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am 27. Februar 2013
Seit letzter Woche auf dem Markt ist das neue Buch von Hubert Wolf: Die Nonnen von Sant'Ambrogio. Der Untertitel lautet: Eine wahre Geschichte. Angesichts der im Buch beschriebenen Abläufe würde ich es für eine schlecht erfundene und alle Klischees bedienende Sex-and-Crime-Story halten. Aber der Autor ist nicht Dan Brown, sondern der - aus meiner Sicht - profilierteste und aktivste Kirchenhistoriker, den es im deutschsprachigen katholischen Bereich gibt. Leider beschreibt er keine schlechte Fiktion, sondern die historisch belegte Geschichte von Menschen, die auch bereit waren, über Leichen zu gehen, um ihre Ziele zu erreichen.

Hubert Wolf schreibt interessant, gut lesbar und strukturiert. Mit spitzer Feder, aber ohne Polemik oder Schaum vor dem Mund stellt er die komplexen kirchengeschichtlichen und theologischen Strömungen des 19. Jahrhunderts dar. Auf 70 Seiten werden in den Anmerkungen Quellen und weiterführende Literatur benannt, das Quellen- und Literaturverzeichnis umfasst weitere 19 Seiten, der eigentliche Textteil fast 450 Seiten. Viel zu lesen für wenig Geld.

Es geht nicht um eine Schwarz-Weiß-Sicht mit Guten und Bösen. Auch nicht um Benediktiner gegen Jesuiten, oder verführerische Nonne gegen an Himmelsbriefe glaubenden Neuscholastiker. Mir hat das Buch bis zur letzten Seite gefallen, weil es Wolf gelingt, die widersprüchlichen Interessen und Handlungsmotive der einzelnen Akteure lebendig zu schildern und sie durch kurze Beschreibungen der historischen Situation und der theologisch-kirchenpolitischen Großwetterlage anschaulich werden zu lassen.

Was nach der Lektüre bleibt, ist nicht die Heiligsprechung oder Verurteilung der Beteiligten, sondern die Erkenntnis, dass es immer eine Vielzahl von Handlungsmotiven, persönlichen Stärken und abgrundtiefen Schwächen gibt. Eine oft unkritische Verherrlichung von Päpsten (z.B. von Pius IX.) oder der 'guten alten Zeit' - wird weder der Geschichte noch der Gegenwart gerecht. Erst eine vertiefte und differenzierende Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Interessenslagen macht klar, dass es nie so war, wie es 'schon immer' war, und dass Geschichte auch wenn es um Kirchengeschichte geht, die Geschichte von Siegern ist.

Treue und Liebe sind nicht Synonyme für blinden Kadavergehorsam. Liebe versucht auch die unangenehmen und weniger schönen Seiten des/der Geliebten anzunehmen und sich immer mehr über die schönen und wertvollen Aspekte zu freuen. Das macht Kirchengeschichte so interessant :-)
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am 14. November 2013
Johannes Paul II öffnete 1998 das Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre und machte damit die Akten der Heiligen Römischen Inquisition erstmals für die Forschung zugänglich. 1999 fand Hubert Wolf, inzwischen seit über 20 Jahren Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster, dort, im bisher geheimsten aller Kirchenarchive, die Akten zum „Fall Sant'Ambrogio“. Aus diesen Prozessunterlagen schuf Wolf nach intensiver, akribischer Bearbeitung das vorliegende Werk.

Darin geht es um den Prozess gegen den Konvent der Nonnen vom regulierten Dritten Orden des heiligen Franziskus in Sant'Ambrogio della Massima in direkter Nähe des Vatikan. Die Gründerin des Konvents, Agnese Firrao, wurde von ihren Schwestern und manchen Klerikern wie eine Heilige vergöttert. Die ihr nachfolgende, sehr junge Novizenmeisterin Maria Luisa, wurde in diesem Kloster ebenfalls wie eine Heilige verehrt. Maria Luisa versuchte, die deutsche Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen als Novizin im Kloster in ihre vielfältigen Machenschaften einzubinden. Als dies misslang und die Fürstin die im Kloster herrschenden Praktiken wie 'angemaßte Heiligkeit', lesbische Initiationsriten, Missbrauch des Beichtgeheimnisses und sogar Morde und Mordversuche beim Heiligen Tribunal des Sanctum Officiums anzeigte, kam es Mitte des 19. Jahrhunderts zum Prozess.

Wolf beschreibt sowohl die im Kloster herrschenden Zustände wie auch detailliert den Ablauf und Inhalt des über 2 1/2 Jahre gehenden Verfahrens der päpstlichen Inquisition. Dabei hat er sowohl die wichtigen und mächtigen Personen des Klosters, die dort lebenden Nonnen und Beichtväter, wie auch die ermittelnden und im Vatikan herrschenden Kleriker im Blick. Er charakterisiert facettenreich und einfühlsam die Nonnen und deren Umfeld, ihren Glauben, ihr Denken und Handeln. Dabei berücksichtigt der Autor immer auch die geschichtlichen und real existierenden Verhältnisse, beleuchtet neben den persönlichen Verstrickungen und Verfehlungen ebenso eingehend die Herrschaftsstrukturen und Machtkämpfe innerhalb der katholischen Kirche. Wolf schreibt immer spannend, ja fesselnd über das Leben im Kloster, die Lebensläufe der Protagonisten, die Untersuchungen der Inquisition und den eigentlichen Prozess.

Die das Buch abschließenden informativen und hilfreichen Anmerkungen, Quellen und Literaturverweise sowie das Personenregister umfassen beinahe 100 Seiten. Ein Glossar wäre für mich, der sich mit kirchlichen Begrifflichkeiten, Traditionen, Ritualen, historischen Entwicklungen oder Hierarchien nicht vertieft auskennt, hilfreich gewesen. Trotz dieses marginalen Mangels ist dieses lesenswerte Werk eindrucksvoll, erhellend, entlarvend und absolut aktuell.
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am 2. Juni 2013
Das Buch liest sich so spannend wie ein Krimi und ist doch kein Fiction-Buch, sondern eine Auswertung von Protokollen der Untersuchungen von Geschehnisse in Rom des 19. Jahrhunderts. Der Autor, ein deutscher Professor für Kirchengeschichte, Hubert Wolf, konnte persönlich Einsicht in die Quellen nehmen. Er vermittelt einen Einblick in ein Nonnenkloster, in dem es einer jungen und schönen Novizenmeisterin gelingt, sich unter ihren Mitschwestern als Heilige auszugeben, die eine Empfängerin von Privatoffenbarungen sei. Unter diesem Deckmantel entfaltet sie homo- und heterosexuelle Tätigkeiten. Indem sie diese religiös verbrämt, sucht sie das Anstößige, ja Sündhafte ihres Tuns zu verschleiern. Schließlich versucht sie mehrere Mordanschläge auf eine Novizin, die dem deutschen Hochadel entstammt und die den Prozess ins Rollen bringt, der von der römischen Inquisition mit Nüchternheit und Verstand geführt wird. Dabei kommt heraus, dass hochgebildete Jesuiten, die im Kloster als Beichtväter tätig waren, der Nonne die gar brieflichen Himmelsbotschaften geglaubt haben. - Bedrückend ist über das Kloster hinaus der Einblick in die Welt der katholischen Traditionalisten im 19. Jahrhundert. Lobend erwähnt sei noch, dass der Autor Einrichtungen und Geschehnisse, die der kirchengeschichtlich oder theologisch nicht Gebildete kaum kennen kann, an Ort und Stelle erklärt.
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am 28. April 2015
Wessen Mut soll man menr bewundern: Den Johannes Paul II., der Archive öffnete oder den des Autors, der die spannende Geschichte über die Nonnen von Sant'Ambrogio schrieb? Es ist für mich ein wissenschaftlich untermauerter Krimi entstanden. Warum? Zwar wird das Opfer gerettet, doch dann geschieht - zumindest für mich - das Unglaubliche: Die Geschichte und das Leben der Nonnen im Kloster wir erzählt. Im Mittelpunkt die schöne Novizenmeisterin, Maria Luisa. Was die junge Frau, die mit dreizehn Jahren ins Kloster kam mit den Leuten um sich herum, also den Beichtvätern und Nonnen, die Äbtissin eingeschlossen, anstellt, welche Phantasien, welche kriminelle Energie sie entwickelt, ist atemberaubend. Hochgelehrte Jesuiten erliegen ihr ebenso wie einfache Schwestern, sie durchbricht die strenge Klausur als wäre sie aus Japan-Papier und mordet wie eine eiskalte Killerin. Würde die Geschichte von Hubert Wolf erfunden, hieße es, da habe er seine Phantasie schon überstrapaziert und "Rezensenten" - mich eingeschlossen - fielen über den Autor her. Der kann in einer klaren, sachlichen Sprache erzählen, der "Sprengstoff" liegt in den unglaublichen Ereignissen, deren Verursachern auch noch ein langer Prozess gemacht wird, der in gewisser Weise die Geschichte noch einmal aufrollt, ohne deshalb redudant zu wirken, weil das Schreckliche sich nun in fast allen Punkten bestätigt. Schlussendlich kann sich der Leser auch noch über die Ungerechtigkeit der Urteile empören und wer will, über die katholische Kirche überhaupt. Die Einen werden den ersten Stein ergreifen, die Anderen sehr, sehr nachdenklich werden. Welche Schlüsse der Leser daraus zieht, bleibt ihm überlassen. Hier steht ein Buch im Mittelpunkt, das einen Einzelfall beschreibt.
Da gab es einmal einen Autor, der die Kriminalgeschichte der Kirche schrieb und - wie man nun sieht - nicht so weit daneben lag. Aber eine recherchierte "Wahre Geschichte" (Untertitel) wirkt viel intensiver, als noch so viele aneinander gereihte Unsäglichkeiten. Wenn ich von einem Einzelfall bei Sant'Ambrogio schrieb, dann ist nicht gemeint, dass es in anderen Klöstern nicht auch Fälle für eine Kriminalgeschichte gegeben hätte, aber nicht in dieser Konstellation, nicht mit dem Personal, wobei mich besonders die Dummheit und Leichtgläubigkeit des Jesuiten-Beichtvaters irritiert, der an dem Dogma über Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubensfragen oder der Unbefleckten Aufnahme Mariens" mitformulierte. Der kommt dann auch praktisch straflos davon. Die Lektüre mag Katholiken als Zumutung erscheinen. Ich finde das ist sie nicht. Dazu ist der Ton zu sachlich und die Tatsache, dass auf Erden Heilge viel rarer sind als heilig gesprochen werden, dürfte denkende, erwachsene Menschen nicht verstören. Aber ich entferne mich vom Buch und das sollte man beim Lesen nur, wenn keine Zeit ist. Es ist nicht im eigentlichen Sinn atemberaubend, aber sehr erhellend und - finde ich - auch empfehlenswert.
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am 27. Juni 2014
Warum verkaufen sich Bücher und Filme über Skandale im Vatikan und in der katholischen Kirche so gut? Weil es sich um für den Außenstehenden undurchschaubare Systeme handelt! Hubert Wolf schafft es in diesem Buch, dem Leser einerseits einen Teil des Systems (Inquisition) zu erklären und andererseits an einem spannenden Fall deren Handeln und Grenzen/Versagen. Besonders gut gefällt mir, dass er es als Fachhistoriker schafft, einen Vorgang von seinen banalsten Aspekten bis zur großen Politik gleichermaßen spannend und überzeugend zu schildern. Also nicht die Alltagsgeschichte zu erzählen unter Verzicht auf die großen Linien und nicht die großen Zusammenhänge darzustellen unter Weglassen der konkreten Probleme...
Trotzdem ist das Buch für den komplett kirchengeschichtlich uninformierten Leser vielleicht mühsam, manch lateinischer Ausdruck bleibt unerklärt. Aber das ist sicher auch nicht die Zielgruppe des Hubert Wolf, der sich an akademisch gebildete Leserinnen und Leser wendet, die bei dieser Lektüre sicher ein großes Vergnügen haben und sich fragen werden, warum Historiker nicht immer so spannende Bücher schreiben.
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am 12. März 2013
Ich hätte nicht gedacht, dass Kirchengeschichte so spannend sein kann! Wie oft ist Kirchengeschichte von der kirchlichen Hierarchie nur dann geduldet worden, wenn sie alle unangenehmen Wahrheiten harmonisierte; noch in jüngster Vergangenheit ist ein Kirchenhistoriker aus Münster regelmentiert worden. Ob solches auch dem Autor dieses Buches blüht? Ja sicher, wenn ein künftiger Papst nach Benedikt XVI. die uralte kirchliche Vertuschungspolitik wieder aufleben lässt! Denn immerhin haben etwa 150 Jahre ins Land gehen müssen, um in diesem Buch akribisch, spannend und mitunter humorvoll einen Inquisitionsprozess darzustellen zu können, nachdem er dem Aktenversteck des Vatikanarchivs entrissen wurde. Das ging nicht ohne eine höchstkirchliche Lizenz und ohne einen hartnäckigen, unnachgiebigen Kirchengeschichtler aus Münster.

So ist ein Bericht entstanden, der es durchaus mit einem schauerromantischen Dan Brown aufnehmen kann - nur ohne alle abstruse Schauerromantik! Schaurig genug sind schon die moralischen und "frommen" Verirrungen, und noch schauriger die Reaktion einer Kirchenführung, die gerade dabei war, das antimodernistische Kirchenzeitalter einzuläuten. Und wie schaurig die Wundergeschichten, denen keine Autorität entgegentrat, vielleicht deshalb, weil dem Wunderbegriff eine zentrale Rolle im autoritären Glaubenssystem zugemessen wurde. Wenn es nicht so traurig-schaurig wäre, müsste man lachen darüber, wie hier eine gewitzte Nonne Macht über ihre Mitwelt erringt, weil sie sich auf Wunder berufen kann. Welchen Vorbildern eiferte sie nach? Wie schäbig hat man ihr diese Lernfähigkeit vergolten!

Posthum ist dem Inquisitionsrichter zu danken, der sich weder von der Mauer des Schweigens der Nonnen und Beichtväter entmutigen, noch von vatikanischen Intrigen einschüchtern ließ. Zu danken ist auch dem Archivar, der die Akten des peinlichen Verfahrens in den endlosen Vatikan-Regalen verstellte und sie so vor Vernichtung schützte. Ganz besonderer Dank gehört dem Autor dieses Buches, der seinen fabelhaften Fund nicht verheimlichte, sondern der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Wenn mir bisher oft genug fiktionale Romane als die wahrere Wirklichkeit erschienen, so hat hier die Wirklichkeit ihre Nase vorn! Wenn dann die Schaudergeschichten von gestern in moderneren Geschichten auferstehen, dann ist der Kirchengeschichtler aus Münster dafür nicht verantwortlich: Kein anderer als der päpstliche Ermittler Monsignore Scicluna nennt es in einem Interview: "Tsunami in Rom" - Google sei Dank! - [...]

Da muss man doch auf den Gedanken kommen, dass irgendetwas nicht stimmen kann an der Struktur dieser Kirche und der Unbelehrbarkeit von Ewiggestrigen. Wird eine Kirche überleben, wenn sie weitere Jahrhunderte verstreichen lässt, um endlich dem antimodernistischen Zeitalter abzuschwören? Arme Kirche, lässt Dich Deine Erstarrung gleichgültig darüber werden, wenn Du Dir Deine Märtyrer selber schaffst? Armer Gott, der Du auf so krummen Linien gerade schreiben musst!
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am 29. Januar 2014
Sehr interessant ist die Verbindung zu den kirchenhistorischen Geschehnissen im 19. Jahrhundert. Nur in diesem geschichtlich sehr gut herausgearbeiteten Zusammenhang ist die Ungeheuerlichkeit dieser Affäre verständlich. Viele Handlungen sind aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar. Erst im Kontext der widerstrebenden kirchlichen Lager kann nachvollzogen werden was in diesem römischen Nonnenkloster abgegangen ist. Wäre nicht Papst Pius der IX. an der Macht gewesen hätte die Aufarbeitung dieses Falles wahrscheinlich eine ganz andere Wende genommen und viel früher einen Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Auch der Ursprung des Unfehlbarkeitsdogmas des Papstes, initiiert durch Papst Pius der IX., ist durch diese Geschichte etwas klarer geworden.
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TOP 1000 REZENSENTam 24. Februar 2015
Die Skandale der jüngsten Vergangenheit machten klar, auch in der Kirche gibt es erhebliche Schuld und größtes menschliches Versagen. Das aber, was in dem Buch ‚Die Nonnen von Sant’Amborgio‘ auf 444 Seiten in epischer Breite zu lesen ist, klingt so absurd, dass man bei dieser Anhäufung von Sex and Crime meint, hier sei einem Autor die Phantasie durchgegangen. Dem ist leider nicht so. Der anerkannte Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat dieses dunkle Kapitel der Kirche in den nun zugänglichen Archiven des Vatikans aufgefunden und in diesem Buch genaustens recherchiert. Der Leser hält es kaum für möglich, dass all dieses übersteigerte Wunderdenken, dieser Missbrauch religiöser Werte nicht einmal 200 Jahre zurück liegt. Deutlich wird, wie wichtig es ist, dass sich auch heute die Kirche sehr zurückhält, wenn es um Marienerscheinungen, Stigmatisierungen , angeblich göttlichen Offenbarungen geht. Bedrückend ist die Erkenntnis, welche Intrigen bis in die höchsten Kreise selbst beim 1. Vaticanum und der damaligen Dogmatisierung der Päpstlichen Unfehlbarkeit eine Rolle spielten. Die Frage, ob es Wunder überhaupt gibt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber eins müsste jedem klar sein: Wunder als besondere Gnadenerweise Gottes sind selten und selbst wissenschaftlich kaum belegbar. Man kann an Wunder glauben, muss es aber nicht.
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am 9. Oktober 2014
Dieses Buch ist eine theologiegeschichtliche Bombe, weil sie enttarnt, wes Geistes Kind einer der führenden Köpfe der Neuscholastik war. Ich hätte dem Werk mehr Durchschlagskraft gewünscht. Daneben sauber recherchiert, spannend geschrieben. Ich war begeistert!
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Eine wahre und doch fast unmöglich zu glaubende Geschichte habe ich letztens gelesen. Sie ist mir sehr zu Herzen gegangen und hat mich bewegt.

Ort ist das Kloster Sant` Ambrogio in Rom. Es geschieht ein Mord an einer Nonne, diese trägt einen Adelstitel und das wiederum führt dazu, dass ein Inquisitionsprozess ins Rollen gebracht wird. Dieser Prozess bringt vieles ans Tageslicht, was man kaum glauben kann:

Ekstase, Missbrauch, Zungenküsse, Sex und Mystik usw. sind Worte, die hier auftauchen, die in ein Kloster nicht passen, aber dort an der Tagesordnung standen. Unweit vom Vatikan liegt dieses Kloster.

Die Akten des Prozesses waren 100 Jahre gut und sicher im Vatikan versteckt gehalten worden. Hubert Wolf, der Autor des Buches, deckte sie auf und forschte …
Herausgekommen ist ein Sachbuch in Romanform (Genre Krimi), welches brisant ist und spannend zugleich.

Gliederung:
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Auflistung der handelnden Personen
Prolog „Rette, rette mich!“
Erstes Kapitel „Solche Schändlichkeiten“ …
Zweites Kapitel „Die delicatezza der Angelegenheit als solcher“ …

Neuntes Kapitel „Betrübt und reuevoll“ …
Epilog – Das Geheimnis von Sant'Ambrogio im Urteil der Geschichte

Anhang

Ich erwähnte oben, um was es im Buch geht, nun möchte ich euch meine Gedanken zum Buch mitteilen – was habe ich empfunden, als ich das Buch las …

Zuerst einmal sei gesagt, dass man dieses Buch kopfschüttelnd liest, weil man irgendwie gar nicht glauben kann, dass so etwas passiert sein kann, aber der Autor hinterlegt sachlich und detailliert recherchiert mit Fakten, so dass man glauben muss …
So etwas kann man sich nicht aus den Fingern saugen.
Im Jahr 1859 in Rom …. Eine Nonne, die ihr Leben in Gefahr sieht – sie kann fliehen und es kommt zu einem unglaublichen Prozess. Nonnen werden in genanntem Kloster als Heilige verehrt. Es ist die Rede von Visionen und Dämonenaustreibungen, um nur einiges zu nennen. Besonders brisant die Kontakte zum Papst, die auf Grund des Netzwerkes von Jesuiten vorliegen, die in diese Skandale eingebunden sind.

Der Autor schreibt diese wahre Geschichte wie einen Krimi und lässt den Leser Stück für Stück an seinen Aufdeckungen teilhaben. Er erzählt von dem Missbräuchen und skandalösen Riten und Begebenheiten – und all das bindet er ein in die Geschichte um den Vatikan und die Macht des Papstes, die nicht weit weg sind von Sant'Ambrogio.

Emotional, spannend und auf fast 500 Seiten aufdeckend kann der Leser diesen Skandal nachvollziehen in seinem ganzen Wahnsinn und das Weitreichende dessen, was damals passierte begreifen.

Die Schreibweise ist spannend, emotional und doch auch sachlich zugleich. Man kann sehr gut die guten und schlechten Seiten der Charaktere herausfiltern. Den brisanten Inhalt stellt er hochwertig strukturiert und nachvollziehbar für den interessierten Leser dar. Der Autor stellt die Motive der Charaktere sehr gut dar und macht es dem Leser leicht, die gesamten Ausmaße dessen, was passiert ist, zu begreifen.

Das Buch klappt ein Kapitel Kirchengeschichte auf am Beispiel des Falles der Nonnen von Sant`Ambrogio – so kann man es zusammenfassend sagen. Dieses dunkle Kapitel Kirchengeschichte ist aber vom Autor nicht als Hetz- oder Hassschrift, sondern im Gegenteil als fundiert fast wissenschaftlich untermauerte Darstellung kritisch dargelegt, wobei es dem Leser ermöglicht wird, sich selbst seine Gedanken zu machen.

Alles in allem äußerst lesenswert !!!
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