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    Die deutsch-jüdische Erfahrung: Beiträge zum kulturellen Dialog (Aufbau-Sachbuch) Taschenbuch


    Beiträge zum kulturellen Dialog. 2003 334 S. Softcover Berlin, Aufbau-Verlag,

    Produktbeschreibungen

    Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

    VORWORT
    Frank Stern
    Der deutsch-jüdische Kontext: Eine interdisziplinäre Perspektive
    Der deutsch-jüdische Historiker Heinrich Graetz sah gegen Ende des 19. Jahrhunderts
    rückblickend in der auf Aufklärung und allgemeinen Fortschritt aufbauenden Emanzipation
    der Juden durch die politischen, publizistischen und religiösen Auseinandersetzungen einen
    wichtigen Schritt in der Loslösung von der »Erstarrung und Verwilderung des Judentums«.
    Die Gründung des Vereins für Kultur und Wissenschaft des Judentums war, wie die
    literarische und publizistische Wirkung von Ludwig Börne und Heinrich Heine, ein Schritt,
    der in eine breite wissenschaftliche Beschäftigung mit jüdischer Kultur und Geschichte
    mündete, doch nicht in deren Integration in die Universitäten. Die deutschen Universitäten
    hatten sich noch nicht emanzipiert, Humanismus mußte noch nicht Demokratie bedeuten.
    Zwar wurden die mannigfaltigen Übergänge der deutschen Juden und des Judentums in
    Deutschland im großen Rahmen der sich entwickelnden Nationalkultur und schließlich eines
    deutschen Nationalstaates durch die Halbheiten der Emanzipation und gesellschaftliche
    Rückschritte behindert, aber nicht aufgehalten. Der Antisemitismus blockierte, wurde zum
    immens störenden Ärgernis, doch er verhinderte nicht die Erfolgsgeschichte der deutsch-
    jüdischen bürgerlichen Schichten im 19. Jahrhundert. Die Wissenschaft des Judentums des
    frühen 19. Jahrhunderts als Teil eines politischen Emanzipationswillens setzte zunächst
    Maßstäbe für die wissenschaftliche und nicht-religiöse Beschäftigung mit jüdischer
    Geschichte und Kultur, doch eben noch außerhalb des staatlichen Wissenschaftsbetriebes. Die
    sich langsam, wenn auch nicht vollständig, vollziehende Integration deutscher Juden in die
    politische und akademische Kultur des Kaiserreichs bezog sich weniger auf eine separate
    jüdische Geschichte und Kultur als auf die bürgerliche Identität in der Mitte der deutschen
    Gesellschaft. Maler, Schriftsteller, Theaterautoren, Publizisten, Wissenschaftler, Regisseure,
    Schauspielerinnen und Schauspieler, Kaufleute und Pädagogen jüdischer Herkunft wurden zu
    Protagonisten der deutschen Kultur in Berlin, Wien und andernorts. Die kulturellen und
    gesellschaftlichen Rückbesinnungen, die das deutsche Nationalbewußtsein und seine
    bürgerlichen Ausprägungen bestimmten, wurden von deutschen Juden und Nichtjuden
    gleichermaßen geteilt. Die Antike und ihre Reflexionen in der Klassik, das Mittelalter und
    dessen romantische Renaissancen, der jüdisch-christliche Zusammenhang in Gesellschaft,
    Kultur und Kunst gehörten zu den geistigen und bildungsmäßigen Bindegliedern der Moderne
    genauso wie die technischen Neuerungen und die Herausbildung einer bürgerlichen Moral in
    den privaten und öffentlichen Räumen des urbanen Lebens. Der jahrhundertelange soziale,
    kulturelle und sprachliche Übergang in die deutsche Kultur war ein Element des
    gemeinsamen nichtjüdisch-jüdischen Übergangs in die moderne bürgerliche Gesellschaft,
    dem sich auch das jüdische Verständnis von Religion, Reform und Säkularisierung anpaßte.
    Die jüdische Religion säkularisierte sich, konnte Teil der Moderne werden, Erstarrungen
    überwinden, den Ritus verändern, und bewies damit einmal mehr ihre immense innere Kraft
    und Kreativität. Die mit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einsetzende
    nationaljüdische und zionistische Geschichtsschreibung hatte eine auf Osteuropa und den
    nationalen Gedanken bezogene Tendenz, die bald durch umfassende publizistische und
    wissenschaftliche Versuche ergänzt wurde, den Angriff des politischen Antisemitismus
    abzuwehren. Autoren wie Gershom Scholem und andere wurden nicht müde zu betonen, daß
    der Antisemitismus auf das Ende des deutsch-jüdischen Weges hindeute, eine
    Geschichtskonzeption, die nach 1945 bestimmend wurde. Geschichtswissenschaft und andere
    Disziplinen befaßten sich mit dem Untergang, den historisch weit zurückreichenden Gründen
    für die antisemitische Vernichtungspolitik, jüdische Geschichte schien mit
    Antisemitismusforschung zu verschmelzen. Die deutsch-jüdische Geschichte und Kultur
    wurde zu einer Leidensgeschichte, die vornehmlich unter dem Aspekt der Kontinuitäten oder
    Diskontinuitäten der Judenfeindschaft, der Pogrome und des Antisemitismus und der Gründe
    für die Vernichtungspolitik verhandelt wurde. Die Beschäftigung mit dem deutschen
    Judentum und der deutsch-jüdischen Geschichte stand seit den fünfziger Jahren, wenn sie im
    akademischen Bereich überhaupt erfolgte, im Zeichen der Vorgeschichte und der Folgen der
    deutschen Vernichtungspolitik. Der deutsch-jüdische Weg schien ein Weg zu sein, der
    vermeintlich unausweichbar nach Auschwitz führte. Selbstverständlich kommt der
    Erforschung des Nationalsozialismus und der Vernichtungspolitik auch weiterhin eine
    wichtige Aufgabe zu. Im Hinblick auf die kommenden Generationen, auf Erziehung und
    Bildung, ist es allerdings nicht weniger wichtig, Politikgeschichte mit der Sozial-, Alltags-,
    Mentalitäts-, Kunst- und Kulturgeschichte zu verbinden. Dem NS-Regime ging es um
    europäische Kulturvernichtung und nicht allein um Kriegsziele oder Ideologien. Zweifellos
    muß die Erinnerung an Auschwitz als Teil der historischen Identität im Bewußtsein künftiger
    Generationen auch deshalb verankert werden, weil eines Tages weder Überlebende noch
    Mitwirkende dieses Jahrhundertverbrechens am Leben sein werden. Das Archiv der
    kollektiven Erinnerung wird nicht von den Zeitzeugen leben, sondern von den Zeitzeugen der
    Zeitzeugen. Im Hinblick auf die einstige und künftige deutsch-jüdische Welt bedeutet dies,
    daß das kulturelle Gewicht der deutsch-jüdischen Erfahrung ins heutige akademische und
    kulturelle Leben sinnvoll integriert werden sollte. Deutsch-jüdische Kultur und Geschichte
    sind nicht auf nostalgische, mit Klezmer-Musik unterlegte Romantisierungen zu reduzieren
    oder auf die Weiterführung jener pathetischen Hymnen über den großen Beitrag der Juden zu
    deutscher Kultur. Sprachliche und soziale Akkulturation, Wechselwirkung, Integration und
    Emanzipation sind angemessenere Begriffe für zukunftsorientierte Jüdische Studien als
    Biologismen wie Symbiose oder Assimilation, die in der Naturwissenschaft vielleicht
    manches, doch in der Kulturwissenschaft nur wenig erklären helfen. Ein halbes Jahrhundert
    nach der Befreiung der Vernichtungs- und Konzentrationslager und nach dem Ende des
    Zweiten Weltkrieges können neue Fragen gestellt werden, die sich dem begründeten
    wissenschaftlichen Kleinmut der fünfziger Jahre versagen und auf ein Jahrtausend jüdisch-
    deutscher Kultur und Geschichte zurückblicken.

    Produktinformation

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