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Kundenrezensionen

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am 16. April 2016
Grace ist der Name der gesuchten Flüchtigen, die in Dogville landet. Lars von Trier hat dieses Drama als Filmtheater inszeniert. Jeder Dialog ist wichtig, auch wenn der Film dem Zuschauer viel (scheinbare) Langeweile zumutet. In den 2,5 Stunden wird der Zuschauer in das Stück über den wahren Charakter der Menschen hineingezogen. Trier arbeitet mit vielen Zitaten und Symbolen. Der Name der Stadt allein macht schon deutlich, dass die Menschen dieses kleinen Dorfes sich wie Tiere verhalten. Sie können mit der Gnade (Grace) nichts anfangen. Sie nutzen die Gnade aus, Grace erscheint als eine messianische Figur, die nur das Gute in den Menschen sieht und ihre Fehler und Übergriffe entschuldigt. Jedoch kommt Grace nicht aus dem Himmel, sondern stammt von einem Vater ab, der als Gangsterboss seine eigenen Gesetze gewalttätig durchsetzt. Wir leiden mit Grace und fürchten je länger, je mehr das Schlimmste für sie. Tom, ihr Fürsprecher, der sich in die schöne Grace verliebt, bleibt immer in einer distanzierenden beobachtenden Haltung. Er ist es, der sie verrät.
Schonunglos hält uns Lars von Trier unserer Gesellschaft einen Spiegel vor Augen. Wir alle spielen mit. Welche Position nehmen wir ein? Grace Vater kommt und stellt sie vor der Entscheidung: willst du mit den Hunden hier sterben, die dich gedemütigt haben oder willst du an meiner Macht teilhaben, mein Unternehmen weiter führen und dich an ihnen rächen? Grace zögert, was wird sie tun? Die Dialoge über Gnade und Macht in der schwarzen Limousine sind hochphilosophisch. Nur wer die Macht hat, hat das Sagen und entscheidet über Gut und Böse, Tod und Leben. Die Gnade scheitert. Lars von Trier zieht ein nüchternes, hoffnungsloses Fazit über humanistische, demokratische und christliche Werte. Macht kommt vor Moral: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral "(Brecht). Dogville erinnert auch an Nietzsche's Willen zur Macht.

Lars von Trier und die christliche Religion:

Lars von Trier hat sich intensiv mit der Religion des Christentums beschäftigt. Er hat sich in mehreren Filmen daran abgearbeitet. Auch Dogville gehört meines Erachtens dazu: Ohne das christliche Narrativ von Schöpfung, Sündenfall und Apokalypse ist Dogville in der Tiefe nicht zu verstehen (Siehe auch Rezension von Patrick Zäuner auf Amazon). Lars von Trier erzählt - anders als die jüdisch-christliche Tradition - von einem zürnenden, schrecklichen, willkürlichen Gott Vater (Der Gangsterboss). Grace ist das Pendant zu Lucifer, doch sie steht nicht für das Böse, sondern sie steht für das Gute. Sie hat sich aus dem Machtbereich des Gangstervaters losgerissen, um endlich der Willkür und der Unbarmherzigkeit ihres Vaters zu entfliehen. Unter den Menschen erleidet sie mit ihrem neuen Sein der Hingabe, Sanftmütigkeit und Barmherzigkeit Schiffbruch. Im Apfelgarten wird sie verführt (vergewaltigt). Sie gerät in eine (christlich) naive Opferhaltung und kommt nur daraus, indem sie mit dem Vater wieder eins wird und der Gnade als obersten Wert abschwört. Gnade wird dann willkürlich. Die Menschen bekommen, was sie verdienen. In einem apokalyptischen Inferno gehen sie unter. Nur der Hund Moses überlebt - und Grace lässt ihn, dem sie zu Beginn einen Knochen entwendet hat - gnädig weiter leben. Die zweite Sintflut (Vernichtung) überlebt nur ein Tier. Die Menschen haben es nicht verdient, selbst ein Neugeborenes wird nicht verschont. Lars von Trier ist ein Meister der Umdeutung, Verschiebung, Zuspitzung und Dramatisierung. Ich für meinen Teil bleibe lieber beim jüdisch-christlichen Narrativ, das von der Liebe Gottes erzählt und am Ende der Tage vom himmlischen Jerusalem, jedoch bewundere ich Triers Erzählkunst.
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am 13. August 2017
In den frühen dreissiger Jahren landet Grace (Nicole Kidman) auf der Flucht vor der Mafia in dem abgelegenen Dörfchen Dogville. Der Schriftsteller Tom (Paul Bettany) will ihr Unterschlupf gewähren und versucht die misstrauische Dorfgemeinschaft davon zu überzeugen, Grace in Dogville aufzunehmen. Unter der Bedingung, dass sie sich dem Gemeinschaftsleben anpasst und ihnen beim Arbeiten hilft, stimmen die Einwohner zu.
Grace gelingt es, das Vertrauen der Bewohner zu gewinnen, doch als die Polizei einen Steckbrief mit ihrem Konterfei verteilt kippt die Stimmung gegen Grace und sie wird von den Einwohnern im Wissen, dass sie Grace in der Hand haben, immer mehr ausgebeutet und gedemütigt....
Eingeteilt in einen Prolog und neun Kapitel ist "Dogville" allein von seiner Aufmachung ein unkonventioneller Film. Dieser Eindruck verstärkt sich besonders als sich das Setting als Theaterbühne mit einer ausgesprochen kargen Ausstattung zu erkennen gibt. Statt Häusern und Strassen, Bäumen und dergleichen mehr, sind als Kulissen lediglich Kreidestriche auf dem Boden gezogen. Zunächst etwas befremdlich und ungewohnt, aber nach einiger Zeit hatte ich die fehlenden Wände in meinem Gehirn ausgeblendet (oder eingeblendet ?).
Dafür richtet Lars von Trier sein Augenmerk auf die Charaktere der schrulligen Einwohner, deren sehr glaubwürdig dargestellten Eigenarten und Entwicklungen, nimmt sich dafür sehr viel Zeit. Sein Anliegen bestimmt meisterhaft die Handlung. Sehr mitreissend wird geschildert wie die Begierde der Dorfbewohner nach Grace - egal welcher Natur auch immer - Überhand gewinnt und sie dadurch jegliche Menschseins-Berechtigung verliert, zum Sündenbock mutiert, dem alles angelastet wird - und Lars von Triers These am Ende dennoch lautet, dass sie kein Verständnis oder Mitgefühl zu erwarten hat, weil sie all das ohne Aufbegehren zugelassen hat..Er nennt den Menschen, der sich zum Opfer machen lässt gleichermassen "arrogant", wie aufgesetzte Moralität und Barmherzigkeit, zeigt letztendlich, dass er für beide Seiten kein Verständnis hat.
Die brillant aufspielende Schauspielerschar überzeugt in jeder Hinsicht, allen vorweg Nicole Kidman, ausdrucksstärker denn je. Ganz hervorragend auch das stimmungsvolle Voice-Over, zudem besonders herrlich, wenn der Erzähler neben dem nahezu rührenden Geschichtenvorlesens mitunter der Ironie verfällt.
Lars von Trier mag mit allgegenwärtigem Schwarz-Weiss-Denken, indiskutabler Niedertracht unserer Welt und grenzenloser Schwarzmalerei eine etwas neurotische Einstellung zum Leben haben, doch dieser Film aus 2003 ist wirklich faszinierend und unglaublich sehenswert.
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am 10. Mai 2017
Eine völlig andere, experimentelle Form des Films und sehr beeindruckend, mit einem Inferno am Ende. Eben ein Lars von Trier...
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am 18. Mai 2017
Super interessant. Ich glaube man kann es zehn Mal sehen und immer war interessantes im Diskurs finden. Ich empfehele es total
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am 18. März 2017
Eine junge Frau namens Grace (Nicole Kidman) kommt in das Dorf Dogville am Fuße der Rocky Mountains, nach Schüssen, die man gehört hat, offensichtlich auf der Flucht, vor der Polizei? Vor Gaunern? Wir erfahren es erst später.
Dogville ist abgehängt, liegt ziemlich vergessen am Ende einer Straße, danach führt nur noch ein Fußweg weiter über die Berge. Die Einwohner sind eine überschaubare Zahl von anscheinend rechtschaffenen Bürgern, die ihrer Arbeit nachgehen, bis auf einen hypochondrischen Arzt im Ruhestand und dessen Sohn Tom. einem Müßiggänger, der sich für einen Philosophen hält, auf Versammlungen im der alten ausrangierten Kirche das Wort führt und Abstimmungen leitet, moralische Maßstäbe setzen will.
Und mit der jungen Frau ist das Städtchen vor eine Entscheidung gestellt. Soll man ihr Unterschlupf gewähren, oder sie weiter über den Bergpfad fliehen lassen.? Hatte doch ein finstererGeselle mit guten Beziehungen, der kurz nach Grace aufgetaucht war, Tom eine Visitenkarte und das Versprechen auf eine Belohnung gegeben. Tom appelliert an christliche Nächstenliebe und Großmut, Grace soll zwei Wochen auf Probe bleiben, damit man sich den rechtern Eindruck von ihr machen könne.
Grace geht von Haus zu Haus und bietet ihre Hilfe an, die aber niemand braucht. Erst nach und nach lernt man schätzen, dass sie Dinge tun kann, die nicht gebraucht werden, die aber Freude und das Leben angenehmer und leichter machen, Nur im Familienvater Chuck (Stellan Skarsgard) scheint sie einen Gegner zu haben, aber in der Versammlung nach 14 Tagen wird sie überraschend einstimmig nicht fortgeschickt, mit kleinen Geschenken bedacht und wird ab jetzt täglich eine Stunde in jedem Haushalt in Dogville arbeiten, helfen, unterhalten, Kinder hüten und andere nützliche Dinge erledigen, wofür sie nicht nur Unterkunft, sondern auch eine Bezahlung erhält. Tom und Grace ziehen zusammen, ein Liebespaar werden sie noch nicht, denn Tom sieht in Grace auch eine Figur, die er in seinem geplanten philosophisch-moralischen Werk verarbeiten will.
Der Sheriff kommt angefahren und bringt ein Plakat an. nach dem Grace als vermisst gilt, kurze Zeit später wird es ausgetauscht gegen eines, nach dem sie wegen Bankraubes gesucht wird, und damit wird Grace's Leben in Dogville ein Martyrium. Doppelte Arbeit, weniger Lohn, sie ist Freiwild, welches auch von einem Sohn von Chuck schikaniert und erpresst werden kann, mit Engelsgeduld erträgt die junge Frau alles, wird schließlich sogar von (bis auf Tom) allen Männer des Ortes missbraucht, und die von Tom mit einem LKW-Fahrer versprochene Flucht schmählich verraten.
Verraten hat Tom auch dem Mann mit der Visitenkarte Grace's Aufenthaltsort, dieser kommt mit seiner schwarzen Limousine und einer Reihe schwer bewaffneter Gestalten, und von Dogville, das Grace so schlecht behandelt hat, bleibt außer dem Hund Moses nichts, aber auch gar nichts übrig. Ist die Welt ein besserer Ort ohne Dogville?

Nicht zum ersten mal beschäftigt sich Lars von Trier mit christlich-kirchlischen Motiven, so von mir zuvor beidruckend, erschütternd und zu Tränen rührend in "Breaking The Waves" mit Emily Watson und Stellan Skarsgard, mit einem unerwarteten Ende wie ein Paukenschlag.

Mit "Dogville" hat Lars von Trier eine Parabel im Sinne eines Brecht'schen Stückes geschaffen, in der gezeigt wird, wie Menschen in einer abgehängten Gegend, die einander helfen, weil sie nur so klarkommen können, sich insbesondere in Gestalt von Tom zu Gutmenschen aufschwingen und mehr aus Selbstliebe als aus anderen Motiven ( sein großes Werk!) gütig verhalten, aber bei der Chance, selber Macht ausüben zu können, unbarmherzig ihr Gesicht zeigen. Sie sind keine angeketteten Hunde (Dogville!?), sie halten sich selbst eine Hund im wahrsten Sinne des Wortes, Grace ist an einen schweren Gegenstand angekettet, den sie zum Fortbewegen mühsam hinter sich herschleifen muss, jeder darf sie treten und missbrauchen.
Hochmut ist ei weiteres wichtiges Thema des Stücks. Tom ist kein Altruist, sondern ruhmsüchtiger Mensch, für den Dank Grace seine Stadt und seine Bewohner ein Forschungsfeld sind, er will seinen Mitmenschen einen Spiegel vorhalten und mit dem "Experiment" Hilfe und Integration von Grace berühmt werden, sie ist für ihn ein Mittel zum Zweck, das er bereit ist zu beseitigen, als Gefahr droht.
Ist der Film auch eine Reflexion über Arroganz? In einer Diskussion zwischen Grace und dem Mann, der sie am Ende befreit, wirft er ihr vor, die größte Arrroganz gezeigt zu haben. Sie habe sich über die Menschen von Dogville gestellt, da sie sich ihnen nicht die Chance gegeben habe, sich zu läutern, sie habe die Dulderrolle eingenommen und damit den Dogville-Bewohnern die Chance, bessere Menschen zu werden, verwehrt, mit ihrer Duldung habe sie letztlich ja nur gezeigt, dass sie sich über ihnen stehend fühle und sie nicht für wert halte, auf den richtigen Weg zu führen, eine Sichtweise, die man ad infinitum diskutuieren kann.

Letzlich aber siegt der, der die Regeln macht (Making The Rules), und das ist der, der die Macht hat, und das zeigt der Film am Ende mit einem drastischen Finale, wodurch die Welt zwar nicht zu einem besseren Ort wird, aber Dogville zu einer ausgelöschten Geschichte.

Ungewöhnlich, aber nur kurz gewöhnungsbedürftig ist die Inszenierung. Ob gefilmtes Theater oder Synthese von Film und Theater, der Film spielt auf einer gut handballfeldgroßen Bühne, die eine nur auf das Unverzichtbare reduzierte Ausstattung aufweist. Häuser bestehen nicht aus Wänden, sondern weißen Streifen des Grundrisses, Mobiliar gibt es nur, soweit nötig, für die Kirche reichen Holzbänke und das frei schwebende Glockenturmspitzdach mir der per Seil zu betätigenden Glocke, eine Mine, in der sich Grache zu Beginn versteckt, ist nur eine Ansammlung von Säulen, ein mehrere Kubikmetergroßer (Styropor)-Brocken die Rocky Mountains.
Was manche Rezensenten stört, ist meines Erachtens ein geniales Mittel. das den Film überhaupt erst funktionieren lässt. Abgesehen davon dass Dogville überall sein könnte und der Ort uninteressant ist(obwohl der mittlere Westen der USA gut passt und bewußt gewählt wurde), lenkt nichts von den Menschen in einem fast geschlossenen Universum, ab, welches durch die Bühne begrenzt, auf der Bühne aber für uns ein übersichtlicher kleiner Kosmos ist, in dem nichts im Verborgenen stattfindet. Im Gegensatz zu einem Theaterstück bietet diese Inszenierung die Möglichkeit, nahe bei den agierenden, gerade redenden oder im Mittelpunkt stehenden Personen zu sein, gleichzeitig aber auch andere handelnde Personen in ihrem Alltag zu sehen. Im Gegensatz zu einer reinen Theaterinszenierung kommen wir als Zuschauer bei Bedarf und Notwendigkeit nahe an die Akteure heran, ohne mit dem Opernglas ihre Mimik erkunden zu müssen oder die Ohren zu spitzen, und eine korrekte Stadt mit Häusern mit Wänden hätte den Film weniger schlimm teurer als vielmehr unnötig länger gemacht. Warum solle die junge Frau und Tom die Versamlung durch eine reelle Tür betreten und die Kamera ihnen folgen óder eine zweite die "Innenaufnahme" drehen? Von Triers Kamera reicht, wenn pantomimisch die Tür geöffnet wird und ohne überflüssige Kamerafahrt die Versammlung auf den Bänken unter den schwebenden Glockenturmdach von näher oder entfernter gezeigt werden kann, ohne auf tote Winkel, störende Enge oder unwichtige Details Rücksicht nehmen zu müssen, uns interessieren die Menschen und ihre Gesichter, ihre Gespräche, alles nicht Gezeigte ist belanglos für die Geschichte.

Die "Sparsamkeit" ist hier nicht fehl am Platz, sondern einfach genial, wie so vieles Geniale oft einfach ist. Nicole Kidman als Grace, gut ein Dutzend erwachsene Einwohner und einige Kinder, neben oder eher mit Nicole Kidmann großartige Darsteller wie Stellan Skarsgard, Harriet Anderson, Lauren Bacall, Paul Bettany, Blaire Brown, James Caan, Udo Kier, Ben Gazzara, Chloe Sevigny - mehr braucht es nicht, um ohne überflüssiges Drumherum menschliches Verhalten, Schwäche, Gemeinheit, Grausamkeit, Eigennutz und Rache zu zeigen.

Dogma 95 und und auf die Spitze getriebener Minimalismus- für mich unnütze Begriffe. Das fantastische Krimikammerspiel "Mord mit kleinen Fehlern" mit Laurence Olivier und Michael Caine gehört für mich mit zu den großartigsten Kinowerken, und hier gehört die fantastiscnhe Kulisse des prächtigen Hauses mit der imposanten Treppe, unterschiedlichste Räumen und oft in passenden Momenten von Olivier in Gang gebrachten Spielautomaten untrennbar zur Handlung und Atmosphäre, in "Dogville" würde mehr als das was von Trier auf die Bühne stellen ließ nichts verbessern, sondern nur von den großartigen Darstellern und der zunehmend verstörenden Geschichte ablenken, Lars von Trier hat hier alles genial richtig gemacht.

"Braking The Waves" oder "Dancer In The Dark", Minimalismus ist nicht Programm, aber hier in "Dogville" ein Mittel, welches uns genial nichts anderes übrig lässt, als uns ganz auf die handelnden Pesonen zu fokussieren und gleichzeitig ermöglicht, den kleinen Kosmos "Dogville" insgesamt im Auge zu behalten.

epd Film: "Lars von Trier setzt in "Dogville" seinen Weg der Reduktion der filmischen Mittel unbeirrbar fort." FALSCH! ! ! Er zeigt, was notwendig ist, und das mit einem großartigen Darstellerensemble und hervorragender "Wackelkamera"-Arbeit, alles andere wie realistischere Kulissen würden den Film nicht bessermachen, sondern eher stören.
Wer sich durch die negativen Kritiken bezüglich der kargen Bühne nicht schrecken lässt, der wird wie ich nach nur wenigenn Minuten voll in der Handlung gefangen sein und nichts vermissen, "Breaking The Waves" ist genial, "Dogville" völlig anders, aber nicht minder.

Doc Halliday
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am 17. Dezember 2006
Dogville präsentiert sich wie eine Versuchsanordnung. Untersucht werden soll folgendes: Eine junge Frau auf der Flucht kommt in eine von der Außenwelt weitgehend abgeschlossene Kleinstadt. Die Bewohner des Städtchen sollen darüber entscheiden, ob und unter welchen Bedingen die Fremde unter ihnen leben soll. Der weitere Verlauf wird von der Kamera aufgezeichnet.

Experimente werden in der Regel unter Laborbedingungen durchgeführt. Alle Störfaktoren werden nach Möglichkeit ausgeblendet. Entsprechend wird in "Dogville" auf ein klassisches Filmset verzichtet. In einer großen Lagerhalle sind auf dem Boden einer Bühne stattdessen die Grundrisse von Häusern und Straßen aufgemalt, einige Requisiten deuten die Inneneinrichtungen, einzelne Wandelemente Fassaden an. Der Zuschauer ist quasi ein Gast des Versuchsleiters. Teilweise lenkt dieser mit Hilfe der Kamera die Aufmerksamkeit auf bestimmte Vorkommnisse in dem gesellschaftlichen Mikrokosmos, teilweise hat der Zuschauer aber auch selber Gelegenheit nach Lust und Laune seinen Blick über die Versuchsanordnung schweifen zu lassen. Er sieht gleichzeitig das Private und das Öffentliche von 15 Erwachsenen und einer Handvoll Kinder. Ein Sprecher (Erzähler aus Amelié) fasst quasi als Protokulant die einzelnen Versuchsschritte mit wissenschaftlicher Nüchternheit zusammen.

Im Prinzip ist "Dogville" nichts anders als abgefilmtes Theater. Theater auf der Leinwand hat aber zwei wesentliche Vorteile. Erstens sind Emotionen viel feiner darstellbar, weil die Leinwand Gesichter in Großaufnahme zeigen kann und noch das leiseste Flüstern verständlich ist. Zweitens sind Zeitsprünge durch den Schnitt sofort erkennbar.

Die Menschen von Dogville sind ganz mit sich selbst beschäftigt. Man kennt sich, ist eine eingeschworene Gemeinschaft, lebt aber auch gleichgültig neben einander her. Bis eines Tages Grace in ihre Mitte tritt. In einer Versammlung wird beschlossen, dass sie zunächst für zwei Wochen bleiben darf. Die Anwesenheit Grace reißt sie aus ihren Alltagstrott. Dogville erwacht aus seiner Lethargie. In neun Kapitel skizziert von Trier die gruppendynamischen Prozesse, die aus der neuen Situation entstehen. Zunächst kann die freundliche Fremde sämtliche Bewohner für sich gewinnen und das Gute in den Menschen von Dogville wecken. Aber mit dem wachsenden Bewusstsein der Dogviller, dass es in ihrer Macht liegt über das Wohl der Flüchtigen zu entscheiden. Und Lars von Trier zeigt wie Macht den Menschen korrumpieren kann. Nach und nach beginnen die scheinbar so freundlichen Bürger die Schwäche der Verfolgten auszunutzen. Aus dem Engel wird der Sündenbock, aus der Flüchtigen eine Gefangene. Die Abgründe der menschlichen Natur treten zu Tage. In den neun Kapitel erfährt Grace alle menschlichen Verhaltenweisen, die ein Fremder unter Einheimischen, ein Außenseiter gegenüber der Mehrheit nur erfahren kann. Sie wird misstrauisch beäugt, gemieden, geschützt, geliebt, benutzt, beschimpft, vergewaltigt, verachtet, versklavt, verraten.

Mit Geduld erträgt Grace ihren Leidensweg. Aber anders als in den vorangegangenen Filmen in der er die menschliche insbesondere die weibliche Leidensfähigkeit thematisiert hat, dreht er am Ende den Spies noch einmal um. Ist Vergeltung gestattet, um Unrecht zu sühnen? Eine Antwort gibt der Film nicht. Aber er hinterlässt Verwirrung. Gut und Böse erscheinen beständig in einem anderen Licht und so wird der Zuschauer im Laufe des Filmes hin- und hergeworfen zwischen Anteilnahme, Rachegelüsten und Vergebung.

"Dogville" spielt mit den Emotionen und hinterfragt die scheinbare eigene moralische Überlegenheit. Somit wird der Film letztlich zum Selbstversuch. Denn Dogville gibt es nicht nur auf der Leinwand, Dogville ist überall.

Lars von Trier hat einen düsteren, pessimistischen Theaterfilm gedreht, der für seine Laufzeit von drei Stunden aber überraschend kurzweilig ausgefallen ist. Für Abwechslung sorgen automatisch die fünfzehn unterschiedlichen Charaktere von Dogville, einschließlich ihres ständig im Wandel begriffenen Reaktionsverhalten gegenüber Grace.

85 %
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am 21. März 2008
... dass in den heutigen, für religiöse Fragen doch angeblich sensibleren Zeiten, der religiöse Hintergrund des Filmes kaum dargestellt wird. Ich möchte diese Rezension darum benutzen, ein paar Ansätze aufzuzeigen, wie man Filmthemen aus Dogville in christlicher Hinsicht vertiefen kann. Im Grunde drängt sich dies ja auch direkt auf, selbst wenn man den Lebenslauf des Autoren und Regisseurs nicht berücksichtigt.
Ein in diesem Zusammenhang besonders beeindruckendes Filmzitat ist folgendes:

'"So wie Dogville sich frei zugänglich auf der zerbrechlichen Felsplatte am Bergkamm ungeschützt den launischen Stürmen darbot, so bot sich auch Grace dar. Und so hing sie an einem dünnen Stiel, wie der Apfel im Garten Eden. Ein Apfel, so prall, dass der Saft gerade heraus lief."

Dogville ist der erste Teil der Amerikatrilogie von Lars von Trier. In einem einsamen, romantischen Bergdorf inmitten der Rocky Mountains, bewohnt von ehrlichen, hart arbeitenden Menschen, entwickelt sich ein faszinierendes und gleichzeitig beängstigendes Drama, welches unweigerlich auf eine Apokalypse zusteuert.
Ausgangspunkt der Geschichte ist die verwaiste Kapelle, in der seit langem kein Geistlicher mehr Dienst tut, die aber als Versammlungsort der Einwohner ab und an genutzt wird. Ein Müßiggänger aus reicherem Haus, der sich selber Philosoph nennt, versucht dort seine Vorstellungen einer weltlichen Ethik an den Bewohnern auszuprobieren, indem er ihnen, wie er es nennt, "einen Spiegel vorhält".
Sicher geht man nicht zu weit, in dieser Darstellung eine Anlehnung an die Situation der Kirche heute zu sehen, in welcher Menschen zwar aus Tradition (oder weil sie nichts verpassen wollen) anwesend sind, deren Programm aber mit christlicher Verkündigung nicht mehr viel zu tun hat, und die nur allzu häufig zum ethischen Experimentierfeld selbsternannter Prediger geworden ist.

Der Film führt diese Problematik auf zwei Weisen aus - erzählerisch und musikalisch.
So durchzieht den Film als künstlerisches Thema Vivaldis "nisi dominus", auf welches der Zuschauer in besonderem Masse verwiesen ist, da durch die Reduktion optischer Reize die Musik einen ganz besonderen Stellenwert erhält. "Nisi dominus" als Thema verleiht dem Film nicht nur eine dramatische Note, sondern gibt schon gleich von Anfang an einen Hinweis zur Auflösung des Themas im Göttlichen.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt:
Dogville ist, wie es heisst, von lauter braven Leuten bewohnt. Man geht seiner geregelten Arbeit nach, hilft sich in der Nachbarschaft aus und ist ansonsten lieber unter sich. Zwar hat jeder so seine Eigenheiten, aber im Gemeinwesen stört sich niemand wirklich am anderen - einzig Tom, der schon erwähnte "Philosoph" empfindet diese "Kleinbürgerlichkeit" als zu eng und und ist bestrebt, das schläfrige Dorf zu erwecken - natürlich nicht durch eigenes Opfer, sondern um anschließend die Lorbeeren der Anerkennung zu geniessen.
Unerwartet, wie ein Geschenk, betritt zum rechten Zeitpunkt um Tom als Experiment zu dienen, eine flüchtige Frau (Grace) die Bühne.

Im Folgenden werden Auswirkungen der christlichen Ur- und Hauptsünde, des Hochmutes, durchexerziert:
- Im Dorf genügt sich erst jeder selbst, jedoch will sich keiner nachsagen lassen, er würde der Flüchtigen nicht helfen wollen. Als diese Hilfe jedoch später in den Ruf der Ungesetzlichkeit driftet, da Grace von der Polizei gesucht wird, werden mehr und mehr unter dem Vorwand der Hilfe Ansprüche auf Ausgleich des Risikos laut, und Grace wird mehr und mehr bis aufs Unerträgliche ausgebeutet - immer im Bewusstsein der Leute, ihr letztlich doch helfen zu wollen.
- Tom, Graces Protégé, zeigt seine hochmütigen Ambitionen wohl am deutlichsten. Sein Motiv zur Hilfe ist es, später berühmt zu werden und seinen Mitbewohnern einen Spiegel vorhalten zu können um sie moralisch zu läutern. Sehr interessant ist hier auch, dass er sich durchaus selbst mit moralischen Ansprüchen quält um sein Ziel zu erreichen. Doch hilft ihm keine Enthaltsamkeit, wenn er dadurch vor allem seine Arroganz stärkt, mit der er sowohl Grace als auch die Dorfbewohner für seine Kariere einspannt. Als ihm dies aufgeht, geht er folgerichtig auch nicht in sich, sondern versucht seinen Makel zu vertuschen, indem er sich Grace zu entledigen sucht.
- Schließlich stellt sich auch Grace, die vorerst wie ein Engel auftritt und christusgleich alle Schmach der Dorfbewohner incl. Tom unschuldig über sich ergehen lässt, als nur allzu menschlich heraus. Dem Hochmut eines reichen, im organisierten Verbrechen eine führende Rolle spielenden Vaterhauses entweichend, hat sie in Dogville versucht, sich allem und jedem unterzuordnen - und gerade dadurch, indem sie sich kleiner machte als alle anderen, entlarvt sie sich als die Hochmütigste von allen, wie ihr Vater ihr in einem dramatischen Schlusswort verdeutlicht: wer sich als Mensch über alle Fehler anderer hinwegsetzt, alles und jeden entschuldigt, nimmt den anderen ihre moralische Verantwortung - er degradiert sie geradezu und nimmt ihnen das, was sie zum Menschen macht. Indem Grace alles über sich erduldete und für alles und jeden eine Entschuldigung fand, stellte sie sich als die einzig Schuldfähige gleichsam über alle anderen: eine Rolle, die den Bogen zum genannten "nisi dominus" von Vivaldi eindrucksvoll schliesst.

So ist es auch konsequent zu Ende geführt, wenn sie am Schluss des Filmes wieder Mensch wird, und um "die Welt ein bisschen besser zu machen" das Dorf gleich einem Genozid vernichten lässt.

Nun will ich noch ein paar Worte als Fazit anfügen, vor allem wohl auch um die 5 Punkte zu begründen.
Zwei Aspekte haben mich wohl am meisten beeindruckt:
- Zum einen läuft der Film in meisterhafter Weise (dramaturgisch, erzählerisch und künstlerisch) auf das durch die christliche Erbsündenlehre dargestellte Problem hinaus, dass wir letztlich die Welt nicht erlösen können. Was wir auch machen, es ist letztlich falsch. So ist es Hybris und nimmt den Menschen letztlich alle Freiheit, wenn wir an Christi Stelle alles Leid auf uns nehmen wollen. Versuchen wir aber vor allem unsere menschliche Gerechtigkeit walten zu lassen, endet das in letzter Konsequenz in einem Blutbad.
- Das Blutbad wiederum knüpft in erschreckender Weise an einen zweiten mich tief beeindruckenden Aspekt an, nämlich die Reaktionen auf den Film. Nicht wenige aufgeklärte Bürger, die sich mit Entschiedenheit und aller Kraft von geschichtlichen Phänomenen wie dem Holocaust distanzieren, waren auf einmal durchaus bereit, aus vollem Herzen Sympathie mit Graces schlussendlicher Entscheidung auszudrücken...

Wohl auch darum ist mir ein Film selten derart nachgegangen und hat mich kaum so aufgewühlt. Für mich ist Dogville auf jeden Fall eine Ausnahmeerscheinung, von der ich kaum glauben kann, dass sie aus der Hand eines einzigen Menschen stammt. Wenn ich jemals Zweifel an den Möglichkeiten moderner Filmkunst hatte, so sind diese durch Dogville endgültig beseitigt.
99 Kommentare| 35 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. Juli 2014
Habe den Artikel gekauft, weil auch Englische Untertiteln laut Beschreibung vorhanden sein sollten. Sie sind aber nur für den Making Of verfügbar, für den Film. Was für eine Enttäuschung!
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am 28. Juli 2004
Das Lars von Trier spröde und anstrengende Filme macht ist wohl spätestens seit "Dancer in the Dark" bekannt, war doch der Film auf große internationale Resonanz gestoßen und hatte sogar eine Oscarnominierung in Sachen Original Score erhalten. Was uns aber Herr von Trier bei "Dogville" anbietet, wirkt auf den ersten Blick äußerst unverschähmt, wenn nicht sogar (im wahrsten Sinne des Wortes) unmenschlich:
Ungeschminkte Schauspieler werden von wackeligen Kameras begleitet und spielen auf einer Theaterbühne mit aufgemalter Kulisse ein dreistündiges Drama, das so kalt wie ein sibirischer Winter und so trocken wie ein verbrannter Knochen ist. Wirkt der Film doch stellenweise so kühl berechnend und analytisch wie ein Taschenrechner denn ein mit Menschen gedrehter Kinofilm.
Doch dann langsam, sehr langsam entwickelt sich beim Sehen der erlebten Greuel der Heldin eine derart große emotionale Bindung, dass man der fatalen und grausamen Entscheidung von ihr am Ende des Films nur mit rationaler Konsequenz zustimmen kann.
Dieser Verdienst gebührt nicht nur der grandiosen Nicole Kidman, die mit "Dogville" ihr persönliches Meisterwerk abgeliefert hat, sondern auch allen anderen Darstellern, die wohl befreit von der nicht vorhandenen Kulisse und dem sonst so üblichen Filmbombast eine solche Authentizität abliefern, dass man alle gezeigten Persönlichkeiten so oder so in der realen Welt wiederfinden kann. Die Entwicklung der Heldin von der verletzlichen, schönen Fremden zur grausamen, machtausübenden Gangsterbraut wirkt da genauso echt, wie jede einzelne extreme Verwandlung der Dorfbewohner.
Lars von Trier hat es mit "Dogville" tatsächlich geschafft und ein Meisterwerk über die wahre 'Menschlichkeit' gedreht ohne sie hinter Fassaden zu verstecken und mit Make-up zu kaschieren.
Danke Herr von Trier...
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am 20. Mai 2015
Nicht schlecht würde ich aber nicht nochmal kaufen. Aber da kann der Verkäufter ja nix für. Damit war alles super
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