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Die Neurogesellschaft: Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert (Telepolis) Broschiert – 13. Dezember 2010

4.3 von 5 Sternen 3 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

textico.de

Der Mensch. Frei oder fremdgesteuert? Voherbestimmt oder eigenverantwortlich? Die Fragen sind alt und werden mal philosophisch, mal biologisch, mal religiös beantwortet. Stephan Schleim beleuchtet mit Die Neurogesellschaft: Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert eine Entwicklung zum scheinbar wissenschaftlich belegten Hirndeterminismus: wir sind, wer wir sind und wir tun was tun weil es in unserem Gehirn so festgelegt ist.

Schleim zeichnet mit dem fast 200 Seiten starken Büchlein seinen eigenen Weg von der angewandten Forschung, der Überprüfung der normativ-gesellschaftlichen Konsequenzen die daraus folgen bis hin zur Infragestellung der Autorität mancher Hirnforscher und den Überlegungen zu den eigentlichen zugrunde liegenden Fragen.

Konsequent, ruhig und klar geht Schleim der Frage nach, woher das aktuelle Paradigma der Hirnbestimmung kommt, wem es nutzt und auf welchen Fakten es beruht. Die Neurogesellschaft: Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert ist Diskursmaterial pur. --Wolfgang Treß/textico.de

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Stephan Schleim ist Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen (Niederlande). Seine Forschungsschwerpunkte sind die Theorie, die ethischen Implikationen und das öffentliche Verständnis der Neurowissenschaft. Seine kognitionswissenschaftliche Doktorarbeit über Hirnforschung und Moral wurde 2010 mit dem Preis der Barbara-Wengeler-Stiftung zur Verbindung von Philosophie und Hirnforschung ausgezeichnet.


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Top-Kundenrezensionen

Von Oliver Völckers TOP 1000 REZENSENT am 1. Mai 2011
Format: Broschiert Verifizierter Kauf
Stephan Schleim ist ein Hirnforscher, der sich hier kritisch mit dem Anspruch seines Fachs zur Erklärung der Welt auseinandersetzt. Nachdem im 20. Jahrhundert die Psychoanalyse und Gesellschaftstheorien für Viele keine ausreichenden Erklärungen liefern konnten, haben in den letzten Jahren Genetiker und Hirnforscher versucht, das Menschsein und das Denken besser zu erklären.

Tatsächlich haben die Kenntnisse der Biologie dramatisch zugenommen. So erscheint es plausibel, aus der Struktur unserer Gehirne auf die menschlichen Vorstellungen zu schließen. Diese Herleitungen von Moral, Recht und Gefühl sollen naturwissenschaftlich, materialistisch und objektiv sein. Doch sind sie das wirklich, sind die Behauptungen der Hirnforscher seriös? Das ist die Frage, die sich Stephan Schleim in diesem Buch stellt.

In sieben Kapiteln beschreibt der Autor, wie u.a. die "funktionelle Magnetresonanztomographie" zwar eindrucksvolle Bilder liefert, Denkvorgänge und Gefühle aber eben nicht genauer erklären kann. Es ist klar, dass sich Emotionen und lebendige Vorstellungen im Gehirn auf dessen Durchblutung und damit auf die "Messungen" auswirken. Was das zu bedeuten hat, ist aber eine Frage der Interpretation, und hier gibt es gewaltige Spielräume. Wenn Forscher behaupten, Moralvorstellungen oder Lügen als biologische Vorgänge erklären zu können, dann hält dies einer kritischen Überprüfung nicht stand.

Stephan Schleim zerlegt systematisch schlampige Forschungen und deren großspurige Schlussfolgerungen. Er zeigt, dass die Forschung hier viel weniger weiß als sie meist behauptet.
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Format: Broschiert
Die Lebenswissenschaften wie Neurowissenschaft, Psychologie und Biologie scheinen auf dem Vormarsch. In regelmäßigen Abständen melden sich Wissenschaftler aus diesen Bereichen zu Wort und verkünden - teilweise angeblich bahnbrechend - neue Erkenntnisse. Das müssen sie natürlich auch, denn eine Wissenschaft, die nichts hervorbringt, macht sich quasi selbst obsolet. Wobei es letztlich anständiger wäre zuzugeben, dass die Forschung auch mal einfach nicht in der Lage ist, größere Sprünge zu machen, weil es keine neuen Erkenntnisse gibt. Doch so eine Haltung verträgt sich leider nicht mit allen Wissenschaftlern (bzw. ihren Gehirnen), die es natürlich auch gern mit spektakulären Verkündigungen in die Öffentlichkeit schaffen. Und auch mancher Wissenschaftsjournalist will letztlich dann lieber mit Spekulationen einen Titel oder eine Schlagzeile landen, anstatt mit leeren Händen dazustehn. Weniger wäre hier manchmal wär.

Stefan Schleim nimmt sich in seinem Buch die "Neurogesellschaft" der Hirnforschung an, die sich seit geraumer Zeit in regelmäßigen Abständen mit angeblich spekatulären Erkenntissen zu Wort meldet. Sind Seele, Selbst und Ich letzlich nichts anderes als erfundene menschliche Entitäten, die sich im menschlichen Nervensystem gar nicht finden lassen? Können mit Gehirnscans bald alle möglichen menschlichen Charakteristiken aufgedeckt werden? Können somit Kriminelle bald anhand des Zustands ihres Nervensystems erkannt werden. Im Gehirn wurde noch kein expliziter "Freier Wille" gefunden. Kann es ihn dann überhaupt geben?
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Format: Broschiert
Das Buch fiel mir auf dem Stand des Verlages während der Industrie Messe in Hannover als allenfalls unter technischen Gesichtspunkten richtig platziert auf!
Wir leben in einem Kuhnschen Paradigmenwechsel bezüglich der Stellung des "Freien Willens" und der Rolle des Bewusstseins. Die dabei unvermeidlichen Auseinandersetzungen finden zwischen Lagern und Schulen statt; sie enden oft erst, wenn die Vertreter der "alten Schulen" ausgestorben sind!
Gehirnscanner spielen bei dieser Argumentations- und Fakten-Schlacht eine zentrale Rolle.
"Brückentechnologen" übernehmen in diesen Auseinandersetzungen eine wichtige, aber oft unglückliche Rolle. Diese gehen von alten Überzeugungen aus, hinterfragen besonders kritisch die neuen Sichtweisen und deren Methoden; zu dieser Kategorie gehört m.E. der Autor dieses Buches.
Aus meiner Sicht ist sein Hauptverdienst die Analyse der Methode "funktionelle Kernspin-Tomographie": Wie funktioniert sie, was misst sie, welche Schlüsse sind gerechtfertigt - das sind zentrale Fragen!
Vereinfachtes Fazit: Man schaut dem Gehirn mit dem Gehirnscanner allenfalls sehr indirekt beim Denken zu; Rückschlüsse auf Einstellungen, Gründe oder Charakterzüge sind mehr als problematisch!
Allerdings sollte sich der Autor davor hüten, das Kind mit dem Bade auszuschütten, wie er es m.E. tut, wenn er von einem phänomenologischen Ansatz ausgehend mit lebensweltlichen Vorstellungen operierend die Libet-Folgeexperimente am liebsten vergessen machen will: Schleim argumentiert mit Evidenzen aus dem Alltag ("Ich kann..."), in denen Voraussetzungen stecken, die er später als bewiesen darstellt.
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