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Kundenrezensionen

3,3 von 5 Sternen
8
3,3 von 5 Sternen
Die Kinder der Toten
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 3. September 2017
Mit "Die Kinder der Toten" lieferte Elfriede Jelinek einen Text, der für sich steht. Obwohl der Text zunächst sehr schwer zu lesen ist (was insbesondere daran liegt, dass keine kohärente Handlung gegeben ist), handelt es sich um ein außergewöhnliches Leseerlebnis, in dem sich die ganze Sprachgewalt Jelineks entfaltet. Ein herausragendes Werk, dass auf vielfache Weise herausfordernd ist und einen ganz neuen Blick auf die Vergangenheitsbewältigung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bietet.
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am 7. April 2000
Das Buch lebt von den Bildern. Das Unfallopfer, ein junger, attraktiver Mann, der nicht aus dem Unfallwrack heraus kann, seine blutigen Handabdruecke an der Windschutzscheibe, aber die Gaeste der Pension gehen am Auto vorbei, als sei alles in Ordnung. Der sportliche, junge Tourengeher, gleich, gleich, wird ihm etwas passieren, oder ist er bereits verunglueckt, ist er bereits ein lebender Toter? Das Buch wird dominiert von einer gruseligen Thriller-Atmosphaere - gleich passiert etwas schreckliches, oder ist es schon passiert?, und alle tun nur so, als sei gar nichts passiert? Wer sich aber aufgrund dieser Thrilleratmosphaere einen thrillerartigen Handlungsbogen erwartet, wird enttaeuscht. Es gibt (kaum) eine vorwaertsschreitende Handlung; wer ein Buch nur zu schaetzen weiss, wenn es Action zu bieten hat, sollte besser zu einem Krimi greifen. Vielmehr kehren die Bilder wie Variationen in einem Musikstueck staendig wieder. Mir hat dieser mehr einer Symphonie als einem traditionellen Roman gleichende Aufbau des Buches sehr gut gefallen. Am Schluss wird die Pension mit ihren zombiartigen Gaesten, deren Erinnerungen an all das, was in Oesterreich eh' nie passiert ist, sowieso schon laengst zugeschuettet sind, unter einem Murenabgang begraben. Das ewige Vergessen ist somit gesichert.
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am 4. April 2006
Wie andere Werke der Jelinek besticht auch dieses Buch durch seine wortgewaltige Sprache, die wohl in der Gegenwartsliteratur einmalig ist. Jedoch verliert sich dieses Werk auch darin. Es wird zuviel Sprache konstruiert, so dass der Inhalt entgleitet. Das Buch ist typisch für die Autorin radikal, kompromiss- und schonungslos, und unterscheidet sich darin wohltuend von der üblichen erfolgreichen Weichspülliteratur. Es bleibt aber trostlos, weil die Jelinek, anders als z.B. Houellebecq nicht die geringste Sympathie für ihre Figuren aufkommen lässt. Das kennt man schon von der Klavierspielerin, doch bleibt die Zeichnung der Figuren in den Kindern der Toten noch unpersönlicher; die Gesellschaft wird mitleidslos seziert. Man muss das Buch langsam lesen, um die Sprache auf sich wirken zu lassen; querlesen ist ausgeschlossen.
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am 6. März 2007
Jelinek hat in den letzten Jahren tausende Seiten wunderbare Literatur geschrieben. Schonungslose Abrechnungen mit diesem schleimig geselligen Österreichbild, das manche so gern hätten, damit die Wachau über ganz Österreich hereinbricht. Weich, grün, flüssig und rauschig. Und genau da setzt Jelinek ihren erbarmungslosen Sprachmeißel an und hämmert mit Aggression und Wut drauf los, dass die verkrustete Mozartkugelhülle aufbricht und die ganze falsche Sound of Music Romantik brach liegt. Dieses Werk (denn Roman ist es keiner mehr) ist ein Würgen, Verdauen, Aufreißen, Zerbeißen, Zerreißen und Kneten der Sprache. Ein Wortspiel, das einem ein Lachen entreißt wird dicht gefolgt von einem Satz, der einem das Lachen gleich wieder in die Kehle rammt. Jelinek ist schonungslos und wütend. Jelinek hasst sich selbst (wahrscheinlich) und erst Recht die Verlogenheit in diesem Sisiparadies. Dagegen wütet sie und da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man bewundert die schonungslose Sprache, die sie einem aufzwingt, mit der sie einem immer wieder klar machen will, dass sie einem ganz schön viel Arbeit aufgibt, oder man lässt sie.

Man erwarte sich hier keinen Roman. Die Handlung ist nur eine Nebensache. Die Figuren sind austauschbar und deswegen ist es nicht nötig sie zu zeichnen. Jeder kann es sein. Denn in Jelineks Augen sind wir alle gleich. Männer sind Schweine und Frauen sind entweder falsch oder selbst schuld. Aber es wäre ein Fehler, sich deswegen nicht mit ihr auseinanderzusetzen.
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am 3. November 2009
Ich habe mehrere Anläufe zum Lesen "Die Kinder der Toten" benötigt, denn ich stellte mir immer wieder die Frage "Was will Elfriede Jelinek" dem Leser vermitteln? Ich bin nun am Ende des Buches angelangt auch nicht viel schlauer als mittendrinnen beim Lesen. Meine Interpretation ist, dass Elfriede Jelinek einen Spiegel der österreichischen Gesellschaft vorhalten will, doch ist diese Gesellschaft wirklich so grauenhaft, wie sie es uns vermitteln will? Ich sage "JEIN".
Der Schreibstil ist typisch Jelinek, d.h. gewöhnungsbedürftige, da lange verschachtelte Sätze. Darüber hinaus braucht man einen sehr guten Magen bzw. ein sehr gutes Nervenkostüm, um die Beschreibungen/Vorgänge gut zu verdauen.
Ich selbst habe diesen Roman immer wieder für Monate weggelegt, mich nun doch entschlossen, es "durchzuziehen", die große Erkenntnis habe ich leider nicht gewonnen.
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am 24. September 2006
Es ist ja ganz einfach: Dieses Buch ist kompliziert. Dieses Buch ist kompliziert, also ist es gescheit. Dieses Buch ist gescheit, also ist jeder, der es nicht versteht, dumm. Wer schlecht über dieses Buch spricht hat es nicht verstanden. Ergo: Wer schlecht über dieses Buch spricht ist dumm.

Im Ernst: "Wortwitz" will der "Rheinische Merkur" hier orten, ich allerdings sehe nur sprachliche Taschenspielerei. Von "thematischer Gigantomanie" und "Radikalität" spricht Iris Radisch in Ihrer Rezension. Kann man die völlige Abwesenheit eines Themas tatsächlich Gigantomanie nennen? Und was soll man von Radikalität ohne Sinn und Zweck halten?

Zugegeben: In diesem Buch stehen schöne Sätze. In diesem Buch stehen überhaupt nur schöne Sätze. Dieses Buch ist nicht, wie am Titelblatt vermerkt, ein Roman, sondern eine allzu kräftig durchgeschüttelte Aphorismensammlung. Und so müht man sich durch die Seiten, derer hier gar allzuviele vollgedruckt wurden, quält sich und müht sich und ärgert sich zu guter Letzt nur über die verschwendete Zeit.

Ja, natürlich, vermutlich hab ich das Buch nicht genau genug gelesen. Nicht sorgfältig genug durchgearbeitet. Vermutlich hab ich eben keine Sinn für diese Literatur, von studierten Germanisten für studierte Germanisten. Ja, vermutlich. Je genauer ihr hinseht, desto besser könnt ihr des Kaisers neue Kleider erkennen.

Dieses Buch ist eine Konglomeratwand: Aus der Nähe betrachtet glitzert es verheißungsvoll. Von weitem besehen allerdings - grau in grau. Nie wieder dieses verkrampfte Geschwafel, das nicht absurd, sondern nur sinnlos ist, und das allzu viele für moderne Literatur halten (leider auch jene die nie Bücher lesen).
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am 8. Juli 2014
Wie E, Jelinek mit Sprache umgeht, das ist faszinierend und große Literatur. Ich muss das Buch, das eher eine Erzählung ist, aber kein Roman, nicht lieben. Aber ich bewundere die Autorin um ihre Sprachgewandtheit, ihren Witz, der sich auch in menschlichen Abgründen zeigt, ihre ungebremste Wut auf Dummheit und Igoranz. Und genau deswegen mag ich dieses Buch.
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am 14. Juni 1999
Was will Jelinek mit diesem Buch ? Die story kommt nicht in Gang, die Autorin schwankt hin und her, ob sie denn nun eine Geschichte erzählen oder Allerweltsweisheiten an den Leser bringen soll. Nun erwartet der Leser ja von Jelinek bestimmt nicht Lesbarkeit im "Grisham-Stil", aber die Kinder der Toten ist ein in meinen Augen mißlungenes Experiment. Kann "moderne" Literatur verkrampfter denn sein ? Nein, wie Handke zeigt, aber dieses Buch ist ein Paradebeispiel, wie man Leser vergrault. Nebensatz um Nebensatz verliert sich der Faden ins bedeutungslose, wie auch das gesamte Buch. Schade.
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