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Die Ameise als Tramp: Von biologischen Invasionen (Taschenbücher) Taschenbuch – 2. Dezember 2013

4.5 von 5 Sternen 8 Kundenrezensionen

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Wer kennt sie nicht, die putzigen Spatzen, die vom Cafétisch die letzten Krumen stibitzen und niemanden verwundert es, wenn dieser kleine Diebstahl in New York, in Melbourne oder in Hamburg passiert. Scheinbar selbstverständlich erscheint es uns, dass die kleinen Vögel überall auf der Welt ihr Zuhause haben. Überraschter sind wir schon, wenn wir in der Elbe die chinesische Wollhandkrabbe finden und einen kleinen Schauer jagt es uns über den Rücken, wenn wir erfahren, dass es in Frankreichs Flüssen durchaus den einen oder anderen Piranha gibt.

Diese zunächst eher amüsanten Beispiele für das Vorkommen verschiedener Lebewesen fernab ihrer eigentlichen Herkunftsorte entstammen dem überaus spannenden Forschungsbereich der Invasionsbiologie, für den das Buch Die Ameise als Tramp von Bernhard Kegel eine faszinierende Einführung bietet. Informativ und ohne fachsprachliche Überforderung zeigt der Autor die Mechanismen biologischer Invasionen auf und macht vor allem deutlich, welche Folgen diese Invasionen für Ökosysteme hatten und haben können. Auch wenn dies Buch sich manchmal spannend wie ein Kriminalroman liest, in dem man geheimnisvolle Spuren eines Eindringlings verfolgt, so wird darüber hinaus auch sehr drastisch klar, welche ökonomischen Folgen biologische Invasionen vor allem in der Landwirtschaft haben können. Die Vorstellung, dass es afrikanischen Riesenheuschrecken in den weiten Weizenfeldern des Mittleren Westens Nordamerikas besser gefallen könnte als in ihrem Stammland macht die ökonomischen Gefahren deutlich.

Insgesamt ist Kegels Buch ein sehr vergnüglich zu lesendes Werk, das geprägt ist von hohem Sachverstand und eindrücklichen Beispielen für die weiten Reisen der verschiedensten Lebewesen, die wie einige Ameisenarten als Globetrotter die Welt erobern. --Britta Petersen -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Bernhard Kegel, geboren 1953 in Berlin, studierte Chemie und Biologie an der Freien Universität Berlin, danach Forschungstätigkeit, Arbeit als ökologischer Gutachter und Lehrbeauftragter. Seit 1993 veröffentlichte Bernhard Kegel mehrere Romane und Sachbücher, bei DuMont erschienen die Sachbücher ›Epigenetik‹ (2009), ›Tiere in der Stadt‹ und ›Die Ameise als Tramp‹ (beide 2013). Bernhard Kegels Bücher wurden mit mehreren Publizistikpreisen ausgezeichnet. Er lebt als freier Autor und Wissenschaftspublizist in Berlin.


Kundenrezensionen

4.5 von 5 Sternen
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Top-Kundenrezensionen

Von Ein Kunde am 10. April 2001
Format: Taschenbuch
Bei dem Begriff Ökologie denkt so mancher an Muesli oder Biogemüse. Es handelt sich aber um einen Zweig der Biologie, der sich mit Lebensräumen, ihrer Flora und Fauna und deren gegenseitigen Abhängigkeiten befasst. Kegel beschreibt in seinem Buch, wie sich solche Lebensräume unter dem Einfluss des Menschen verändern. Ein Schwerpunkt ist die Ökologie von abgetrennten Systemen (Inseln im Meer), auf denen sich in vielen Jahrtausenden einzigartige Tiere und Pflanzen ungestört entwickeln konnten. Mit dem Auftauchen des Menschen und seiner Begleiter (Ratten, Katzen, Schlangen, Pflanzensamen) kommt das Gefüge durcheinander. Die eingeschleppten Arten vermehren sich ungehindert und verdrängen einheimische Arten. Solche Systeme verarmen ökologisch, ihre Vielfalt verringert sich. Kegel macht klar, warum solche Vorgänge auch ein Verlust für uns Menschen bedeuten. Er beschreibt aber auch Vorgänge, die sich in unseren Stadtbiotopen abspielen, nämlich das massenhafte, absichtliche Einführen von Pflanzen, die hier ursprünglich nicht heimisch waren. Viele Dutzend Baum- und Straucharten wurden importiert und schafften irgendwann den Sprung aus Gärten und Parks in die freie Natur, wo sie sich u. U. zu Plagen entwickeln können. Auch wenn solche "Neophyten" schön anzusehen sind (z.B. Robinie oder Forsythie), so finden sich auf diesen Pflanzen bedeutend weniger Insektenarten als bei einheimischen Pflanzen - auch hier tritt also eine ökologische Verarmung ein. Im letzten Teil des Buches geht der Autor ein auf einen wissenschaftlichen Ansatz, der zu erklären versucht, wie solche "invasiven" Vorgänge ablaufen und wie der Mensch gegensteuern kann. Dieses Buch kann dem interessierten Leser helfen zu begreifen, wie einzigartig schön unsere Welt ist und wie zerbrechlich und schützenswert gleichermaßen. Ein tolles Buch!
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Format: Taschenbuch
Es geht um mitreisende Reptilien und Insekten im Flugzeug, um Fischwanderungen durch den Suez-Kanal, um transkontinentale Kreuzungsexperimente anhand von afrikanischen Bienenschwärmen in Nordamerika, um die Folgen von "Turtle"-Serien im Fernsehen für die Verbreitung von Schildkröten, um die Umgestalung der Flora und Fauna Neuseelands durch europäische Arten und umgekehrt und natürlich auch immer wieder um ausgestorbene und bedrohte Tierarten. Vor allem untersucht der Autor die spannende Frage "Was ist eigentlich (noch) einheimische Flora und Fauna ?" Aufgrund der erstaunlichen Anpassungsfähigkeiten der Arten geht die Tendenz auch hier zur Globalisierung mittels Invasion. Für Biologen ist das Ganze wohl zu populärwissenschaftlich, für neugierige Leser sehr abwechslungsreich. Immer wenn man das Buch wieder zum Weiterlesen zur Hand nimmt, kann man sich darauf verlassen, wieder in ein völlig neues Gebiet eingewiesen zu werden. Zur Veranschaulichung sind an den Rand der Seiten aktuelle Zeitungsmeldungen (z.B. über Piranhas in französischen Gewässern) eingefügt. Das wirkt etwas zu überladen, stört aber auch nicht weiter.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
ich habe "epigenetik" von Bernhard Kegel verschlungen und daher auch zu diesem Buch (Kindle Edition) gegriffen.
Leider ist hier wahrscheinlich mit heißer Feder gestrickt worden, so dass oftmals nicht klar ist, worauf der Autor eigentlich hinaus will, bzw. man erkennt den Wald (die Botschaft) vor lauter (Beispiel-)Bäumen nicht.
Zum Inhalt:
Es wird sehr deutlich gemacht, dass invasive Species oftmals unbeabsichtigt oder aus hedonistischen Motiven oder aus Unbedacht eingeführt wurden und werden. Wenn ich alles richtig verstanden habe, sorgt der unumkehrbar immere globalere Personen- und Warenverkehr dazu, dass endemische Lebensgemeinschaften höchstens hinter Stacheldraht und unter Einsatz von martialischen Methoden überleben können. Schlag auf Schlag kommen die Beispiele, in jedem neuen Kasten lauert ein weiterer Anschlag auf die geballte Ignoranz von einem naiven Naturromantiker, der ich war, bevor ich dieses Buch gelesen habe.
Es bleibt leider im Wesentlichen auch bei dieser Aufzählung. Vermisst habe ich außerdem eine vertiefende Darstellung der Vorteile der Erhaltung der endemischen Lebensgemeinschaften. Herr Kegel bleibt hier sehr unparteiisch. Da hätte ich mir gewünscht, dass das Buch etwas mehr z.B. auf den Verlust besonderer Stoffwechselleistungen eingeht und auf bereits erhaltene Einsichten in evolutionsbiologische Vorgänge anhand der Invasionshistorie.
Es mag sein, dass Lösungsvorschläge natürlich Mangelware sind, einiges Interessantes wird angesprochen. Völlig unverständlich aber: Zum Ende fällt dem Autor als Lösungsvorschlag plötzlich ein, auf der Gentechnik herumzutrommeln.
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Von Sven HALL OF FAME REZENSENTTOP 100 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 26. Mai 2013
Format: Taschenbuch
Haben sie sich schon einmal gefragt, warum die Marienkäfer in ihrem Garten nicht nur sieben Punkte haben? Der europäische Glücksbringer hat Konkurrenz aus Asien bekommen, die sogar zu seiner Ausrottung führen kann, da der Räuber sich beim Fraß von Eiern und Larven seines Konkurrenten mit tödlichen Sporen infiziert.

Solche biologischen Invasionen geschehen seit Hunderten, ja sogar Tausenden von Jahren, allerdings hat beabsichtigtes oder unbeabsichtigtes menschliches Wirken diesen Invasionen einen ordentlichen Schub gegeben.

Die biologischen Invasionen sind zahlreich, aber in den Medien wird i.d.R. nur über die Spitze des Eisberges berichtet, insbesondere wenn sich blutrünstige Schlagzeilen über „Killeralgen“ oder „Killerbienen“ texten lassen.

Bernhard Kegel berichtet hingegen auf einem wissenschaftlichen anspruchsvollen Niveau, bleibt aber für den Biologie-Laien absolut lesbar, ja sogar durchaus unterhaltsam.

Sehr gut gefällt mir der nüchterne Stil, der erhobene Zeigefinger wird ebenso vermieden wie rückblickende Schlaumeierei, wenn man Ereignisse von vor hundert Jahren aus heutiger Perspektive bewertet. Statt in gut und böse zu bewerten wird vielmehr auf die wirtschaftlichen Schäden und den Verlust an Lebensqualität verwiesen, die einzelne eingeschleppte Arten verursacht haben, so z.B. der nach Aussage des Umweltbundesamtes jährliche Schaden durch eingeschleppte Flora und Fauna auf rund eine viertel Milliarde Euro!

In der Neuauflage ergänzt der Autor einzelne Kapitel hinsichtlich der Entwicklung der letzten 15 Jahre.
Teilweise ist das Buch spannend wie ein Thriller. Insgesamt ist es auf jeden Fall sehr lesenswert. Einziges Manko ist die etwas kleine Schrift der eingestreuten, grau hinterlegten Geschichten, aber vielleicht gibt es das Buch ja bald auch noch als ebook (mit verstellbarer Type).
Klare Kaufempfehlung!
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