John Franklin ist langsam. Einen Ball kann er nicht fangen. So taugt er nur zum Halten der Schnur, über welche die Kinder flink den Ball werfen, dem John nicht einmal mit den Augen folgen kann. Die Welt ist zu schnell, John hastet ihr mit aufgerissenen Augen und keuchendem Atem hinterher, um doch beständig zu spät zu reagieren. So erntet er nur den Spott der Kinder und die Prügel des Vaters. Nur der Lehrer erkennt, was sich hinter Johns Trägheit für besondere Gaben verbergen, sein gutes Gedächtnis, seine gewaltige Ausdauer. Dr. Orme ist es auch der John dabei unterstützt, seinen großen Traum zu verwirklichen. So wird schließlich aus dem tumben Bauernjungen der Seemann, Kapitän und Entdecker Sir John Franklin.
Franklin ist schon zu Lebzeiten eine Legende gewesen. Als einer von Sir "Barrow`s Boys" (Fergus Fleming) wurde er mit vager Order und mangelhafter Ausrüstung ausgeschickt, das Nordmeer zu erkunden, vielleicht die Nord-West-Passage zu finden oder gar zum Nordpol vorzudringen. Er kehrt ergebnislos, aber unbeschadet zurück, was auch schon als Erfolg gelten durfte. Berühmt machte ihn seine zweite Expedition, bei der er im Norden Kanadas fast verhungerte. Gescheitert, aber ungebrochen wurde er nach seiner Rückkehr gefeiert als der "Mann, der seine Stiefel aß". Er wurde zum Ritter geschlagen und zum Gouverneur ernannt. Schließlich hätte er sich auf einem gut bestallten Posten ausruhen können. Doch Franklin schlug aus und übernahm ein letztes Kommando.
Nadolny hat sich vom abenteuerlichen Leben Franklins inspirieren lassen. Aber er wollte nicht Biograph, er wollte Erzähler sein. So hat er sich in Form des Romans die künstlerische Freiheit erhalten, seinen Helden mit einer seltenen Lasngsamkeit auszustatten. Halb träge, halb beschaulich hebt sich Franklin gerade wegen seines Handicaps von seinen Mitmenschen ab, aus dem vermeintlichen Nachteil macht er seinen universellen Vorzug. Nicht die spontanen, reflexartigen Antworten, sondern die durch eingehende Betrachtung und bedachtsame Durchdringung gewonnenen Urteile werden von Bestand sein. Nadolnys Plädoyer für die Langsamkeit stellt sich lesenswert auf gegen unsere Welt der sich jagenden Informationen und Kommentare in Medien und Internet. Ein Buch, das zum Innehalten anhält.
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Dunkeltot, wie deine Seele
Diesen Roman kann man nicht aus der Hand legen… hier entdecken.









