Fashion Sale Hier klicken Jetzt informieren Neuerscheinungen Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More saison Hier klicken Fire Shop Kindle Sparpaket Summer Sale 16

Kundenrezensionen

3,6 von 5 Sternen
18
3,6 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 9. Januar 2013
Herbert Rosendorfer hat uns schon viel Freude bereitet, mit den "Briefen in die chinesische Vergangenheit" etwa, oder den "Donnerstagen des Herrn Oberstaatsanwalts". Seine erfolgreiche (nun schon in 6. Auflage vorliegende) Deutsche Geschichte" weist leider massive inhaltliche Defizite auf. Dies soll an zwei Beispielen aus dem 1. Band deutlich gemacht werden:

Die Ursachen für den das hohe Mittelalter so prägenden Konflikt zwischen Kaiser und Papst werden bei Rosendorfer überhaupt nicht angesprochen: Nicht die Zwei-Schwerter-Lehre, die Frage, ob der Papst über dem Kaiser steht oder nicht, was ja schon bei Karl des Großen Krönung eine Rolle spielte. Auch nicht die Gründe, warum Otto der Große die Kirche im Reich so mächtig machte. Rosendorfer verliert sich hier in den endlosen Verwandtenstreitigkeiten, führt Namen über Namen auf, die die Geschichte längst verweht hat und die den Durchschnittsleser kaum interessieren werden, doch die eigentliche Konsequenz, daß sich Otto in der Folge bei der Reichsverwaltung zunehmend auf die Kirche stützte (und dies damals auch eine durchaus rationale und richtige Entscheidung war), wird gar nicht angesprochen. Bei Rosendorfer liest man nur, daß zunehmend die Kirche ihre "machtgierigen Klauen in den Staatsmechanismus gekrallt" hätte. Der Investiturstreit ist auf dieser Basis natürlich nicht zu verstehen, ebensowenig das Verhalten Heinrichs IV. und sein Gang nach Canossa. Der Autor steht diesem Vorgang letztlich verständnislos gegenüber, was er dem Leser auch so mitteilt - geholfen ist diesem damit freilich nicht.

Unsinnige, a-historische Wertungen ziehen sich leider durch das ganze Buch. So läßt Rosendorfer die "deutsch-französische Erbfeindschaft" im Jahre 876 beginnen, was natürlich völliger Unsinn ist. Eine solche "Erbfeindschaft" spielte während des gesamten Mittelalters überhaupt keine Rolle. Keine Rede davon, daß, wie Rosendorfer meint, die Söhne über die Jahrhunderte stets in irrationaler Weise den Haß der Väter weitergetragen hätten. Ein sich fortzeugender Konflikt entstand erst durch den Aufstieg des Hauses Österreichs und dem daraus folgenden, durchaus rationalen, Interessensgegensatz zwischen den französischen Königen und den Habsburgern. Dies führte seit der Zeit Maximilians I. zu einer langen Reihe von Kriegen, die aber nicht verhinderten, daß Maria Theresia für den Siebenjährigen Krieg Frankreich als Bundesgenosse gewann (das davor mit Preußen verbunden gewesen war). Erst in der Rückschau des 19. Jahrhunderts ergab sich durch die Rolle Frankreichs im Dreißigjährigen Krieg, den folgenden Raubkrieg Ludwigs XIV. gegen die Pfalz und die Napoleonischen Kriege der Eindruck einer solchen Erbfeindschaft".

Darüber hinaus ist das vorliegende Buch, was bei einem Werk, das sich ja ausschließlich an den Laien wendet, besonders verwundern muß, überaus arm an griffigen historischen Anekdoten, die die Geschichte erst richtig lebendig werden lassen. Sie bringt Rosendorfer vor allem dann, wenn er sie als unhistorisch abtun kann. Dabei verabsäumt er es aber, über ihre ursprüngliche Funktion bzw. Aussage aufzuklären: Denn auch historische Legenden verraten uns viel über die Geschichtssicht der Zeitgenossen - oder jene Zeit, in der diese Geschichten entstanden sind.
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Oktober 2011
Herbert Rosendorfer, der Schriftsteller mit dem treffsicheren Wort fürs außergewöhnliche Detail, nimmt diesmal die Anfänge der deutschen Geschichte unter die Lupe und schreibt auf seine alten Tage das x-te populärwissenschaftliche Werk in Sachen Geschichte... Ob das gutgeht? Ob das Sinn hat?
Um es kurz zu machen: Ja, es geht gut. Ja, es hat Sinn, und es lohnt sich zu lesen. Zumindest beim ersten Band; die anderen Bände kenne ich (noch) nicht. Freilich weiß Rosendorfer, dass er es im ersten Band, genaugenommen, noch gar nicht mit der deutschen Geschichte zu tun hat, sondern mit dem Gewusel auf jenem Gebiet, auf dem später mal in etwa Deutschland liegen wird, samt verschiedenen Anrainern. Ebenso weiß er, dass die beteiligten Völker allenfalls gelegentlich Germanen und später verschiedene Stämme waren, was denen aber längst nicht so wichtig war wie den späteren Historikern.
Was das Wort "deutsch" angeht, beziehungsweise dessen Vorläufer: Das Wort "theodisca" tauche relativ spät auf, erstmals während der Regierungszeit Karls des Großen, und beziehe sich auf die Sprache, die nötig sei zur Christianisierung linksrheinisch umtriebiger Stämme, denn "wer werben will, muß sich der Sprache bedienen, die der Umworbene versteht". So isses. Das Staatenkonglomerat, auf den sich das vermaldeite Wort bezieht, heißt seit 962 offiziell "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation", und daran wird sich bis 1806 offiziell nichts ändern... Der Name ist freilich so ziemlich das einzige, an dem sich in der Zwischenzeit nichts ändern wird.
Was Rosendorfers "Deutsche Geschichte" angeht: Er beginnt mit einem "Was bisher geschah", das im Schulunterricht "Teutoburger Schlacht" und "Völkerwanderung" heißt, dort meist schnell abgehandelt wird. Es birgt jedoch jede Menge Stoff zum Erzählen, wenn man genauer hinschaut und Sinn hat für Zusammenhänge. Rosendorfer hat diesen Sinn, und er fieselt einen scheinbar hoffnungslos wirren Knäuel auseinander. Zu des Lesers Genuss tut er das in einem pointiertem Deutsch, wie man es selten serviert bekommt.
Im Gegensatz zu allzu vielen gegenwärtigen Populärhistorikern schreibt er nichts für die schnelle Lektüre, das ebenso schnell wieder vergessen werden kann, verrennt sich nicht in die derzeit beliebte mythenumwaberte Unterhaltung mit einem Mystikspritzer obendrauf, die mangels Faktentreue naturgemäß kritikresistent ist. Stattdessen hält er sich an historische Quellen, die er freilich nicht so akkurat nennt, wie das in wissenschaftlicher Literatur üblich ist (Aber keine Sorge, nennen tut er sie). Man könnte auch kritisieren (wenn man will), dass er diese Quellen durchaus nicht immer sine ira et studio wiedergibt, sondern öfters interpretiert. Andererseits... weist er (zu Recht!) drauf hin, dass all diese mittelalterlichen Schreiber, bei aller Ehre und allem Versuch, die "Wirklichkeit" festzuhalten, ihrerseits handfeste Interessen vertreten haben. Und außerdem wäre da noch zu beachten: Vor circa 2000 bis 1000 Jahren waren Weltbild und Wahrheits-Definition der Geschichtsschreiber noch etwas anders als heute. Etwas sehr anders. Auch darauf weist er übrigens hin.

Der erste Band von "Deutsche Geschichte" quillt über vor historischen Details, ohne den Überblick zu verlieren. Dass dieses Buch zwar Vorwissen beim Leser erfordert, aber dennoch kein Fachbuch ist und daher schonmal die Autorenfrechheit siegen lässt -- das weiß man vorher, wenn man schonmal was von Rosendorfer gelesen hat.
Wo sonst kommt man nebenbei auf die Idee, dass man Theoderich als frühen Vorgänger der Habsburger betrachten kann, jedenfalls in Sachen Heiratspolitik? Wo sonst kann man die religionsimmanente Islamimpfung gegen Kritik so amüsant nachlesen wie hier: "Stellten sich ihm Argumente entgegen, zog er sich in seine Höhlen zurück und kam bald mit geeigneten Visionen und neuen Engelsbefehlen zurück". Andernorts wird einem endlich klar, wieso einem reflexartig Ravenna einfällt, wenn man das Wort "Ostgoten" hört, und man lernt nebenbei den wichtigen Unterschied zwischen "König in Italien" und "König von Italien". Freilich könnte die harsche Kritik an der frühen katholischen Kirche vielen Lesern deftig vorkommen, auch wenn Rosendorfer hier kein Neuland betritt: Beispielsweise weist der seinerzeit ebenfalls populäre Werner Keller in "Und wurden zerstreut unter alle Völker" auf ähnliche Unterschiede zwischen Katholiken und Arianern hin (auch Keller betont die Toleranz arianischer Germanenstämme im Gegensatz zu den Katholiken).
Das ist freilich nur die ausgiebige Einleitung; den umfangreicheren Teil macht natürlich die Zeit der Karolinger, Ottonen und Salier aus. Auch hier liest man vieles, was man so herum noch nicht betrachtet hat -- angefangen mit der dekorativen Kaiserwürde selbst. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt eindeutig bei den Herrschern, aber von denen ist auch am meisten überliefert...
Rosendorfer findet natürlich in diesen scheinbar vertrauteren späteren Epochen der Karolinger, Ottonen und Salier wieder vieles, was sonst oft übersehen wird.

Es gibt allerdings auch Kritisches anzumerken: Manchmal wäre es kein Luxus, wenn Rosendorfer drauf hinwiese, dass die in den nächsten drei, vier Abschnitten beschriebenen Vorgänge seitens dieses oder jenes Herrscherhauses im Sande verlaufen und keine historischen Folgen haben werden. Mit anderen Worten: Läse man diese drei, vier Abschnitte nicht, behielte man leichter den Überblick. Doch in diesem Buch weiß man nie: Ist das nun folgende Unbekannte wichtig, oder spielt's nur eine Nebenrolle, oder ist's völlig irrelevant? Hier hätte Rosendorfer unnötige Triebe stutzen sollen, wie ein guter Gärtner. Die Leser hätten ihm ein wenig Gliederung gedankt.
Andere Kritikpunkte sind weniger schwergewichtig: Ganz selten geht auch Rosendorfer in die Falle und setzt neuzeitliche Weltbilder bei den Mittelaltern voraus. Ich frage kopfschüttelnd dagegen: Wem von denen war bewusst, im möglicherweise schicksalträchtigen Jahre 1000 zu leben? Hingen in den primitiven Hütten etwa Kalender an der Wand? Ebenso merkwürdig ist die Vorstellung, in der Gemäldekunst der Romanik seien ähnlich realistische Porträts gemalt worden wie in der Renaissance. Nunja... Richtig ärgerlich ist der systematische Fehler, parallele Ereignisse als logisch voneinander abhängig zu betrachten (die Bogumilen als logische Folge des apokalyptischen Jahres 1000). Dass er "bayrisch" mit anachronistischem 'y' schreibt, bekennt Rosendorfer immerhin; es sei ihm vergeben. Kleinere Schusseleien (nicht nur Böhmen war nicht deutschsprachig, und die Reichenau-Klöster hätte er schonmal erwähnen können) seien ebenfalls vergeben; nobody is perfect. Ego te absolvo... Das gilt auch für einen einzigen (!) peinlichen Druckfehler. Mal sehen, ob der noch jemandem aufgefallen ist.

Die Lektüre lohnt sich für Leser mit Geschichtsinteresse, die keinen Bedarf haben an Wanderhuren und dergleichen.
Allerdings sollte der Leser nicht nur Interesse mitbringen, sondern auch ein gerüttelt Maß an Vorwissen -- und zwar deutlich mehr Vorwissen, als die Schule mitgab. Rosendorfer setzt nämlich einiges voraus. Wer darüber verfügt und es einfach mal wieder geordnet haben will, lebhaft formuliert und mit viel neuem Wissen obendrein, dem sollte das Lesen Spaß machen.
11 Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Viel wurde schon zu diesem Buch geschrieben - sowohl dem Negativen, als auch dem Positiven kann man oftmals zustimmen. Ich möchte lediglich noch einmal eine Zusammenfassung von dem versuchen, was dies Buch ist (und was nicht).

Im Grunde und zu allererst ist es mehr eine geschichtliche Wanderung, als ein Werk, dass wirklich die Komplexität aller Strukturen einfasst, also auf alle Themen zugeht und dann alles daraus hervor holt. Zwar ist es dem Aufbau nach sehr chronologisch und Rosendorfer legt sich schon zu Anfang jedes Kapitels die Punkte des jeweiligen historischen Abschnitts zurecht, aber er orientiert sich doch eher leidlich an ihnen und kann kaum verhehlen, dass ihn neben den historischen Abläufen vor allem eines interessiert: die jeweils wichtigen/zentralen/faszinierenden Personen und Figuren (in diesem Buch zwangsläufig entweder Päpste, Kaiser, Könige, Herzöge oder Bischhöfe, sowie Kriegsherren und Fürsten) der Zeit, in der es sich gerade bewegt und deren Händel, Wirkung und Schicksal.

So ist Rosendorfers Historie vor allem eine Historie der Lebensläufe und Personen, in denen sich das Schicksal ihrer Zeit spiegelt und die es (damals noch oft) auch bestimmten - wobei er auch die allgemeinen Mechanismen der jeweiligen Epoche (Völerwanderung, Reglung der Erbfolge u.a.) nicht außer Acht lässt und an der richtigen Stelle einzubringen weiß. Das ist sicherlich auf den ersten Blick eine sehr enge Sicht der Dinge, die natürlich kaum Spielraum für ökonomische oder soziale Einblicke lässt und vieles erwähnt er zwangsläufig nur am Rande, wenn auch nicht schlampig, sondern eben komprimiert.

Doch muss man fairer weise sagen, dass Rosendorfer sich nicht mit einem Gibbon, Mommsen oder Gregorovius messen will. Erstmal geht es ihm vor allem um die deutsche Geschichte, wann sie beginnt, wo die Wurzeln ihrer Kultur, Idee und Konflikte liegen und was sie bestimmt hat. Dieses Ziel hat er erreicht und geht sogar an einigen Stellen noch ein gutes Stück darüber hinaus, sodass man ihm schwerlich seine Versäumnisse vorwerfen kann, ohne die gestreifte Katze aufgrund ihrer fehlenden Punkte zu verspotten.

Lesen sollten dieses Buch von daher diejenigen, die sich gerne einen Eindruck von deutscher Geschichte (nebst römischen Imperiums, Frankenreichs und hohem Mittelalter) und ihrer Persönlichkeiten in frühen Zeiten (100 v. Chr. - 1100 n.Chr.) machen wollen und dabei eine unprätentiöse, eher unreferenzielle Art des Vorgangs bevorzugen, die mehr nach eigenem Gusto, als nach handbuchcharakter verfährt. Letztlich macht dieses Buch einen nicht direkt gebildeter, sondern führt einen nur in die historischen Abläufe ein, die dann, was ich sehr positiv finde, mit dem Grundwissen und dem Anstoß den Rosendorfer gibt, die Faszination und vielleicht auch das Bedürfnis nach erweiterter Lektüre wecken.

Das ist der letztendliche Verdienst des Buches, dass es einen auf eher leichte, fast seichte Weise für Geschichte gewinnen kann und gerade die Zeit des hohen Mittelalters, mit den ständigen Kriegen und der Auseinandersetzung zwischen Papst und weltlichen Herrschern (eine der interessantesten Konfliktgeschichten ever) erst einmal vorstellt, wo man sonst nur sehr eingeschränkt mit der -Geschichte- dieses Zeitalters in Berührung kommt (dessen Mythos, Wesensart und Kriegsart ja Fantasy und TV zur Genüge bereits nahe gebracht haben). Wer seine Erwartungen in diesem Rahmen hält, wird sicherlich nicht enttäuscht und kann einen wirklich guten, kurzweiligen Abriss lesen, dem noch fünf Bände folgten.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. April 2012
Die gesamte Reihe ist eine sehr eigenwillig-persönlich, aber erfrischend geschriebene, von erstaunlich profunder Detailkenntnis des Autors zeugende Geschichtsbetrachtung. Aufgrund der Detailliertheit und teilweiser Süffisanz der Betrachtung ist das Buch eine außerordentliche Bereicherung für all jene, die ungefähr den Roten Faden, also die grobe Periodisierung der geschichtlichen Abläufe im Kopf haben. Die Fülle der kaum bekannten Hintergrundanekdoten und -zusammenhänge macht dann die Lektüre zu einem exzellenten Genuss. Wem es aber an Grundwissen der Periodisierung mangelt, der wird sicher am Ende wenig Verwertbares im Kopf behalten, obwohl der Autor alles mit Jahreszahlen belegt. Detailliertheit und Fülle des Materials lassen den Faden der zeitlichen Abläufe immer wieder abreißen, ohne die genannten Vorkenntnisse fehlt für Wissen, das bleiben soll, einfach der Ordnungsrahmen. Letztlich, eine Reihe für Connaisseurs und Genießer.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. Dezember 2014
...aber das hat mich neugierig gemacht...
Rosendorfer bricht die Vergangenheit in schöner Detailiertheit auf, das man es Verstehen lernt, wie die Kirche nicht nur in in Rom (!) so reich werden konnte, dass es obszön erscheint, und sich der heutige Zweitpapst davon distanzieren möchte, auch wenn es nicht recht gelingen mag..., oder doch? Nun wie auch immer, dank Rosendorfer wächst das Verständnis zu etwas, dass unseren Glauben umgibt und "Kirche" heißt.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Juni 2005
Rosendorfer erzählt deutsche Geschichte. Naja. Er eröffnet keine neuen Einblicke, aber er schreibt flüssig und amüsant und knüpft an Joachim Fernau an. Die Erzählweise erinnert auch an Michael Köhlmeier. Etwas auffällig die Einstellung zur mittelalterlichen Kirche, in deren Repräsentanten der Autor überall das Wirken Satans zu erkennen glaubt. Möglicherweise ist es diese Botschaft, um die es dem Autor tatsächlich geht. Die Zitate aus Gregorovius' Werk zeigen, dass Rosendorfer dem letzteren nicht das Wasser reichen kann. Die Darstellung ist weniger wissenschaftlich (das soll sie wohl auch nicht sein) als journalistisch, und sie bleibt weitgehend an der Oberfläche. Der Autor beschränkt sich im wesentlichen auf politische Vorgänge, der kultur- oder volksgeschichtliche Teil bleibt mager. So gesehen bewegt sich die Arbeit durchaus in klassischen Bahnen. Vielleicht will sie auch nicht mehr. Starke Kaiser wie Konrad II oder besonders Heinrich III werden fast hofiert und nur dort kritisiert, wo sie sich auf die "verderbte" Kirche und deren Institutionen stützen. Die mittelalterliche deutsche Reichskirche ist allerdings als politischer Faktor nicht wegdenkbar und es ist müßig, darüber zu sinnieren, was gewesen wäre, wenn die deutschen Herrscher einer anderen Politik den Vorzug gegeben hätten.
Für Einsteiger bietet Rosendorfers I. Teil der deutschen Geschichte dennoch eine sehr passable Grundlage. Die Darstellung ist so allgemein gehalten, dass man ihr in weiten Bereichen zustimmen kann. Persönliche Ansichten des Autors sind ausreichend als solche erkennbar. Auffallende Unrichtigkeiten im Faktenbereich kann ich nicht feststellen. Wertungen kann man teilen oder auch nicht. Für Mittelschüler und Geschichtsinteressierte zu empfehlen, weil kurz und launig mit dem Beisatz: Achtung, auch dieser Autor vertritt eine Ideologie.
0Kommentar| 27 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. November 2011
Nachdem ich 'Briefe in die chinesische Vergangenheit', 'Die Donnerstage des Oberstaatsanwalts' und 'Die Nacht der Amazonen' mit viel Vergnügen gelesen hatte und fast schon ein Fan von Rosendorfer geworden war, wurde ich von diesem Buch sehr enttäuscht.
Ich kann mich inhaltlich den Personen, die dem Buch nur ein oder 2 Sterne verliehen haben, nur anschließen. Das Buch ist in der Tat 'eine auf Personen bezogene Aneinanderreihung von Ereignissen, ohne dass wirtschaftliche oder kulturelle Hintergründe Erwähnung finden.'
Für einen Laien, wie ich einer bin, der sein Hintergrundwissen erweitern möchte, Zusammenhänge verstehen möchte, ohne auf jedes einzelne Detail und auf einzelne Jahreszahlen einzugehen, ist das Buch gänzlich ungeeignet.
Für ernsthafte Historiker aber wohl auch, dazu ist es zu oberflächlich. Es stellt sich also wirklich die Frage: Für welches Publikum hat Rosendorfer hier geschrieben?
Schade, denn in der 'Nacht der Amazonen' hat er es hervorragend verstanden, einen historischen Stoff so aufzuarbeiten, dass ein Laie das Buch informationserweiternd und trotzdem unterhaltend lesen kann.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Januar 2015
Nicht schlecht, die Geschichte unserer Vorfahren (genannt: Raufbolde) aufzufädeln und uns "Halb-wissende" mit einem Augenzwinkern aufzuklären. Die Germanische Völkerwanderung, das fränkische Reich unter Karl dem Großen, die Reichsgrenzen unter Otto dem Großen und Konrad II, Mitteleuropa vom 11. bis 13. Jahrhundert, die Macht der Päpste, Gegenpäpste, Kaiser, Könige - eben Geschichte pur. Das Jahrtausend fliegt einem nur so um die Ohren. Viel Information die verdaut werden muss, aber trotzdem, der Spaß beim Lesen kommt nicht zu kurz.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Februar 2003
Um ein so komplexes Gebilde wie die deutsche Geschichte im Zusammenhang darzustellen, muß man entweder tausende von Seiten mit Details beschreiben oder ziemlich grob vereinfachen und Zusammenhänge kommentieren. Herbert Rosendorfer wählt den zweiten Weg.
Mir persönlich sind durch dieses Buch viele Verbindungen klar geworden, welche ich bisher auch beim lesen "seriöser" Geschichtswerke im Wald der Details nicht gesehen habe.
Daß Herbert Rosendorfer vom Vatikan und von der Amtskirche nicht allzuviel hält, dürfte bekannt sein, darüber die Nase zu rümpfen kann man sich sparen.
0Kommentar| 12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Dezember 2000
Hebert Rosendorfer schreibt in seinem Vorwort: "(...)Dennoch fasziniert Geschichte. Den wahren Grund dafür habe ich noch nicht entdecken können." Nun, zumindest habe ich das, nach der Lektüre dieses Buches. Es ist (mit Verlaub) das Beste, was ich je von einem Juristen gelesen habe und jeder Geschichtsstudent, der wieder einmal aus einer langatmigen, endlos scheinenden Vorlesung kommt, wird dieses Buch "lieben". In seinem "Versuch" beweist Rosendorfer zu (bzw. in) jeder Zeit seine enorme Sachkenntnis und er versteht es, uns eben diese in unterhaltsamer, ironischer und oft auch gnadenlos direkter Weise, nahe zu bringen. So wird die "Deutsche Geschichte" das, was sie leider nur viel zu selten war: etwas, worüber man gerne nachdenkt und (dank Rosendorfers pointierter Erzählweise) etwas, worüber man ruhigen Gewissens auch mal lachen kann.
0Kommentar| 12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden