Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos Alles für die Schule Learn More sommer2016 saison Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
91
4,2 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 26. April 2005
„Die Blechtrommel" ist heutzutage wohl einem großen Teil der Bevölkerung ein Begriff. Wenige literarische Werke sind in den letzten Jahrzehnten so kontrovers diskutiert worden wie Günter Grass' ungewöhnlicher Roman, dessen Held - oder sagen wir besser Antiheld - Oskar Matzerath genau wie sein Schöpfer in Danzig geboren ist. Dort spielt sich dann auch ein Großteil der Handlung ab, bis auf einen Abstecher nach Frankreich und den Umzug nach Düsseldorf im letzten Drittel des Buches.
Oskar schreibt laut der Rahmenhandlung dieses Werkes im Alter von dreißig Jahren als Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt seine Lebensgeschichte auf und agiert so größtenteils als prinzipieller Ich-Erzähler, auch wenn er nicht selten durch die Wahl der dritten Person zu sich selbst eine gewisse Distanz schafft, was ein für den Stil dieses Buches sehr charakteristisches Merkmal ist. Der Protagonist wird als Sohn einer Frau kaschubischer Herkunft und eines rheinländischen Deutschen (ähnlich wie übrigens auch der Autor) geboren, wobei sich aber recht früh eine Dreiecksbeziehung durch das Verhältnis seiner Mutter zu ihrem Cousin Jan Bronski herauskristallisiert, welche sich als Motiv durch das gesamte Buch zieht und Oskar regelmäßig die Vaterschaft Alfred Matzeraths anzweifeln lässt.
Oskar ist ein durchaus ungewöhnlicher Junge, denn den eigenen Angaben zufolge war bei der Geburt bereits seine geistige Entwicklung abgeschlossen, sodass er den Erwachsenen von Anfang an nur das Kind vorspielt was er zu sein scheint, während er sich nicht anmerken lässt, dass er tatsächlich alles was geschieht durchschaut und begreift. Gemäß einem Versprechen seiner Mutter zu seiner Geburt bekommt er zu seinem dritten Geburtstag die Blechtrommel geschenkt, die dem Roman seinen Titel gibt - ein schicksalhafter Tag, denn die Trommel wird fortan zu seinem steten Wegbegleiter, ermöglicht ihm die Manipulation anderer Menschen und dient ihm später in der Heil- und Pflegeanstalt als ungewöhnliche Erinnerungshilfe. An besagtem Geburtstag beschließt er auch nicht mehr zu wachsen und stets in der Rolle des Dreijährigen zu bleiben. Dies ist bei weitem nicht die einzige Stelle an der das Buch den Boden der Realität verlässt und sich in phantastische und symbolische Sphären aufmacht.
Oskar hält jedwede Kommunikation mit anderen Menschen in zwei Dritteln des Romans auf einer primitiven Ebene und beschränkt sich auf das Nötigste, stets den geistig zurückgebliebenen Gnom vorspielend. Dabei erlaubt er sich häufig ein distanziertes Urteil über die Mitmenschen und stellt Verhältnisse unverblümt dar, scheint dabei aber auch selten Dinge aus einem für uns normalen und gewohnten Standpunkt zu sehen. Dadurch wird es für den Leser sehr schwierig, Oskar sympathisch zu finden, ihn als Erzähler zu akzeptieren und sich mit ihm zu identifizieren, was folglich ein Eintauchen in das Buch nur schwer möglich macht. „Die Blechtrommel" steckt stattdessen so voll mit abstrusen und befremdlichen Formulierungen und geradezu absurden Situationen, dass man es nur selten schafft die Welt wirklich mit Oskars Augen zu sehen; vielmehr nimmt man die meiste Zeit über seine Sicht kopfschüttelnd zur Kenntnis, ohne so recht zu begreifen was es damit auf sich hat. Das Werk versperrt sich so jedweder Faszination und zieht den Leser dennoch - ein Paradoxon wie es zur „Blechtrommel" nur perfekt passt - in einen eigenartigen Bann.
So ist es mitunter eine Tortur, sich durch die Kapitel zu kämpfen, welche beizeiten in langatmige und komplizierte, kaum noch nachvollziehbare und vollkommen den Bezug verlassende Formulierungen ausarten, und man ist froh wenn das Ende in Sicht ist. Und doch ist die Welt, die Grass erschafft, und das mehr oder weniger menschliche Wesen Oskar Matzerath in seiner morbiden Art oft derart außergewöhnlich, unvorhersehbar, ja, fast krank, dass man einfach weiterlesen muss, um herauszufinden was sich der Autor als nächstes hat einfallen lassen und wie dieses mehr als außergewöhnliche Leben seinen weiteren Lauf nimmt.
Man wird denn auch beizeiten durch Passagen belohnt, die zwar ungewöhnliche Situationen schildern, aber in ihrer nicht ganz alltäglichen Symbolik doch leichter zu durchschauen sind als manch andere abgehobene Stelle; so ergeben sich Erfolgserlebnisse und man erkennt, dass hinter dem ganzen Irrsinn tatsächlich eine Bedeutung steckt und Interpretationen möglich sind, die durchaus Sinn ergeben. So erlebt Oskar als Kind den Aufstieg des Nationalsozialismus sowie den Krieg, im Bombardement der Stadt Danzig gipfelnd, und der Autor lässt viele Menschen aus dem Umfeld, so auch Oskars „mutmaßlichen Vater" - wie er ihn immer nennt - im Bezug darauf einen äußerst eindeutigen, symbolischen Tod sterben, der sie als Mitläufer entlarvt die nie wirklich hinter einer Seite gestanden haben, aber auch nichts unternommen haben.
Das Motiv des Nationalsozialismus und die Reaktionen der Menschen auf selbigen zieht sich auch durchaus noch durch den dritten Teil des Buches, welcher im Düsseldorf der Nachkriegszeit spielt; somit ist dies ein wichtiger Hauptaspekt des Romans und Oskar bekommt hier mehr als einmal eine entlarvende Funktion und ist als der scheinbar Minderbemittelte am Ende der einzige, der wirklich die Welt durchschaut. Günter Grass fällt hier ein kompromissloses und zu keinem Zeitpunkt beschönigendes Urteil über die Bevölkerung Deutschlands und ihre Passivität zur Nazizeit.
Insgesamt ist „Die Blechtrommel" ein äußerst schwer zugänglicher Roman und ein harter Brocken, den man sich mit einem gewissen Maß an Mühe und Hingabe erarbeiten muss. Schon der äußerst merkwürdige Anfang erschwert den Einstieg und stiehlt vorzeitig jede Motivation, weitere Gründe sind aber nicht zuletzt auch die stellenweise schwer nachvollziehbare oder auch befremdliche Sprache und die doch sehr ungewohnte Sichtweise. Es braucht seine Zeit bis man sich mit diesem Buch anfreunden kann, und auch dann entwickelt sich womöglich eher eine Art unwiderstehliche Hassliebe.
Gerade das macht das Buch aber besonders interessant und hebt es vom Gros der Nachkriegsliteratur ab. Denn am Ende regt es durchaus stark zum Grübeln an und es ist mit Sicherheit ein Roman, den man nie vergessen wird. Zumal die Komplexität der Charaktere und deren Beziehungen, die allgegenwärtige Symbolik sowie die zu keinem Zeitpunkt zufällige Handlung dem Ganzen eine ungeahnte Tiefe verleihen, welche viel Raum für eingehendere Interpretation lässt und die zunächst scheinbar vulgäre Anspruchslosigkeit vieler Passagen - denn das Werk wirkt nicht selten recht provokant und alles andere als prüde - widerlegt.
„Die Blechtrommel" ist also ein etwas anderes literarisches Erlebnis für offene Gemüter, die sich womöglich vom Einheitsbrei gelangweilt fühlen, etwas außergewöhnliches suchen und Wert auf Anspruch legen. Einen Unterhaltungsroman für die kleine Leseeinheit vorm Schlafengehen oder ein Buch, in das man eintauchen und die Welt um sich herum vergessen kann, hat Günter Grass hier aber mit Sicherheit nicht geschrieben.
0Kommentar| 68 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Dezember 2008
Günter Grass ist ein bedeutender Erzähler und ein ebenso bedeutender Schwadroneur. Der Mann entfaltet in seiner Danziger Erzählung vom dreijährigen Oskar, der beschließt, nicht mehr weiterzuwachsen, einen Erzählstrom, der in der deutschen Nachkriegsliteratur ziemlich einzig dasteht. Unter Berücksichtigung der Tatsache natürlich, dass die Nazis nahezu alle bedeutenden deutschen Schriftsteller ermordet, mundtot gemacht oder ins Exil getrieben hatten.
Dennoch ist Grass der Nobelpreis für diesen Roman zu gönnen. Eine Sprache, ruhig und gewaltig wie ein Strom, einzigartige und zum nationalen Bildungsgut gewordenen Bilder wie das von der Großmutter, die einen Flüchtigen unter ihrem Rock versteckt oder das vom trommelnden Dreikäsehoch, der eine Parteiversammlung zum Walzertanzen bringt (Schlöndorff hat dazu in der Verfilmung kongeniale Einstellungen gefunden) und immer wieder zeitgenössische Einsprengsel und Verflechtungen seiner Familiengeschichte mit der Historie wie beim Kampf um die Danziger Post, die den Nazis so ziemlich als erstes in die Hände fiel. Grass handelt in seiner eigenwilligen Familiengeschichte das "dritte Reich" eher nebenher ab, beschränkt sich so auf seine Figuren und deren Art und Weise, in schwierigen Zeiten zu überleben. Und das mit Recht.
Der Roman reicht dann auch noch ein gutes Stück in die Nachkriegszeit hinein - und manchmal würde man sich wünschen, Grass hätte uns das hunderste oder tausendste Detail erspart. Grass' Erzählvermögen beeindruckt zwar bis zuletzt, seine Sprache ertrinkt aber bisweilen in einer Fülle an Satzungetümen, die Thomas Mann Ehre machen würden und krankt an ihrem enormen Detailreichtum. Dennoch trägt die Erzählung bis zum Ende und insgesamt muss man Günter Grass für dieses sprachliche Vermögen bewundern. Die letzten paar hundert Seiten musste ich mich allerdings immer wieder zum Weiterlesen zwingen.
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. Mai 2012
Der Roman als solcher ist hervorragend. Die vorliegende Auflage ist aber fehlerhaft. Es fehlt der Anhang und ein Teil des Inhaltsverzeichnisses. Der Verlag hat mir bestätigt, dass die ganze Auflage diesen Fehler hat. Mir wurde die vorhergehende Auflage empfohlen, die fehlerfrei sei.
Ich finde es nicht in Ordnung, dass beim Verkauf des Romans auf diesen Fehler nicht hingewiesen wird.
Kunde
11 Kommentar| 20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. September 2015
Im Gegensatz zu vielen meiner Freunde hatte ich nicht das zweifelhafte Vergnügen, Günter Grass' "Blechtrommel" als Schullektüre bearbeiten zu müssen - und doch war unbestritten, dass dieses Buch zum Kanon des Allgemeinwissens zählen muss. So wagte ich mich also kürzlich an das "Meisterstück" von Grass - und hatte damit einen Kampf auf mich genommen, den ich niemals erwartet hätte.

Oskar Matzerath stammt nicht zufällig aus Danzig und berichtet in einem doch recht zarten Alter von 30 Jahren retrospektiv über sein Leben, charakteristischerweise allerdings immer wieder auch aus einer ungewöhnlichen Distanz zu seinem eigenen Ich. Dieses Leben nun hat es in sich, ist der Protagonist doch schon bei der Geburt eigentlich ausgereift und lebt das Leben als Kind mehr in einer Art "Schauspiel": Mit einer Blechtrommel, die er in früher Kindheit geschenkt bekommen hat, marschiert er durch das Leben und nutzt diese immer wieder, um sich und seinem Willen Gehör zu verschaffen. Dass die Geschichte dabei mehr und mehr die gewöhnlichen Handlungspfade verlässt und sich in einer Art "Fantasy-Roman"-haften Weise fortsetzt, wird auf Dauer anstrengend - sowohl zu lesen als auch zu verstehen. Dabei lohnt es sich aber doch: Mal in einer erschreckend vulgären und offenen Art, die einem selbst im Zeitalter von Internet-Pornographie und Hypersexualisierung unseres Lebens den Atem raubt, mal in einer vor Intelligenz und Subtilität strotzenden Weise - Grass weist den Weg durch die Geschichte, die den Leser zwar nie in Nähe zu Oskar Matzerath bringt, aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Das wiederum ist es dann auch, was am Ende des Kampfes bleibt: Das Gefühl, gewonnen zu haben: An Tiefe, an Impressionen und... ja, an Allgemeinwissen, schließlich hat man sie nun gelesen, die legendäre "Blechtrommel". So bleibt am Ende jedem, der sich diesem Werk widmen will, nur zu sagen: Es ist jede Seite wert, doch jede Seite ist ein Kampf und das Buch sicher keine Lektüre für einen Sommerabend am Badesee - eher schon für eine eingeschneite Berghütte, die leider zwei Wochen keinen Zugang zur Außenwelt hat.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. August 2012
Es ist ein kleines Wagnis, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Oskar, die zentrale Figur des Romans, will und kann nur für sich selbst sprechen - oder besser: aus Trotz Wirklichkeit ertrommeln und Glas zersingen. (Ich möchte glauben, auch sein Erfinder Grass hatte Oskar auf Grund seiner fast magischen Eigendynamik irgendwann nicht mehr gänzlich im Griff.)
Deshalb nur ein paar Worte zur Wirkung:
Oskar zieht den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile in seinen Bann. Dieses mitunter liebenswürdige Miststück (der Ausdruck "Schelm" ist mir zu harmlos) besitzt eine Anziehungskraft wie kaum ein anderer Protagonist der Literaturgeschichte. In Form eines sprachlich-stilistischen Feuerwerks (oder besser: Trommelwirbels), vor allem durch den Einsatz kaum steigerbarer bissiger Ironie, entlarvt er die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis hin zum Biedermeier der Nachkriegszeit. Er, der kleinwüchsige Verweigerer und "geistig Zurückgebliebene", erweist sich dabei als einzig Gesunder in einer Welt der Lüge und des Verbrechens, was manchmal Belustigung, manchmal gellendes Entsetzen hervorzurufen vermag - meistens aber beides zugleich. Mit anderen Worten: Ein einziger Roman hat mich selten so sehr lachen und gleichzeitig zurückschrecken lassen. Oder mit den Worten Hans Mayers: "Mit Oskar Matzerath wird man so leicht nicht fertig. Der wird noch viele Leute auch in der Zukunft erheitern und erschrecken."
Viel Spaß, Freude, Ekel und Entsetzen beim Lesen!
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Günter Grass` Jahrhundertroman DIE BLECHTROMMEL aus dem Jahr 1959 liegt hier als eine in Leinen gebundene Neuausgabe des Steidl-Verlags (2016) vor, mit rotem Lesebändchen, Schutzumschlag und Leinenprägung des Titels.

Über diesen Roman wurde eigentlich schon alles gesagt.................Oskar Matzerath, die Hauptperson, ist ein Kind, dessen geistige Entwicklung schon bei der Geburt abgeschlossen war; aus seiner Sicht wird die gesamte, sehr detailreiche Geschichte erzählt. Voller Satzungetüme, die man langsam lesen sollte, und - wer Grass einmal live erlebt hatte - mit seiner Stimme vor dem inneren Ohr. Liest man das Buch nun wieder, oder zum ersten mal, hat man unweigerlich die Stimme und den Lese-Rhythmus des Dichters im Gedächtnis. Das ist auch eine gute Herangehensweise um mit den langen Grass-Sätzen umzugehen.

Es macht, wie immer bei Steidl, Freude, dieses Buch in die Hand zu nehmen; nimmt man den Schutzumschlag (der eine Zeichnung des Autors zeigt) ab, dann sieht man den leuchtend roten Druck des Buchtitels auf hellgrauem Leinen (senkrecht stehend). Ich glaube, Günter Grass hätte seine Freude an dieser Ausgabe gehabt.

( J. Fromholzer )
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Februar 2016
Die Blechtrommel“ gehört zu den wichtigsten Werken der deutschen Nachkriegsliteratur. Aus der Perspektive des Sonderlings Oskar Matzerath erzählt Grass vom Zweiten Weltkrieg in Polen. An seinem dritten Geburtstag entscheidet Oskar, nicht mehr wachsen zu wollen. Nach einem Sturz von der Kellertreppe bleibt er ein Kind. Seine Blechtrommel ist sein ständiger Begleiter. Sie ist es auch, die ihn später, im Irrenhaus, wo er seine Geschichte erzählt, an die Vergangenheit erinnert. Oskars Lebensbeichte ist geprägt von einer scharfen Beobachtungsgabe und seiner hellsichtigen Außenseiterposition.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Juli 2006
Ich habe es zu einer Regel für verfilmte Romane gemacht, mir erst die Verfilmung anzusehen, und erst dann den Roman zu lesen. Egal wie gut eine Filmversion ist, irgendeine Abänderung findet immer statt, daher befriedigt kaum eine Verfilmung auf voller Länge. Außerdem macht danach die Lektüre des Romans umso mehr Spaß

Bei der Blechtrommel dürfte es das erste (und ich hoffe letzte) Mal gewesen sein, dass diese Regel nicht gegriffen hat, ich vielmehr von einem beeindruckenden Film Lust auf den Roman bekommen habe und von diesem über alle Maßen enttäuscht wurde.
Dass der Film im Vergleich zum Roman doch so gut ist, hat einen einfachen Grund: Schlöndorff hat einfach die langweiligen Passagen aus dem Roman entfernt.

Als ich an der Stelle im Buch angelangt war, an dem sich der Film langsam dem Ende entgegenneigte (am Ende des 2. Weltkriegs), fragte ich mich, warum immer noch eine so weite Strecke im Buch vor mir lag.
Bis zu diesem Punkt fand ich das Buch durchschnittlich unterhaltend, eine einfache Sprache, interessante Geschichte- nichts besonderes, jedoch auch kein Buch über dass ich mich geärgert hätte.

Der letzte Teil des Romans, den Schlöndorff wohlweislich aus seiner Verfilmung ausgeschlossen hat, schaffte es jedoch, sowohl meinen Gesamturteil des Romans, wie auch des Schriftstellers Grass selbst, drastisch zu verschlechtern. Ich hatte vorher nichts von Grass gelesen, und dank diesem Roman werde ich wahrscheinlich auch für die nächsten Jahrzehnte keine Lust haben, diesem Schriftsteller noch eine Chance zu geben.

Und da "Die Blechtrommel" Grass Debütroman war, daher kann man hier auch nicht zu der beliebten Entschuldigung greifen, dieser Roman sei einfach nicht der "passende Einstieg" - es ist die Beliebigkeit, die Zusammenhanglosigkeit, die das letzte Viertel des Romans so unerträglich macht. Zahlreiche Handlungsstränge werden begonnen und keiner wird zu Ende geführt. Dies beginnt bereits noch während des Teils, der im Zweiten Weltkriegs spielt: Mal wird Oskar Matzerath Anführer einer Gruppe von jugendlichen Antifaschisten, die ihn scheinbar für einen Gesandten des Herrn halten, dann tritt er einer "Freakshow" bei, die eine Tournee durch die besetzten Westgebiete macht, plötzlich hat er einen Sohn. Von der Normandie reist er mal nach Berlin, mal wieder zurück nach Danzig.

Diese Handlungsabschnitte nehmen weitschweifige Kapitel in Anspruch, tragen jedoch nichts zu der eigentlichen Geschichte bei. Figuren werden vorgestellt, dann wieder für die nächsten 70 Seiten vernachlässigt.
Nach Kriegsende wird das Buch noch unübersichtlicher, noch episodenhafter. Die Flucht aus Danzig wäre ein geeigneter Moment gewesen, den Roman zu beenden. Nun fragt man sich, worauf die ganze Geschichte denn schlussendlich hinauslaufen soll.
Wieder erleben wir unzusammenhängende, wahllos aneinandergereihte Begebenheiten, die lediglich von dem Leitmotiv eines Ich-Erzählers und des im Titel vorgestellten Musikinstruments zusammengehalten werden.

Wer Grass Biographie kennt, wird schnell bemerken, dass er sich hierfür an eigenen Erfahrungen orientiert hat. Ein Abwägen zwischen wichtig und unwichtig findet jedoch auch hier nicht statt. Alles wird verarbeitet: Erst wird "das Oskarchen" Bildhauer bei einem Grabsteinhersteller, dann erlebt es einen Umzug in die große Stadt, und wird schlussendlich Trommler in einer Kneipe- und bemerkt hier seine Fähigkeit, dank seines Instruments das Publikum in ekstatische Verzückungszustände zu versetzen.

Wenn man mir jetzt vorwerfen will, dass meine schlechte Bewertung ungerechtfertigt ist, da doch offensichtlich der "lesbare" Teil von der Menge her, den unangenehmen überschattet, möchte ich sagen, dass diese letzten 200 Seiten des Buches so langweilig, so uninteressant, so monoton und so belanglos waren, dass mir keine andere Bewertung für angebracht erscheint. Es ist mir weder stilistisch noch handwerklich auch nur ansatzweise nachvollziehbar, wie dieses Buch in Deutschland eine nahezu mythologischen Status erlangen konnte. Vor 50 Jahren mochte man diesem Werk noch eine gewisse "Schockwirkung" zugestehen, aber was Grass aus dem Hut zaubert wirkt aus heutiger literarischer Perspektive nur noch pubertär. Ich selbst habe mich selten so sehr gefreut, ein Buch beendet zu haben, wie die "Blechtrommel"- daher schliesse ich mich mit besten Gewissen meinen Vorrednern an und empfehle dem geneigten Leser, die Filmfassung zu sehen, da hier alle guten Seiten des Romans bildreich vorgeführt werden. Ersparen Sie sich unnötigen Ärger und beherzigen Sie diesen Rat.
0Kommentar| 40 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. Februar 2003
Einmal gelesen und nie mehr vergessen. Der kleine Oskar wird sich wohl bis in alle Ewigkeit durch mein Hirnwindungen trommeln und dabei immer wieder besonders empfindliche Stellen treffen.
Das bekannteste Grass Werk ist ohne Zweifel ein Muss für jeden, der gerne abseits der Banal-Literatur liest. Der ganz eigene und unverwechselbare Schreibstil von Günter Grass macht das Werk zu einem Erlebnis. Mit spitzer Feder und scharfer Zunge schreibt er sich durch ein dunkles Kapitel der jüngeren Geschichte, ohne jemals den Eindruck zu erwecken belehren zu wollen.
Die scheinbare Leichtigkeit mit der er auf ironisch, leicht zynisch und gewissermaßen witzige Art Vergleiche zieht ist für mich absolut meisterhaft. Wohl niemand würde den Geruch seiner Großmutter (insbesondere den unter ihren Röcken) mit "dem leicht säuerlichen Geruch ranziger Butter" vergleichen. Einmal gelesen erkennt man jedoch, dass genau dies die absolut richtige Beschreibung ist, und man hält es für unbegreiflich dies nicht längst selbst erkannt zu haben. Genau dieses "Richtig!!-Gefühl" zieht sich durch das komplette Buch und macht es in Verbindung mit der so realitätsfremden, aber weltnahen Geschichte zu einem unvergesslichen Erlebnis.
0Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. September 2002
Die Geschichte spielt in den Jahren 1930-1950 und erzählt das Leben von Oskar Matzerath. Dieser beschloss, im Alter von drei Jahren nicht mehr zu wachsen. An seinem dritten Geburtstag erhält Oskar die schon bei seiner Geburt versprochene Blechtrommel von seinen Eltern. Allen ist bewusst, dass Oskar kein gewöhnliches Kind ist, denn er besitzt unter anderem eine Stimme, die Glas zum Zerbrechen bringen kann. Oskar freundet sich im Laufe seines Lebens mit vielen skurrilen Persönlichkeiten an, mit denen er immer wieder neue Abenteuer bestreitet. Als Oskar noch jung ist stirbt seine Mutter, an deren Tod er indirekt mitschuldig ist. Oskar erlebt die Übernahme Danzigs durch die Nazis. Er verteidigt mit seinem vermeintlichen Vater die polnische Post, scheitert aber an der Übermacht der Nazis. Oskar ist an dem Tod seines mutmaßlichen Vaters mitschuldig. Er spielt im 2.Weltkrieg in einem Fronttheater in Frankreich mit. Als er dann auch noch den Tod seines zweiten mutmaßlichen Erzeugers verantworten muss, trennt er sich von seiner Trommel und beschließt, wieder zu wachsen. Nach dem Krieg reist Oskar noch mal an die französische Atlantikküste und lässt seine Erlebnisse Revue passieren. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird Oskar in eine Pflege- und Heilanstalt eingewiesen.
Günter Grass hat seinen Roman „Die Blechtrommel" in drei Bücher aufgeteilt. Das erste Buch berichtet von der Zeit vor dem 2.Weltkrieg, in dem zweiten Buch über die Zeit während des 2. Weltkrieges und im dritten Buch dann schließlich über die Zeit nach dem 2. Weltkrieg in Westdeutschland. Der erste Hinweis findet sich in dem Kapitel „Falter und Glühbirne", wo geschrieben steht: „Der Krieg (hiermit ist der 1. Weltkrieg gemeint) hatte sich verausgabt. Man bastelte, Anlass zu ferneren Kriegen gebend, Friedensverträge". „Das Gebiet ... (um Danzig) ... wurde zum Freien Staat erklärt und dem Völkerbund unterstellt" (S.47/48). Immer wieder weisen gewisse Aktionen von Personen in dem Roman auf geschichtliche Hintergründe hin. So heißt es in Bezug auf Stalingrad, dass Oskar sich „aber weniger um die sechste Armee...", als, „vielmehr um Maria(s)..." Grippe sorgte (S.416). Das Ende Rommels Afrikakorps wird mit dem Ende von Kurtchens Keuchhusten verglichen. Aber nicht nur weltgeschichtliche Ereignisse hat Günter Grass in seinem Roman eingebaut. Es gibt auch viele Parallelen zwischen dem Buch und der Biographie von Günter Grass. Die eindeutigste Parallele ist, dass der Roman hauptsächlich in der Geburtsstadt von Günter Grass spielt. Die Blechtrommel, die Oskar im Roman bei sich hat, dient als Zeichen der Auflehnung gegenüber den Erwachsenen. Hauptsächlich handelt dieses Buch von der Übernahme Polens durch die Deutschen.
„Die Blechtrommel" ist ein sehr eigenwilliger Roman, der eigenen Mechanismen unterliegt. Obwohl Günter Grass in seinem Roman die Zeitstränge Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kunstvoll verwebt, ist seine schwer lesbare Sprachwahl kein Genuss für den Leser. Erst nachdem ich die Verfilmung der „Blechtrommel" gesehen hatte wurde mir klar, worum es in diesem Buch geht. Dieses Buch ist für den gebildeten Leser verwirklicht worden, da die teilweise eine halbe Seite langen Sätze nicht einfach zu verstehen sind. Wenn man einen Satz zu Ende gelesen hat weiß man meistens gar nicht mehr, worum es am Anfang des Satzes ging. Während des Lesens war ich immer wieder begeistert, auf welche originellen Ideen Günter Grass gekommen ist. Die Anspielungen auf Nazideutschland habe ich kaum wahrgenommen. Erst im Film und in der Sekundär-Literatur wurde mir bewusst, wie viele Hinweise über den zeitgeschichtlichen Hintergrund, in dem Roman, zu finden sind. An manchen Stellen wirkt das Buch meiner Meinung nach unnötig übertrieben pervers. Mit diesem Buch wird der Ernst der Vergangenheit verdeutlicht. Die vielen versteckten geschichtlichen Hinweise sind informativ in eine spannende Geschichte eingebunden, wobei einige Kapitel zu langatmig sind. Günter Grass beherrscht es, um einen Punkt stundenlang herumzureden. Das mag vielleicht zu seinem Schreibstil gehören, aber für den Leser ist das keineswegs angenehm. Durch diese langen Sätze wurde der Geschichte die gesamte Spannung entrissen. Ich hatte mir mehr von diesem Buch erwartet. „Die Blechtrommel" ist kein Buch, dass man an einem Wochenende durchliest. Man muss schon einen längeren Zeitraum einplanen. Das hängt aber nicht nur mit der Länge des Romans zusammen, sondern auch mit dem hohen Anspruch, den das Buch an den Leser stellt. Günter Grass hat es mit diesem Werk geschafft, eine Geschichte aus der Sicht von verschiedenen Personen (z.B. als Oskars Pfleger für Oskar schreibt S.552-564) über die Vergangenheit und die Gegenwart zu verfassen. Ich kann nachvollziehen, warum dieser Roman den Literatur Nobelpreis erhalten hat. Rundum ist „Die Blechtrommel" ein gelungenes Buch, dass aber nur für erwachsene und gebildete Leser geeignet ist.
0Kommentar| 15 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

8,50 €
13,90 €