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Die Arbeit der Nacht: Roman Taschenbuch – 1. Oktober 2008

3.2 von 5 Sternen 119 Kundenrezensionen

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Die Grundidee ist ungewöhnlich, aber nicht neu. Ließ doch Herbert Rosendorfer bereits 1976 in Großes Solo für Anton seinen Helden in einer menschenentleerten Welt aufwachen. Thomas Glavinic bedankt sich auf seine Weise: Rosendorfer ist der einzige Schriftsteller, der in Die Arbeit der Nacht Erwähnung findet. Obwohl sie sehr ähnlich beginnen, haben die zwei Romane allerdings kaum etwas gemeinsam. Während Rosendorfer ins Lustige und Groteske zielt, präsentiert uns Glavinic einen existentialistischen Psychotrip mit Gruselfaktor: Was passiert mit dem Ich, wenn es gnadenlos auf sich selbst zurückgeworfen wird?

Glavinics Robinson in der Großstadt heißt Jonas und verträgt das Alleinsein gar nicht gut. Statt das menschenleere Wien und das übrige Europa als seinen persönlichen Abenteuerspielplatz zu betrachten, entwickelt er in kürzester Zeit paranoide Züge, traut sich nicht mehr ohne Waffe aus seiner Wohnung und sieht hinter jeder Ecke die Gefahr lauern. Überall stellt er Videokameras auf, filmt leere Straßenkreuzungen und auch sich selbst beim Schlafen. Tatsächlich häufen sich unerklärliche Ereignisse, und Jonas verbringt Stunden mit dem Kontrollieren der Aufnahmen. Auch den Leser ergreifen beklemmende Gefühle, die Bedrohlichkeit und Unheimlichkeit dieser leeren Welt werden nicht nur für den einsamen Helden immer spürbarer. Das beherrscht Glavinic sehr gut. Am Ende allerdings wartet man vergebens darauf, dass sich die Spannung auflöst und wenigstens ein paar Fragen beantwortet werden. An den Nerven des Lesers zerren im Lauf der fast 400 Seiten aber leider auch die Monotonie der Hand!lung und die sich im Kreis drehenden banalen Gedanken des Protagonisten.

Natürlich ist es verlockend für einen Autor, sich ein so extremes Szenarium auszudenken. Glavinic macht es sich aber zu einfach und missachtet teilweise die innere Logik seines Entwurfs. Wenn wirklich alle Menschen über Nacht und auf einen Schlag verschwunden sind, warum sind dann alle Fahrzeuge sauber eingeparkt und stehen nicht etliche auf den Straßen und Autobahnen herum? Warum sind manche Geschäfte, Lokale und Büros unverschlossen und andere nicht? Und warum bloß funktionieren auch Wochen nach dem Ereignis ausgerechnet Telefon- und Stromnetz immer noch?

Trotz einiger Schwächen durchaus ein lesenswerter Roman, aber ganz sicher nicht das grandiose Meisterwerk, als das er in manchen Feuilletons gefeiert wird. Da würde ich dann doch lieber auf den guten alten Arno Schmidt zurückgreifen, der ein sehr ähnliches Thema -- der letzte Überlebende eines Atomkrieges irrt durch ein menschenleeres Norddeutschland -- in Schwarze Spiegel tatsächlich meisterlich in Sprache gefasst hat. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Ein wundersam großes Buch, ein Roman über das Selbst und die anderen, über Angst und Mut, über die Brüchigkeit jenes Alltags, der uns so fest zu umschließen scheint, und über die unsichere Grenze zwischen Wachheit und Traum - Thomas Glavinics Meisterstück." Daniel Kehlmann, Der Spiegel, 31.07.06

"Dieser Schriftsteller ist bisher deutlich unterschätzt worden. Zeit, das mit dem fünften Roman endlich zu ändern." Kolja Mensing, Die Tageszeitung, 12.08.06

"'Die Arbeit der Nacht' reiht sich ein in die grosse Tradition österreichischer surrealer Endzeit-Literatur - von Kafka über Kubin und Lebert bis Ransmayr. ... Es ist die hohe Schule der Literatur, mit der Thomas Glavinic Liebe und Leere auf paradoxe Art zu paaren weiss. Sein Roman bleibt am Ende weder dem Helden noch dem Leser den Trost schuldig, 'Teil von etwas Grossem geworden zu sein'." Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 15.08.06

"Mehr als ein Roman: ein Kunststück im artistischen Sinne. ... Erzähler erzählen Geschichten, Erzähler von Rang wie Thomas Glavinic erschaffen Welten, in denen wir uns verlieren. Und ausnahmsweise ist das Unbehagen während der Lektüre ein Qualitätsmerkmal." Ulrich Weinzierl, Die Welt, 26.08.06

"Ein kühner, ein grandioser Wurf." Daniela Strigl, Der Standard, 06.08.06

"Ein großartiges Buch, düster und melancholisch. Und spannend bis zur letzten Zeile." Jutta Duhm-Heitzmann, NDR Kultur, 18.08.06

"Ein erstaunliches Experiment. 400 Seiten Roman und nur ein Mensch ... Kein Romanstoff könnte langweiliger und ermüdender sein. Glavinic macht daraus ein wahnsinnig poetisches und spannendes Werk." Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.09.06
"Ein so eindringlicher Roman über die Einsamkeit, den Wahnsinn, die Nacht und das Schweigen der Dinge, dass man selbst als ja eigentlich kühl lesender, mit Bleistift bewaffneter Rezensent mehrere Nächte hintereinander lieber mit Licht einschläft ..." Axel Rühle, Süddeutsche Zeitung, 06.09.06

"Thomas Glavinic hat ein grässlich gutes Buch geschrieben. Wären da nicht seine Ängste vor dem Dunkeln, vor der Einsamkeit, es wäre niemals ein so verstörend schönes Buch wie sein neues Werk 'Die Arbeit der Nacht' entstanden." Nina Berendonk, Süddeutsche Zeitung, 19.09.06

"Der Einfall hört sich etwas großmäulig und menschheitsparabelartig an, ist aber genial. Thomas Glavinic hat den Kinderglücksalbtraum beim Wort genommen und seinen Helden Jonas über einen langen, sehr beeindruckenden Roman über mutterseelenallein gelassen. Ein ungeheures Wagnis. Das sich auszahlt." Iris Radisch, Die Zeit, 28.09.06

"Gelingende Literatur rührt immer an das Geheimnis der Sprache, befragt im Erzählen die Sprache: was sie kann, was sie eröffnet oder verfehlt. Das ist ihr spekulativer Schatz, den Thomas Glavinic in seinem Roman zu bergen sucht. ... In Zeiten der realitätsverfallenen Bücher mit ihren Hinterwelten kann mit dieser literarischen Metaphysik in 'Die Arbeit der Nacht' jeder glücklich werden, der weiß: Nur in der Sprache gibt es etwas zu gewinnen." Christian Döring, Der Tagesspiegel, 15.10.06 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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