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Kundenrezensionen

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am 26. Oktober 2011
Mit seinem neuen Buch eröffnet Volker Braun die harsche, große Verhandlung über die Enteignung des Volkes nach dem Ende der DDR durch jene treu genannte Hand, die besser abgefault wäre, noch vor ihrem Griff nach den volkseigenen Betrieben. Denn die DDR, so komponiert es der Schriftsteller in seinem großen Gesang über "Die Hellen Haufen", kannte kein Staatseigentum: Dem Staat war "nicht erlaubt dieses Eigentum zu verkaufen. Es war nicht seins. Es war das Eigentum aller", sagt einer von denen, die in Brauns Erzählung ein Streitmacht entlassener Arbeiter begleiten. Auf historischem Boden hat sich der Haufen zusammengetan. Dort, wo die deutschen Bauern und ihre hellen Haufen ihre große und letzte Schlacht schlugen, wo Max Hoelz in den Zwanzigern des vorigen Jahrhunderts die Arbeiter bewaffnet hatte, kämpfen die Enteigneten um jenen Besitz, den sie vorher "nicht besessen haben".

Viele der Handelnden der Braunschen Erzählung gab es wirklich, Namen wie Schurlam oder Schufft weisen den Weg in die jüngste Geschichte. Auch das Sichwehren gab es, im früheren Kali-Kombinat: Grubenbesetzungen, Demonstrationen und der legendäre Hungerstreik in Bischofferode, im Eichsfeld. Doch Brauns hartes Untertagewerk geht über die Wirklichkeit hinaus, ins Denkbare, bündelt aus der kargen Wahrheit die Geschichte eines Aufstandes, der nicht statt gefunden hat, und der mit dem Ruf "Keine Gewalt" ein bittere Niederlage erlebte. "Würde das Zauberwort ein zweitesmal wirken," fragt der Chronist eines Arbeiterkrieges, den es nicht gab, "oder wie ein Witz, den man kennt, seine Kraft verlieren?"

Ob Volker Braun, während der Arbeit an "Die Hellen Haufen" geahnt hat, wie ungeheuer genau die Frage nach der Macht und den Mitteln, die man benötigt, um sie zu erobern, in das Jetzt hineinragt? Wer die Empörten in den vielen Ländern beobachtet, wer ihre friedlichen Schritte gegen ihre Enteignung durch die Banken kennt, der fürchtet, dass der Witz zum dritten Mal erzählt wird: Wenige sind es, die sich wehren. Freundlich wirken sie, wo ihre Gegner kalten Gesichts Tausende in jene Freiheit von Arbeit schicken, die das Ende der Hoffnung bedeutet. Höflich besetzen sie diesen oder jenen öffentlichen Platz, erhalten sogar lauen Beifall in den Blättern und Sendern, die ihnen nicht gehören. Gibt es dann doch Diesen oder Jenen, der sich mit der limitierten Freiheit sittsamer Proteste nicht begnügen will, zeigt der Staat, der ihnen nicht gehört, was seine Polizei zu leisten vermag.

Das wundersame Märchen von den "Hellen Haufen" kennt keine Prinzessinnen, kein Frosch wird gegen eine Wand geworfen. Und doch steigt aus dem schmalen, reichen Band eine Märchenhöhle auf. Dort, wo der gewöhnliche Gips sich zum zaubrischen Marienglas wandelt, wo die untertäglichen Klüfte zu Logen aus Alabaster geworden sind, in dieser Höhle versammeln sich die Arbeiter des Schriftstellers, um ihre "Mansfelder Artikel" zu verfassen, von denen der dritte lautet: "Nicht den Gewinn maximieren sondern den Sinn." Und einer, der den allegorischen Namen Mintzer trägt, fügt an: "Die Zukunft ist offenzuhalten für Anmut und Mühe." Als die Versammelten sich ihrer früheren Wünsche erinnern, denen nach Reisefreiheit, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit und wissen, dass die inzwischen erfüllt sind, erkennen sie sich als Hans im Glück wieder, der seinen Klumpen Gold gegen Steine tauschte, die ihm am Ende in den Brunnen fallen: "Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war", schrieben die Brüder Grimm auf. Die Last der Arbeit war denen in Bischofferode und ist vielen anderen heute genommen. Von leichtem Herzen kann allerdings keine Rede sein.
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TOP 500 REZENSENTam 18. Juli 2017
Buchkritik.
Jeder Autor will uns mit seinem Buch etwas sagen. Volker Braun tut es hier auf die gewohnte Art und Weise. Wovon er schreibt, das erinnert mich an 1989. Auch da gab es viele Menschen, die endlich das Licht in all das bisherige Dunkel bringen wollten. So ist es auch mit dieser "wahren" Geschichte. Hier stellen sich Kumpels schützend vor ihren Arbeitsplatz und dies auch ohne jegliche Gewalt. Die Arbeiter wurden einfach mal so entlassen.1989 gab es auch einen Aufstand, der auch wieder in seinem Keim erstickt wurde. Das kleine Pflänzchen der friedlichen DDR Revolution wurde zertreten. Immer ist es die Macht, die über alles bestimmt. So auch in diesem kleinen Fall. So ist es aber auch im Großen. Macht und Geld bestimmen über alles und das zerstört jede Hoffnung auf Besserung. Wie viele friedliche Proteste sind an der Macht gescheitert. Wie viele Steinewerfer wurden am Ende an der Macht beteiligt. Volker Braun zeigt dies in seinem Buch präzise auf und gibt all dem ein helles Gesicht, denn die friedliche Revolution 1989 muss ja nicht die Letzte gewesen sein ........Volker Braun schreibt dies sehr hintergründig, spitz und satirisch, aber auch mit vollem Ernst und erzählt - von einem Aufstand, der wieder nicht stattgefunden hat. Er meint den "Aufstand des aufrechten Ganges". Auch wir haben 1989 nicht viel zustande gebracht, und wir erleben die Nachhaltigkeit dessen jeden Tag.

Fünf Sterne für dieses aufschlussreiche Buch von Volker Braun.
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am 10. Februar 2012
Ein wichtiges Buch. Es schließt eine Lücke, indem es das Trauma der Ex-DDR behandelt, den Ausverkauf des 'Volksvermögens', so wie er durch die Lokatoren der Treuhand nach Marktlogik im Sinne einer feindlichen Übernahme nun mal geschah, besonders verheerend im traditionsreichen Mansfelder Land, mit dem sich nicht nur ein wirtschaftsgeschichtlicher Ursprungsraum erledigt fand, sondern gleichzeitig eine Kulturlandschaft, die bereits in Mittelalter und früher Neuzeit eine Identität stiftete, die die DDR weitersubventionierte und die seit der Deindustrialisierung wohl auf immer verloren ist. Sicher, Brauns Text ist eine Klage, zuweilen eine Anklage, aber ihm fehlt in seiner Kompaktheit jede falsche Senitmentalität oder gar Melodramatik. Der Autor sieht aufs Ganze, er erfindet sich keinen nostalgischen oder begeisterten Helden, der aus seinem winzigen Blickwinkel Geschichte einzufangen versucht; er bevorzugt den adaptierten Gestus der alten Historien voll sprechender Namen und Rauheiten des Dialekts und möchte so offenbar an die fremd gewordene Erzähltradition der Reformations- und passenderweise Bauernkriegszeit anschließen. Indem eine Parallelität der Ereignisse zwischen gescheitertem Bauernkrieg und gar nicht erst stattfindendem Arbeiteraufstand hergeschrieben wird, ergeben sich interessante Collagen: Als neue Fronburgen brennen die Arbeitsämter, der tragische Endkampf findet, an Müntzers Desater bei Frankenhausen gemahnend, auf der Volkstedter Sargdeckelhalde statt. Manche Wendung erinnerte mich auch an Barockliteratur oder die großen Novellenstoffe Kleists, manche Interferenz des Verschiedenen an Arno Schmidt. Volker Brauns Sprache schließt an die pointierte Verdichtung seiner Lyrik und Dramatik an. Sie erscheint hochverdichtet, wirkt zuweilen auch artifiziell, manieristisch, mag manchem Leser vielleicht allzu wortverspielt und aphoristisch vorkommen, paßt aber zur fiktionalen Anlage des Bändchens, einen nie erfolgten Aufstand der gebrochenen ostdeutschen Biographien zu beschreiben. Bleibt dieser Aufstand selbstredend reine Phantasie, so findet sich das Befinden der Menschen jedoch höchst realistisch und psychologisch einfühlsam vorgestellt ' nicht nur jenes der vielen Verlierer, sondern auch das der wenigen Gewinner. Von Belang sind ferner die philosophischen Überlegungen, die der Handlung und den Dialogen eingewoben sind, das Nachdenken etwa über die Unterschiede von Volks- und Staatseigentum. Das Zusammenraufen der neuen Haufen zu zeigen, ihre Versammlungen und den Zorn, das wirkt zuweilen etwas bemüht, weil es ein solches nun mal nie gab; aber die angebotene Gegenwartsübersetzung der zwölf Artikel der Bauern mutet mit Blick auf das alte 'Prinzip Hoffnung' interessant an. Ästhetik der Vergeblichkeit. Es gibt von Braun aus dem Jahr 1992 ein Gedicht mit dem Titel 'Das Eigentum', das zu dieser Prosa paßt: Da bin ich noch: mein Land geht in den Westen./KRIEG DEN HÜTTEN FRIEDE DEN PALÄSTEN/Ich selber habe ihm den Tritt versetzt./Es wirft sich weg und seine magre Zierde./Dem Winter folgt der Sommer der Begierde./Und ich kann bleiben wo der Pfeffer wächst./Und unverständlich wird mein ganzer Text./Was ich niemals besaß, wird mir entrissen./Was ich nicht lebte, werd ich ewig missen./Die Hoffnung lag im Weg wie eine Falle./Mein Eigentum, jetzt habt ihrs auf der Kralle./Wann sag ich wieder mein und meine alle.
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am 30. Dezember 2011
Ja, es hält was man darüber gehört hat und es hat mich auch traurig gestimmt. Kam alles wieder hoch, hatte man schon verdrängt. Also, wer sich noch mal an Treuhand und die damalige Atmosphäre erinnern möchte, an all das, was die Leute voller Erwartung geglaubt hatten und wie es dann ganz anders kam, der sollte das Buch lesen. Ja und davon, was leider oder zum Glück nicht passiert ist, aber hätte passieren können, sollen?
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am 9. November 2014
Das Buch ist mir zu spitzfindig und die durchgehende Kleinschreibung erschwert das Verständnis.
Dieses Buch sollte nur von absoluten Fans von Volker Braun gelesen werden
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