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Die reden - Wir sterben: Wie unsere Soldaten zu Opfern der deutschen Politik werden Broschiert – 31. August 2010
- Seitenzahl der Print-Ausgabe268 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberCampus Verlag
- Erscheinungstermin31. August 2010
- Abmessungen13.9 x 2 x 21.3 cm
- ISBN-103593393425
- ISBN-13978-3593393421
Produktbeschreibungen
Pressestimmen
Durch die Bürokraten-Hölle
"So darf die Bundeswehr nicht mit ihren Veteranen umgehen."
05.10.2010 / Neues Deutschland:
Hilferuf eines Soldaten
"Dieses Buch würde ich allen Bundestagsabgeordneten als Pflichtlektüre verordnen ... Jede Parlamentarierin,
jeder Parlamentarier sollte wissen, spüren, verinnerlichen, dass sie oder er mit ihrem Abstimmungsverhalten Verantwortung über Leben und Tod übernehmen ... Die Politik ist gefordert."
22.11.2010 / Süddeutsche Zeitung:
Verharmlosung, ja Lügen
"Dieses Buch lässt daran zweifeln, dass der Einsatz am Hindukusch noch sinnvoll ist."
20.12.2010 / Hessisch/Niedersächsische Allgemeine:
Bundeswehrsoldaten an drei Fronten
"Ein wichtiges Buch. Es legt den Finger in eine offene Wunde, die größer ist, als die meisten Deutschen denken."
12.01.2012 / Planet Wissen:
Welchen Auftrag hat die Bundeswehr?
"Ein sehr kritischer und erschütternder Bericht."
Rezension
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Krieg im Kopf
Wenn die Seele verblutet
Die Straßenkreuzung gleicht einer Verkehrsinsel, auf der gerade ein Basar abgehalten wird. Die kleinen und alten Autos sind eher in der Minderzahl und versuchen sich einen Weg durch die Massen der übrigen Transportmittel zu bahnen. Menschen auf Eseln, Fahr-radfahrer, Mofas und Mopeds, überfüllte Busse, Lastwagen mit buntem Zierrat behangen, Kamele als Lastentiere mit riesigen Heuballen oder vielköpfigen Familien auf dem Rücken - alles drängt sich auf der einzigen geteerten Straße in der Mitte von Kun-dus um diesen Verkehrsknotenpunkt. Wer über eine funktionieren-de Hupe verfügt, der betätigt sie oft und scheinbar automatisch. Überall dazwischen bewegen sich Fußgänger durch die staubige Sommerhitze. Die blauen Burkas afghanischer Frauen setzen sich deutlich von dem sandigen, lehmfarbenen Straßenbild ab. Zusam-men mit der bunten Auslage der Obst- und Gemüsestände am Straßenrand wirken sie, als wollten sie bewusst Farbe in dieses triste Land bringen.
In der Mitte der Kreuzung befindet sich eine Polizeiwache. Et-was erhöht gebaut, mit matten dünnen Scheiben in allen Richtun-gen, versucht dieses Gebäude so etwas wie Staatsmacht oder Ordnung darzustellen. Alle Straßen, die auf diese Kreuzung zulau-fen, sind von dieser Polizeiwache aus zu sehen. Der ursprüngliche Verputz der Betonwände hatte irgendwann einmal rot-weiße Strei-fen zur besseren Erkennung getragen. Eifrig versuchen die örtli-chen Polizeikräfte, durch schwer zu deutende Handzeichen oder mit lauten Trillerpfeifen so etwas Ähnliches wie Verkehrsregeln durchzusetzen.
Ich folge meinen Kameraden zu Fuß durch das Getümmel der Menschen. Wir haben ein Treffen mit dem örtlichen Polizeichef, wollen mit ihm über die Sicherheit in der Stadt Kundus sprechen, auch über die Verkehrssicherheit. Unsere Militärpolizisten sind ebenso dabei wie der deutsche Polizist, der sich um die Ausbil-dung der afghanischen Kollegen kümmert.
Wir haben zuvor aus Kreisen des Geheimdienstes die Warnung erhalten, dass sich zwei Selbstmordattentäter in der Stadt aufhal-ten sollen - mindestens einer von ihnen soll in einem mit Spreng-stoff gefüllten weißen Toyota auf uns warten. So dankbar wir über solche Warnmeldungen auch sind, bleiben wir verunsichert. In dem Durcheinander des Straßenverkehrs in Kundus ist fast jedes zweite Auto ein weißer Toyota.
Ich stehe beim ersten Treffen etwas abseits von unseren Solda-ten und den afghanischen Polizisten. Herzliche Begrüßungen, höfliche Wortwechsel, die Sprachmittler tun ihr Bestes.
Plötzlich erfasst mich eine gewaltige Woge der Angst. Zum ers-ten Mal während meines Einsatzes habe ich Todesangst, die ich nicht einordnen kann. Ich kenne diese Angst von verschiedenen Anschlägen, vom direkten Beschuss, ich lag schon einmal in einem Feuergefecht und sah die Panzerfaustraketen auf mich zufliegen. Aber da hatte ich eine konkrete Bedrohung vor mir, sah einen Feind. Jetzt sehe ich ihn nicht und spüre dennoch die gleiche Angst. Sie ist gewaltig, ich kann mich nicht dagegen wehren. Keine militärische Ausbildung, keine Waffe, keine Schutzweste und kein Stahlhelm, kein Drill und kein Training kann mich davor schützen - sie ist einfach da.
Ich versuche zu sortieren, bemühe mich, die Kontrolle über die Situation zu behalten. Ich handle als Soldat, beginne mit der Lage-beurteilung. Wo sind meine Kameraden, wo meine linken und rech-ten Nachbarn? Wo könnte die Bedrohung sein? Woran könnte ich sie erkennen? Wie ist der Ladezustand meiner Waffe? Welche Maßnahmen könnte ich ergreifen? Alles läuft in Sekunden ab. Ich erfasse mit schnellen Blicken mein Umfeld und sehe plötzlich einen Mann in typisch afghanischen Gewändern. Unter seinem Umhang zieht er ein Mobilfunktelefon hervor. Er beobachtet aufmerksam die Umgebung und schaut wiederholt in die Richtung einer Straßen-einmündung in die Kreuzung. Ich finde es merkwürdig, dass der Mann nicht auf sein Handy schaut. Er klappt es auf und beginnt die Tasten zu bedienen. Aber auch jetzt blickt er nur zur Straße, nicht auf sein Handy.
Der Wind kühlt nicht, mittags in der Hitze von Kundus, er wirbelt nur den Dreck und Staub der Straße auf. Aber er bewegt die san-digen Blätter der wenigen Bäume, er bewegt auch den Umhang des Mannes mit dem Handy, den ich weiter beobachte. Für einen kurzen Augenblick kann ich unter dem angewinkelten Arm des Mannes hinter seine Gewänder blicken. Ich analysiere genau, was ich da erkennen kann: Drähte und ein Sprengstoffgürtel. Augen-blicklich - ich bewege mich schon auf den Mann zu - weiß ich, dass ich einem Selbstmordattentäter gegenüberstehe. Ich bin mir jetzt sicher, dass er zunächst über das Handy eine Bombe fern-zünden will und dass er danach in aller Ruhe warten wird, bis die ersten Helfer am Ort des Anschlags eingetroffen sind, bis zivile wie militärische Rettungskräfte sich um die verstümmelten Verletzten und Toten kümmern. Und wenn der Menschenauflauf am größten ist, dann wird er sich mit seinem Sprengstoffgürtel selbst in die Luft sprengen. Er will den größtmöglichen Schaden. Das ist die Ver-nichtungsstrategie des Feindes. Ich blicke in die Fratze des Ter-rors, als ich auf ihn zustürze.
Es ist zu spät, um meine Kameraden zu alamieren. Er hat seine Finger immer noch auf dem Handy. Vielleicht ist es ein Zahlenco-de, vielleicht sind nur noch ein oder zwei Tasten zu drücken, bevor dieser scheußliche Plan umgesetzt ist. Vielleicht wartet er, bis der Polizeichef und alle Begleiter möglichst nahe an der Bombe sind, die er fernzünden will.
Einen Schritt bin ich noch von ihm entfernt, da wendet er seinen Blick von der Straße ab und grinst mich durch seinen Vollbart über-legen an. Er will mir wohl bedeuten, dass ich zwar die Situation richtig erkannt habe, dass ich aber nichts mehr daran ändern kann.
Meine Faust trifft sein Handy. Und wenn es das Letzte ist, was ich jetzt an Kraft und Leben in mir hätte, ich will alles versuchen, diesen Terrorakt zu verhindern. Es ist so viel Kraft in mir, ich hätte wohl auch einen Schwergewichtsmeister im Boxen mit diesem Schlag in die Knie gezwungen. Das Handy fliegt im weiten Bogen zwischen den Passanten in den Straßendreck und zerbricht in Einzelteile. Plastik zersplittert, der Akku hüpft noch etwas weiter. Es hat noch nicht geknallt, keine Explosion - ich war wohl rechtzei-tig genug. Meine Hand tut weh von dem Schlag, meine Finger bluten, aber mein Einsatz hat sich gelohnt.
Plötzlich Verwirrung. Ich weiß nicht, wo ich bin - ich liege zu Hause in meinem Bett. Meine Augen sind geschlossen, aber ich fühle mein Bett. Warten - Konzentration - Nachdenken - Fühlen - Schmerzen! Was ist hier los? Ich öffne die Augen, liege immer noch im Bett. Ich bin nicht in Afghanistan, nicht auf dieser Straßen-kreuzung. Aber meine Hand blutet!
Die Szene in Kundus, die Straßenkreuzung, der Attentäter, die Schmerzen in der Hand? Langsam kann ich alles sortieren.
Das Treffen auf der Kreuzung in Kundus fand im Sommer 2006 tatsächlich statt, ich war dabei und sollte als Presseoffizier darüber für die Medien berichten - aber damals gab es dort keinen An-schlag. Einige Wochen zuvor hatte sich ein Selbstmordattentäter wenige Kilometer entfernt an einer anderen Stelle in Kundus in die Luft gesprengt.
In meinem Traum aber gab es einen Anschlag, zumindest einen Anschlagsversuch. Im Traum habe ich mit letzter Kraft das Handy des Mannes weggeschlagen, und im Schlaf muss ich wohl diesen Schlag mit der Faust ausgeführt haben und traf dabei die Wand hinter meinem Bett.
Meine Nacht ist vorbei. Es ist fast vier Uhr morgens, und ich verbinde die blutigen Finger meiner rechten Hand. Todmüde schleppe ich mich ins Bad. Deutschland schläft, alles ruht. Nur ich kämpfe gegen einen Selbstmordattentäter und schlage nachts um mich. Gut, dass niemand neben mir gelegen hat, denke ich. Ich weiß, dass ich jetzt nicht mehr schlafen kann. Ich versuche den Tag positiv zu...
Produktinformation
- Herausgeber : Campus Verlag; 1. Edition (31. August 2010)
- Sprache : Deutsch
- Broschiert : 268 Seiten
- ISBN-10 : 3593393425
- ISBN-13 : 978-3593393421
- Abmessungen : 13.9 x 2 x 21.3 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 468.002 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 123 in Afghanische Politik (Bücher)
- Nr. 623 in Deutsche Militärgeschichte (Bücher)
- Nr. 2.961 in Politische Biografien & Erinnerungen (Bücher)
- Kundenrezensionen:
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Selbst wenn man nicht konform mit den Entscheidungen des Parlamentes ist und Einsätze der Bundeswehr ablehnt, so lohnt es dennoch einen Blick in die Welt der Soldaten zu wagen. Wesentlich zur eigenen Meinungsbildung ist das Wissen über den Sachverhalt. Mit dem Buch gelangt der Leser einen guten Einblick in das Denken eines Soldaten. Wichtiger ist das Verständnis dafür, warum es auch in Deutschland Soldaten mit psychischen Erkrankungen gibt und dass sie teilweise im Stich gelassen werden. Das Buch leistet einen Beitrag zur Aufklärungsarbeit.
Piet.
Das Buch hat mich sehr bewegt und ist wirklich sehr zu empfehlen.
heiten nicht entsprechenden Gesamtschau animiert. Ein " Unternehmen " wie die Bundeswehr handelt so, wie es handeln muß.