeigefinger weh oder man bricht sich was.
- Es wurden nun Schusswaffen eingeführt, die von einer vollbusigen Lara Croft abgefeuert werden. Im Laufe des Spiels kann man seine Waffenausstattung so verbessern, dass man sich fragt, warum überhaupt noch jemand Schwert und Bogen benutzt. Vollkommen unrealistisch (wie auch das Nachladen der Schusswaffen) und wer Schusswaffen benutzt, kann auch nur diese und keine anderen Waffen verwenden (und umgekehrt).
- Speicherpunkte. Zwar gibt es davon viele, aber sie wirken in der Spielwelt irgendwie störend und gerade in einem Hack&Slay-Spiel sollte man meiner Meinung nach jederzeit speichern können.
- Obwohl man im Spiel viele unterschiedliche Schwerter, Schusswaffen ... findet, unterscheiden sich diese nur rudimentär im Aussehen.
- DS3 hat das einfachste und schlechteste Kampfsystem aller Zeiten: wenn Feinde kommen, muss man einfach nur klicken. Ja richtig, einfach nur klicken und es ist noch nicht mal wichtig wohin. Euer Charakter greift die Feinde dann selbst an und ihr könnt weder bestimmen welcher Feind zuerst oder als nächstes angegriffen wird. Egal wohin oder auf welchen Feind ihr klickt, euer Charakter sucht sich sein Ziel selbst und macht was er will, was dazu führen kann, dass er Feinde angreift, die meterweit entfernt sind, währen er von drei anderen seelenruhig abgestochen wird..
- Apropos Feinde: Horden von bis zu 15 Mann gleichzeitig, die alle zu 90 % gleich aussehen, sich gleich bewegen und gleich reden.
- Nach einem Stufenaufstieg wird man vom Spiel sofort gezwungen seine Skillpoints zu verteilen und neue Fähigkeiten zu erlernen. Man kann sich also nicht mehr selbst aussuchen wann man seine Punkte verteilt.
- Man kann nur mit ganz bestimmten NPCs reden (Questgeber), alle anderen stehen einfach nur rum oder laufen ein paar Schritte auf und ab. Nur wenige lassen mal einen lapidaren Spruch ab, wenn man sie anklickt. Außerdem kann man keine Häuser betreten (noch nicht mal die Treppen, die zur Haustür führen), es sei denn sie sind questrelevant.
- Außerdem gibt es in Ortschaften nicht wirklich viel zu entdecken, denn es redet kaum einer mit euch und wenn überhaupt, dann findet man mal eine Kiste mit etwas unspektakulärem Loot. Man verpasst nichts, wenn man einfach nur durchrennt.
- Gegner sehen uns schon von weitem (und können uns auch schon von weitem angreifen), währen unsere tolle Kamera uns das Leben schwer macht.
- Es gibt nur eine kleine Minimap und keine Weltkarte.
- Manchmal respawned Loot, das man in Kisten findet.
- Man kann nicht mehr als eine zusätzliche Person in seine Gruppe aufnehmen. In den vorherigen Teilen waren es mehr.
- Man kann kaum bis gar nicht mit den Gefährten interagieren (noch nicht mal Gespräche führen), obwohl jeder von ihnen ein großes Potential hat. Offensichtliche Storyelemente werden einfach ignoriert (z.B. zwei der vier möglichen Spielcharaktere sind Halbgeschwister, die sich im Spiel zum ersten Mal sehen, aber das scheint sie nicht die Bohne zu interessieren, da es keinerlei Gespräch zwischen ihnen gibt). Fail.
- Wie in allen RPGs möchte man immer bessere Ausrüstung finden/kaufen. Nach einiger Zeit merkt man aber, dass hier extrem geschlampt wurde. Beispiel: Bis auf wenige Ausnahmen war jede Waffe, die ich gekauft/gefunden habe (und man wird nur so zugeschmissen mit dem Zeug) schlechter als die momentan ausgerüstete. Selbiges galt für alle anderen Ausrüstungsgegenstände. Nach einiger Zeit habe ich schon gar keine Waffen mehr eingesammelt bzw. gecheckt, ob ich sie ausrüsten soll, sondern beim nächsten Händler geschaut, ob der was besseres hat (was meist aber nicht der Fall war). Langzeitmotivation zum Sammeln ist also nicht gegeben. 95 % des gesammelten ist nutzloser Plunder und nur zum Verkaufen gut.
- DS3 hat eine Entwicklung zum schlechten Final-Fantasy-Klon durchgemacht. Im Spiel trifft man nach einiger Zeit auf künstliche Intelligenzen, Androiden/Roboter, bereits erwähnte Schusswaffen, die sich später auch noch in waschechte Maschinengewehre verwandeln (kein Witz, obwohl sie wie Musketen aussehen) und dergleichen. Fehlen bloß noch UFOs. Das Spiel verwandelt sich so in ein Cyperpunk-Fantasy-Mittelalter-Gedöns.
Hier jetzt einige Punkte, die zwar auffallen, aber nicht negativ oder positiv bewertet werden, weil sie den "Spielspaß" nicht behindert haben.
- Die Grafik ist mittelmäßig. Einige loben sie in den höchsten Tönen, aber selbst auf höchsten Einstellungen sieht die Grafik weit schlechter aus als alles, was aktuell auf dem Markt ist. Am besten sieht man das bei Gesprächen und Nahaufnahmen von Spielfiguren. Jedoch muss man sagen, dass die Grafik auf einem Niveau ist, bei dem ich noch tolerant bin, weil ich kein Grafikanbeter bin.
- Anscheinend war am Ende mal wieder nicht genug Geld für animierte Intros und Zwischensequenzen übrig, also hat man sich für kleine Diät-Bildergeschichten entschieden, die sich rudimentär bewegen.
- Steamzwang geht mal gar nicht, aber die Leute sollten aufhören sich darüber zu beschweren und sich den Ärger einfach sparen, indem sie die einschlägigen "Hilfsmittel" benutzen, die das Internet zur Verfügung stellt. Dann ist Steam nämlich plötzlich gar kein Problem mehr.
- Ich schätze mal, dass die Musik ganz in Ordnung ist, denn ich entsinne mich nicht sie nicht zu mögen während ich diese Rezension schreibe, was heißt, dass sie mich nicht gestört hat, aber auch nicht gut genug war, um mir im Gedächtnis zu bleiben.
- Das Spiel läuft sehr stabil und ist auf meinem Rechner nie abgestürzt. Das kann man aber eigentlich auch erwarten.
- Als Kompensation für die Weltkarte hat man eine Art Wegpunktsystem eingeführt, das auf Knopfdruck kleine Navigationsleuchten auf dem Weg erscheinen lässt.
- Ich kann mich nicht entsinnen richtige Grafikbugs bemerkt zu haben.
- Das Spiel ist sehr kurz. Ich hatte es in 12 Stunden durch und bis auf drei oder vier Nebenquests alles gemacht.
Positiv
- Die Story ist zwar flach, aber das Spiel hat es trotzdem geschafft mich bei der Stange zu halten, weil nicht alles so schmerzhaft vorhersehbar war wie in anderen Spielen. Ich wollte immer wissen, wie es weiter geht und man kann durchaus sagen, dass man dem Spieler viele Entscheidungsmöglichkeiten lässt den Verlauf der Story zu beeinflussen. Es gibt zwar nicht viele Nebenquests, aber jeder davon ist von Bedeutung für die Story, was sich auch in der "Endsequenz" widerspiegelt (man muss die Nebenquests aber nicht machen, was auch Einfluss auf das Ende hat). Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass es in DS3 keine wirklichen Nebenquests gibt. Deshalb ist das Spiel aber auch sehr kurz.
Fazit:
DS3 ist nicht das schlechteste Spiel, das je auf den Markt kam, aber es wurde sehr viel unnötig falsch gemacht oder einfach unterlassen bzw. gegenüber den Vorgängern zum Schlimmeren verändert. Das Spiel hatte meiner Meinung nach wirklich sehr viel Potenzial, aber nichts, rein gar nichts davon wurde genutzt. Echt traurig. Den Grund kenne ich nicht (vielleicht kein Geld mehr, Publisher macht Druck oder man kümmert sich um die Kunden einfach nicht und ist glücklich damit oder die Kunden sind mittlerweile mit allem zufrieden und man nutzt das aus). Dieses Spiel ist das Geld, das dafür verlangt wird nicht wert und ich empfehle es absolut nicht.
Noch etwas zum Abschluss: Dies ist meine Rezension und es handelt sich hierbei um meine Meinung zum Spiel. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Leute gibt, die dieses Spiel vergöttern. Ich akzeptiere das und hinterlasse keine Kleinkindkommentare bei deren Rezensionen. Wer meiner Meinung nicht zustimmt soll seine eigene Rezension schreiben und dabei Leute nicht anfeinden nur weil sie anderer Meinung sind. Wenn er/sie glaubt das trotzdem tun zu müssen, ist er/sie besser bei Youtube aufgehoben. Ich werde auf solche Kommentare auch nicht antworten.