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am 24. Januar 2010
Meine Vergabe von 5 Amazon-Sternen sollte als Prämierung für die gesamte Doppel-DVD gewertet werden, die von der 'Edition Filmmuseum' mit einiger Verspätung nun endlich doch veröffentlicht wurde. Diese Gesamtausgabe hat jede Anerkennung verdient, denn - kompakt, wie sie ist - wird jeder Filmfreund und Historiker seine helle Freude daran haben und nachdem der Film (in DVD/Buch-Kombination mit dem ursprünglichen Roman) bereits seit einiger in Österreich erhältlich war, wurde es auch Zeit, daß "Die Freudlose Gasse" endlich ihren Weg zurück nach Deutschland fand, wo sie schließlich entstanden war.
Das Main-Feature ist und bleibt natürlich bei allem Georg Wilhelm Pabst's Film selbst, der hier und jetzt in der bestrekonstruiertesten und -restauriertesten Version, die es auf der Welt gibt, vorliegt - mit angegebener Filmlänge von ca. zweieinhalb Stunden fehlen diesem Filmwerk von 1925, das durch die Zensur der verschiedensten Länder mehrfach zerstückelt wurde, jetzt noch ca. 30 Minuten, die es von seiner Originalversion zur Uraufführung trennen ... die scheinen allerdings tatsächlich verschollen zu sein. Das macht aber nichts, man kann dem Film inhaltlich mühelos folgen, die Rekonstruktionsarbeiten, die durch Enno Patallas vor zwei Jahrzehnten initiiert wurden, zeigen sichtbar Erfolg.
Der Kult-Status des Films ergibt sich aus der Kombination mehrerer Faktoren heraus: Vordergründig "der Aufreißer" ist natürlich die Präsenz DES damaligen, international bekannten Film Stars Asta Nielsen zusammen mit der zukünftigen Hollywood-Film-Göttin Greta Garbo im selben Film (wie für Regisseur Pabst selbst, war "Die Freudlose Gasse" auch für Greta Garbo der 3. Film und blieb, im Kontrast zu Asta Nielsen, die einzige deutsche Produktion, an der sie mitwirkte). Dieser Aspekt rückt selbstverständlich erst retrospektivisch in den Vordergrund, Mitte der 20er konnte schließlich noch niemand ahnen, wie sich die Karrieren aller am Film Beteiligten späterhin entwickeln würden. Retrospektivisch betrachtet IST dies allerdings ein Phänomen ... wenige Jahre später brachte Pabst es fertig die Hollywood-Schauspielerin Louise Brooks für die zwei Filmproduktionen nach Deutschland zu holen ("Die Büchse Der Pandora" & "Tagebuch Einer Verlorenen"), die nachhaltig als die zwei signifikantesten Filme ihrer Laufbahn gelten. Phänomenal, daß der (im Sinne seiner Film Karriere) noch junge Regisseur schon für diese Produktion das Glück hatte, amtierende, wie zukünftige Stars im Studio versammeln zu können - außerhalb der Studios war Pabst's Lebensweg nämlich nicht immer mit Glück gesegnet. Zu weiteren Stars/bekannten Namen dieser Ära, die für "Die Freudlose Gasse" vor der Kamera erschienen gehören u.a. Krafft Raschig, Loni Nest, Valeska Gert, Jaro Fürth, Hertha von Walther und natürlich ... Werner Krauß (Pabst hatte auch das Glück, ihn bereits 2 Jahre früher für sein Regie Debüt "Der Schatz" gewinnen zu können). Marlene Dietrich, die, Gerüchten zufolge, ebenfalls an dieser Filmproduktion beteiligt gewesen sein soll, ist definitiv NICHT dabei! Der Name G. W. Pabst stand, auf seine filmischen Arbeiten bezogen, für die sog. 'Neue Sachlichkeit', die den sog. 'Expressionismus' (signifikante Filme u.a.: "Nosferatu", "Das Cabinet Des Dr. Caligari", "Faust", "Das Wachsfigurenkabinett" oder auch "Dr. Mabuse, Der Spieler") in Deutschland ablöste - retrospektivisch ist dabei sogar Pabst's erster Film "Der Schatz" zum Meilenstein ernannt worden, der diese Wende in der frühzeitlichen deutschen Filmgeschichte herbei führte/markierte. Spätestens durch "Die Freudlose Gasse" erhielt diese neue Direktive der Filmkunst ihren finalen, prägenden Stempel und überdies erwies sich der Film für Regisseur Pabst selbst als lukrativ, festigte/etablierte seinen Status in der Filmwelt, was ihm in der Folge neue Perspektiven eröffnete. Aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet also, repräsentiert "Die Freudlose Gasse" einen echten Meilenstein der (nicht allein deutschen) Filmgeschichte.
Inhaltlich kann an dieser Stelle nicht erschöpfend viel wieder gegeben werden, ohne sich im Detail zu verlieren - was den Rahmen einer Rezension sprengen würde. Nur so viel:
Bei "Die Freudlose Gasse" handelt es sich um ein Drama, bzw. ein Melodram. Es gibt dabei allerdings auch einen kriminalistischen Einschlag, denn zwei der Menschen, die im Rahmen der Story zu Tode kommen, werden ermordet. Generell repräsentiert der Inhalt (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer) eine Art von 'Sightseeing' durch zwei unterschiedliche Gesellschaftsklassen sowie verschiedenste Mentalitäten, menschliche Psychen (= wie immer: Pabst's Spezialität). Spielen tut die Geschichte in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die von Armut durch Inflation geprägt ist, was in dieser Verfilmung am Beispiel der Melchior Gasse in Wien demonstriert wird. Wer überhaupt ein wenig Geld berappen kann, steht hier eine Nacht lang in einer Schlange an, um beim Fleischer Geiringer (grandios: Werner Krauß!) ein Stück Fleisch zu erwerben. Wer nicht so liquide, dabei aber weiblichen Geschlechts ist, hat dennoch gute Chancen in den Genuß von Fleisch zu kommen - jedoch erst, nachdem Geiringer selbst in den Genuß des fleischlichen Vergnügens kam: Fleisch (= das Materielle, das Greifbare) ist in jeder Hinsicht sein Geschäft, auf das er sich in diesen unsicheren Zeiten hervorragend versteht. Und damit dies auch so bleibt, streut er zuweilen das Gerücht aus, er habe gar kein Fleisch mehr. Wie sich zeigt, kann er dennoch für die eine oder andere Frau noch etwas besorgen, wenn sie ihrem Wunsch danach nur engagiert genug Ausdruck verleiht. Außer dem Schlachter weiß aber auch Frau Greifer (Valeska Gert) ihren Schnitt zu machen und Vorteile aus der allgemeinen Armut zu ziehen. Sie führt ein Modegeschäft in der Melchior Gasse, doch in den Hinterräumen (die eigentlich schon zum Hotel Merkl gehören), versteht sie es einzurichten, daß Frauen, die in ihrer Schuld stehen, diese abtragen können, indem sie Herren der 'Upper Class' Liebesdienste erweisen und somit Frau Greifer's Profit in dieser von Armut geprägten Zeit steigern. Auf diese Möglichkeit greifen dann auch gern diverse Männer zurück, die (und hier wird die gesellschaftliche Brücke geschlagen) ansonsten in den höheren Kreisen verkehren: Der Zuschauer wird Zeuge, wie sie die Börsengeschäfte zu manipulieren verstehen, wie sie es fertig bringen - und das bei präzise kalkuliertem Timing -, Aktien steigen zu lassen oder auch zu Fall zu bringen ... mit eben diesem/demselben Effekt auf die Menschen, die in dieser unsicheren Zeit investieren und spekulieren. Erfolgreich in Szene gesetzt also, hat Pabst aufgezeigt, wie die Zeichen der Zeit denselben Effekt auf Menschen jeglicher Herkunft (= unabhängig von gesellschaftlicher Position) haben können. Der filmische Inhalt, mit vielen weiteren, interessanten Charakteren, gestaltet sich darüber hinaus aber noch viel subtiler, das allerdings muß man sich selbst angesehen haben. Als auffällig empfinde ich, daß es ein über 80 Jahre alter Film (wie z.B. auch Fritz Lang's "Metropolis") vermag, zeitlos gut zu bleiben, da es ihm gelingt, wenigstens 'schattenhaft' Parallelen zu anderen Zeitabschnitten (wovon unsere, heutige nicht so ausgeschlossen sein muß, wie es vordergründig den Anschein haben mag) aufzuzeigen.
Respektlos und wirklich gemein wäre es, in Bezug auf die darstellerischen Leistungen, alleinig Asta Nielsen, Werner Krauß oder Greta Garbo in den Vordergrund stellen zu wollen (die Garbo war zu jener Zeit, im Gegensatz zu anderen, schauspielerisch ohnehin noch nicht so erfahren, im Stummfilm gefällt sie mir persönlich allerdings immer wieder besser, als in ihren späteren, berühmten Tonfilmen). Hervorragend ist nämlich auch Jaro Fürth (als 'herunter gekommener' Hofrat Rumfort und Greta Garbo's Vater in diesem Film), besondere Erwähnung gebührt in jedem Falle auch Hetha von Walther in ihrer Rolle als Else. Tamara Tolstoi aber ist es, die, als Ehefrau des Anwalts Dr. Leid, alleinig in puncto optische, feminine Präsenz alle anderen Frauen des Films in den Schatten stellt. An interessanten Charakteren und ihrer Darstellung hat "Die Freudlose Gasse", wie bereits erwähnt, immer noch einiges mehr zu bieten. Zum Gesamtgenuß beim Ansehen des Films (der über deutsche, wie englische Zwischentitel verfügt), trägt - einmal mehr - maßgeblich das von Aljoscha Zimmermann komponierte, klangliche Ambiente bei.
Was aber den Gesamtcharakter dieser Doppel-DVD, sowie die 5-Sterne-Bewertung ausmacht, ergibt sich, über die toll restaurierten Bilder von Pabst's Meisterwerk hinaus, aus dem zusätzlichen Bonusmaterial. Zwei Dokumentationen sind enthalten, "Der andere Blick" (ca. 111 Min.) und "Pabst wieder sehen" (ca. 21 Min.), die jedem Interessierten einen kleinen Einblick in die Rekonstruktions- und Restaurationsarbeiten, welche die vorliegende Ausgabe ermöglichten, gewähren und darüber hinaus - durch Bilder, wie Zeitzeugen-Berichte - noch einmal Erinnerungen an die Arbeiten an "Die Freudlose Gasse" wie an das Leben und das filmische Gesamtwerk G. W. Pabsts lebendig werden lassen. Hoch interessant!!! Zudem wurden (ausschließlich in Audio-Form) Erinnerungen des Regie-Assistenten Marc Sorkin zusammen getragen. Das bislang unveröffentlichte Drehbuch zu "Die Freudlose Gasse" ist per Computer im ROM-Part einzusehen, beigefügt ist dieser DVD-Edition ein zweisprachiges (deutsch/engl.), 20seitiges Booklet. Ausgestattet ist die gesamte Doppel DVD mit Regionalcode: 0, kann also auf DVD-Playern in aller Welt problemlos abgespielt werden.
Ich meine, die lange Wartezeit auf das Erscheinen dieser Ausgabe wird durch ihre Gesamtpräsentation belohnt, die gesamten, erfolgreichen Restaurationsbemühungen dieser, übrigens wundervoll viragierten (= eingefärbten) Version von "Die Freudlose Gasse" rechtfertigen den Preis (sowie eine 5-Sterne-Bewertung) vollauf - mir ist bekannt, daß 'Film Freaks' auch im Ausland (z.B. USA) bereits sehnlichst auf das Erscheinen dieser Edition gewartet haben und das ist nicht verwunderlich: Mit dieser Version kommt "Die Freudlose Gasse" in bislang bester Qualität jetzt der ursprünglichsten Originalversion am nächsten. Es erübrigt sich eigentlich, dies zu sagen, der Form halber sei es dennoch einmal angemerkt: Dieser Klassiker gehört in jede Stummfilm-Sammlung, die etwas auf sich hält und andernfalls, aufgrund von Ignoranz, einfach nicht komplett genug wäre ... ein absolutes 'Muß'! Ich wünsche die verdiente Freude an diesem DVD-Gesamtwerk!
-- theSilentNoirFreak
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TOP 1000 REZENSENTam 14. Januar 2013
Produkt: DVD-s (2 Stück). Herausgeber: Alive - Vertrieb und Marketing/DVD. ASIN: B002RRKO3M.
Disk 1: Film
Disk 2: Specials

Disk 1: Film
Filmtitel: Die freudlose Gasse. Englischer Titel: The Joyless Street
Produktionsland: Deutschland. Premiere: 1925
Mit: Greta Garbo, Asta Nielsen, Valeska Gert, Loni Nest, Tamara Tolstoi (über diese Schauspielerin gibt es keine genauen Daten), Werner Krauß, Jaro Fürth, Alexander Murski, Max Kohlhase, Henry Stuart, Einar Hanson, Hertha von Walter u. v. A.
Regie: Georg Wilhelm Pabst
Musik: sehr aufdringliche, einhämmernde Klaviermusik und atonale Violinmusik von Aljoscha Zimmermann jenseits jeden Szenengefühls.
Genre: Stummfilm > Drama > Gesellschaftsdrama
Bild: gut / SW / 4:3 / verschiedene, wechselnde Farbtöne
Zwischentitel: deutsch (nicht zu lang und sehr ausgewogen)
Untertitel: nur englisch (ausblendbar)
Filmlänge:
a.) Film: ca. 147 Minuten (ohne erläuternden Vor- und Nachspann über die Erstellung der Neufassung und deren Archivquellen)
b.) Gesamt mit Vor- und Nachspann: 150,50 Minuten

Die freudlose Gasse ist ein armes Gässchen Wiens nach dem 1. Weltkrieg mit dem Namen Melchiorgasse. Hier stellen sich die äußerst bedürftigen Anwohner bereits in der Nacht vor dem Eingang des Fleischers an, um ein Stück Fleisch zu erhaschen. Viele ohne Erfolg, denn der Fleischer nützt seine Macht über die Menschen aus, lässt verzweifelte Frauen zu sich rein, um sie für ein Stück Fleisch sexuell zu mißbrauchen (Sexszenen werden im Film nicht gezeigt).
In der Gasse gibt es noch einen Modesalon, dessen Besitzerin in den Hinterzimmern einen Nachtclub unerhält. Die Kupplerin wird ausgezeichnet dargestellt von Valeska Gert. Ähnlich wie der Fleischer auf seine brutale, männliche Art, verkuppelt sie mittels ihrer femininen Einflüsterungsmethode Frauen in Not zu Liebesdiensten reicher Männer aus der Burgoisie.
Diese Männer werden gezeigt, wie sie in seriösen Vergnügungslokalen mit Orchestermusik und Tanz ihre Börsengeschäfte abwickeln in schamlosester Spekuliergier. Als Ausgleich zu den eher langweiligen Geschäftstreffen, suchen sie sich ihre wahre Freude im überfüllten Nachtclub mit viel Wein, Weib und Gesang.
Der Episodenfilm verknüpft also in den hier oben genannten Knotenpunkten die verschiedenen Schicksale von Menschen, welche sich in existenzielle Nöte verstricken, bis hin zur lebensbedrohlichen Gefahr des Verhungerns. Dieser Umstand zwingt sie, sich zu prostituieren.
Daher ist dieser Film in erster Linie getragen von den weiblichen Darstellerinnen und ihren beeindruckenden Leistungen.
Der Regisseur hat das Hauptaugenmerk auf die Frauen gelegt. Die Männer verkörpern mehr die Typusse der maskulinen Charakteristik und agieren in stellenweise überzeichneter Puppenartigkeit (Fleischer, Burgois,...). Es gibt auch normale, humane Männergestalten, jedoch bilden diese nur Nebenfiguren.
Die markanteste Frauengestalt wird verkörpert von Greta Garbo, die eine Frau aus der Mittelschicht verkörpert, welche durch Kündigung und falsch geführte Börsenspekulation ihres Vaters völlig verarmt. Das Schauspiel von Greta Garbo ist wunderbar, ihre starke, gefühlvolle Mimik, ihre ganze märchenhafte Gestalt.
Die zweite Heldin ist Asta Nielsen, welche weniger verführerisch, dafür aber intensiv feminin, ausdrucksstark agiert. Sie spielt eine eifersüchtige Mörderin an einer Anwaltsgattin, welche sich im Nachtclub incognito mit einem Mann getroffen hatte. Tamara Tolstoi spielt die unmoralische Anwaltsgattin kurz aber eindringlich.
In dem deprimierenden Film gibt es eine Art Happy End, als ein Kind aus einem brennenden Haus gerettet wird. Es wird als das Kind aller Bewohner der Melchiorgasse betrachtet, welche sich zu einem neuen Selbstbewußtsein erhoben hatten.
Die einzige als Außenaufnahme gestaltete Szene, ist die Darstellung der kleinen Melchiorgasse, welche düster, dunkel und trostlos dargestellt wird. Wahrscheinlich wurde diese vermeintliche Außenaufnahme in einem Studio mit Kulissen gebastelt. Alle anderen Szenen spielen sich in Räumen ab. Das ist also kein Film für Liebhaber echter Außenaufnahmen und Naturszenen.
Starke schauspielerischen Leistungen, emotionale, glaubwürdige Mimik. Die Szenerie ist großartig. Die Statisten im Hintergrund agieren authentisch, ungespielt, wahrhaftig. Schön, die ganze Atmosphäre nachempfinden zu können. Sehr beeindruckend, die Welt von damals im gegenwärtigen Moment zu erleben.
Ca. eine halbe Stunde Filmmaterial ging nach dem Erscheinen des Films aufgrund von Zensur unwiederbringlich verloren. Viele Fassungen wurden in andere Länder verschickt und dort wiederum in verschiedenen zensierten Fassungen vorgeführt und gelagert. Aus der Summe dieser Archivmaterialien wurde die hier vorgeführte Fassung erstellt und neu zusammengeschnitten. Aufgrund des Ablaufs der Szenen kann man sagen, dass sie alle gemäß dem Drehbuch und der Logik der Ereignisse perfekt gestaltet sind. Es ist eine restaurierte Fassung, welche einen authentischen Originaleindruck vermittelt und somit einen hohen qualitativen Schaugenuss gewährt. Die Zwischentitel sind sehr gut gewählt und nicht zu lang.
Ein Film von fast 150 Minuten Länge, welcher Liebhabern von Stummfilmen und sehenswürdigen Filmen allgemein eine große Freude bereiten wird.
Ein sehenswertes Sozialdrama und ein Meilenstein der Filmkunst.

Disk 2: Specials

a.) 111 Minuten Dokumentation aus dem Jahre 1991 mit dem Titel: "Der andere Blick". Außergewöhnliche Dokumentation von Hannah Heer und Werner Schmiedel über Georg Wilhelm Pabst und sein filmisches Schaffen mit viel Informationsmaterial, Szenen, sehr vielen Interviews in deutscher und englischer Sprache, deutsch untertitelt. Eigenwillige filmische Dokumentation mit beeindruckenden Daten. Interwies mit Francis Lederer und vielen anderen Filmexperten und filmhistorischen Persönlichkeiten.
b.) 20 Minuten informative Dokumentation über die Produktion des Filmes "Die freudlose Gasse" und nachträgliche Restaurierung mit Szenen, Infos, Hintergründen, Daten in deutscher Sprache mit englischen UT

Mladen Kosar
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TOP 1000 REZENSENTam 4. Mai 2016
Georg Wilhelm Pabst (1885 bis 1967) ist sicherlich neben Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau der bedeutendste Filmemacher des Weimarer Kinos. In der Stummfilmära drehte er Meisterwerke wie "Die Liebe der Jeanne Ney", "Die Büchse der Pandora" , "Tagebuch einer Verlorenen" und "Die weiße Hölle vom Piz Palü". Auch mit dem aufkommenden Tonfilm gelangen ihm hervorragende Filme wie "Westfront 1918", "Kameradschaft" oder "Die Dreigroschenoper".

Sein berühmtestes Werk ist aber sicherlich der 1925 entstandene "Die freudlose Gasse", in dem gleich zwei ganz große Leinwandgöttinnen mitspielen. Zum einen die noch weitestgehend unbekannte Greta Garbo, auf dem besten Weg ein Weltstar zu werden und die große Asta Nielsen, die damals als beste Schauspielerin der Welt galt und als erste Filmdiva in die Filmgeschichte einging. Einer Legende nach soll sogar Marlene Dietrich unter den Akteuren gewesen sein, bewiesen wurde es nie und auch heute noch sind mehrere Sequenzen des Films verschollen.

Die Fassung, die bei der Uraufführung am 18. Mai 1925 in Berlin gezeigt wurde, hatte eine Länge von 3738 m. Durch die ersten Zensuren blieben noch 3477 Meter übrig. In Deutschland wurden mehrere Versuche unternommen, den Film zu rekonstruieren. Man wollte wieder möglichst nah an die Urfassung herankommen. Dies erfolgte in mehreren Phasen. Der erste Versuch geht auf Enno Patalas zurück. Von 1995 bis 1997 verwendete Jan-Christopher Horaks alle bekannten Negativfilme und sämtliches verfügbares Material, aus denen sich Hinweise über die richtige Reihenfolge der Szenen und Zwischentitel ergab. Stolz blickte man auf eine Rekonstruktion, die eine Länge von etwa 3000 Metern aufwies. Pabsts Film ist einer der am meisten verstümmelten und gekürzten Filmwerke. Dies lag vor allem an moralischen Bedenken der Filmzensoren, denn zur Zeit der Entstehung hatte die Geschichte, die der Film erzählt, erheblichen Sprengstoff-Charakter. Viele warfen dem Film entsittlichende und verrohende Tendenzen vor.

"Die freudlose Gass" spielt zur Weltwirtschaftskrisenzeit in den frühen 20er Jahren in Wien. Dort herrscht Inflation und Hunger. Aber auch Luxus und Vergnügen. Die Handlung spielt sich vornehmlich an zwei ganz unterschiedlichen Orten ab. Zum einen in der Melchiorgasse. Diese ehemals bürgerliche Wohngegend ist zum Armenviertel verkommen. Man sieht eine Schlange wartender, abgehärmter Frauen, vor denen sich die Tür des Metzerladens schließt, nachdem sie ganze Nacht dort angestanden haben. Der andere Schauplatz ist ein Luxushotel der oberen Zehntausend - dort in den Foyers und Ballsälen halten sich Aktienspekulanten und Börsenmakler auf, raffgierige und sexsüchtige Männer. Unter ihnen befindet sich der junge aufstrebende Bankbeamte Egon Stirner (Henry Stuart), der mit drei Frauen eine Beziehung laufen hat. Regine (Agnes Esterhazy), die reiche Tochter des Generaldirektors Rosenow (Karl Etlinger) liebt ihn, aber will nur dann eine Beziehung mit ihm eingehen, wenn er genauso reich wie sie wird oder wenn sie genauso arm wie er würde. Dies stachelt den jungen Mann auf. Er hat eine heimliche Liason mit der verheirateten Lia Leid (Tamara Tolstei). Geliebt wird er auch von der armen Maria Lechner (Asta Nielsen), die alles für ihren Egon tun würde. Maria und ihre Eltern wohnen im gleichen Haus wie der Hofrat Rumfort (Jaro Fürth) mit seinen beiden Töchtern Grete (Greta Garbo) und Mariandl (Loni Nest). Dieser nimmt das Angebot an sich für eine üppige Abfindung frühzeitig pensionieren zu lassen und verliert durch seine Spekulation an der Börse das gesamte Vermögen. So gibt es in der Melchiorgasse neben den verarmten Bürgern und dem Lumpenproletariat nur zwei wohlhabende Menschen: Den Fleischer Josef Geiringer (Werner Krauss), dem sich verzweifelte Mütter für ein Stück Fleisch hingeben und Frau Greifer (Valeska Gert), die gleich um die Ecke einen Modesalon mit angeschlossenem Nachtclub betreibt. In diesem Nachtclub verkehren die wohlhabenden Bürger Wiens, wo die Mädchen aus der Unterschicht sich für Geld an reiche Männer verkaufen. Denn an den Nachtclub angegliedert ist das Stundenhotel "Merkl". Dort bezahlen die Mädchen mit sexuellen Dienstleistungen, die ihnen von Frau Greifer gewährten Kredite ab. Und dann passiert ein Mord....

Der Film begründete Georg Wilhelm Pabsts Renommee als führender Regisseur des deutschen Filmrealismus.Trotz eines Happy-Ends, das entgegen der literarischen Vorlage als Zugeständnis an die Produzenten und das Publikum gedreht wurde, bietet der Film genügend Sprengstoff, denn es dominiert das Tauschgeschäft "Fleisch gegen Fleisch" Ein Querschnitt menschlicher Schicksale im Wien der Inflationszeit: In der Melchiorgasse liegen Elend und Luxus nah beieinander. Hier treffen sich die Verlierer und Gewinner, Prostituierte und Geschäftemacher, Kuppler und Spekulanten.

Der Film beruht auf der Bearbeitung eines 1924 erschienenen Romans von Hugo Bettauer und wurde in nur fünf Monaten realisiert. Mit welcher Eleganz die 20 jährige Greta Garbo durch diese Gasse stolziert und sich mit anbetungswürdigem Blick der gierigen Männer erwehrt, ist beeindruckend. Verletzlich und stolz zugleich und wunderschön. Viele Szenen bleiben eindrucksvoll im Gedächtnis haften, so zum Beispiel das Ende, wo es im Dach des Hauses zu brennen anfängt oder die Szene, in der die zwei Frauen - bettelnd nach Fleisch - die Metzgerei betreten und der Metzger, immer in Begleitung seiner großen Dogge, den Preis aushandelt, wenn nicht mit Geld bezahlt werden kann. Eine Paraderolle für Werner Krauss - ein großer Schauspieler, aber leider auch ein Antisemit. "Die freudlose Gasse“ ist vieles: Sozialdrama, Krimi, Ensemblefilm und Zeitportrait der Weimarer Republik. Die rekonstruierte Fassung hat eine Laufzeit von 148 Minuten - es ist ein fasziniernder Film, der auch heute wieder mit der zunehmenden Kluft zwischen Reich und Arm ein Thema ist. Pabst baute seine Elendsviertel im Atelier auf und fing sie in expressiven Bildern mit raffinierten Lichteffekten auf. Es enstanden pittoreske Bilder. "Die freudlose Gasse" zeigt irgendwie den Niedergang des Bürgertums, nur die Spekulanten sind Nutznießer dieser Not.
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am 11. September 2016
Man kann verstehen, warum dieser Film einstmals zensiert wurde, war er doch eine große Kritik an den Zuständen in der jungen Weimarer Republik, in der ein Großteil der Bevölkerung in bitterster Armut lebte und die reiche Schicht rauschende Feste feierte. Seit ich diesen Film gesehen habe, sehe ich die berühmten "Roaring Twenties" mit anderen Augen. Dekadent, kaputt und korrupt waren die Reichen damals.

Die Geschichte ist recht schnell erzählt: In der Melchiorgasse im Wien des Jahres 1921 leben zumeist einfache, arme Menschen. Nur zwei haben wirklich Geld und Macht: der Metzger über das Fleisch und die Boutiquebesitzerin mit angeschlossenen Nachtclub und Bordell. Die Menschen leiden an Hunger und so entstehen die Geschichten, die diesen recht gut zusammengeschnittenen Film, von dem immerhin eine halbe Stunde fehlt, ausmachen. Mord, Korruption, Dekadenz, Sex, dass alles kommt vor. Man erfährt zum Beispiel, dass die "feine Gesellschaft" Nackttänzerinnen tanzen lies, dies wird sogar in dem Film durch ein ziemlich freizügiges Bild (für damalige Zeit!) angedeutet. Drei Mädchen sind es, die im Vordergrund stehen und drei der vier Schichten darstellen, die es in der damaligen Gesellschaft gibt: Ein Mädchen aus dem Lumpenproletariat, dass mit ihrem Mann am Ende des Filmes bei einem Brand stirbt, ein Mädchen aus armen Verhältnissen, die als Mizzi ein Straßenmädchen wird und einen Mord aus Eifersucht begeht und ein Mädchen, dass aus einer Mittelstandsfamilie entstammt (der Papa ist Hofrat) und die Familie plötzlich völlig verarmt, dennoch einen Amerikaner kennenlernt, der sie aus dem Sumpf zieht. Dazwischen versuchen die Reichen durch Aktienbetrug immer reicher zu werden, während viele einfache Leute der Mittelschicht alles dadurch verlieren, die Mädchen werden quasi gezwungen, von der Boutiquebesitzerin, als Tanzmädchen für die Superreichen zu tanzen, um sich damit verliehene Kleidungsstücke abzahlen zu können. Es ist ein Drama, dass einen schockt und sehr gut erklärt, warum acht Jahre nach der Geschichte bzw. vier nach den Dreharbeiten die Weltwirtschaftskrise 1929 beginnen konnte, die für Deutschland besonders schwere Auswirkungen hatte. Schon damals machten Spekulanten vieles kaputt. Doppelmoral ist überdies ein wichtiges Thema dieses spannenden Films.

Der Film ist etwas besonderes, schon die Starbesetzung ist außergewöhnlich: Weltstars und Filmlegenden wie Asta Nielsen (erster weiblicher Filmstar der Geschichte, aus Dänemark) und die "Göttliche" Greta Garbo, beide bei Großaufnahmen zu sehen, wo man Nielsen große, schwarze Augen oder das wunderbare Gesicht der Garbo gut sehen kann. Werner Krauß, damals ein Superstar des deutschen Films, Valeska Gerd, Tänzerin und Schauspielerin, Loni Nest, Kinderstar und der heute vergessene, wunderbare jüdische Schauspieler Jaro Fürth, der den Papa von Greta Garbo spielt und das KZ Theresienstadt knapp überlebte. Regisseur G.W.Pabst war ein großer des deutschen Films. Doch auch der Autor des Romans der Verfilmung, Hugo Bettauer, ein libertinärer jüdischer Dichter, wurde später wg. u.a. diesem Roman und der Verfilmung, ermordet. Somit ist dieser Film einer der sicher interessantesten Filme, die in Deutschland jemals gedreht wurden, weil sich in Inhalt und den Schicksalen vieler Protagonisten einiges aus der deutschen Geschichte lernen lässt.

Wer sich für soziale Filme, zumal Stummfilme, interessiert, ist hier goldrichtig. Am Anfang war ich skeptisch, dachte, kann das gutgehen, 150 Minuten über Soziales zu berichten, ohne Ton, ohne Worte, geht das? Ja, es geht, wie man sieht und alle haben das prima gemacht. Den Film kann ich jedenfalls nur empfehlen!
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