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TOP 1000 REZENSENTam 20. Mai 2014
Catherine Merridales neues Buch lässt sich mit einer Matrjoschka vergleichen. Es enthält nicht eine Geschichte, sondern drei Geschichten, die ineinander verschränkt sind - die Geschichte des Kremls, der Stadt Moskau und des russischen Staates von seinen Anfängen im Mittelalter bis in die Gegenwart. Kaum ein zweites Bauwerk wird so sehr mit Russland assoziiert wie der Moskauer Kreml. Er befindet sich nicht unbedingt im geographischen Zentrum des Landes, kann aber als symbolisches Zentrum Russlands gelten. Der Eindruck, er sei eine Trutzburg, die die Jahrhunderte unverändert und unbeschadet überstanden habe, täuscht. Der Kreml hat Dynastien, Eroberer und verschiedene Regime kommen und gehen sehen; er war zahllosen Feuersbrünsten ebenso ausgesetzt wie Napoleons Sprengmeistern und dem vandalenhaften Wüten der Bolschewiki, die in den 1920er und 1930er Jahren etliche Kirchen und Klöster auf dem Kremlgelände niederreißen und abtragen ließen. Der Kreml wurde so oft umgebaut oder um neue Bauten erweitert, dass sich seine ursprüngliche Gestalt kaum noch erahnen lässt. Fest steht, dass die Anfänge der Bebauung auf dem Kremlhügel mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Merridales Buch bietet mehr als nur die Geschichte eines architektonischen Ensembles. Aber selbst diese Geschichte wäre für sich allein genommen spannend und faszinierend genug, um erzählt zu werden. Da der Kreml jahrhundertelang als Herrschaftssitz der Moskauer Großfürsten und russischen Zaren diente, bietet es sich an, ihn als Prisma zu benutzen, um die wesentlichen Linien und Leitmotive von acht Jahrhunderten russischer Geschichte herauszuarbeiten. Das Wachstum des Kremls vollzog sich parallel zum allmählichen Erstarken des russischen Staates. Merridale erzählt von den verschiedenen Funktionen des Kremls, von seinen Glanzzeiten und den Zeiten der Vernachlässigung, von der Bedeutung, die er für das russische Volk als Erinnerungsort und Bezugspunkt nationaler Selbstvergewisserung hatte, von seinen vielen architektonischen Metamorphosen, von seiner Anziehungskraft auf in- und ausländische Künstler und Baumeister. Das Nebeneinander von Palästen, Kirchen und Klöstern innerhalb der Kremlmauern verdeutlicht die enge Verbindung von weltlicher und geistlicher Macht im Moskauer Staat. Bis ins späte 17. Jahrhundert diente der Kreml als Fürstenresidenz, Verwaltungszentrum, Krönungsort, Schatzkammer und Herrschergrablege; in Krisen- und Kriegszeiten schützte er die Herrschenden vor rebellierenden Untertanen oder äußeren Feinden. Seit der Verlegung von Hof und Regierung nach Petersburg fristete er jedoch ein Schattendasein. Die Nachfolger Peters des Großen kappten die Verbindungen zum alten Moskauer Reich aber nicht vollständig: Bis hin zu Nikolaus II. kehrten alle Zarinnen und Zaren in den Kreml zurück, um sich dort krönen zu lassen.

Im 19. Jahrhundert wurden die Bauten, Kunstschätze und Archive des Kremls zum Mekka russischer Historiker und Kunstwissenschaftler. Nirgendwo sonst schienen russische Geschichte und russische Kultur in derart konzentrierter Form vorzuliegen. Der Kreml wurde zum Objekt wissenschaftlicher Studien und archäologischer Ausgrabungen. Seine Zeit als Regierungssitz schien ein für allemal vorbei zu sein; die Umwandlung in ein gigantisches Museum, eine "russische Akropolis" zeichnete sich ab. Doch Anfang 1918 verlegten die Bolschewiki die Hauptstadt zurück nach Moskau. Sie verschanzten sich im Kreml. Die neuen kommunistischen Herrscher waren kulturelle Barbaren und hatten keinen Sinn für die Schätze, von denen sie umgeben waren. Einige der ältesten und architekturgeschichtlich bedeutsamsten Kremlbauten fielen der Abrissbirne zum Opfer, ebenso wie weite Teile der Moskauer Altstadt. Wieder wurde der Kreml zu einem Ort, an dem eine kleine, weitgehend unsichtbare Elite Entscheidungen über das Schicksal des Riesenreiches traf, ohne dass die Bevölkerung Einfluss auf diese Entscheidungen nehmen konnte. Für Merridale ist der Kreml auch ein Symbol für das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft in Russland, ein Sinnbild für die Distanz zwischen Herrschern und Beherrschten. Erst unter Chruschtschow gewann der Kreml eine neue Rolle, die er bis heute besitzt - die einer Touristenattraktion. Seine alte Funktion als Schaltzentrale der Macht und Bühne für die Selbstdarstellung des Staates und seiner Führer hat er ebenfalls bis heute behalten.

Der Kreml steht aber keineswegs nur für Selbstisolation und Abschottung nach außen. Im Gegenteil, gerade der Kreml bietet viele Beispiele dafür, wie Russland kulturelle Einflüsse aus dem Ausland aufnahm. Es waren italienische Architekten, die im späten 15. Jahrhundert den Kremlmauern und einigen Kremlbauten eine Gestalt gaben, die sich im Wesentlichen bis heute erhalten hat. Peter I. richtete im Kreml das erste russische Theater nach westlichem Vorbild ein, argwöhnisch beäugt von der orthodoxen Geistlichkeit. Trotz aller geschichtlichen Veränderungen, trotz aller Wunden, die ihm geschlagen wurden, blieb der Kreml bis heute ein Gravitationszentrum, das unablässig Aufmerksamkeit auf sich zieht, an dem niemand vorbeikommt, sei er Politiker, Journalist oder Tourist. Es ist eine erzählerische Meisterleistung, wie Merridale politische Geschichte, Kultur- und Architekturgeschichte miteinander verknüpft. Die im Untertitel angekündigte "neue" Geschichte Russlands bietet sie allerdings nicht. Ihre Ausführungen zur russischen Geschichte sind konventionell und frei von überraschenden Einsichten. Lehrreich, informativ und unterhaltsam ist das Buch aber allemal. Zahlreiche Farbabbildungen sowie einige Karten und Baupläne unterstützen den Text. Leider fehlen Stammtafeln, so dass bisweilen der Überblick über die Verwandtschaftsverhältnisse der Moskauer Großfürsten und russischen Zaren verlorengeht. Die ideale Vorbereitungslektüre für eine Moskaureise!
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am 11. Juni 2014
Vordergründig vollzieht Catherine Merridale in ihrem sehr flüssig und eingängig geschriebenen Buch die bauliche Geschichte und die baulichen Eigenheiten des Kreml als „roter Faden“ durch das Buch minutiös nach.

Das Gebäude kennt der Leser am Ende der Lektüre bis in den letzten Winkel hinein, was sowohl der bildkräftigen Beschreibung Merridales als auch den übersichtlichen Karten und Plänen im Buch geschuldet ist.

Hintergründig, vor allem, legt Merridale in ihrer „Gebäudebiographie“ aber ebenso eine übersichtliche, fundierte und hervorragend zu lesende Geschichte Russlands vom 12. Jahrhundert an bis in die Gegenwart hinein.

„Der Kreml ist ein Ort, an dem sich Geschichte konzentriert und an dem jeder Stein mehrere Vergangenheiten zu repräsentieren scheint. Die Wirkung ist hypnotisch“.

Und das ist keinesfalls zufällig im Lauf der Jahre so „bebaut“ worden, weder das „Chaos der Dachverkleidung“ bis hin zu der „überwältigenden Menge von Palästen und uralten Mauern“, es gilt (und das führt Merridale überzeugend dargestellt vor Augen):
„Außerdem ist der Kreml absichtlich so arrangiert worden“.

Eines aber ist der Kreml nicht, und das hat System. Das Gebäude ist nicht “heimelig“ , genauswenig, wie es übersichtlich daherkommt. Es war (und ist) von Beginn an Ausdruck (und dementsprechend in späteren Bauphasen darauf beruhend ausgebaut worden) „Ausdruck des besonderen Charakters der russischen Kultur“ und verweist in seinem Stil „auf die historisch verwurzelte Macht“.

So spiegelt sich vom Bau des Kreml (aus Holz und mehrfach niedergebrannt in den Folgejahren) über die ersten Mauerwerke bin hin zu den goldenen Dächern und darüber hinaus die wechselhafte Geschichte Russlands im Bauwerk wieder, wie der Kreml selbst als „corporate identity“ Signalwirkung in vielfacher Form in das russische Volk immer wieder hinein entfaltet hat.

So wie Anfang des 17. Jahrhunderts das „Goldene“ Ausdruck des Volksgefühls war, das „frische Ideen (nicht) nützlicher sein könnten als überlieferte Frömmigkeit“ und der starken Sehnsucht nach einem „goldenen Zeitalter“, in der Zar in Glanz und Prunk regiert.

So wird auch aus dieser Betrachtungsweise her erklärlich, warum Peter der Große, dem Fortschritt anhängend, Moskau und den Kreml mied und in St. Petersburg seinen Ort der „Weltoffenheit“ anders und neu erbaute. Eine Offenheit dem neuen, den Ideen, der Welt gegenüber, die, wie die neuere Geschichte des Kremls von der Oktoberrevolution an zeigt, sich nicht erhalten hat, sondern wieder in die „Trutzburg“ eingezogen ist.

Aber auch die Phase der „Normalität“, die mit Boris Jelzin im neuen „Zeitabschnitt“ begann und auch unter Putin durchaus über lange Strecken hinweg im Kreml anzutreffen war (und in Teilen noch ist) findet im Buch seinen Niederschlag.

Immer wieder aber ist der Kreml Schauplatz, Symbol und Mittelpunkt der russischen Drehung „um die eigene Achse“, eines starken, verwurzelten, in Teilen nicht nur in der Sowjetzeit irrationalen Patriotismus, eines Ausbaus und Glanzes des Kreml innen wie außen, der sich bei Weitem nicht immer in der tatsächlichen Lage Russlands und seines Volkes widerspiegelt.

Ein interessantes und informatives, gut zu lesendes Buch, dass der „russischen Seele“ und der russischen Geschichte von ganz anders als gewohnter Seite her sich nähert.
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am 20. März 2015
Das Buch ist keine "neue Geschichte Russlands", sondern maximal die des Kremels. Teilweise wirkt es auf mich nachlässig und illustriertenmäßig geschrieben. Ich habe mir auf Grund der anderen Besprechungen ein wesentlich sorgfältigeres Buch erwartet.
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am 26. Februar 2015
Merridales opulentes Werk beinhaltet die Geschichte Russlands, bezogen auf den Moskauer Kreml als Machtbasis des Russischen Reiches vom 12. Jahrhundert bis in die jüngste Zeit. Was den Inhalt anbetrifft, so sind 5 Sterne berechtigt. Die Autorin schreibt in guter angelsächsischer Manier anschaulich und stets auf eine interessierte, aber nicht unbedingt wissenschaftlich vorgebildete Leserschaft hin orientiert. An den vorgestellten Fakten, Daten und kulturhistorischen Assoziationen ist nichts auszusetzen, zumal alles quellenmäßig belegt wird. Vieles ist originell und in dieser anschaulichen Form in deutschen Russland-Werken nicht zu finden: etwa die komplizierte Rangfolge in der Rus, die Wertung der Mongolenherrschaft oder das grundlegende byzantinische Erbe, das bis heute (und aktuell wieder erstarkend) nachwirkt. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass nirgends das Wort "Kreml" erklärt wird. Slawisch ist es offensichtlich nicht.
Aber Kritik ist an der deutschen Präsentation des Buches angebracht. Das betrifft die Übersetzung aus dem englischen Original. Man stößt auf zahlreiche unpassend übersetzte Ausdrücke, die manchmal echte Stilblüten bilden oder höchstmoderne Begriffe in die Vergangenheit zurückprojezieren. Die Textfülle wird außerdem nahezu ohne Gliederung geboten und erweckt den Eindruck eines formlosen Textbreis. 12 Großkapitel ohne Unterpunkte für über 600 Seiten sind zu wenig. Und der Anhang mit Literaturhinweisen besteht ganz überwiegend aus englischsprachigen Werken. Diese mögen für das englisch-amerikanische Publikum wertvoll gewesen sein, nicht aber für die deutsche Zielgruppe der Übersetzung. Also: 5 Sterne für die Autorin, aber nur 1 Stern für den Verlag ergibt 3 Sterne insgesamt.
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Der Kreml ist das imposanteste Symbol der russischen Nation. Hier wurden die mächtigsten Zaren gekrönt, hier paradierte die Rote Armee nach dem Sieg über Deutschland. Im Kreml schlägt das Herz der russischen Macht, hier entscheidet sich Russlands Schicksal. Die bedeutende Historikerin Catherine Merridale erzählt in ihrem Buch, es ist im Fischer Verlag Frankfurt am Main erschienen, die faszinierende Geschichte des Kreml mit all ihren Intrigen und blutigen Kämpfen. Ein Buch, das auch einen neuen Blick auf das Russland der Gegenwart erlaubt. Es zeigt, dass sich bis heute die schon nach dem Tod Iwans des Schrecklichen entstandene Vorstellung erhalten hat, dass nur eine starke Hand die Größe Russlands zu bewahren vermag.( Klappentext). Das Buch geht ausschließlich in die bauliche Geschichte des Kreml, aber übersichtlich und klar geschrieben. Die lange Geschichte Russlands, geht bis in das 12.Jahrhundert und endet in der Gegenwart. Die einzelnen Farbaufnahmen in diesem Buch, geben den Glanz der vergangenen Zeiten wieder. Durch das Winterpalais wurde der Kreml nicht komfortabler, und es war Elisabeths Nachfolgerin Katharina der Großen beschieden, die Initiative zu generellen Verbesserungen zu ergreifen.Der Kreml ist eines der berühmtesten Bauwerke der Welt, und jeder der nach Moskau reist, will den Kreml sehen. Er ist und bleibt Schauplatz vieler Ereignisse. Man kann ihn auch die Stütze der Tyrannen nennen, so drückte es einst der Franzose, Marquis de Custine aus.
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am 1. April 2016
Die Übersetzung ist nachlässig ausgeführt worden. Ich lese parallel zur Übersetzung von Herrn Rullkötter das Original und habe feststellen müssen, dass die Übersetzung in manchen Punkten nicht genau ist (Beginnend beim Titel, bei "Anmerkungen zum Text" wird nicht darauf hingewiesen, dass diese für die deutsche Übersetzung gültig ist (der Duden ist für die englische Sprache irrelevant) Auslassungen von Wörtern ( u.a. "game and fur-bearing animals" wird einfach mit "Pelztiere" übersetzt) unsensibel Übersetzung von Wörtern wie "congregation" und so weiter und so fort. Weiters ist die Transkription von russischen/slawischen Eigennamen nicht auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand, wobei sich Frau Merridale sehr bemüht, dieser zu folgen.
Jedem/Jeder LeserInn ist es ans Herz zu legen wenn möglich das Original zu lesen, als "Übersetzungshilfe" ist die Übersetzung von Herrn Rullkötter durchaus empfehlenswert.
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am 22. November 2016
Das Buch hat mir nicht gefallen. Ich dachte es würde die Geschichte Russlands beschreiben....tut es nicht. Irgendwie ein komische s Buch
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am 2. Juni 2015
Die Autorin erzählt die Geschichte Rußlands am Beispiel und im Detail an diesem zentralen Bauwerk.
Sehr gut lesbar gibt sie damit - angereichert auch mit vielen Anekdoten über ihre Forschungsarbeiten an und in dem Gebäude-Komplex selbst - teils sehr originelle Einblicke in die russische Geschichte. in ihrem Umgang mit dem Kommunismus, den revolutionären Bewegungen des 20. Jahrhunderts und den sie repräsentierenden historischen Gestalten (z.B. Lenin) neigt sie allerdings zu Flapsigkeit und einer untergründigen Verachtung.
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am 12. Februar 2017
Es war ein Geschenk und ich kann nur wiedergeben, was der Leser mir dazu sagte:
Die Vorfreude auf das Buch war groß, da viel Gutes über das Buch berichtet wurde.
Jedoch war der Schreibstil sehr ermüdend und das Buch nur schleppend zu lesen.
Die Gewichtung der geschichtlichen Ereignisse etwas eigenwillig.
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am 5. Januar 2016
Sehr interessant und ausführlich, ein gutes Geschichtsbuch für einen Historiker und jemanden, der sich für allgemeine Geschichte interessiert und gerne liest.
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