Neu:
16,90€16,90€
Lieferung für 4,00 €
:
10. - 11. Mai
Versand durch: buecherkisten Verkauft von: buecherkisten
Gebraucht kaufen 4,70 €
Lade die kostenlose Kindle-App herunter und lese deine Kindle-Bücher sofort auf deinem Smartphone, Tablet oder Computer – kein Kindle-Gerät erforderlich. Weitere Informationen
Mit Kindle für Web kannst du sofort in deinem Browser lesen.
Scanne den folgenden Code mit deiner Mobiltelefonkamera und lade die Kindle-App herunter.
Mehr erfahren
Dem Autor folgen
OK
Die Habenichtse: Roman Gebundene Ausgabe – 13. März 2006
| Preis | Neu ab | Gebraucht ab |
|
Taschenbuch
"Bitte wiederholen" | 7,80 € | 7,80 € |
|
Audio-CD, Hörbuch
"Bitte wiederholen" | 11,57 € | 3,45 € |
Kaufoptionen und Plus-Produkte
- Seitenzahl der Print-Ausgabe308 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberSuhrkamp Verlag
- Erscheinungstermin13. März 2006
- Abmessungen12.9 x 2.8 x 20.3 cm
- ISBN-103518417398
- ISBN-13978-3518417393
Wird oft zusammen gekauft

Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Produktbeschreibungen
Amazon.de
Irgendwie ist es da nur konsequent, dass Jakob und Isabelle heiraten -- eben darum, weil beide es nach dieser ungeheuerlichen Verkettung von Zufällen so passend finden. Weniger konsequent, ja bezeichnend ist, dass sie es so unauffällig wie möglich tun. Isabelle geht mit Jakob nach London, wo der junge Rechtsanwalt die Stelle jenes Mannes annimmt, der statt seiner in New York ums Leben kann. Aber das wohlhabende Paar zieht keineswegs in einen respektablen Stadtteil, sondern in ein sozial eher heruntergekommenes Viertel, dessen viktorianische Fassaden schon bessere Zeiten gesehen haben. Hier leben die Habenichtse, darunter auch der Junkie und Drogendealer Jim, zu dem Isabelle sich eigentümlich hingezogen wird. Spätestens jetzt wird klar, dass das, was Jakob und Isabelle füreinander empfinden, vielleicht doch nicht die große Liebe ist -- zumal sich die beiden in London immer weiter entfremden.
Seltsam leer beschreibt Katharina Hacker ihre Protagonisten, um die sie weitaus lebendigere Nebenfiguren gruppiert. Emotionale Habenichtse sind die beiden, als Vertreter der Generation Golf: jene Generation der Erben um die 35, die selbst der 11. September 2001 nur kurzfristig und auf die falsche Art und Weise erschüttern kann: als Scheidelinie zwischen einem phantasierten, unbeschwerten Vorher und dem ängstlichen, aggressiven Gejammer, das sich immer weiter ausbreitete. Eigentlich ist Isabelle und Jakob nicht die Liebe, sondern das Leben selbst abhanden gekommen -- anders als ihren älteren Freunden und Bekannten, die aus wirklichen, nicht medial vermittelten, sondern selbst erlebten Katastrophen erstarkt hervorgehen. Das ist eine der erschütternden Erkenntnisse dieses ruhigen, klug aufgebauten und perspektivisch geschickt komponierten Buchs, das nichts weniger als Tod, Glück, Liebe und Schuld zum Thema hat und wohl Hackers bestes ist. Große, aber leise, und gerade deshalb verstörende Literatur. --Thomas Köster
Autorenkommentar
Katharina Hacker wurde zur Stadtschreiberin 2005 / 2006 von Bergen-Enkheim gewählt.
Katharina Hacker erhält den Deutschen Buchpreis 2006 für ihren Roman "Die Habenichtse". In der Begründung der Jury heisst es:
"Katharina Hackers Roman 'Die Habenichtse' erzählt die Geschichte von Haben und Sein neu. Ihre Protagonisten sind in den Dreißigern, wissen alles und kennen doch eines nicht: sich selbst. Sie lassen sich treiben und sind gleichermaßen Getriebene. In einer flirrenden, atmosphärisch dichten Sprache führt Katharina Hacker ihre Helden durch Geschichtsräume und in Problemfelder der unmittelbarsten Gegenwart, ihre Fragen sind unsere Fragen: Wie willst du leben? Was sind deine Werte? Wie sollst und wie kannst du handeln? Die Qualität des Romans besteht darin, diese Fragen in Geschichten aufzulösen, die sich mit den plakativen Antworten von Politik und Medien nicht zufriedengeben." Die Jury des Deutschen Buchpreises 2006
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Katharina Hacker, wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren und wuchs auch dort auf. In Freiburg und Jerusalem studierte sie Philosophie, Geschichte und Judaistik. Sie arbeitete mehrere Jahre in Israel und lebt seit 1996 als Autorin in Berlin. Ihr Roman Die Habenichtse wurde 2006 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.
Es wird kein Kindle Gerät benötigt. Lade eine der kostenlosen Kindle Apps herunter und beginne, Kindle-Bücher auf deinem Smartphone, Tablet und Computer zu lesen.
-
Apple
-
Android
-
Windows Phone
Produktinformation
- Herausgeber : Suhrkamp Verlag; 8. Edition (13. März 2006)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 308 Seiten
- ISBN-10 : 3518417398
- ISBN-13 : 978-3518417393
- Abmessungen : 12.9 x 2.8 x 20.3 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 435,162 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 27,366 in Gegenwartsliteratur
- Kundenrezensionen:
Informationen zum Autor

Entdecke mehr Bücher des Autors, sieh dir ähnliche Autoren an, lies Autorenblogs und mehr
Kundenrezensionen
Kundenbewertungen, einschließlich Produkt-Sternebewertungen, helfen Kunden, mehr über das Produkt zu erfahren und zu entscheiden, ob es das richtige Produkt für sie ist.
Um die Gesamtbewertung der Sterne und die prozentuale Aufschlüsselung nach Sternen zu berechnen, verwenden wir keinen einfachen Durchschnitt. Stattdessen berücksichtigt unser System beispielsweise, wie aktuell eine Bewertung ist und ob der Prüfer den Artikel bei Amazon gekauft hat. Es wurden auch Bewertungen analysiert, um die Vertrauenswürdigkeit zu überprüfen.
Erfahre mehr darüber, wie Kundenbewertungen bei Amazon funktionieren.-
Spitzenrezensionen
Spitzenbewertungen aus Deutschland
Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuche es später erneut.
Der Roman erzählt von einem jungen Paar. Jacob und Isabelle. Jacob ist Jurist, offenbar talentiert. Er macht seinen Weg, findet gleich nach dem Studium Anstellung in einer renommierten Kanzlei. Er kümmert sich um Restitutionsverfahren. Die betreffen teils die Nachkommen enteigneter oder unter Druck zum Verkauf gezwungener deutscher Juden, aber auch die ehemaligen Eigentümer von Immobilien, die in der DDR verstaatlicht wurden. Isabelle ist Teilhaberin in einer jungen kreativen Truppe von Grafikdesignern. Die Kanzlei arbeitet international. Jacob soll noch London. Er geht. Die frisch angetraute Ehefrau geht mit. Kein großes Problem. In Zeiten des Internets kann sie weiter für die Berliner Grafiker arbeiten und Verbindung halten.
Jacob und Isabelle, vor allen Dingen Isabelle, bewegen sich in einer merkwürdigen Trance und einem oft passiven, abwartenden und bloß reaktiven Modus. Ganz anders ist das in der Welt von Jim, Ben und Albert. Sie dealen und schlagen sich durch. Eine dritte Perspektive gibt uns den Blick frei auf die minderwüchsige, kleine Sara und ihren großen Bruder Dave und indirekt auf ihre prekären und gewalttätigen Eltern. Erst auf Seite 125 berühren sich diese sozialen Biotope in der Londoner Margaret Road und beginnen sich zu verflechten. Beiden, Jacob und Isabelle, geschehen Dinge und begegnen Personen in London, die sie erschrecken und die sie verändern. Isabelle quälend passiv, hilflos, schließlich fast hörig, wird durch Jim in das Geschehen um Sara und ihre Katze Polly hineingezogen und zum Schluss zur Zeugin einer Gewalt gegen Sara bestimmt, die fast beklemmender ist als hätte Jim sich an Isabelle selbst vergangen.
Jacob, nachdenklich und sensibel, erfährt auf andere Weise seine fehlende Verankerung, das provisorische und kontingente seiner Existenz. Statt seine junge Verbindung mit Isabelle intensiv zu leben, animiert durch das urbane London, taucht er tief ein in die juristischen Geschäfte und entdeckt im Umgang mit seinem Chef Bentham und den Kollegen seine Homosexualität. Verfremdung und Erschütterung brechen die glatte und routinierte Oberfläche des Alltags dramatisch auf als Jacob der apokalyptischen Predigt Jonas im Park zuhört. Gegen die biblische Gewalt der Rede ist er schutzlos. Eine junge Frau, Jonas frühere Freundin, bewirtet Jacob und massiert ihm die Füße. Eine von der Autorin bewußt biblisch gestaltete Szene. Jacob ist tief berührt. Er möchte Isabelle davon erzählen, aber es gelingt ihm nicht. Sprachlosigkeit und „exzentrische Positionalität“ sind bis zuletzt nicht aufgehoben. Mit diesem philosophischen Terminus bezeichnete Hellmuth Plessner ( 1892 – 1985 ) die besondere Bedingung des Menschen. „Ortlos und zeitlos ins Nichts gestellt, treibt sich das menschliche Wesen beständig von sich fort, ohne Möglichkeit der Rückkehr, findet sich immer als ein Anderes in den Fügungen seiner Geschichte, die er zu durchschauen, aber zu keinem Ende zu bringen vermag“, (Zitat Hellmuth Plessner).
Diese metaphysische Unbehaustheit ist das große Thema des Romans. Ganz analog zur bildhaften Formel Plessners sinniert auch Hackers Jacob über die Mitte, ob es sie gibt und ob man zu ihr vordringen könne. Gegen Ende des Kap. 31 ist Isabelle über Pläne des künftigen Berliner Designerbüros gebeugt. Jacob hat den Impuls, ihr von Miriam zu erzählen, aber es mangelt an „einem Zeichen“ von ihr. Jacob dachte: „Man las Gesichter nicht mit bloßem Auge, ohne dass sich Erwartung und Misstrauen hineinmischten, nie begnügte man sich mit dem Anschein, immer wollte man hin zum M i t t e l p u n k t, doch vielleicht war das die falsche Richtung. Er lachte. Dieser winzige Punkt, nicht einmal stecknadelkopfgroß, um den erbittert stritt, was Mittelpunkt sein wollte…………und andererseits konnte es ohne Mittelpunkt keine Umlaufbahn geben“. Mit dieser gedanklichen Abschweifung Jacobs, die nebenbei auch die menschliche Kommunikation aus konstruktivistischer Sicht bezeichnet, skizziert die Autorin – vielfach im Roman – das menschliche Grunddilemma: den eigenen Weg zu finden zwischen instinkthaft-vitalem, rauschhaften Ausleben, das eine vermeintliche Mitte suggeriert und dem eher quälenden, exzentrischen Blick, der neben dem Ziel des Wunsches immer auch das eigene Wünschen beurteilt.
Warum ist der Roman von vielen Lesern so kritsich beurteilt worden? Hackers Erzählweise frustriert die konventionelle Leseerwartung. Sie macht das Lesen schwer. Ich selber hatte das Gefühl zunehmender Übung. Aber es braucht viel Disziplin und Ausdauer. Erschwerend ist, dass sich diese Eigenwilligkeit nicht nur auf Grammatik und Synthax, sondern auch auf die Komposition und Dramaturgie des Textes erstreckt. Zum Ersten: Hacker liebt es, viele Nebensätze aneinander zu ketten. Das schleppt sich. Die Nebensätze haben oft dasselbe Prädikat, manchmal ein neues, manchmal auch überhaupt keines. Dann sind es substantivische Einschübe, gern mit Adjektiven und Partizipialkonstruktionen. Inversionen finden sich im Satzbau. Gern wird auch nach Subjekt und Prädikat das Objekt zurückgehalten, um erst einen Nebensatz einzuschieben. „Vergeblich suchte er den Hausschlüssel, hatte ihn offenbar vergessen, und keiner öffnete, als er klingelte, die Fenster - von der gegenüberliegenden Straßenseite deutlich zu sehen – waren geschlossen.“ Auch dass Kommata gesetzt werden, wo jeder einen Punkt erwartet, weil ein neuer Zusammenhang regiert, lässt sich verschmerzen, so wie der Verzicht auf die gewohnte Kennzeichnung wörtlicher Rede. Ihr Beginn wird mit Gedankenstrich markiert, ihr Ende überhaupt nicht. Schwieriger ist das Zweite: Jeder Romanleser ist auf Schauplatzwechsel eingestellt und geübt in ihnen. Hacker verlangt dem Leser viel ab. Wo wir uns jetzt befinden, wird bisweilen lange nicht verraten. Sie oder er tut etwas oder denkt oder erinnert. Wer sie oder er ist, erfahren wir vielleicht auf der nächsten Seite. Sicher ist es manchmal aus der Art des Erzählten ableitbar. Aber wenn nur Belangloses getan oder Unspezifisches gefühlt wird oder erinnert, ist es manchmal verwirrend.
Man kann die Textstruktur rhapsodisch oder auch einfach nervig nennen. Ich habe einige Zeit gebraucht, mich daran zu gewöhnen. Am Anfang fand ich ihren Stil einfach nur manieristisch und prätentiös gespreizt. Man kann es aber auch anders betrachten. Dass hier nicht fließend und wie neben dem Kaminfeuer in prangenden Formulierungen erzählt wird, ist stimmig. Es entsteht eine Art bewegtes Stakkato, dass Spontaneität und Unberechenbarkeit transportiert. Der impressionistische Erzählstil ähnelt einer mündlichen Rede, die viel zu aktuell und von Emotion getragen ist, um die Gesetze der Grammatik und logischer Entwicklung zu beachten. Der letzten Endes doch überzeugende Erzählstil ist essentiell für einen großen Vorzug des Roman: Hacker übt große Zurückhaltung ihren Personen gegenüber. Sie respektiert ihre Autonomie und ihre Unbestimmbarkeit. Sie missbraucht sie nicht als Darsteller ihrer eigenen klugen Einsichten und Anschauungen über die Welt. Es gibt weder die sozialpolitische Schelte noch die psychoanalytische Tiefendeutung ihrer Helden. Beides findet sich in zeitgenössischen Romanen nicht selten. Völlig anders bei Hacker. Der Schwerpunkt liegt ganz auf dem Situativen. Flüchtigen, Alltäglichen. Es wird erzählt und detailreich protokolliert, nicht gemeint und interpretiert. Die Darstellung ist ausgesprochen sinnlich.
In der auf den ersten Blick unrunden Sprache Hackers gibt es betörend lyrische Passagen. „…für ihn ( Andras ) war es letztlich undenkbar, Berlin zu verlassen, ihre Stimme (Isabelles) nicht mehr zu hören, kindlich hell und ohne Tiefe, unerwartet in ihren Verzögerungen, Abbrüchen, eine Stimme, die dahinglitt wie ein kleines Schiffchen aus Zeitungspapier, das plötzlich versank oder davon stürmte wie der hüpfend aufleuchtende Schulranzen auf dem Rücken eines rennenden Kindes.“
Ein großes Thema ist die Zeit; damit Vergangenheit, Alter, Verlust, verpasster Moment. In einer sehr innigen Szene zwischen Andras und Isabelle finden beide nicht das richtige Wort und die richtige Geste. Statt dessen zeigen sie ihre Wunden her aus der Vergangenheit. „Er hätte mit dem Finger über ihre Narbe streichen müssen, um sie zu ertasten. Er hat es nicht getan, die Liste der Versäumnisse war länger geworden …..aber es fiel ihm nichts ein, um den Kokon, in dem Isabelle steckte, zu zerreißen“. ( Seite 44/45 ). In einer anderen Szene gegen Ende des Romans denkt Bentham im vertrauten Gespräch mit Jacob zurück. Er hätte in einer kleinen Villa in seiner alten Heimat leben können. Eine Art Restitution. Aber es war nicht nach seinem Geschmack. Sein Freund wäre unbefangener gewesen. Er versucht, den Verlust des Freundes zu beschreiben. „Es ist übrigens nicht so sehr der Schmerz, der zerstörerisch ist. Eher die Blindheit, die er mit sich bringt, der Wunsch, die Augen nicht zu öffnen, nicht zu sehen, was einen vom Bild des Geliebten entfernen könnte, und es dauert lange bis man begreift, was zur Vergangenheit dazugehört, dass sie sich weder berühren noch verändern lässt, egal wie gewaltsam man sich in ihre Nähe drängt. Das man alles verliert, wenn man nicht hinnimmt, was vergangen ist, aus dieser unbarmherzigen Distanz, die einen vor allem deshalb quält, weil sie die eigene Distanz zu den Dingen ist.“ (Seite 255/256 ).
So wie das Gegenwärtige nicht festgehalten werden kann, so kann das endgültig Abgelebte nicht wieder angeschlossen, nicht wachgerufen werden, höchstens um den Preis des desto intensiveren Gefühls, es verloren zu haben. Aber diese Klugheit, es zu akzeptieren, ist unweigerlich mit zunehmender Distanz und Erkaltung verbunden. „Es macht die Leute durchaus angenehm, wenn sie bloß zugucken“ , sagt Bentham. In gespenstischer Weise spiegelt sich dieses laue und resignative Gefühl in Jacob, obgleich er in dieser Szene Bentham näher ist als sonst. „Er spürt die Wirkung des Alkohols. Es geht ihm durch den Kopf, dass er jemand war, der weder nahm noch gab, seine Anteilnahme echt, die Teilnahme aber bloß vorgetäuscht war. Er würde die Hand nicht ausstrecken , die altersfleckige Haut zu berühren; er spürte, dass Bentham von ihm nichts erwartet, und war traurig, ohne sich aufzuraffen, es zu ändern. Sein Glas war leer, er war zwar unbesorgt, aber er wusste, dass er später erschrecken würde“.(Seite 258). Beide Männer sind sich sehr nahe gekommen. Es ist ein intimer Moment. Er ist im Roman wunderschön ausgestattet durch den Einfall mit dem kleinen Jungen, der stolz und voller Zuversicht sein Segelboot ins Wasser setzt und nicht wissen kann, ob es „ das gegenüberliegende Ufer erreichen und sich dort an Land holen lassen würde. Jacob konnte die Augen nicht von der Mutter abwenden, sie erinnerte ihn an Miriam, hoch aufgerichtet stand sie da, und wenn es auch mit Tränen enden mochte, dachte Jacob, so würde sie ihren Sohn doch trösten können. Glücklich fühlte er, dass Bentham die Szene ebenso gut gefiel wie ihm, und einen Moment spürte er Benthams Hand auf seinem Arm.“ (Seite 255 ). Wagnis, Gelingen, Trost Heimat, Ankommen, all diese Momente des Lebens sind dem kleinen Schiffchen mitgegeben.
Alle großen Themen werden in diesem Roman verwoben, aber keineswegs in abgehobener soigniert-philosophischer Weise, sondern mit sehr klarem Blick auch für die Welt der Dealer Jim, Ben und Albert und das prekäre und gewalttätige Milieu der Eltern von Dave und Sara. In den Habenichtsen werden die großen existentiellen Fragen von Liebe und Tod, Schuld und Vergänglichkeit, Geborgenheit und Bedrohung, Heimat und Fremde verhandelt. Wirklich spannend aber ist es und schlicht genial, dass diese schwergewichtigen Fragen nicht in e i n e m Milieu angesiedelt sind und ein kontrastierendes zweites bloß dekorativ hinzugefügt ist. Beide so unterschiedlichen sozialen Biotope berühren sich nicht nur in der Margaret Road. Es kommt zur Osmose dieser Welten. Diese sozialen Klassen-Stereotypien erweisen sich unter Belastung als nicht stabil und mit Staunen erlebt der Leser wie die Unterschiede sich verwässern und relativieren. Die kleinen Ganoven und die misshandelten Kinder haben mehr Phantasien und Hoffnungen auf ein gelingendes Leben als es ihnen das gängige Vorurteil zubilligt. Auch mehr (Über)lebenstrieb. In der großen Welt der Anwälte und Grafiker verbirgt sich mehr Fatalismus und Chaos, Destruktivität und Todestrieb als ihrer designten Fassade anzusehen ist.
Insgesamt ein schwieriger, zunächst sprachlich sperriger Roman, der langsam anläuft. Es lohnt sich durchzuhalten. Den ausdauernden Leser belohnt er mit tiefer und poetischer Darstellung der großen existentiellen Themen in einem Entwurf, der seine Spannung zum guten Teil aus der Verflechtung zweier sehr entfernter Milieus bezieht.
In dem Roman "Die Habenichtse" von Katharina Hacker begegnen sich Jakob und Isabelle auf einer Party in Berlin nach einigen Jahren wieder. Es besteht eine starke Anziehungskraft zwischen beiden, sie heiraten nach kurzer Zeit.
Jakob ist Anwalt und bekommt von einer renommierten Kanzlei in London ein Angebot, dort zu arbeiten. Das Paar zieht nach London. Isabelle kann aus dem Home-Office weiterhin erfolgreich als Grafik-Designerin arbeiten, Jakob engagiert sich in der Kanzlei. Die Leben beider verfangen sich in den Leben anderer Menschen, die Fäden laufen allmählich zusammen…
Die Ereignisse im Roman werden begleitet vom Anschlag auf das World Trade Center im
Jahr 2001 und den daraus folgenden politischen Konsequenzen.
Der Roman „Die Habenichtse“ hat den Deutschen Buchpreis 2006 gewonnen.
Er beginnt harmlos, fast belanglos, ich war kurz davor abzubrechen. Junges Paar mit Ambitionen, beide ohne Konzept ihrer selbst - hat man schon ein paar Mal gelesen. Eingebettet in 9/11. Mäßig kreativ. Die Sprache eigenwillig, sperrig, verhakt, anstrengend zu lesen. Man steht in Distanz zu den Figuren, einzig die Geschichte eines misshandelten Kindes durchkreuzt das eher nüchterne Geschehen und erzeugt Mitgefühl.
Das Buch nötigt dem Lesenden Durchhaltevermögen ab. In der ersten Hälfte werden die zentralen Figuren sukzessive eingeführt, es gibt wenig Verbindungslinien, die Charaktere stehen isoliert und treiben durch ihr Leben.
Je länger man sich mit der Sprache des Romans auseinandersetzt, desto kraftvoller wird sie in ihrer Widerständigkeit.
Man merkt erst, in was man sich hat hineinziehen lassen, wenn es schon zu spät ist. Und dann bleibt nur, es auszuhalten und zu ertragen. Die Figuren sind teils abgestumpft, regelrecht emotionslos, brutal. Gleichzeitig versehrt, hilflos.
Die Sprache wird in ihrer Härte immer treffender. Einige Absätze sind von gewaltiger Klugheit und Intensität, an anderen Stellen zieht sich der Roman zäh in die Länge.
Man geht nicht so aus dieser Geschichte hinaus, wie man hineingegangen ist. Das Buch verlangt viel ab, sowohl formal, als auch inhaltlich. Ob man sich das antun will, muss jede/r für sich selbst entscheiden.
Spitzenrezensionen aus anderen Ländern
No he pasado de las 80 páginas.







