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Die Einladung Taschenbuch – 1. Mai 2000

4.6 von 5 Sternen 18 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Oriah Mountain Dreamer war lange als Sozialarbeiterin im Bereich Krisenbewältigung tätig, ehe sie sich dem Schreiben zuwandte. In ihren Gedichten und Sachbüchern widmet sie sich der Frage, wie wir unsere Sehnsucht nach einem sinnerfüllten Leben stillen und unsere Persönlichkeit entfalten können. Die Mutter zweier erwachsener Söhne lebt zusammen mit Ihrem Mann nördlich von Toronto.

Ulla Rahn-Huber ist Übersetzerin und freie Autorin im Bereich ganzheitlich Leben und Heilen. Zu den Methoden alternativer Therapien und gesunder Ernährung hält sie Vorträge und gibt regelmäßig Seminare.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, womit du dein Geld verdienst. Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du die Erfüllung deines Herzenswunsches zu träumen wagst. Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, dich zum Narren zu machen, auf deiner Suche nach Liebe, nach deinem Traum, nach dem Abenteuer des Lebens.
Es interessiert mich nicht, welche Planeten ein Quadrat zu deinem Mond bilden. Ich will wissen, ob du deinem Leid auf den Grund gegangen bist und ob dich die Ungerechtigkeiten des Lebens geöffnet haben, oder du dich klein machst und verschließt, um dich vor neuen Verletzungen zu schützen. Ich will wissen, ob du Schmerz meinen oder deinen eigenen ertragen kannst, ohne ihn zu verstecken, zu bemänteln oder zu lindern.
Ich will wissen, ob du Freude meine oder deine eigene aushalten, dich hemmungslos dem Tanz hingeben und jede Faser deines Körpers von Ekstase erbeben lassen kannst, ohne an Vorsicht und Vernunft zu appellieren oder an die Begrenztheit des Menschseins zu denken.
Es interessiert mich nicht, ob das, was du mir erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob du andere enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu bleiben; ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst, um deine eigene Seele nicht zu verraten; ob du treulos sein kannst, um vertrauenswürdig zu bleiben.
Ich will wissen, ob du die Schönheit des Alltäglichen erkennen kannst, selbst wenn sie nicht immer angenehm ist und ob ihre Allgegenwärtigkeit die Quelle ist, aus der du die Kraft zum Leben schöpfst.
Ich will wissen, ob du mit Unzulänglichkeit leben kannst
meiner und deiner eigenen und immer noch am Seeufer stehst und der silbrigen Scheibe des Vollmonds ein uneingeschränktes "Ja!" zurufst.
Es interessiert mich nicht, wo du wohnst oder wie reich du bist. Ich will wissen, ob du nach einer kummervoll durchwachten Nacht zermürbt und müde bis auf die Knochen aufstehen kannst, um das Notwendige zu tun, damit deine Kinder versorgt sind.
Es interessiert mich nicht, wen du kennst oder wie du hierher gekommen bist. Ich will wissen, ob du inmitten des Feuers bei mir ausharren wirst, ohne zurückzuweichen.
Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studiert hast. Ich will wissen, was dich von innen heraus trägt, wenn alles andere wegbricht.
Ich will wissen, ob du mit dir selbst allein sein kannst und ob du den, der dir in solch einsamen Momenten deines Lebens Gesellschaft leistet, wirklich magst.

Die Einladung annehmen

Bisweilen werden uns Augenblicke echter Gnade zuteil.
Manchmal öffnet sich während meiner Meditation am frühen Morgen etwas in mir und ich lasse Dinge los, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass ich an ihnen festhielt. In solchen Momenten spüre ich, wie all die Verhärtungen in meinem Herzen und meinem Körper dem sanften Strömen meines Atems nachgeben und ich bin voller Mitgefühl für jenen Teil von mir, der unablässig strebt, organisiert, Probleme löst und das Morgen plant. Dann wird mein Geist ganz still und folgt einfach meiner Atmung. Eine Woge des Vertrauens erfasst mich, ein Wissen, dass alles, was zu tun ist, getan werden wird. Meine Schultern sinken herab, der kleine, doch wohl vertraute Schmerz in meiner Brust lässt nach und die Zeit scheint still zu stehen. Es gibt genug: genug Zeit, genug Energie, genug von allem, was notwendig ist. Auf einmal spüre ich in mir eine große zärtliche Liebe für mich und die Welt und ich weiß, dass ich dieser Zeit, diesen Menschen, dieser Erde und etwas anderem, das all dies durchdringt und doch größer ist, etwas, das uns alle trägt und erhält, angehöre. Ich möchte nirgendwo anders sein. Ich bekenne mich zu mir selbst und der Welt und bin voller Mitgefühl.
Dann erhebe ich mich von meinem Kissen und beginne in aller Ruhe meinen Tag. Beim Betreten des Badezimmers fällt mein Blick in den Spiegel und ich sehe, wie sich das verklärte Lächeln auf meinem Gesicht schlagartig zu einer angewiderten Grimasse verzieht, als kaltes Wasser durch die Sohlen meiner sauberen weißen Socken dringt. Aller Anschein von anmutiger Leichtigkeit zerbirst in dem schrillen Entsetzensschrei, den ich ausstoße, als ich sehe, wie meine heranwachsenden Söhne nach ihrer morgendlichen Dusche das Badezimmer hinterlassen haben: Wasserpfützen auf dem Fliesenboden; mehrere nasse Handtücher auf einem Haufen in der Ecke, andere so über die Handtuchstange gestopft, dass sie unmöglich noch vor dem Jahreswechsel trocknen können; der Duschvorhang halb in, halb außerhalb der Wanne, so verknautscht und verdreht, dass Schimmelpilze möglichst optimale Wachstumsbedingungen vorfinden.
Später, als ich nach der Putzaktion in der Küche sitze und mir eine Tasse Tee gönne, spricht mich mein jüngerer Sohn Nathan an. "Ich weiß, dass wir im Bad kein solches Chaos hinterlassen sollten, Mama", meint er und versucht, möglichst vernünftig zu klingen. "Aber eigentlich ist es doch ganz normal, wenn Jungen in unserem Alter nasse Handtücher auf dem Boden rumliegen lassen. Natürlich ist es nicht gut", fügt er eilig hinzu, als ihn der durchdringende Blick, den ich ihm über den Rand meiner Teetasse hinweg zuwerfe, trifft. "Aber wenn das das Schlimmste ist, was wir tun, dann brauchst du dir doch wirklich keine allzu großen Sorgen zu machen, oder?"
Ich fange unwillkürlich an zu lachen. Er hat natürlich Recht.
So ist die Welt, in der wir leben: Wir versuchen, unser Bestes zu geben, in unserem Dasein einen Sinn zu finden und eins zu werden mit uns und dem, was größer ist, als wir selbst, und geraten dann durch unaufgeräumte Badezimmer, Verkehrsstaus und verbrannte Toasts völlig aus der Fassung. Ich habe kein Interesse an einer Spiritualität, in der für meine Menschlichkeit kein Platz ist. Traditionelle Dogmen oder unqualifizierter New-Age-Optimismus geben mir weder Trost noch Führung.



Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
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Top-Kundenrezensionen

am 6. Juni 2002
Format: Taschenbuch
33 Kommentare| 55 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Juli 2011
Format: Taschenbuch|Verifizierter Kauf
0Kommentar| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Oktober 2013
Format: Taschenbuch|Verifizierter Kauf
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Mai 2005
Format: Taschenbuch
0Kommentar| 58 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

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