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Die Kunst des Gedankenlesens: Andere durchschauen, verstehen und gewinnen Taschenbuch – 7. September 2009

4.0 von 5 Sternen 72 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Henrik Fexeus ist Spezialist für nonverbale Kommunikation. Mit seinen Vorträgen und Auftritten als psychologischer Manipulator und Gedankenleser beeindruckt und fasziniert er sein Publikum. Kostproben seines Könnens werden von seinen Fans auf youtube ausgetauscht. Im schwedischen Fernsehen moderiert er die Sendung „Hjärnstorm“ (Brainstorm), die sich mit der menschlichen Psyche beschäftigt.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Eines möchte ich vorweg in aller Deutlichkeit klarstellen: Ich behaupte nicht, dass der Inhalt dieses Buches irgendwie "wahr" ist. Er ist nicht "wahrer" als andere subjektive Weltbilder wie beispielsweise das Christentum, der Buddhismus oder die Naturwissenschaft. Die Kenntnisse und Fähigkeiten, die Ihnen dieses Buch vermitteln wird, können Sie einfach als Werkzeug betrachten. Eigentlich ist mein ganzes Gerede über dominierende Sinneseindrücke, Körpersprache usw. nichts anderes als (wahlweise) Halluzinationen, Metaphern oder Erklärungsmodelle, die die Wirklichkeit auf eine bestimmte Art und Weise beschreiben. Manche mögen sie religiös nennen, andere philosophisch und wieder andere vielleicht sogar wissenschaftlich. Es kommt ganz drauf an, wen Sie fragen. Manche würden sagen, dass es sich um Wissenschaft handelt. Andere würden einwenden, dass Psychologie und Psychophysiologie keine exakten Wissenschaften sind. Wieder andere würden die Modelle in diesem Buch kritisieren, weil sie komplexe Phänomene zu sehr verallgemeinern und vereinfachen.
Aber das ist alles ganz egal. Denn eben diese Metaphern, eben diese Modelle haben sich als ungewöhnlich brauchbare Werkzeuge erwiesen, wenn man andere Menschen verstehen und beeinflussen will. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass diese Modelle "wahr" sind oder irgendwie das beschreiben, was wirklich "ist". Ich möchte, dass Sie das im Hinterkopf behalten. Nur eines kann ich auf jeden Fall behaupten: Wenn Sie meinen Leitfaden befolgen, werden Sie interessante Resultate erzielen. Und ich hoffe, daran sind Sie interessiert.

Erstes Kapitel

In dem ich erkläre, was ich mit einem so seltsamen Begriff wie "Gedankenlesen" eigentlich meine, was Descartes für einen Fehler gemacht hat und wie die ganze Sache überhaupt anfing.

Gedankenlesen!?
Eine Definition des Begriffs

Ich glaube felsenfest an das Phänomen des Gedankenlesens. Für mich ist daran wenig Geheimnisvolles - es bedeutet einfach nur, dass wir verstehen, was unser Gegenüber sagt, wenn es mit uns redet. Vielleicht ist es sogar noch weniger geheimnisvoll. Für mich ist Gedankenlesen nichts besonders Außergewöhnliches. In der Tat tun wir es die ganze Zeit, ohne groß darüber nachzudenken. Natürlich machen wir das mal besser, mal schlechter. Manchmal eher bewusst, manchmal eher unbewusst. Sobald wir uns klargemacht haben, was wir tun und wie wir es tun, können wir so lange üben, bis wir es noch besser tun können, davon bin ich überzeugt. Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Was tun wir also, wenn wir Gedanken lesen? Was meine ich damit, wenn ich sage, dass wir die Gedanken unseres Gegenübers lesen? Was bedeutet eigentlich das Wort "Gedankenlesen"?
Zu Beginn will ich erst einmal erklären, was es nicht bedeutet. In der Psychologie gibt es den Begriff "Gedankenlesen" (oder mind reading), und diese Art von Gedankenleserei ist einer der Gründe, warum viele Paare irgendwann beim Therapeuten landen. Denn die eine Person setzt voraus, dass die andere ihre Gedanken lesen kann:
"Wenn er mich wirklich lieben würde, hätte er wissen müssen,
dass ich nicht auf dieses Fest gehen wollte, obwohl ich Ja gesagt habe. " Oder:
"Er mag mich nicht mehr, sonst hätte er kapiert, wie ich mich fühle."
Solche Anforderungen ans Gedankenlesen sind eher ein Auswuchs von Egoismus. Eine zweite Variante besteht darin, dass man davon ausgeht, die Gedanken des anderen tatsächlich lesen zu können, obwohl man eigentlich nur die eigenen Meinungen und Werte auf sein Gegenüber projiziert.
"Oh nein, jetzt wird sie mich bestimmt hassen."
Oder:
"So wie der grinst, muss er doch irgendwas angestellt haben. Hab ich 's doch gleich gewusst!"
Hier irrt Othello. All das hat mit Gedankenlesen nichts zu tun, es ist einfach bloß Unfug.

Descartes' große Dummheit
Damit Sie mir folgen können, wenn ich Ihnen gleich meine Auffassung von Gedankenlesen erkläre, müssen Sie vorher ein anderes Konzept verstanden haben. Der Philosoph, Mathematiker und Wissenschaftler René Descartes (auch als Renatus Cartesius bekannt) war ein intellektueller Riese des 17. Jahrhunderts. Seine Revolution der Mathematik und der abendländischen Philosophie beeinflusst uns bis heute. Descartes starb 1650 an einer Lungenentzündung, im Stockholmer Schloss, wohin ihn Königin Christina als Lehrer eingeladen hatte. Descartes war daran gewöhnt, von seinem warmen und kuscheligen Bett aus zu arbeiten, wie es einem französischen Philosophen ja auch gebührt. Verständlicherweise machte ihm der eiskalte Steinboden des Schlosses den Garaus. Descartes hat so einige bemerkenswerte Dinge geleistet, aber er hat auch mal ordentlich danebengelangt. Bevor er starb, kam er auf die Idee, dass Geist und Körper zwei getrennte Einheiten sind. Das war so ungefähr das Dümmste, was ihm nur einfallen konnte, aber Descartes hatte das geneigte Ohr der Intelligenzija durch so markige Sprüche wie Cogito ergo sum (Ich denke, also bin ich) bereits für sich eingenommen. Und so konnte sich dann auch seine seltsame (im Grunde religiöse) Idee in den Köpfen festsetzen, der zufolge der Mensch aus zwei gegensätzlichen Substanzen geschaffen ist - einer seelischen und einer körperlichen.
Natürlich gab es auch Leute, die das für einen Irrtum hielten, aber ihre Stimmen wurden von den Hurrarufen auf Descartes' neue "Erkenntnis" übertönt. Erst in der modernen Zeit ist es Biologen und Psychologen gelungen, das Gegenteil wissenschaftlich zu untermauern und zu beweisen, dass Körper und Gehirn sowohl auf biologischer als auch auf mentaler Ebene eine untrennbare Einheit sind. Doch Descartes' Meinung hat sich bis heute als allgemeine Wahrheit halten können. Die meisten von uns unterscheiden immer noch - und sei es auch nur unbewusst - zwischen unserem Körper und unserer Gedankenwelt. Wenn Sie den Rest dieses Buches verstehen wollen, müssen Sie erst einmal kapieren, dass dieses Modell falsch ist, obwohl es zu Anfang seltsam scheinen mag.
Folgendermaßen sieht es aus:
Sie können nichts denken, ohne dass auch rein körperlich irgendetwas mit Ihnen passiert. Wenn Sie einen Gedanken haben, läuft in Ihrem Gehirn ein elektrochemischer Prozess ab. Um einen Gedanken hervorzubringen, schicken gewisse Gehirnzellen einander Signale mit verschiedensten Mustern. Wenn Sie den Gedanken früher schon einmal hatten, ist das entsprechende Muster bereits verwendet worden. Dann wiederholen Sie es nur. Wenn es ein völlig neuer Gedanke ist, konstruieren Sie ein neues Muster beziehungsweise Zellennetzwerk in Ihrem Gehirn. Dieses Muster beeinflusst beispielsweise auch die Ausschüttung von Hormonen (wie Endorphinen) sowie das vegetative Nervensystem. Letzteres steuert Funktionen wie Atmung, Pupillengröße, Durchblutung, Schwitzen, Erröten usw.
Alle Gedanken beeinflussen Ihren Körper irgendwie. Manchmal sogar ganz offensichtlich.

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