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Kundenrezensionen

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am 19. September 2003
Der britische Autor Tim Parks hat sich spätestens mit dem Buch Schicksal auf dem deutschen Buchmarkt vom Geheimtipp zum Bestseller-Autor gemausert. Seit der Empfehlung in der jüngsten Sendung von Elke Heidenreich sind auch die Verkaufszahlen des jüngsten Romans "Doppelleben" in ungeahnte Höhen geschnellt. Doch zu Recht?
In Italien waren es sechshundertvierzig, in Deutschland zweihunderteinunddreissig und in Spanien hat Mozarts Don Giovanni eintausendunddrei Frauen verführt. Daniel Savage - der Held in Tim Parks Roman „Doppelleben" - könnte da wahrscheinlich gut mithalten, er hat seinem Nachnamen und den Klischees, die sich um sexuelle Kapazitäten schwarzer Männer ranken, alle Ehre gemacht und es während seiner fast 20jährigen Ehe nebenher wild getrieben. Doch damit ist jetzt Schluß. „Es gibt kein Leben ohne Doppelleben, und doch hat man irgendwann genug davon", mit dieser Selbsterkenntnis lässt Parks seinen Roman beginnen. Daniel Savage hat allen Grund zur Umkehr, nachdem eine seiner Affären aufflog, seine Frau ihn deswegen aus der Wohnung schmiss, um sich schließlich doch wieder zu versöhnen. Dies und seine Ernennung zum Strafkammer-Richter sind Anlass für einen Neustart, besiegelt durch den Kauf eines eigenen Hauses für die aus der Asche einer mittelgroßen Krise wiedererstandene Familie. „Die Zeit der Metamorphosen ist vorbei. Ich habe mich selbst gefunden", stellt Daniel Savage fest.
Wenn ein Buch mit der Selbstfindung seines Protagonisten beginnt, mutmaßt man zu Recht, dass da wohl noch ein dickes Ende kommen muß. Richter Savage erweist sich denn bei näherem Kennenlernen auch als nach wie vor ziemlich unausgegorenes selbstbezogenes kaltes Ekel und es braucht schon viele Dutzend Seiten, bis man wenigstens so etwas Mitleid mit ihm bekommt. Savage heißt nicht nur wild, sondern auch grausam, der Richter allerdings ist im entscheidenden Moment eher nicht grausam genug. Eine frühere koreanische Geliebte ruft ihn an und bittet flehentlich um Hilfe. Savage geht dem Ganzen nach und begibt sich in einen Sumpf aus Schleuserbanden, Rauschgifthändlern und verdeckten Ermittlern - all das vollkommen ahnungslos, was besonders deshalb erstaunlich ist, weil der Umgang mit zwielichtigem Gesindel zu seinem Tagewerk als Richter gehört.
Savage jedenfalls wird bei der Suche nach seiner Ex-Geliebten aus dem Hinterhalt überfallen und halbtot geschlagen, was an sich schlimm genug ist, doch bei ihm kommt noch hinzu, dass er nach dem Erwachen aus dem Koma nicht ehrlich sagen darf, wer vermutlich dahinter steckt, jedenfalls nicht ohne mit der ganzen Wahrheit herauszurücken, seine frisch wiedergewonnen Familienfrieden zu zerstören und den Ruf und die Stellung als Richter aufs Spiel zu setzen.
Wie viele der Angeklagten, die er täglich vor sich hat, entscheidet sich Savage zunächst für eine Strategie der Vertuschung, um dann peu à peu erst mit der halben und schließlich mit der ganzen Wahrheit herauszurücken, ohne dass ihm das dann noch etwas nützen würde. So gerät er endgültig in einen selbstzerstörerischen Strudel aus Lügen und Halbwahrheiten, Maskerade und Entblößung, Demütigung und Selbstmitleid.
Vielleicht wäre die ganze persönliche Geschichte langweilig geworden, hätte sie Parks nicht so klug mit dem britischen Rechtssystem verwoben. So aber gewinnt die Geschichte ihre Spannung auch aus den Parallelen und Überschneidungen zwischen Familienleben und Gerichtsalltag, zwischen privater Moral und Rechtsnormen einer Gesellschaft, zwischen persönlichen Verfehlungen und öffentlichen Interessen. Vor Gericht und bei Freundschaft und Liebe geht es schließlich um ähnliche Fragen: Wem kann man trauen, was ist die Wahrheit und was nur die Inszenierung davon? Wie wichtig sind Regeln und Normen, auch wenn man weiß, dass sie nie hundertprozentig erfüllt werden können? Was ist eine angemessene Sühne und wann ist keine Rückkehr in die Gesellschaft oder keine Versöhnung in Ehe und Familie mehr möglich?
Parks ist in „Doppelleben" das faszinierende Porträt eines Mannes gelungen, der für diese Fragen beruflich durchaus Antworten parat hat, ihnen aber privat zunehmend hilflos gegenüber steht. Er kann sich nicht entscheiden zwischen der langweiligen Geborgenheit monogamer Familienidylle und den flüchtigen Freuden exzessiver Promiskuität. „Es schien nur die Wahl zu geben zwischen dem Leben im Gefängnis oder dem Dasein auf einem einsamen kalten Planeten", läßt Parks seinen Helden denken und bringt dabei das Dilemma des Don Juan auf den Punkt. Denn der stopft mit seiner sexuellen Hyper-Aktivität vor allem die Löcher im eigenen Innenleben. Savage braucht die Affären, um seine Selbstzweifel in Schach zu halten, und er braucht eine Familie, weil er ohne sie emotional nichts ist.
Doch es liegt nicht nur daran, dass sich der Richter immer mehr als Betrogener Betrüger fühlt. Denn wie sich herausstellt, tragen auch viele andere Menschen in seiner Umgebung ein Geheimnis mit sich herum und so bleibt bis zum Schluß offen, ob Savage nicht nur Opfer in einem großen Komplott ist. Parks hat also einen spannnenden Roman geschrieben. Der Kunstmann Verlag aber sollte von dem Gewinn unbedingt weitere Korrektoren einstellen und einen besseren Übersetzer verpflichten, denn was an diesem Buch stört sind die vielen Rechtschreibfehler und die lieblose Übersetzung.
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am 5. Oktober 2014
DOPPELLEBEN von Tim Parks war als Urlaubslektüre für den Strand oder Pool gedacht.
Leider habe ich keinen Bezug zu diesem Buch gefunden. Ich las einige Seiten, legte es weg, um es eine viertel Stunde später erneut zu versuchen. Ich habe DOPPELLEBEN also mehrere Chancen gegeben. Bei Seite 65 hab ich es dann endgültig aufgegeben.

Woran es lag, kann ich gar nicht so genau sagen - vermutlich mehrere Kleinigkeiten. Zum einen tat ich mir schwer mit dem Stil des Autors, der Art, wie er die Geschichte aufgesetzt hat. Dann die Art, wie die Dialoge ohne Anführungszeichen über Absätze hinweg ineinander über gehen. Auch nicht mein Ding. Bisher gibt es nur ein Buch, ich nicht zu Ende gelesen habe. Dieses ist leider das Zweite.

Leider nur 1 Stern.
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am 5. Juli 2007
Der Krug wandert solange zum Wasser, bis er zerbricht. Auch Richter Savage hätte sich bewußt sein sollen, daß Lügen nicht ewig halten. Irgendwann manövriert jeder sich in eine Lage, in der er in keinem Fall die Wahrheit aussprechen darf, ohne alles zu verlieren, was er sich aufgebaut hat. In Savages Fall würde ihn das umso härter treffen, da er sich, mit dem Handicap einer dunklen Hautfarbe behaftet, hartnäckig in die obere englischen Gesellschaft vorgekämpft hat und es genießt, ihr anzugehören. Wären da nicht die Seitensprünge, könnte es sich um ein erfülltes Leben handeln. Doch wie im Titel bereits vermerkt, wird sein Doppelleben eines Tages Gegenstand der Medien, nachdem eine seiner Exgeliebten zusammengeschlagen worden ist.

Tim Parks bringt die wohlbehütete bürgerliche Fassade seines Helden facettenreich zum Einsturz, zeigt Mitleid mit einem Mann, der nicht anders kann, für den das Doppelleben die Voraussetzung für seinen Aufstieg darstellt, ohne dessen Existenz er sich hätte früh eingestehen müssen, wie sehr er sich doch selber belogen hat.
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am 1. September 2003
Nee, ich fand keinen Zugang zum Doppelleben. Die Handlung schleicht so daher und nach 150 Seiten stellt sich mir immer noch die Frage: Was soll das Ganze? Der Sinn will sich nicht erschließen. Vielleicht ist Parks Anliegen ganz einfach zu hoch für mich oder hat er gar keine "Botschaft"? Wie auch immer, die Story kommt ziemlich lahm daher und man braucht sehr viel Energie, um die gut 400 Seiten durchzustehen. Schade.
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Richter Daniel Savage, von Briten adoptierter gebürtiger Brasilianer, hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann: Eine gute Ehe, zwei Kinder, ein schönes Haus, einen sicheren Beruf, doch es zieht ihn immer wieder zu anderen Frauen, wodurch er in absurde, ausweglose und gefährliche Situationen gerät.

Man findet ihn nicht sympathisch, leidet nicht mit ihm, kann viele seiner Handlungen nur kopfschüttelnd registrieren, dennoch zieht Daniel das Interesse beim Lesen auf sich. Mit seinen außerehelichen Eskapaden zerstört er nicht nur seine Ehe und stürzt seine Kinder in ein Gefühlswirrwarr, er gefährdet auch seine Karriere und nicht zuletzt sein Leben. Bei all dem sucht er nicht nach Rechtfertigungen oder Entschuldigungen; er ist sogar davon überzeugt, aus edlen Motiven zu handeln, bzw. seine Fehltritte als Vergangenes hinter sich zu lassen. Weil er aber zuerst sich selbst betrügt, gerät er immer weiter in den Schlamassel hinein und ist trotz seines Verstandes, den er sich anhand seines Berufes zu beweisen versucht, nicht in der Lage, abwartend oder weitblickend zu handeln.

Insofern ist das Buch eine Geschichte eines Menschen, der über einen selbstgezogenen Fallstrick stolpert und bei jedem Versuch aufzustehen, erneut über denselben Strick fällt. Allerdings ist der Charakter nicht so angelegt, dass man Mitleid mit einem ungeschickten Dummkopf bekäme oder ihn als tragische Figur betrachten könnte.

Die rein subjektive Sicht ist das ganze Buch hindurch konsequent durchgehalten und - sieht man von der Schlampigkeit der deutschen Übersetzung ab - fesselnd geschrieben als Psychogramm eines notorischen Lügners. Es fehlt dem Roman zwar die emotionale Dichte von Parks Vorgängerbuch "Schicksal", dennoch hat der Autor wieder ein empfehlenswertes Buch geschrieben.
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am 18. Juli 2013
Tim Parks meint es mit dem Doppelleben wirklich ernst, in doppelter Hinsicht. Sein Held führt ein Doppelleben, weil er sich als Farbiger im Establishment der höheren Gesellschaft zurechtfinden muss und rassistischen Verhaltensweisen und Untertönen täglich begegnet. Aber er führt auch privat ein Doppelleben, hier die Familie, die Kinder, dort die Geliebte(n). Dieses Hin- und Hergerissen sein zwischen dem eigenen Anspruch und den eigenen Sehnsüchten schildert Parks so detailliert, so packend und eindringlich, dass allein dies die Lektüre zur Pflicht macht. Darüber hinaus fasst er wunderbar die Schizophrenie unserer heutigen Gesellschaft in Worte. Ach ja, und spannend bis zu den letzten Seiten ist es auch noch. Ein späte, aber umso wertvollere Entdeckung!
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am 5. August 2003
Ein Richter mit Doppelleben, das verspricht spannend zu werden. Wäre es auch geworden, wenn das Buch Mankell geschrieben hätte. Ein dunkelhäutiger Protagonist "im Dilemma zwischen Hautfarbe, Doppelmoral und Karriere?", wie es auf dem Umschlag heißt. Wehe, wenn man dann an so aufregend gezeichnete Personen denkt wie Silk Coleman in Philip Roth's Roman "Der menschliche Makel"! Nein, Park's Richter Savage kann Coleman nicht den Whiskey, noch nicht einmal das Wasser reichen. Die Handlungen dieses Richters sind nicht nachvollziehbar, die Beschreibung seiner ehebrecherischen Umtriebe ist noch etwas langweiliger, als die seines Richterlebens. Gänzlich unverständlich bleibt, warum ein Fall, an dem acht oder neun jugendliche Steinewerfer beteiligt sind, so ausführlich sich durch das letzte Romandrittel zieht. Sollte das Buch dicker werden und der Held hatte schon nicht mehr viel zu sagen? Nicht einmal des Richters lumpiger Bruder Frank bringt Aufregendes.
Der Autor verzichtet gänzlich darauf, wörtliche Rede als solche (wie herkömmlich) mit Anführungszeichen zu versehen. So geht es in jedem Absatz wild durcheinander: die Sätze reihen sich, unabhängig, ob die Figur denkt, spricht, oder der Erzähler sie beobachtet. Vielleicht ist das modern, aber praktisch zu lesen ist es nicht. Und praktisch wenigstens sollte es schon sein, wenn der Inhalt schon gar nichts an Aufregung bietet.
"Tim Parks ist ein glänzender Beobachter des modernen Lebens" wird M. Reich-Ranicki auf dem Umschlag zitiert. Ein furchtbar langweiliges Leben muss das sein im England des Tim Park und seiner Romanfigur Savage. Kein Wunder, dass man sich da nach einem Doppelleben sehnt.
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am 9. Mai 2003
das "doppelleben" in parks neuem roman lebt ein englischer richter, spezialist für strafverfahren. im prozeß pedantisch der wahrheit und wahrheitsfindung verpflichtet ist er privat der geborene lügner und seitenspringer. auch wenn er besserungf gelobt hat, so zieht es ihn weiterhin auch zu anderen frauen als der klavierlehrerin hin, mit der er verheiratet ist. eine traditionell angelgte romankostellation also, die einiges über die psychologie von verhandlungen vor strafgerichten und männern in der midlifecrisis offenbart. allerdings hätte man mehr aus der geschichte machen können, sie virtuoser erzählen können, wenn man sich etwas mehr zeit gelassen hätte für diesen roman. deshalb leider diesmal nur 4 punkte.
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am 24. Januar 2007
"Schlecht oder schwierig?" schreibt weiter unten ein Leser und bringt das Resumée für Tim Parks' Roman "Doppelleben" auf den Punkt: Möglich, daß der Roman vom Autor eben genauso gewollt ist, denn mit "Doppelleben" sollen eben die Doppelbödigkeit, die Doppeldeutigkeit und der Mangel an Klarheit des Lebens beschrieben werden.

Eindeutiges gibt es nicht. Abschliessende Urteile fehlen. Und am Ende scheint sich alles in einem Brei von Unbestimmtheit aufzulösen.

So wartet der Leser die ganzen fünfhundert Seiten lang darauf, dass sich das Leben von Richter Savage in irgend eine Richtung wendet - zum Besseren oder zum Schlechteren hin. Aber das tut es nicht.

Bliebe der Roman allein beim zentralen Thema um die zerbrechende Ehe des Richters, so geriete das alles dann doch zu zäh. Was macht also der erfahrene Autor? Er baut Nebenhandlungen ein: die Geschichte um einen ungleichen Bruder muss her, genauso wie eine tragische Geschichte um einen Gerichtsfall, den der Richter gerade verhandelt. Haette Parks es sich hier erlaubt, einfach nur die fehlende Spannung der Haupthandlung aufzufangen - das Ganze wäre vielleicht noch zum unterhaltsamen Roman geraten.

Aber nein, er muss sein schrifstellerisches Experiment zum Thema "Doppelleben" auf allen Ebenen durchexerzieren: betrachtet man die Handlung für sich, mag ihm das noch gelungen sein. Was die Doppeldeutigkeit seiner Personen angeht, wirkt das allerdings über weite Strecken nicht doppeldeutig, sondern ganz einfach unplausibel, so undefinierbar und unmotiviert sind beispielsweise die Stimmungsschwankungen der Tochter, seiner koreanischen Ex-Freundin und der Frau seines Freundes.

Auf stilistischer Ebene spiegelt sich das alle paar Sätze in spontanem Themenwechsel. Anführungszeichen für direkte Rede fehlen komplett, stellenweise weiss man nicht, wer spricht.

Das hat zur Folge, dass sich der Leser durch hunderte von Seiten quält und nie entspannt lesen kann. Undankbarerweise bleibt die Neugier gerade so weit erhalten, dass man erfahren möchte, "ob da noch was daraus wird". Aber den Leser vom entnervten Querlesen abzuhalten - so ab Seite zweihundert - das schafft der Roman nicht.

Man steht dann am Ende da und ist enttäuscht und verärgert, weil einen die Geschichte ohne Auflösung im Regen stehen lässt.

Der Roman mag als stilistisches Experiment herhalten - ein dankbarer Stoff, der sich an Schule und im Literaturstudium kurz und klein analysieren lässt. Deshalb sollte auf dem Einband aber bitte nicht unbedingt "Roman" stehen, sondern etwa "Versuch über die Vergeblichkeit der Welt" oder "ein Essay"... Ich für meinen Teil hätte das Buch dann nämlich nicht in die Hand genommen. Denn ich wollte mich beim Lesen entspannen und mir kein akademisches Verbal-Gew... antun.

Mir auch egal, ob Ranicki und Heidenreich das Werk hoch loben und der Focus gar auf die Idee kommt, das Ganze als "Psychothriller" einzuordnen.

Der Text mag in vielerlei Hinsicht von Interesse sein - unterhaltsam ist er ganz bestimmt nicht.
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am 10. April 2006
Tim Parks hat sich, das muß man ihm bestätigen, viel vorgenommen. Anders als oft bei Simenon (vielleicht war es Pech für Parks und mich, daß ich „gerade von Simenon kam") lebt sein Held, Richter Savage, in einer alles andere als trostlosen Ehe. Nein, das Anrührendste in dem Roman sind die Schilderungen glücklichen Familienlebens, und zwar nicht nur, was die Freude mit den Kindern angeht, auch die Beziehung der Eltern gibt nach vielen Jahren noch viel her. Wie sie beispielsweise in das noch nicht fertige, im Bau befindliche neue Eigenheim eindringen und in dem leeren Rohbau zur Einweihung sogleich zusammenschlafen, zählt zu den zahlreichen Höhepunkten des Buches und ihrer Beziehung. Man könnte also meinen, Richter Savage, der auch seinem Beruf einiges abgewinnen kann, hat es richtig gut getroffen, was für einen Juristen in der Tat bemerkenswert wäre. Doch trotz alledem geht er ständig fremd. Als seine Frau dahinter kommt, gesteht er ihr spontan 21 Seitensprünge - natürlich sind es tatsächlich eine Vielzahl davon, aber seine Frau ist auch von dieser Zahl, freundlich ausgedrückt, recht beeindruckt.
Weiß Gott, ein spannendes Thema, das sofort Überlegungen in Hülle und Fülle auslöst. Doch auch wenn der Roman so ziemlich überall gelobt wurde, kann ich meine Enttäuschung nicht verhehlen. Ich fand es sogar mühsam, überhaupt zum Ende zu kommen, was in erster Linie an den ausführlichen Schilderungen der Gerichtsfälle lag, die zum einen nicht sonderlich aufregend sind und schon gar nicht so geschildert werden, wie man das bei solchen Fällen machen müßte. Das Verweben mit der englischen Rechtsprechung ist nur scheinbar interessant, und ganz besonders der Fall mit den jugendlichen Steinewerfern, der sich durch etwa ein Drittel des langen Buches zieht, trägt ganz einfach nicht, auch wenn das Parabelhafte natürlich interessant ist: Richter Savage hat das Denken von Schuld und Verwerfung dermaßen verinnerlicht, daß er sich wegen seiner moralischen Verfehlungen gleichsam immer vor dem Richter sieht und sich verurteilt und verteidigt.
Außerdem fand ich den Prosastil im Gegensatz zu manch prominentem Kritiker ziemlich anstrengend; Parks springt in seinen Schilderungen gern hin und her, von einem Thema zum anderen, so daß es stört.
Von den Abgründen, die sich offenbar in Richter Savage auftun und zwischen den Partnern, erfährt man schließlich praktisch nichts. Vielleicht doch eher ein Thema für Leute wie Simenon? Immer wieder geht er fremd, und er kann einfach nicht aufhören, auch nicht, als schon alles herausgekommen ist und er auch beruflich am Scheideweg steht, nachdem er es mit einer attraktiven Geschworenen während eines laufenden Prozesses getrieben hat. Er hat sich selbst längst verurteilt, was zeigt, daß er nicht zu sich steht, sondern einer anderen Moral nachhängt. Weshalb will er trotzdem unbedingt bei seiner Frau bleiben - erkennbar geht es ihm nicht „nur" um die Kinder - was zieht ihn zu den anderen? Scheinbar nichts, oder ist der Mensch eben so?
Auch die anrührende Schilderung der Kinder und mitunter auch der Ehefrau kann über die Enttäuschung nicht hinweghelfen, die das Lesen dieses zweifellos aufgrund der durchweg glänzenden Kritiken mit großen Erwartungen gelesenen Romans hinterlassen kann, erst recht, wenn man soeben einen Simenon gelesen hat - das von Parks gewählte Thema ist ohne Zweifel eines seiner ganz speziellen Themen. Vielleicht war es auch das Problem, daß ich gerade Simenon, „Das blaue Zimmer", gelesen hatte, wo man auf weniger als der Hälfte der Seiten weitaus mehr erfährt, was menschliche Abgründe sind und wozu diese die Menschen mitunter verleiten können
Bei Parks' Roman werden die Dinge auch erstaunlich wenig beim Namen genannt, es ergibt sich mehr durch die Handlung, besonders durch das Verhalten des Protagonisten Daniel Savage, der es einfach nicht lassen kann, egal in welcher Situation er sich befindet. Immerhin verzichtet er auf eine Ergründung nach dem Motto, die eine ist fürs Bett, die andere fürs Leben, das ist wohl etwas zu einfach, obwohl es häufig genau darauf hinauszulaufen scheint, aber das zumindest ist hier fraglos komplizierter; denn die Leidenschaft erlebt er auch mit seiner Frau in einer Weise, über die die meisten Eheleute nach so vielen Jahren sehr glücklich wären. Vielleicht ist das auch schon alles: Er kann es nicht lassen, obwohl er durchaus einer anderen Moral nachhängt und sich selbst verurteilt, vielleicht wollte Parks gerade nicht die Moral hinterfragen, vielleicht ist das gerade eine Stärke des Romans? Doch deswegen dieser Wälzer? Und wer etwas über Beweggründe erfahren will, wird enttäuscht. Was treibt ihn, sich so zu verhalten, weshalb kann er nicht anders? Was geht in ihm vor, wenn es ihn wieder einmal überkommt? Alles bleibt im Dunkeln. Das ist mir zu wenig, auch wenn Frau Heidenreich den Roman so sehr empfohlen hat, die sich ja für Kritiken wie diese nicht interessiert. Es gibt eine Menge anderer Romane zu diesem und ähnlichen Themen.
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