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Kundenrezensionen

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am 30. Januar 2004
Nach einer überaus fruchtbaren Schaffensphase in den 1960er Jahren geriet PKD Anfang der 70er in eine persönliche Krise, die in einem Nervenzusammenbruch, einem (halbseidenen) Selbstmordversuch und dem freiwilligen Eintritt in ein Therapiezentrum mündete. In "der dunkle Schirm" verarbeitete PKD seine Erfahrungen mit der Drogen-Subkultur und seine Therapie-Eindrücke zu einer schriftstellerischen tour-de-force, die trotz einiger (marginaler) SF-Einschläge eher der zeitgenössischen Literatur zuzurechnen ist. "Der dunkle Schirm" ist PKDs Meisterwerk der 70er, rasant und irrwitzig wie "UBIK" und "Palmer Eldritch", aber auch durchzogen von einer tiefen Düsternis. Als musikalisches Pendant kommen mir auf Anhieb die frühen "Joy Division" in den Sinn, und es verwundert nicht wenn man liest, dass einige Musiker aus dem New Wave- / Industrial-Umfeld Ende der 70er Dicks "dunklen Schirm" neben Ballard und Burroughs als maßgeblichen literarischen Einfluss nannten. - Und nicht zuletzt zeigt dieses Werk, dass im "Ghetto" der Science Fiction einige Bücher auf die längst fällige Anerkennung über die Grenzen ihres Genres hinaus warten. (Robert Silverbergs "Es stirbt in mir" wäre als ähnlich gelagerter Fall zu nennen.)
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am 8. November 2015
Der Autor schreibt, als wenn sein bester und supercooler Kumpel sein Leser ist. Der Stil war für mich gewöhnungsbedürftig. Dennoch war ich binnen weniger Seiten gebannt und fasziniert. Es ist sehr "authentisch" (?) geschrieben, auch wenn es um Science Fiction geht. Eine verwirrende und doch super geschriebene Geschichte, die einen bis zuletzt festhält. Nicht zuletzt hat das Buch eine tolle Farbe und macht sich super im Regal.
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Die beiden ersten Romane PKDs, bevor er sich dem vielleicht kommerziellsten Genre der 50er Jahre zuwandte, waren „Gesellschaftsromane“, und mit dem SCANNER verlässt er gegen Ende seiner Karriere nochmals seinen über die Jahrzehnte bevorzugten Tummelplatz und kommt hier weitestgehend ohne die genretypischen SF-Zutaten aus.
Hier begegnet uns der amerikanische Albtraum in Reinkultur als eine Nation, in der Konsum die oberste Bürgerpflicht ist und die Bürger vom Staat so weit nur irgend möglich überwacht werden; Hätte PKD die technische Entwicklung länger verfolgen können, er wäre über die globalen Machenschaften der NSA als letzter erstaunt gewesen. Big Brother is tapping you, um Orwell einmal zu paraphrasieren. Die Bevölkerung zerfällt in Plastic People, die sich über die Hundescheiße auf dem Gehweg mehr als über das sie umgebende menschliches Elend ereifern, und in die Drogenkonsumenten, die dem amerikanischen Wahnsinn entfliehen wollen und in Irrsinn und Paranoia enden.
Kein mir bekannter Autor hat so brillant über Täuschungen, Rausch und Wahn geschrieben und hat seine Protagonisten so um und um getrieben, sie durchgeschüttelt und bis an den Rand und darüber hinaus gepuscht wie PKD, der selbst ein großer Paranoiker war. Im SCANNER liest sich das beispielsweise so: „An der Peripherie seines Lebens lauerte irgendein feiger, hinterhältiger Freak, der sich nicht traute, ihm offen entgegenzutreten, sondern ihn aus dem Verborgenen heraus fertig zu machen versuchte. Eigentlich gar kein richtiger Mensch, sondern eher ein als Mensch getarntes Symptom ihres ganzen Lebens hier.“
Fred, die Hauptperson im SCANNER, arbeitet undercover als Polizeispitzel und wäre bei anderen Autoren nur ein Handlanger des Überwachungsstaates. Doch so einfach liegen die Dinge bei PKD nicht, denn Fred ist auch Konsument der illegalen Droge Substanz-T und kommt durch den Konsum immer mehr unter die Räder. Die Ironie der Story liegt darin, dass Fred bald von seinem Vorgesetzten den Auftrag erhält, sein Undercover-Ich, dessen Identität dem nicht bekannt ist, zu observieren. Das ist nun also nicht mehr die übliche Paranoia des Users, der sich vom Staat verfolgt fühlt, sondern hier bekommt der Wahnsinn Methode und ich musste an einen Spruch der 70er Jahre denken, den man damals an manche Klotür gekritzelt fand: Hilf der Polizei, stell dich selbst. Aber ein Schmunzeln will ob der Ironie nicht aufkommen, denn allzu drastisch, zu böse ist PKDs Schilderung der Verheerungen, die der Konsum auf Hirn und Handeln der Abhängigen hat, und die Vermutung, dass der Autor eigene Erfahrungen verarbeitet, ist wohl nicht aus der Luft gegriffen. Fred verliert immer mehr den Boden unter den Füßen, die Wirklichkeit wird ein einziger Jahrmarktstrick, nichts ist mehr gewiss.
Es gibt witzige Passagen im SCANNER, aber auch extrem viel Schatten, und der Gesamteindruck ist sehr bedrückend. PKD selbst sagte dazu: „Es brach mir das Herz, diesen Roman zu schreiben, es brach mir das Herz, ihn zu lesen. Die komischen Stellen sind die komischsten, die ich je geschrieben habe, und die traurigen sind die traurigsten - und sie sind beide in ein und demselben Buch.“

Abschließend eine überflüssige Betrachtung zur Funktion des Burgers im SCANNER:

PLASTIC PEOPLE
(Lyrics: Frank Zappa)

FZ: Alright, there's a green Chevy, license number 650 BN in Barry's lot. Gotta move it. I repeat, there is a green Chevy, license number 650 BN in Barry's lot.
Guy #1: There's a '54 out there too, Frank.
FZ: There's a what?
Guy #1: A '54.
FZ: There's a '54 what?
Guy #1: A '54 what?
Guy #2: Did you announce the action burgers?
Guy #3: Action burgers...!
Guy #1: It's a Ford – uhhhh...
FZ: Please, do yourself a favor and move your short before somebody takes it away. They're serving burgers in the back! If you go for burgers, you'll love the burgers here. They have some burgers in this place, when you open 'em up, y'know... you hold 'em like this, and go way in the back where nobody can see you... Some people eat them that way.
Guy #4: Take 'em back to Philadelphia, Frank!
FZ: What?
Guy #4: Philadelphia!
FZ: What about Philadelphia?
Guy #4: It's a cream cheese.
FZ: That's it!

FZ: Now, if you'll analyze what we're playing here, if you use your ear and listen, you can learn something about music, y'see? "Louie Louie" is the same as the other song with one extra note, see? They're, they're very closely related and they mean just about the same thing.

Plastic people
You gotta go
(Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, yeah)
Plastic people
You gotta go-UH!

A fine little girl, she waits for me
She's as plastic as she can be
She paints her face with plastic goo
And wrecks her hair with some shampoo

Plastic people
You gotta go-UH
Plastic people
You gotta go
(Sure gonna miss ya)

Take a day and walk around
Watch the nazis run your town
Then go home and check yourself
You think we're singing 'bout someone else...

But you're plastic people
You gotta go
(Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, yeah)
Plastic people
You gotta go

Three nights and days I walk the streets
This town is full of plastic creeps
Their shoes are brown to match their suits
They got no balls, they got no roots...

Because they're pPlastic people
You gotta go
(Sure gonna miss ya, bop, bop, bop)
Plastic people
You gotta go

Me see a neon moon above
I searched for years and found no love
I'm sure that love will never be
A product of plasticity

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Soweit FZ im Jahre 1967; 10 Jahre später folgt PKD mit einer Analyse über die Bedeutung des Hamburgers unter dem amerikanischen (Alb)Traum:

"Wenn man den Reklameschildern glauben schenkte, dann hatten sie denselben Hamburger mittlerweile fünfzig Milliarden Mal verkauft. Womöglich an denselben Kunden? Das Leben in Anaheim, Kalifornien, war ein einziger Werbespot, der sich verselbständigt hatte und nun endlos wiederholt wurde. Nichts änderte sich, alles breitete sich nur weiter und weiter in Form von Neonschleim aus." (45)"

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Und noch einmal Meister Zappa über Burger und Freiheit:

I must be free
My fake i.d.
Freeeeeees me
Gotta do a few things
To make my life complete
Gotta live my life
Out on the street
The difference between us
Is not very far
Cruising for burgers
In daddy's new car
My phony freedom card
Brings to me
Instantly
Ecstasy

(Cruising for Burgers)

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Der Hamburger ist mehr als Fast Food, er ist Teil des amerikanischen Traums (Verfügbarkeit und Reichtum) und wie Coca Cola Symbol des American way of life. Kein Wunder, dass das Burger-Wunder von FZ und PKD so massiv angegangen wird.

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1958 verkaufte McDonald's den 100 Millionsten Hamburger, Preis 15 Ct. / Stück.
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am 30. Oktober 2009
Jedes Mal, wenn ich Philip K. Dick lese, werde ich hinweggefegt von seinen visionären Erzählungen. "Der dunkle Schirm" ist kein Science-Fiction-Roman, höchstens ein Drogenroman mit SF-Elementen. Doch der allumfassende, fesselnde und zutiefst verstörende Plot, der sich in seinen groß angelegten Ausmaßen tatsächlich erst auf den letzten Seiten enthüllt, entspricht Dicks charakteristischem Stil. Mich hat die Auflösung schlichtweg umgehauen, und ich bin völlig hin und weg von der institutionellen, gesellschaftlichen Matrix, die Dick enthüllt: In seinen paranoiden Phantasien steckt eine verblüffende und beängstigende Wahrheit.

Bob Arctor, dessen geheime Identität "Fred" ist, sucht als verdeckter Drogenermittler nach dem Produzenten und Vertreiber der Modedroge "Substanz T" (T für Tod). Bob ist durch seine Ermittlungen selbst zum Konsumenten der Droge geworden und lebt mit zwei abgewrackten Drogenfreaks, Barris und Luckmann, in einem verkommenen Haus in Kalifornien. Als verdeckter Ermittler erhält Fred den Auftrag, Bob Arctor zu beobachten - und somit hat er die Aufgabe, sich selbst zu observieren. Durch seine zunehmende Abhängigkeit von Substanz T kann Bob Arctor bald nicht mehr von seinen Identitäten als Ermittler und Zielobjekt unterscheiden und gerät in eine verwirrende Identitätsstörung, in der er die Realitäten seiner Existenz nicht mehr unterscheiden kann. Er verliert den Bezug zu seinem Ich. Erst gegen Ende des Romans enthüllt sich ein größerer Kontext, wird doch Bob / Fred nur benutzt, um an die Drogenbosse im Hintergrund heranzukommen ...

Typisch für Dick ist das Verwischen der Realität: Bob Arctor kann nicht mehr zwischen sich und seiner geheimen Identität unterscheiden und wechselt zwischen den sich daraus ergebenden Zwischenzuständen. Wie sehr Philip K Dick damit Autoren wie Chuck Palahniuk oder Filme wie "Matrix" beeinflusst hat, kann ich gar nicht genug herausstellen.

"Der dunkle Schirm" ist voller herrlicher, urkomischer Dialoge, die bizarr und gleichermaßen erschreckend sind. Denn die Drogenfreunde debattieren stundenlang über die absurdesten Dinge. Allein die Eingangsszene, in der Bobs Drogenfreund meint, er sei von Läusen befallen, ist entsetzlich (da offensichtlich drogeninduziert) und komisch zugleich.

Außerdem hat Christian Gasser ein sehr erleuchtendes und wunderbares Nachwort geschrieben, das ich nur empfehlen kann. Das Buch ist ein absolutes Muss!
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am 3. Februar 2005
Philip K. Dick war einer der genialsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Und dies ist sein zweitbestes Buch.
Die Story: Undercover Drogenfahnder Fred ist selbst süchtig nach der Droge, die er bekämpfen will. Substance D. Die Folge ist die entwicklung verschiedener Persönlichkeiten. Auch Fred hat's erwischt. Als er auf den Drogendealer Robert Arctor angesetzt wird, wird ihm erst langsam klar, wen er da Überwacht. Schließlich führt das ganze zu einem bitterbösen Ende, das wohl keiner Vorraussehen kann.
Das Buch ist cool geschrieben und die Charaktere sind, wie in allen PKD romanen normale, oder fast normale Bürger. Diesmal jedoch kommt noch der Autobiographische Aspekt hinzu. Dick verarbeitet hier seine eigene Drogenvergangenheit. Die gewisse Distanz, die das Buch etwas unheimlich wirken lässt ist der größte Reiz, denn man bekommt niemals eine ganze Geschichte serviert. Man weiß, was der protagonist wissen muss oder bekommt hintergrundinfos. Mehr nicht.
FAZIT: Tolles Buch mit einigen Überraschungen, dass sehr fasziniert.
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am 13. Mai 2013
In diesem Buch geht es düster zu und man bekommt einen kleinen Einblick in die Welt der Druffies und Dealer. Es zeigt wie sehr man sich in dieser Welt verlieren kann und fesselt einen doch an die Hauptfigut. Manchmal kommt man etwsa durcheinander wer nunr wer ist aber der Roten Faden ist am Ende umso interessanter.
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am 10. September 2011
Ja was soll man über Philip K. Dick's "A scanner darkly" noch viel rezensieren, eigentlich ist schon alles Relevante in der ein oder der anderen Form schon gesagt worden. Und doch möchte ich noch ein paar Worte zu Dicks wohl wirkmächtigsten Roman verlieren. Was ist es, das dieses Werk so besonders macht? Es ist die unübertroffene Darstellung der schleichenden Zersetzung einer Persönlichkeit. Dick schafft es diese so perfekt zu inszenieren, dass der Leser genauso unfähig und hilflos wie der Protagonist ist, den Übergang bzw. die Spaltung in zwei eigenständige Persönlichkeitsstrukturen (rechtzeitig) zu realisieren. Genau in diesen Textabschnitten offenbart sich das große erzählerische Talent eines Philip K. Dicks, und das auch in der deutschen Überstetzung, die meines Erachtens in den entscheidenen Phasen des Textes sehr gelungen ist.
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am 29. Oktober 2006
Selten hat mich ein Buch in so einen Zwiespalt getrieben wie Philip K. Dick's "Der Dunkle Schirm". Zu anfangs meint man sich in einer Dia-Show eines Freaks, so schnell kommen und gehen die verrückten Widersprüchlichkeiten. Von Lausbefall und Drogenrausch ist die Rede, Frauen sind das Objekt fataler Begierde und mittendrin ein Jedermann - Drogenermittler der selbst nicht weiß wieso er eigentlich so genervt von der Welt ist.

Handlungstechnisch bewegt sich Dunkler Schirm auf einem sehr schmalen Grat zwischen verschwommener Realität und greifbarer Fiktion. Klingt jetzt abgedrehter als es tatsächlich ist, denn sobald man das Buch zu Ende gelesen hat bleibt ein grotesk genialer Streifen literarischer Punkkunst übrig. Der perfekte und zudem noch äußerst eindringliche Drogentrip zum Miterleben.

Zur Handlung: Die Welt von Bob Arctor aka Fred dreht sich um Drogen, speziell um die Substanz T. Die neue Superdroge. Er selbst ist als Ermittler der Drogenfahndung unterwegs, etwas übermotiviert könnte man meinen, denn je mehr er sich in den Drogensumpf verstrickt umso undurchsichtiger wird der Lauf der Dinge. Zu anfangs noch routinemäßig Dope einwerfend wird er zum richtigen Junkie, sein Leben als Bob Arctor und als Fred, seinem Alter Ego bei der Polizei, beginnen getrennte Wege zu gehen, seine Identität spaltet sich. Mit der Zeit geht es sogar soweit, dass er auf sich selber angesetzt wird. Sein Welt steht kurz vor dem Einsturz. Er ist am Ende, er verliert jedweden Sinn für Realität. Substanz T hat sein nächstes Opfer gefordert. Bob Arctor geht sprichwörtlich den Bach runter.

Dick schafft es mit "Der dunkle Schirm" ein zeitloses Meisterwerk zu schaffen. Kaum ein Buch hat die Untiefen des Drogenkonsums je so gut aufgedeckt. Man wandelt stets am Abgrund, man meint sich sicher, doch am Ende erschlägt einen die Realität. Man ist unten angekommen. Und genau diese Achterbahn der Identitäten bringt Dunkler Schirm so treffend, so präzise, so erschütternd auf den Punkt. Ein echtes Meisterwerk. Grandios.
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am 22. Juli 2007
"Der dunkle Schirm" ist ein Roman über Drogenmißbrauch. Dick hat
ihn von 1972 bis 1975 verfasst, nachdem er selbst eine schwere Krise,
einen Selbstmordversuch und einen Aufenthalt in einem
Rehabilitationszentrum für Drogenkranke überstanden hatte. Der Roman
steht eindeutig in der Tradition der 68er. Er verarbeitet die dunkle
Seite dieser Zeit, die Desillusionierung, die Zerstörung von Hoffnung
und Idealen im Drogensumpf.

Einmal mehr stellt Dick unter Beweis, dass er keine
Science-Fiction-Autor im eigentlichen Sinne ist: Er schreibt über die
Gegenwart, seine Zeit, sein Leben und nutzt die Stilmittel der Science
Fiction zu Entfremdung und Überzeichnungen. Inzwischen ist das Buch
längst als das erkannt worden, was es tatsächlich ist, nämlich ein
gesellschaftskritischer Gegenwartsroman.

Worum geht es? Bob Arctor arbeitet als Undercover-Agent im
Drogenmilieu. Längst ist er selbst abhängig und verliert mehr und mehr
den Bezug zu seiner Identität. Bald hält er sich in seiner
Undercover-Identität und in seine Ermittlerrolle für zwei verschiedene
Personen. Er beobachtet sich selbst, ja wird sogar dazu
beauftragt. Die Grenzen zwischen dem Drogenmilieu und dem Staatsapparat,
der den Drogenhandel bekämpfen soll, sind aufgehoben. Die
Ermittlungsbehören mit ihren verdeckten Ermittlerin sind längst selbst
Teil der Drogenszene geworden. Die Ermittler dealen und konsumieren
genau wie diejenigen, die sie hinter Gitter bringen sollen. Jeder
Dealer könnte genau so gut ein verdeckter Ermittler sein.

Den größten Raum nehmen Schilderungen ein, in denen auf komische Weise
das absurde Verhalten der Junkies beschrieben wird, die zu keinem
klaren Gedanken mehr fähig sind. Es gibt absurde Unterhaltungen,
irrsinnige Anekdoten traurigen Zerfall. Schon die ersten Seiten geben
den Ton an. Auf ihnen wird geschildert, wie Jerry Fabin eine
Wahnvorstellung bekommt. Er glaubt sich von Wanzen
befallen. Waschzwang, Insektenvertilgungsmittel, eingebildete
Schmerzen, verrückte Suchaktionen, das ganze Programm. Jerry Fabin ist
einer, der ganz am Ende steht. Sein Gehirn hat sich "zersetzt",
er wird bald sterben oder in einer Drogenklinik vor sich hin
vegetieren. So wird dem Leser schon auf ganz am Anfang vor Augen
geführt, wohin der Weg des Protagonisten Bob Arctor unaufhaltsam
führt. Auch er landet in einer Drogenklinik. Am Ende erfährt man, dass
er immer noch, inzwischen ohne sein Wissen, als Undercover-Agent
eingesetzt wird. Er soll die wahren Ziele der Hilfsorganisation
"Neuer Pfad herausbekommen." Auf den letzten Seiten des Buchs
sieht Arctor die Wahrheit und wir sehen uns endgültig einer Welt
gegenüber, in der es nichts anderes mehr gibt, als den Anbau, den
Verkauf und den Konsum von Drogen. Eine Welt, die sich selbst ad
absurdum geführt hat.

Man kann den Roman guten Gewissens als einen Anti-Drogenroman
bezeichnen, geschrieben von einem, der die Szene von innen kennt. Dick
streitet das jedoch ab. Das Buch enthält ein sehr interessantes
Nachbemerkung des Autors, in dem er auf die autobiografischen Bezüge des Romans
hinweist und fast so etwas wie eine Deutung gibt. Auch das Nachwort
von Christian Gasser ist lesenswert.

Der Roman bleibt erträglich durch seinen absurden Humor. Etwas schwer
erträglich scheint mir die Übersetzung zu sein. Sie wirkt manchmal
hölzern. Wer kann, sollte Dick vielleicht lieber im Original lesen.
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am 26. Mai 2007
Als elendiger, diesem Autor verfallener Hardcore-Fan ist es klar, dass auch dieser Roman 5 Sterne bekommt von mir.
Warum?
Dick ist für mich einer der genialsten Autoren, der es vermag, die zunächst sicher scheinende FAssade der "Realität" zu zertrümmern, um dahinter eine subtile Erscheinung namens "Bewusstsein" preiszugeben. Er konfrontiert den Leser gnadenlos mit der Einsicht, dass die Sicherheit die Mutter aller Illusionen ist und verpackt dies auch noch in spannende, herzzerreissende Stories voller Intensität und Emotion.

Zum Roman;
Bob Arctor - der Protagonist - ist absolut "kaputt". Eine Droge, namens "ToD" (kurz auch: T.), hat seine GEhirnhälften voneinander getrennt, sodass er zwei voneinander unabhängige Persönlichkeiten erlangt. Er selbst ist nämlich der Spion, welcher ihn überwacht...
Die Aussage dieses Romans, verpackt in eine ellenlange Metapher, welche die GEschichte darstellt, ist so dermaßen klar, dass man es gar nicht wahrhaben mag. Und sie lautet: Wir wissen nichts und am wenigsten wissen wir etwas über uns selbst.

Dick hat zu diesem Roman selbst gesagt, dass die lustigen Stellen die lustigsten und die traurigen die traurigsten sind, die er je geschrieben hat. Auch entdecke ich in diesem Roman viel autobiographisches in Bezug auf seine Psyche.
Der Roman ist außerdem auch ein dermaßen spannender Drogenkrimi, der die Drogenpolitik der USA aufs Korn nimmt. Zum Lachen und Weinen. Zum nicht mehr aufhören können, zu lesen. Dieses Buch haute mich vom Hocker.

Kauft's, wenn ihr Lust auf einen emotionalen Trip durch die Seele eines Visionärs habt. Für mich ist P.K.Dick einer der bedeutensten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
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