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Die Angstmacher: 1968 und die Neuen Rechten Taschenbuch – 18. August 2017
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Mit dem Aufkommen der AfD droht die Neue Rechte breite bürgerliche Schichten zu erfassen. Wer sind ihre Ideengeber, und worin haben sie ihre Wurzeln? Thomas Wagner stellt erstmalig heraus, wie wichtig »1968« für das rechte Lager war, weil es einen Bruch in der Geschichte des radikalrechten politischen Spektrums markiert, der bis heute nachwirkt. Das zeigen unter anderem die Gespräche, die Wagner mit den Protagonisten und Beobachtern der Szene geführt hat, darunter Götz Kubitschek, Ellen Kositza, Martin Sellner, der inzwischen verstorbene Henning Eichberg, Alain de Benoist, Falk Richter und Frank Böckelmann. Wagners Buch liefert eine spannende Übersicht über die Kräfte und Strömungen der Neuen Rechten und ihre Ursprünge.
„Nur wer begreift, wie die Akteure wirklich denken, ist in der Lage, angemessen auf ihre Provokationen zu reagieren. Fest steht: »1968« ist nicht nur die Geburtsstunde einer neuen Linken jenseits der Sozialdemokratie, sondern auch die einer Neuen Rechten. Dieses Buch erzählt, wie es dazu gekommen ist.“ (aus der Einleitung)
- Seitenzahl der Print-Ausgabe352 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberAufbau Verlag
- Erscheinungstermin18. August 2017
- Abmessungen12.5 x 2.9 x 21.5 cm
- ISBN-109783351036867
- ISBN-13978-3351036867
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Produktbeschreibungen
Pressestimmen
» Mit seiner Doppelperspektive auf den linken und rechten Zeitgeist ist Wagners Buch der Lesestoff der Stunde. « (Die WELT 2017-08-12)
» Der Soziologe Thomas Wagner hat ein herausragendes Buch geschrieben « (DIE ZEIT 2017-08-03)
» Wagner gelingt es, den tonangebenden Antihumanismus der neuen Rechten überzeugend darzustellen. « (Das Magazin 2018-03-18)
» Wagners Buch ist der Versuch zu entlarven, was die Neue Rechte wirklich denkt und bewegt, um ihr angemessen begegnen zu können. « (Glaube & Heimat. Mitteldeutsche Kirchenzeitung 2018-03-08)
»Wagner ergründet in seinem Buch »Die Angstmacher« , wie sehr die Neue
Rechte von der Neuen Linken aus der Zeit der außerparlamentarischen Opposition
der 1960er Jahre beeinflusst wurde.« (Neues Deutschland 2017-11-18)
» Was Wagner in seiner Recherche gelingt, ist eine aufschlussreiche Skizze der neurechten Impulse und Gedanken, denn er verhört nicht, sondern hört zu, und tatsächlich werden Strukturähnlichkeiten erkennbar. « (Der Tagesspiegel 2017-10-25)
» Bei Wagner gefällt die unvoreingenommene Gelassenheit, die jeglicher volkspädagogischen Attitüde widerstreitet und kein Verständnis für die Intoleranz aufbringt « (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017-10-10)
»Wagner verzichtet darauf, seine Protagonisten einzuordnen, er lässt sie sprechen. Das ist ebenso mutig wie problematisch« (Der SPIEGEL 2017-10-05)
» Seine Beobachtungen, Analysen und Interviews sind deshalb so erhellend, weil er sich für das Weltbild seiner Gesprächspartner - auch wenn er es ablehnt - interessiert. « (Der Tagesspiegel 2017-09-23)
»Thomas Wagner spricht mit ihnen nicht im üblichen Gestus des extremismusforschenden Entlarvers sondern als neugieriger Diskutant. Das ist zweifellos der Reiz dieses ungewöhnlichen Buches. « (DIE ZEIT 2017-08-17)
»Wagners Buch unterscheidet sich von den anderen Publikationen in zweierlei Hinsicht: Erstens spricht er mit den Akteuren, und Wagner weiß zu fragen« (der Freitag 2017-08-17)
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Produktinformation
- ASIN : 3351036868
- Herausgeber : Aufbau Verlag; 2. Edition (18. August 2017)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 352 Seiten
- ISBN-10 : 9783351036867
- ISBN-13 : 978-3351036867
- Abmessungen : 12.5 x 2.9 x 21.5 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 386,378 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 91 in Studentenbewegung '68 (Bücher)
- Nr. 611 in Faschismus (Bücher)
- Nr. 2,053 in Politische Ideologien
- Kundenrezensionen:
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Das Buch beginnt mit einer Einleitung (S. 13–28), die zunächst eine Kernbotschaft Wagners nahebringt: Rechte (in dem geschilderten Fall aus dem Jahr 2015 AfD-Anhänger) bedienen sich mittlerweile eher der provokanten Aktionsformen der gewaltfreien Linken, worauf die altbackene ‚Antifa‘ mit Gewaltbereitschaft antwortet (s. dazu S. 150f., 208–211). Es folgt eine Darstellung der 68er-Bewegung mit erheblichen Zugeständnissen an deren Selbstbild, aber zusätzlich – und das ist eigentlich interessant – mit Informationen über konservative Reaktionen von damals. Diese hätten, so Wagner, Gegenströmungen erzeugt, die sich erst in jüngerer Zeit klarer zeigen würden: „Ein halbes Jahrhundert später wird deutlich, dass 1968 auch für das konservative Lager einen Bruch bedeutete, der bis heute nachwirkt“ (S. 24). Die „zivilgesellschaftliche Um- oder Neugründung der Bundesrepublik“ (S. 21) infolge der Studentenbewegung ist oft besungen worden. Tatsächlich setzte diese allerdings schon vor 1968 ein. Das hat der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter herausgearbeitet, das geht indirekt aus Wagners späteren Ausführungen hervor. Den Kapitalismus konnten oder wollten die Revoluzzer indessen nicht ‚versenken‘, vielmehr arrangierten sie sich mit ihm. Als hedonistisch-kulturromantische Spätlinge dieses Arrangements mit ökologischer Schminke darf man dann wohl die Grünen betrachten (vgl. S. 87, 221). Jedenfalls liefert Wagner eine historisch-genetische Erklärung für die Veränderungen des rechten Milieus, die die veränderten Aktionsmuster verständlich macht: „Ohne Kenntnis dieses widersprüchlichen Verhältnisses der Rechten zur Studentenbewegung und ihren gesellschaftlichen Folgen lässt sich das Denken und das Handeln der heute … wirkenden Vertreter der Neuen Rechten nicht adäquat verstehen“ (S. 28). Schon hier spürt man: Wagner hat ein echtes Forschungsinteresse, ohne „rechte Intellektuelle vom Diskurs auszuschließen“ (S. 27, vgl. S. 94) – keine Selbstverständlichkeit, wie sich unlängst wieder auf der Frankfurter Buchmesse zeigte. Diskursverweigerung unter zumutbaren Bedingungen ist hochgradig schwächeverdächtig, und zwar grundsätzlich (vgl. S. 267–272, 276). Typisch rechts-subversiv dürfte ein Stör-Auftritt auf einer Lesung des Literaten Günther Grass 2008 in Hamburg gewesen sein; eine gewisse Originalität ist dieser Aktion nicht abzusprechen (S. 128–131).
Entstanden sind nun mehrere authentisch wirkende Porträts oder doch Skizzen ehemals linker Aktivisten, die irgendwann aus PC-Sicht den ‚wrong turn‘ vollzogen haben, „falsch abgebogen“ (S. 268) sind, z.B. Frank Böckelmann (S. 178–189) oder Bernd Rabehl (S. 147–150, 152). Man bekommt den Eindruck, dass es innerhalb des rechten Spektrums sehr viele Facetten gibt und dass der Nationalsozialismus als normatives Vorbild schon lange nicht mehr im Mittelpunkt steht. Man könnte auch sagen: Das holzschnittartige Bild, das die vulgäre Linke und die in deren Fahrwasser treibende Mainstreampresse von dieser Szene entwerfen, ist zwar nicht ganz falsch, verfehlt aber doch Wesentliches. Das ist bemerkenswert, weil es sich in „Die Angstmacher“ nicht um reine Selbstdarstellungen von Personen mit rechter Gesinnung handelt, sondern um journalistisch aufbereitetes Material, das mit den Betroffenen abgestimmt worden sein dürfte.
Nach der Einleitung kommt zunächst ein Porträt des Sozialphilosophen Arnold Gehlen als Beispiel für einen resignativen Konservativen der Nachkriegszeit (S. 29–36). Dessen Anthropologie wird zwar zurechtgestutzt, doch reduziert Wagner Gehlen keineswegs auf seine Rolle im Dritten Reich. Als Kontrast dient die Schilderung einer deutsch-deutschen Episode aus der Zeit der Entspannungspolitik (1970), in der die Neue Rechte ihren ersten großen Auftritt in der Öffentlichkeit hatte (S. 37–41). Sehr zentral ist die Erkenntnis, dass die Neue Rechte nach 1968 durchaus antiimperialistische Züge „gegen die Herrschaft der beiden Weltmächte USA und Sowjetunion“ (S. 77) annehmen konnte. Und: „Man gab sich national, zugleich jedoch strikt antinazistisch, gewaltfrei und demokratisch“ (ebd., über die Nationalrevolutionäre). Eine aktuelle Spielart ist eine Kritik an Globalisierung und Neoliberalismus, die, wie auch von linker Seite versichert wird, keineswegs als „soziale Demagogie“ (S. 259) zu verstehen ist (vgl. S. 291–293). Beachtenswert sind auch die Ausführungen bzw. das Gespräch über Konzept und Begriff des Ethnopluralismus, der heute leider zum ordinären Schlagwort verkommen ist (S. 76–83). Es ist nur konsequent, wenn Wagner längere Passagen den korporativen und publizistischen Erscheinungsformen der Neuen Rechten widmet, z.B. der AfD (S. 169–177, 253), der Pegida-Bewegung (S. 177–180) und der Identitären Bewegung (S. 212–231, im Austausch mit Martin Sellner, PC-näher der Nachklapp S. 276–281), der Zeitschrift „Junge Freiheit“ (S. 95–103). Da sich Herrschaftsverhältnisse immer auch soziolinguistisch festmachen lassen, handelt Wagner ebenfalls folgerichtig, wenn er die derzeitigen offiziellen Sprachregelungen und ihre Bedeutung für die Selbst- und Fremdwahrnehmung zumindest anschneidet. Die Bezeichnung „höfische Sprache“ (S. 293) ist dafür allerdings zu harmlos: Es handelt sich nicht bloß um einen Abgrenzungssoziolekt bevorzugter Stände, sondern um einen Sprachtotalitarismus, der sich schleichend in allen Bereichen des öffentlichen Lebens ausbreitet. Er spiegelt das Gegenteil dessen wider, was eine „weltoffene Gesellschaft“ (S. 296) auszeichnet, und trägt für „lebensweltliche Probleme“ (S. 247) wenig aus. Dass diese Form verbal-elitärer Selbstbespiegelung (z.B. der Genderjargon) Gegenreaktionen hervorruft, und das nicht nur bei den vermeintlich Verblendeten, ist normal. Das wird über kurz oder lang wieder zu neuen Transformationen führen: Die Kulturevolution mit ihren wechselnden Gruppenbildungen verläuft niemals stur an der Leine, die die jeweils Einflussreichen gerade ausspannen: „Kulturelle Systeme besitzen eine evolutionäre Offenheit, die sich Programmen der normativen Festschreibung immer wieder entzieht“ (Rolf-Peter Sieferle, Epochenwechsel. Die Deutschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Berlin 2017, S. 323).
Wagners Beschreibungen und Schilderungen, die ja letztlich an einer anschaulichen Entwicklung die verschlungene Dynamik von Geschichtsabläufen freilegen, verschaffen echte Anregungen, ja Einsichten. Sie sind geprägt von der keinesfalls naiven Bereitschaft, die Lebens- und Gedankenwelt der ‚Anderen‘ (im Antifa-Jargon: der Neofaschisten) ein Stück weit an sich heranzulassen. Gegenbeispiele gibt es in den dem linksalternativen Milieu gewogenen Massenmedien zur Genüge, z.B. das jüngste Spiegel-Interview mit Joschka Fischer im „Spiegel“ (‚Jamaika ist eine Notwendigkeit‘, Nr. 43, 2017, S. 34–37). Das hölzern wirkende Ritual-Gespräch kulminierte einmal wieder, bei einigen banalen Richtigkeiten, im Schwingen der Nazi-Keule ohne analytische Tiefe (vgl. auch Wagner, S. 261–265). Das Fazit, das sich aus der Lektüre von Wagners Buch ziehen lässt ist, lautet: Aktuelle Erscheinungsformen des Rechtspopulismus haben ihre eigene Geschichte, die nicht mit Nazi-Schablonen und soziologischen Klischees abgehandelt werden kann (bezeichnend Karl-Siegbert Rehberg über Pegida-Anhänger: „Bodensatz der Gesellschaft“, S. 194). Diese Geschichte legt strukturelle Mängel (Stichwort: Parteienherrschaft, S. 177) und Reibungen innerhalb einer durch Massen-Einwanderung zunehmend multikulturellen und -ethnischen Gesellschaft frei. Deren privilegierte Führungsschicht einschließlich der Mehrheit der Kulturschaffenden gefällt sich in geistig-moralischer Scheinüberlegenheit und betrachtet das Staatsvolk hauptsächlich als „Verfügungsmasse für abstrakte Postulate“ (Böckelmann bei Wagner, S. 189), deren Umsetzung – hierhin gehört auch der blauäugig-mechanistische Terminus des ‚Umbaus‘ einer Gesellschaft – unkalkulierbare Folgen zeitigt. Dieser „tote Winkel der Wahrnehmung“ (S. 185) gerät zunehmend, nicht zuletzt auch durch Veröffentlichungen wie Egon Flaigs „Die Niederlage der politischen Vernunft“, in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit. Wagner beschreibt bzw. schildert diese Entwicklungen, die ja eigentlich für eine Demokratie selbstverständlich sein sollten, hält sich aber mit persönlichen Stellungnahmen eher zurück, oder er bettet sie in eine dialogische Struktur ein, um sie damit in einen Resonanzraum zu stellen, z.B. S. 256–261, 292f.). Meint Wagner, auf Ideologeme zu stoßen, so folgen diese Mustern, die auch in anderen Weltanschauungen zu finden sind, z. B. „die Konstruktion eines tragfähigen politischen Mythos“ über ein „Feindbild“ usw. (S. 228, s. auch S. 206).
Die Feststellung Kubitscheks, die Diskursverweigerung von Teilen des politisch-medialen Komplexes gegenüber der Neuen Rechten entspringe einer Furcht vor „Machtverlust“ bzw. der fehlenden Bereitschaft, „Macht zu teilen“ (S. 266), ist an sich trivial: Dieses Verhaltensmuster setzt immer dann ein, wenn ein Establishment Gefahr läuft, die erfahrbare gesellschaftliche Wirklichkeit nicht mehr angemessen interpretieren bzw. gestalten zu können und in selbstreferenziellen Abschottungsroutinen erstarrt (vgl. S. 296–298). Leider kann man sich eben diesem Eindruck derzeit schwer entziehen. Langatmige Ausführungen über auf die Bühne gebrachte Identitätsprobleme in antitraditionalistischer wie antineoliberaler Stoßrichtung können mir mein Unbehagen nicht nehmen (S. 281–286). Sie bleiben letztlich doch dem westlichen Fortschrittsmodell verhaftet und wirken abgehoben: Auf die vermeintlich „Abgehängten“ (S. 285) blicken Wagner und sein Dialogpartner Falk Richter herab, und „in eine heile Welt …, die es angeblich einmal gegeben haben soll“ (S. 283) flüchten nicht nur völkische, sondern auch religiös-fundamentalistische, multikulturalistische und antikolonialistische Romantiker (s.o. und Flaig, Die Niederlage der politischen Vernunft, S. 126–137)! So wirkt denn auch das, was Wagner von seiner wohl letzten Begegnung mit Eichberg erzählt, nett, heimelig und politisch ‚richtig‘ formuliert, gibt aber keine verallgemeinerbare Antwort auf die Integrationsproblematik (S. 287–291). Den Schlussakkord bildet vor dem Hintergrund der ‚Neoliberalisierung‘ der klassischen Sozialdemokratie ein Austausch mit dem Journalisten Christian Baron und dem Dramaturgen Bernd Stegemann über frühere Fehler und notwendige Korrekturen der Linken im Umgang mit der liberal-bürgerlichen Mitte wie dem Rechtspopulismus. So soll der Eindruck entstehen, dass „die Linke … tatsächlich über die besseren Mittel zur Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit verfügt“ und, sofern sie sich dabei einer verständlichen Sprache bediene, „in der Auseinandersetzung mit einem Götz Kubitschek oder einem Marc Jongen wenig zu fürchten“ habe (S. 297). Dabei denken die drei klugen Herren aber vorrangig an wirtschaftliche Aspekte, weniger an ethnische oder kulturelle. Außerdem ist die Vorstellung, „gesellschaftlich erzeugten Reichtum von oben nach unten zu verteilen“ (S. 296), gegenwärtig problematischer denn je, weil die Wertschöpfungsketten in vielen Produktionszweigen internationalisiert sind. Trotzdem dürfte der Ansatz richtig sein, ist aber auf kultursoziologischer Ebene ergänzungsbedürftig. Da die Einflussmöglichkeiten zielgerichteten Handelns in einer vielschichtigen Gesellschaft begrenzt sind (s.o.), ist ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit erforderlich, um umkämpfte Deutungsfelder zu behaupten oder zu erobern.
Einige weitere Schwächen von Wagners Werk mögen noch Erwähnung finden: Wagner verfällt gelegentlich in die Unsitte seiner Zunft, Personen dadurch verächtlich zu machen, dass er eine Einzelaussage zusammenhanglos zitiert (z.B. S. 127 von Michael Klonovsky und S. 154 von Thilo Sarrazin), um bei einem entsprechend vorgeeichten Publikum bestimmte Reaktionen zu erzeugen – der sattsam bekannte Assoziationsjournalismus, der ständig auf den nächsten antisemitischen Ausrutscher irgendwelcher Prominenter lauert. Dergleichen führt auf höchster Erfolgsstufe zu einem Eklat, aus dem viel medialer Wirbel, aber kein Erkenntnisgewinn erwächst. Skandalisierung kann sogar ein verkaufsfördernder Faktor sein, wie die PC-gemäße Ächtung von Publikationsorganen oder Einzelveröffentlichungen zeigt (S. 187). Das linke Standardvokabular zur Wahrung der ideologischen Lufthoheit (s.o.) wie „Fremdenfeindlichkeit“ (S. 187f.), „vermeintliche Islamisierung Europas“ (S. 176) bzw. „vermeintlich drohende Islamisierung Europas“ (S. 292), „rassistisch“ (S. 286, in welchem Sinne bitte?) usw. begegnet zum Glück nur in dünner Streuung. Ganz frei ist Wagner vom Druck der PC also nicht, ganz hat Wagner „die zum Teil abgenutzte und phrasenhaft gewordene Sprache der Linken“ (S. 181) nicht abstreifen können. Aus den oben genannten Gründen ist Wagners Buch dennoch unbedingt zu empfehlen: Es unterscheidet sich von der antifaschistischen Trivialliteratur, die sich darauf beschränkt, „Netzwerke aufzudecken oder nachzuweisen, dass Autoren wie Ernst Jünger, Martin Heidegger, Carl Schmitt oder Arnold Gehlen zu ihren [der Neuen Rechten] Vorbildern zählen“ (S. 298). Der Anhang mit Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Personenregister ist sorgfältig gestaltet. Und noch etwas ganz am Ende: Außer in Zitaten fehlt der Gendersprech mit seinen unaussprechlichen Sonderzeichen, das tut gut beim Lesen (vgl. S. 272f.).
Übersichtlich und durchdacht eingeteilt in 21 Hauptkapitel und weitere Unterkapitel auf 300 Seiten plus Quellenangaben, Literaturverzeichnis und Personenregister (insgesamt 351 Seiten) spannt der Autor den Bogen von 1968 bis in die Gegenwart. Dabei begegnet er seinen Gesprächspartnern mit Respekt, Höflichkeit und ist bestens vorbereitet - das merken jene und sind angenehm berührt. So ergeben sich äußerst interessante und informative Gespräche, auch ich als "Rechter" konnte hier noch so einiges lernen. Natürlich fällt der Autor dann und wann in die typisch linken Erklärungsmuster zurück, alle Problemstellungen nur über die "Soziale Frage" zu definieren, aber so sind sie eben, die Linken. Doch Wagner macht sich die Mühe und beschäftigt sich ernsthaft mit den rechten Gegenargumenten und kommt nicht umhin, selbigen durchaus intellektuelle Tiefe und Sinnhaftigkeit zu konzedieren. Besonderes gefiel mir das Interview mit KuK, Kubitschek und Kositza, deren Eigenironie ist immer wieder klasse. Schade, dass "Junge Freiheit"-Chef Dieter Stein alle Interviewanfragen ablehnte, ich denke, jetzt tut es ihm vielleicht leid. Ob Alain de Benoist, Frank Böckelmann oder der Kopf der hiesigen "Identitären", Martin Sellner, Thomas Wagner führt mit jedem ruhige und klare Gespräche, wobei Wagner laut eigener Aussage durchaus beeindruckt von deren Wissen über linke Theorien ist.
Das Buch liest sich angenehm und flüssig, es ist für "jedermann" geeignet, womit sich Wagner, bewusst oder unbewusst, eine zentrale Forderung von Rainald Goetz, die auch in "Die Angstmacher" zu lesen ist, zu eigen macht: "Und hatte Goetz nicht recht, wenn er gegen die häufig verschraubten linken Diskurse eine 'Höflichkeit von Texten' einforderte, 'die in der Bemühung liegt, sich möglichst gut verständlich zu machen; die Zutrittshürden für Diskursbeteiligung möglichst niedrig zu halten'?
Nun, dies ist Wagner hervorragend gelungen. Ich wünsche diesem Buch weite Verbreitung und danke dem Autor für seine wichtige Arbeit. Zum Titel noch eine kurze Anmerkung - der ist halt reißerisch um Bücher verkaufen zu können, so läuft das eben. Für mich hätte "Die ANDERSmacher" gut gepasst, denn wir haben es hier schlicht und ergreifend mit einem anderen Blick auf die Welt und ihre Probleme zu tun. Die Linken haben ihre Deutungshoheit jedenfalls verloren, und das ist gut und richtig so. Ein starkes, ein wichtiges Buch! Dankeschön, Herr Wagner.
Insgesamt halte ich das Buch für einen unverzichtbaren Beitrag zur Auseinandersetzung mit den Anliegen, dem Lebensgefühl und den Theorien der Neuen Rechten.

