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Kundenrezensionen

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Dass es sowas doch gibt! Einen historischen Abenteuerroman, der fernab der Bestsellerlisten sein Dasein fristet und doch besser ist, als so vieles, was es auf eben diese Listen schafft. Ein hammermäßiger Abenteuerroman zur Zeit der Kreuzzüge. Ausgezeichnet recherchiert. Stets spannend. In mundgerechte Kapitel eigeteilt, mit liebevoll gewählten Kapitelüberschriften, die Heiligen/ Schutzpatronen gewidmet sind. Und dann dieses Ende! Mir wurde schon wehmütig, als ich die letzten Seiten vor mir hatte. Ein Abschied von Jaufre und seinen Lieben auf der Burg Rocafort? Mit großer Wehmut musste ich die geliebten abenteuerlich untermalten Lesestunden beenden, bin mir jedoch gewiss, dass mir viele dieser lebhaften Abenteuer in eben diesen eindrücklichen Bildern, die beim Lesen entstanden sind, in wohlig angenehmer, als zuweilen auch schrecklicher, Erinnerung bleiben wird. Ich bin voll der Begeisterung, wie ungezwungen mich der in seinen Erzählungen traurig-melancholisch anmutende Held, Jaufre Montalban, mit auf diese gewaltige Reise durch seine Lebensgeschichte genommen hat. Schließlich sind wir beide heimgekehrt. Jaufre und ich auch. Wehmütig wir beide.

Als ein Kind von Traurigkeit oder gar Untätigkeit kann man ihn nicht bezeichnen, diesen Jaufre. Schon in jungen Jahren zieht es den jungen Adligen weit weg von zu Hause. Nach dem Tod seiner Geliebten, die bei der Geburt seines unehelichen Kindes verstarb, und dem Gräuel der anschließend von seiner Mutter eigefädelten Zwangsheirat, war er der Fremdbestimmung seitens der "familia" überdrüssig. Fort aus der Heimat, lautete sein Beschluss - und ab ins Heilige Land, wo es große Abenteuer zu bestehen gelten sollte. Im Namen der Kirche, mit dem Dispens des Papstes alle Sünden die im Namen der Befreiung des Heiligen Landes noch begangen sollten als erlassen zu betrachten, wird dort geschlachtet, gemetzelt und geplündert. Der erste große Kreuzzug. Und zu seiner Ehr` wird Jaufre, dort im fernen Land auch gleich noch "Castelan", findet viele Freunde und eine Frau, mit der er eine neue Familie gründet. Die Dinge verlaufen indes auch in seinem neuen Leben nicht nach Plan und so gelangt Jaufre nach Jahren in der Ferne zu der Einsicht, heimkehren zu wollen. So einfach, wie gedacht stellt sich sein Unterfangen zu Hause - auf Burg Rocafort, in der Corbieras - wieder Fuß zu fassen nicht! Mit (s)einer starken Frau Berta, die die "famila" über schwierige Zeiten alleine durchbringen musste, hat er nicht gerechnet. Und schon gar nicht damit, dass ihn ein dunkles Geheimnis eines Tages vollkommen überrumpelt... und ihn auch in der Heimat erbitterte Machtkämpfe und blutige Schlachten erwarten...

Mein erster - eher panischer - Eindruck von diesem schönen dicken Schmöker (über 900 Seiten!) war völlig grundlos. Ich hatte ehrlich Bedenken, weil es ein riesig anmutendes Repertoire an geschichtlich belegten sowie fiktiven Personen der Handlung gibt. Als Lesezeichen sehr nett gestaltet übrigens.
Die Angst in die Handlung hineinzufinden war sehr schnell verflogen, denn die Art und Weise wie Jaufre Montalban seine Geschichte (nach)erzählt, ist fesselnd und nimmt mich einer Leichtigkeit mit, dass ich das Buch nur ungerne aus der Hand lege. Auch hatte ich mich bisher stets erfolgreich um Romane zum Thema Kreuzzügen gedrückt. Weil mir schlichtweg das Verständnis für die Motivation der Teilnehmer an den Kreuzzügen fehlte. DEN Zahn hat Ulf Schiewe mir bereits nach nicht einmal 100 gelesenen Seiten gezogen. Ich bekomme einen einmaligen Geschichtsnachhilfeunterricht, der alles andere als trocken ist und fühle mich dabei noch wie mitten in einem Kinosaal vor der breiten Leinwand. Prächtige Bilder dieser fremden Kulturen bilden sich vor dem geistigen Auge. Alles ohne mich belehrt zu fühlen. Ein geschickter Geschichtenerzähler ist er, dieser Autor, von dem man hoffentlich noch sehr viel wird lesen dürfen.

Meine Hoffnung, dass der Autor Ulf Schiewe mich bald wieder einlädt zu so einen unterhaltsam-lebhaften Roman ist mittlerweile zur Gewissheit geworden. Im April 2011 erscheint sein neuer Roman: DIE COMTESSA

Wem DER BASTARD VON TOLOSA gefallen hat, dem lege ich den Besuch der Homepage von Ulf Schiewe unbedingt ans Herz. Ich schätze Autoren sehr, die so offen mit ihrer Arbeit umgehen. Zumal es sich um einen Deutschen (Autor) handelt. Dort erfährt man sehr viel über seine Motivation dieses Buch zu schreiben und einen empfehlenswerten Artikel zu dem Thema "Das Zerrbild der Frau im Mittelalter". In seinen Recherchen, die man dem Roman auch anmerkt, bietet er einen tiefen Einblick in die Welt der Fakten. Und schöne Bilder aus den Gegenden wo DER BASTARD VON TOLOSA spielt, gibt es auch noch! Ein wahrer Glücksfall. Und einen schönen BLOG schreibt Herr Schiebe auch noch!

Eines der Bücher wo die fünf banalen amazon-Bewertungs-Sternchen mir als völlig unzureichend erscheinen. Einer der Abenteuerromane im fein gezwirbelten historischen Gewand, den ich tatsächlich empfehle möchte.
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am 2. Februar 2011
Ich mache es kurz, da ja auch die früheren Rezensenten voll des Lobes sind. Dieses Buch gehört zu den besten historischen Romanen, die ich je gelesen habe. Ganz im Ernst: Da können sich sogar Autoren wie Cornwell, Sansom und allemal Follett, der m. E. weit überschätzt wird, ein ordentliches Stück abschneiden. Ich rate allen Liebhabern dieser Literaturform dringend, dieses grandiose Buch zu lesen.
Ich hab's leider schon hinter mir, freue mich aber auf Schiewes angekündigtes zweites Buch!
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Ulf Schiewe entführt den Leser gekonnt in die Zeit der Kreuzzüge - er verknüpft Fiktion und historisch belastbare, weil gesicherte Fakten und Daten zu einer sehr stimmungsvollen, lebendigen, spannenden, sogar informativen und unterm Strich somit äußerst kurzweiligen Geschichte, der man die 928 Seiten übrigens kaum anmerkt - am Ende hab ich mich nämlich gefragt, wohin die ganze Zeit geflossen ist, welche ich mit dem Buch in Händen verbringen d u r f t e...

Das Lesevergnügen ist bei weitem nicht allein den Kampf-/Belagerungszenen zu verdanken - so steuert vielmehr die Kombination der Figuren (z.B. Provenzalischer Edelmann/Arabischer Kampfgefährte) kritische Töne bei, welche die Umstände und Auswirkungen der Kreuzzüge von mehreren Seiten ausleuchten.

Schiewe beweist eindeutig Talent im Umgang mit Sprache, der Projektor des Kopfkinos läuft hier auf Hochtouren!

"Der Bastard von Tolosa" gehört eindeutig zu den Büchern, auf die man sich den ganzen Arbeitstag über freut - man es wirklich kaum abwarten kann, in die Geschichte einzutauchen, um zu erfahren, welche Erfolge und Schicksalsschläge den weiteren Verlauf der Handlung bestimmen werden....

Fazit: Kaum zu glauben, dass dies tatsächlich ein Erstlingswerk sein soll! Hoffentlich hat Ulf Schiewe weitere Ideen, denn nach dieser beeindruckenden Erfahrung, wünsche ich mir eindeutig mehr Geschichten aus seiner Feder.
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am 1. August 2013
Ich lese gerne historische Romane und als ich zuletzt auf dieses Buch hier gestoßen bin und die Inhaltsangabe gelesen hab hab ich gleich zugeschlagen, und ich muss sagen: Volltreffer!

Das Buch ist klasse geschrieben. Die Figuren sind glaubhaft dargestellt, es gibt keine langweiligen Längen und es ist trotz der über 900 Seiten sehr gut lesbar.
Interessant ist dabei dass es aus der Ich-Perspektive geschrieben ist. Am Anfang wirkt dies etwas befremdlich, da dies ja eher selten ist, jedoch gewöhnt man sich schnell daran. Dies sorgt jedoch dafür dass man sich voll und ganz mit der Hauptfigur Jaufré Montalban, aus dessen Sicht dieses Buch geschrieben ist, identifizieren kann.
Es gelingt diesem Buch diese Verbindung zwischen Leser und Protagonist zu schaffen, die einen mitfiebern und mitleiden lässt. Man ist traurig über den Verlust von liebgewonnenen Kameraden (und das kommt in diesem Buch wirklich oft vor), fiebert mit in den Schlachten und lacht mit bei den derben Gesprächen die bei den Zechgelagen von Jaufré und seinen Leuten oft genug geführt werden.

Die Schlachten die in diesem Buch vorkommen sind wirklich schonungslos dargestellt, nichts für schwache Gemüter, allerdings war diese Zeit nunmal brutal und es muss wie ich finde auch so geschrieben werden, schließlich muss so ein Buch authentisch rüberkommen.
Wie man sich hier ernsthaft über zu blutige Schlachten beschweren kann, wie es hier einige getan haben, ist mir schleierhaft. Die Leute die dies schreiben sollten sich vlt Bücher kaufen, die entweder eine andere Zeit behandeln oder ganz auf historische Romane verzichten, diese sollen schließlich authentisch bleiben und keine blumigen Märchen erzählen.

Interessant an diesem Buch ist auch dass der Sinn der Kreuzzüge und des Kämpfens für Gott hinterfragt wird, auch die Freundschaft mit Hamid, einem Sarazenen, lässt die Glaubensgrenzen verschwinden. Allgemein gibt es kein Gut oder Böse in diesem Buch. Vielmehr geht es um die Gier des Menschen nach Macht und die Wichtigkeit einer eingeschworenen Gemeinschaft vor allem in schweren Zeiten.

All dies macht dieses Buch zu einem hevorragendem Buch, welches ich nur weiterempfehlen kann.
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am 9. Mai 2016
Als Jaufre zu den Kreuzzügen aufbrach war er bereits auf die eine oder andere Weise ein gebrochener Mann. Als er zurückkommt ist er es noch mehr. Er will sich auf seiner Burg zurückziehen und ein ruhiges Leben führen - doch so leicht wie er sich das vorstellt soll das nicht werden. Zunächst hätten wir da eine Gattin, nur unter Zwang geheiratet und nicht begeistert, ihren Mann nach all den Jahren wieder zu sehen. Und einen mächtigen Feind, der Jaufre noch mehr nehmen will als nur seine Burg..

Der Bastard von Tolosa ist Schiewes erster Roman - und obwohl sein Stil unverkennbar ist (Ich kenne sonst keinen Autoren dem es gelingt das Schöne derart perfekt mit dem Nützlichen zu verbinden, soll heißen : Ein fantastisches Leseerlebnis mit gleichzeitigem Wissenszuwachs) sind doch klare Unterschiede zu erkennen.
Dieser Roman ist länger, detailverliebter und ausschweifender. Müsste ich mich jetzt entscheiden was mir besser gefällt - ich könnte es nicht. Die neueren Romane bieten mehr Spannung und Action, kaum Atempausen. Dafür lässt "Der Bastard von Tolosa" das Geschehen auf eine eindringliche Art real erscheinen. Man nimmt sich Zeit, für das Leben, die Gefühle und die damalige Zeit. Beides ist auf seine eigene Art wunderschön.

Besonders spannend fand ich hier, wie stark sich die Gefühle zu einzelnen Figuren im Laufe der Geschichte ändern. Am repräsentativsten ist da natürlich der Protagonist Jaufre - zu Beginn wirkt er in seinem Turm verbittert, nahezu depressiv, auf jeden Fall des Lebens müde. Und dann erlebt man seine Geschichte, nur um wieder zum alten Jaufre zurück zu kehren und ihn plötzlich mit anderen Augen zu sehen.
Auch wenn das sicher der bedeutendste, ergreifendste Wandel war lässt sich das durchaus auch im Kleinen beobachten. Bei der verlassenen Gattin beispielsweise. Die Geschichte des Autors ist wie das Leben auch : nicht alles ist schwarz und weiß und manchmal muss man eben ein bisschen genauer hinschauen, bis man erkennt, was einen Menschen wirklich antreibt.

Ich weiß nicht, was ich alles noch erwähnen könnte, um begreiflich zu machen, wie großartig ich dieses Buch finde. Jedes Wort ist mit Bedacht und Herzblut gewählt, jede einzelne Handlung wirkt authentisch, die Längen die eigentlich störend wirken sollten machen das Ganze eigentlich nur noch besser.
Vergesst Ken Follett, lest Ulf Schiewe. Klingt pathetisch, trifft die Sache für mich aber auf den Punkt!
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am 1. Februar 2016
Enttäuschung über seine Familie veranlasst den jungen Edelmann Jaufré Montalban, sich den Kreuzzügen anzuschließen, um Jerusalem von den Heiden zu befreien. Da ihn nichts zurück in seine Heimat zog, ist er in Outremer geblieben. Nun dient er Bertram dem Bastard und ist Castelan einer Festung. Aber rundherum herrscht noch lange kein Frieden. Als seine Geliebte Noura grausam getötet wird, kommen ihm langsam Zweifel, ob er dieses Leben weiter führen will. Deshalb begibt er sich zusammen mit seiner Tochter Adela zurück zu seiner Familie nach Südfrankreich. Er will nicht mehr kämpfen. Aber auch in der Heimat bleiben ihm Kämpfe nicht erspart.
Jaufré ist kein Heiliger. Er ist ein Kämpfer, der sehr hart sein muss, um in einem feindlichen Land zu überleben. Aber immer wieder zeigt sich, dass er auch eine andere Seite hat. Er leidet als ihm Noura genommen wird und es macht ihm nichts aus, das zu zeigen. Gut für ihn ist, dass er Freunde hat, die ihn unterstützen. Er ist ein sympathischer Mensch, der Wunden trägt, die ihm das Leben schlug. In der Heimat erwartet ihn seine resolute Frau Berta, die ihm einst aufgezwungen wurde und sein Sohn, der ihm feindlich gegenüber tritt. Berta musste unter schwierigen Bedingungen die Familie durchbringen. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass ihr Mann noch lebt. Daher ist sie zunächst nicht so erfreut, als er wieder auftaucht. Dann da ist jemand, der ein Auge auf Berta und Jaufrés hochverschuldeten Besitz geworfen hat.
Bertram der Bastard ist ein schwer zu durchschauender Mensch. Seine Aufgabe scheint ihm auch nicht so recht zu gefallen, aber auch er hat keine Wahl. Sein Verhalten ist sehr unterschiedlich, manchmal freundschaftlich, aber er nutzt auch seine Macht. Er hat seinen Vetter Ricard aufgenommen, der jung und sadistisch ist. Dem macht es Spaß, anderen Angst einzujagen. Mit Jaufré verbindet ihn wahre Feindschaft und so müssen sich die beider später auch wieder über den Weg laufen.
Die Andeutungen von seinem Onkel über seine Herkunft sowie seine Aufforderung zur Aufrüstungen muten Jaufré eigenartig an. Doch bald schon bleibt ihm nichts anderes, als wieder zu kämpfen.
Die Geschichte ist mit über 900 Seiten sehr umfangreich, aber sie zieht einen in ihren Bann. Wir lernen Jaufré Montalban ganzes Leben kennen, seine Zeit in Outremer, seine Jugend und auch das, was er als alter Mann dem Mönch Aimar zu erzählen weiß.
Der Geschichte ist einer wunderbare Verquickung von historischen Fakten und Fiktion. Es ist eine grausame Zeit und es ist manchmal hart, wenn über die begangenen Gräueltaten berichtet wird. Dennoch ist der Schreibstil sehr angenehm zu lesen.
Wir erleben eine sehr spannende Geschichte, die wunderbar erzählt ist. Daher kann ich das Buch nur empfehlen.
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am 7. Juli 2012
Auch wenn der Roman, wie viele andere Rezensenten auch schon angemerkt haben, etwas schwer in Gang kommt und leider einige Klischees (auf die ich wegen Spoilergefahr nicht weiter eingehe) nicht ausgelassen wurden, fällt das Buch in der Masse der historischen Romane positiv auf.

Während viele Autoren entweder schlecht recherchieren und eher eine Art Fantasy-Roman dabei rauskommt oder ins Gegenteil verfallen und vor lauter Angst vor historischen Fehlern eher ein Geschichtsbuch schreiben als einen unterhaltsamen Roman, gelingt hier die Gratwanderung. Zumindest soweit ich es nach meinem Wissensstand nachvollziehen kann. Was die historische Korrektheit angeht, gibt es nur ein Sternchen Abzug für die immer wieder auftauchenden Begriffe "Sattelknauf" (mittelalterliche Sättel haben keinen Knauf, schon gar keinen, wo man etwas dranhängen kann) und "Mieder" (taucht erst im späten Mittelalter in der Damenmode auf).

Pluspunkte hingegen gibt es für die vielen sympathischen Nebencharaktere, und weil sich die schwarz-weiss-Malerei in Grenzen hält.

Einige Rezensenten haben die detaillierten Schilderungen sehr brutaler Szenen bemängelt. Aber Krieg war und ist nunmal kein Sonntagsspaziergang und ich empfinde diese Schilderungen an keiner Stelle als sadistisch oder voyeuristisch.
Wem das zu blutig ist, der sollte lieber bei solchen Romanen bleiben, deren Titel aus einer weiblichen Berufsbezeichnung besteht und deren Klappentext mit "Die schöne und kluge Tochter des Schmiedes/Kaufmanns/Medicus..." beginnt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 26. Oktober 2010
Jaufre Montalban, ein junger Edelmann aus Südfrankreich schließt sich dem ersten Kreuzzug an, um seiner ungeliebten Frau und seiner dominanten Mutter zu entfliehen. In Outremer steigt er zum Kastellan auf und lebt jahrelang recht zufrieden mit der Armenierin Noura zusammen, mit der er eine gemeinsame Tochter hat. Als bei einem Überfall auf das Landgut Jaufres Noura ermordet wird, beginnt er am Sinn des Kriegshandwerks zu zweifeln. Ein Brief seines Onkels aus der alten Heimat gibt schließlich den Ausschlag für eine Rückkehr, wo er seine Burg Rocafort wieder in Besitz nehmen will. Daß die Begrüßung keineswegs Begeisterung auslöst, ja dass er direkt von seiner Frau Berta aus der eigenen Burg ausgesperrt wird, hatte er nicht vermutet. Jaufre muß entdecken, dass es anscheinend um seine Person ein Geheimnis gibt, dass er selbst nicht kennt und weswegen es jetzt zum dramatischen Kampf um die Burg Rocafort kommt.

Das Buch ist gegliedert in drei Abschnitte: Teil 1 - Outremer, Teil 2 - Die Heimkehr,Teil 3 - Kampf um Rocafort. Jeweils wird in Rückblicken in der Ichform aus der Sicht von Jaufre Montalban erzählt. Was mir nicht gefallen hat war, dass dem Geschehen oft vorgegriffen wurde. So dass man den Ausgang eigentlich schon kannte und nur noch die Schilderung des Hergangs genau ausgeführt bekam, das hat viel an Spannung weggenommen. Außerdem war mir das ganze oft zu blumig übertrieben und der Edelmann Jaufre für meinen Geschmack ein bisschen zu volkstümlich. Die Frauen hingegen leiden alle nicht an Schüchternheit und wissen sich zu behaupten, vielleicht auch ein bisschen übertrieben?
Ansonsten ein gut lesbarer Roman, der die Schrecken des Kreuzzuges und die Grausamkeiten des Krieges schildert. Auf der anderen Seite aber auch ein romantisches Ritter-Abenteuer alias Robin Hood, zumindest im letzten Drittel.
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am 29. Oktober 2016
Nettes Buch und gute Story, liest sich angenehm flüssig und ist auch spannend, auch wenn ich der Meinung bin, dass das Ende der Geschichte unnötig lange hinaus gezögert wurde. Inhalt entspricht der Verkaufsbeschreibung,
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TOP 1000 REZENSENTam 30. März 2016
Der Romanautor Ulf Schiewe hat sich in der Welt der historischen Romane bereits einen großen und bekannten, sowie gelobten und gern gelesenen Namen gemacht. Mit ihrem damaligen Debütwerk „Der Bastard von Tolosa“ habe nun auch ich mich von seinem Talent und seinem Können überzeugen können. Auf dieses Buch musste ich wirklich lange warten. Ich habe es schon geraume Zeit beobachtet und auf meiner „To-Read-Liste“ geführt. Die Lieferung des Romans hat sich leider sehr verzögert. Man glaube es kaum, aber dieser Titel ist/war so beliebt, dass er in einer neuen Auflage gedruckt werden musste. Aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und das Warten hat sich absolut gelohnt. Was sind schon wenige Wochen, wenn im Romaninhalt Jahre verstreichen und man das Gefühl hat, als wäre es gestern gewesen?
Ich habe so viele begeisternde Rezensionen und Leserstimmen zu Ulf Schiewes Erstlingswerk vernommen, sodass ich diesen Autor nun endlich einmal selbst kennenlernen wollte. WOW. Meisterhaft, erstaunlich, ritterlich, minutiös, facettenreich, atmosphärisch, mittelalterlich, kämpferisch und voller Sympathie. Diesen 922 Seiten umfassenden Auftakt widmet der Autor seiner Frau Sandra, ich finde, sie kann sich glücklich schätzen. Dieses Buch bietet die gelungene und überwältigende Basis sich für geschichtliche Themen und Meilensteine zu interessieren und diese mit jeder Zeile und jedem geschrieben Wort aufzusaugen. Die Zeit der Kreuzzüge hinter schillernden und farbenprächtigen Kulissen und Schauplätzen. Eine Liebe zu einem Land, zu einem Königreich und die Liebe zum bescheidenen ritterlichen Leben und der Kampf um Burg Rocafort. Jaufré Montalban wird sich in die Herzen schreiben. Mit einem unheimlich stolzen Auge und einem weinenden Auge habe ich die letzte Seite beendet und schließe nun den Buchdeckel und kann mich über ein Nachsacken dieses atemberaubenden Leseerlebnisses freuen.
Erschienen im Knaur Verlag

Zum Inhalt:
"Wie Tausende »Soldaten Christi« folgt auch der junge Edelmann Jaufré Montalban 1096 dem Aufruf des Papstes, Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Viele grausame Schlachten später beginnt er, am Sinn des Kreuzzugs zu zweifeln. Als seine Geliebte brutal niedergemetzelt wird, will er sich auf seine Burg nahe dem heutigen Toulouse zurückziehen. Doch dort erwartet ihn eine Gattin, die er nur unter Zwang geheiratet hatte – und eine tödliche Intrige um das Rätsel seiner Herkunft."

Handlung:
Dieses historische Meisterwerk erstreckt sich über knapp 40 Jahre im Leben des Edelmannes Jaufré Montalban, aus dessen Sicht der Roman erzählt wird. Wir schreiben das Jahr 1096 der Zeit der Kreuzzüge.Wie so viele junge Soldaten und Edelmänner folgt auch Jaufré Montalban dem Aufruf des Papstes und zieht in den Krieg um das gelobte Jerusalem zu berfreien. Jaufré verbringt einen Großteil seines Lebens in Outremer, wie das Land genannt wird. Als edler Ritter kämpft er für die Freiheit der Christen. Dort erlebt er schlimmste Szenen, ist traumatisiert und beinahe lebensschwach. Aber erst nach Jahren erkennt er, dass dieses nicht das Leben ist, welches er sich gewünscht hat. Mit dem brutalen und unnötigen Tod seiner geliebten Frau, fällt für Jaufré der Entschluss das Land zu verlassen und in seine Heimat in der Nähe von Toulouse nach Burg Rocafort zurückzukehren. Zu seiner Ehefrau und seinem Sohn. Nach 14 Jahren des Krieges und des Kampfes. Doch die Widerkehr gestaltet sich alles andere, als wie er sich das erhofft hat. Zudem erhielt er von seinem Onkel und Bischof Odo einen fragwürdigen Brief, den seine Herkunft betrifft und sein Weltbild komplett durcheinander wirft. Doch ehe sich Jaufré darauf besinnen kann, beginnen die Kämpfe und Belagerungen seiner Burg Rocafort… Eine böse Intrige von ungeahntem Ausmaß ist längst im Gange und so beginnt auch hier ein Kampf um eine sichere Zukunft. Das Buch gliedert sich in drei Teile.
Hier beginnt dann auch die eigentliche Geschichte im Jahre 1131 auf der Burg Rocaford. Ein Kreis schließt sich und ein Ende bedeutet einen neuen Anfang. Jaufré Montalban ist bereits in die Jahre gekommen und beschließt sein Leben, seine Erfahrungen und sein Leid, sprich, seine ganze Lebensgeschichte, einem jungen Mönch anzuvertrauen. Durch Jaufrés Erzählungen sind wir Leser hautnah dabei und erleben aus der Ich-Perspektive die Zeit der Kreuzzüge und Kämpfe mit einem ganz anderen und intensiven Lesegefühl. Jaufré beginnt seine Schilderungen dem Mönch gegenüber, wie er dem Aufruf des Papstes und der allgemeinen Aufbruchstimmung gefolgt ist und er die Reise nach Outremer begonnen hat und was er in den Jahren des Kampfes und des Krieges erfahren und erleben musste und welche Spuren die 14 Jahre bei ihm hinterlassen hatten.
„Das Schicksal zerbricht uns, als seien wir Glas, und die Scherben finden niemals wieder zusammen.“ (Zitat: Abu al-Ala-Ma‘ arri, syrischer Poet)
Im zweiten Teil des Buches erleben wir seinen Entschluss zur Heimreise. Eine Heimkehrt, die ganz anders als erwartet und erhofft für ihn wieder Kampf und Blutvergießen bedeutet. Dabei geht es weit mehr als nur um sein Erbe, es geht um ihn und wer er ist. Den Widersachern und Intrigen, denen er sich hier zurück in Frankreich stellen muss, zeugen davon, dass Geldgier, Machthunger und Habsucht die Menschen verändert und zu grausamen Taten und Freveleien treibt. Politik, Glaube, Gesetzgebung und eigene Interessen der Mächtigen und Einflussreichen. Ein historisch dichter und geballter Roman, der sich über Jahre erstreckt und der den Leser dazu bringt mit den Charakteren, egal ob Gut oder Böse, zu leben, zu leiden, zu bangen, zu hoffen und zu kämpfen. Stärke, Schwäche, Mut und Verdruss… Dieser Roman ist ein historisches Meisterwerk mit fundierten Fakten, intelligenter Recherche, vielen Botschaften, Wortgewandtheit und einem Hauch von Poesie. WOW.
Der dritte Teil des Buches lässt und den Kampf um Burg Rocafort hautnah miterleben und so manchen Charakter werden wir spätestens hier von ganz anderen Seiten entdecken. Zudem wächst Jaufrés Familie zusammen und vergrößert sich überraschender Weise. Dennoch müssen wir in den letzten Kämpfen und Strategien viele liebgewonnene Figuren ziehen lassen oder diese begraben. Ein trauriges Werk mit viel Hoffnung und Realität.

Schreibstil:
Der talentierte und ambitionierte deutsche Autor Ulf Schiewe besitzt einen sagenhaft bildhaften, nahen, realen, derben und schonungslosen, jedoch gleichzeitig unglaublich gefühlvollen Schreibstil. Noch nie habe ich in einem Buch eine solche Fülle an Wissen, Spezialwissen, Details, Atmosphäre, Buchgefühl und Lebendigkeit gelesen. Wirklich faszinierend. Ulf Schiewe nimmt den Leser gleich zu Beginn mit in eine andere Welt, entführt ihn zu einem Panorama in Zeiten der Glaubenskriege und Kreuzzüge. Ein altes Thema, was aktueller denn je ist. Vieles lässt sich auf heutige Kriege, Kämpfe, Fanatismus und Extremismus zurück schließen. Leider werden in Bezug zur Gegenwart Parallelen sichtbar. Das macht dieses Buch nochmals interessanter und gegenwärtiger. Es geht zurück bis ins frühe 11. Jahrhundert. Autor Schiewe schreibt sehr detailliert und ausgesprochen ausführlich. Minutiös schildert er hier wirklich den leisesten Windhauch, der später zu einem großen Sturm entfachen kann. Beinahe jeder Gedanke, jeder Handschlag, jede Ritterlichkeit wird ausgeführt und dem Leser vorgeführt. Knapp 40 Jahre aus dem Leben von Edelmann Jaufré Montalban fühlen sich beim Lesen an, wie 40 Jahre. Als Leser weile ich an seiner Seite, ich lebe, erlebe, kämpfe, leide, liebe und reife mit ihm. Der Autor bietet eine Fülle an interessanten und wichtigen Personen und lässt seine Charaktere wunderbar wachsen und entwickeln. WOW. Sehr detailliert und unglaublich genau. Ulf Schiewes Stärke der Akribie und der ausführlichen Schilderungen könnten auch sogleich eine Schwäche darstellen, denn das Buch fordert den Leser sehr.Es ist enorm geballt, anspruchsvoll und benötigt viel Muße und Zeit beim Lesen. Jedes Wort will einzeln aufgesogen werden. Hinzu kommen die Vielfalt an Kulissen und Kulturen, an Politik, Religion und historischer Begebenheiten, sowie wichtiger historischer Personen. Das Buch, so muss ich zugestehen, zieht sich an gewissen Stellen, ehe es wieder rasant an Fahrt und Schnelligkeit gewinnt. Ein Wechselbad aus familiärer Ruhe, Rückblicken, Liebschaften, Atmosphäre und als Gegenpol, Kämpfe, Eroberungen, Belogerungen, Mord, Intrigen, Tod und Verderben sowie die Tücken des damaligen Lebens. Hunger, Kälte, Krankheit und fehlende Medizin, Ausbeute, Raub und Folter. … Dieses Buch, samt schriftstellerisches Geschick bietet so ziemlich alles und noch so viel mehr!!! Die zunächst als zäh oder langatmig empfundene langwierige Ausführung und Detailtreue, verwandelt sich jedoch aufgrund der Fülle an Poesie und wachsender Wichtigkeit für spätere Ereignisse und das Abtauchen in eine andere Welt und der sagenhaften Atmosphäre, in eine Langatmigkeit, die man mit jedem Wort und mit jeder einzelnen Zeile dennoch sehr genießt und später erkennen lässt, dass jedes Wort und jedes beschriebene Detail doch von enormer Bedeutung war und sich wieder einmal ein Kreis schließt und Fäden verwoben werden. Eine großartige schriftstellerische Leistung. … Ein wirklich seltenes und großes Talent für ein Debüt. Wir erleben diesen historischen Roman aus der besonders intensiven Ich-Erzählperspektive von Jaufré berichtet und vom Mönch angehört. Eine intime und sehr bewegende Stimmung. So erleben wir als Leser alle Seiten sehr intensiv und sind stets im Bilde ob der unglaublichen Wendungen, Ereignisse und Konstellationen. Im Fokus steht hier natürlich der ritterliche Edelmann Jaufré Montalban. Wir bewegen uns an seiner Seite, teilen seine Gefühle, Ängste und Sorgen. Wir blicken aus seinen Augen und verspüren seine unstillbare Liebe zu seiner Heimat und zu seiner Frau und Ehefrau, zu seiner Gefolgschaft, zu seinen Nachkommen und zu seinen Taten. Ulf Schiewe formt wunderbare Dialoge der Sympathie, der Gesellschaft, der Liebe, Zärtlichkeit, Anmut und des Hasses, des Zorns und der Verzweiflung. Wir begegnen königlichen Charakteren von Hofe, sturen Köpfen, patriotischen Helden, gnadenlosen Herrschern und humorvollen Bauern und Spielleuten, Handwerker, Bauern, Priestern, gelehrten, Widersachern, Helfern, Adel und Nichtadel, Rat und Fuhrleuten. Schon in den ersten Seiten schafft Ulf Schiewe eine Umgebung, die lebendiger und detailreicher erscheint, als jeder Film. Er erzeugt Kopfkino der Extraklasse. Wir erleben hier die weite Welt des osmanischen Reichs, des Heiligen Landes, Frankreich und Arenen großer Schlachten und Kämpfe. Erschwerliche reisen und Unglücke. Befestigungsanlagen, Burgmauern, Märkte, Verliese und das alltägliche Leben. …die Flora und Fauna, die Gastlichkeit, die Gemütlichkeit aus Musik und alten Legenden.
Kann man diesen historischen Roman als üblichen historischen Roman bezeichnen? Ich denke eher nicht, denn dieses Buch (vermutlich auch die Nachfolgerbände) ist schon etwas sehr besonderes und außergewöhnliches. Der Autor Ulf Schiewe paart neben Historie und wahren Fakten jede Menge Atmosphäre, Kulisse, Spannung, Kampf, Sachkenntnis, Hintergrundwissen, Herrschaft, Hierarchie, Medizin und jede Menge dezenter Romantik und große Gefühle. In diesem Buch findet fast jeder Genreleser sein Leseglück! Der Autor beschreibt zunächst Jaufrés Leben im Kampf und wie es dazu kam, dass er nun sein Leben Nacherzählt und wir in dieser Erzählung mit eintauchen können. Jaufres Leben in Outremer, und später in Tpulouse auf Burg Rocafort und anschließend sein eigenes Land und seine eigenen Leute und Gefolgschaft, sowie die Beziehung zu Graf Bertran und Berta, seinem treuen Freund Hamid und vielen weiteren persönlichen sowie politischen und religiösen einflussreichen Männern. Aber auch Männern, die um Jaufres Leben trachten und von Hass und Vergeltung getrieben sind. Hier lernen wir einen ganzen Adelsstand und dessen Gefolge kennen. Der Autor schreibt unheimlich nah, erweckt lebhafte Bilder, konzentriert sich aufs Detail, formt wunderbare Dialoge und spielt mit der Phantasie der Leser. Ulf Schiewe trifft den Nerv der Zeit. Mit seinem Debüt und seinem fast offenen Ende schafft er einen gelungenen Start für seine weiteren Bände und eine ganze Romanreihe. Mich hat er überzeugt und als Leserin gewonnen.

Charaktere:
Die Auswahl der Charaktere, bzw. der Hauptprotagonisten sollte das Herzstück des Romans sein. Und dieser Wunsch, dieses Ziel, ist dem Autor in der Umsetzung sehr gut und besonders gelungen. Jaufré Montalban lässt man nach dem Lesen nicht mehr so schnell los. Es ist zwar schnell klar, dass er überleben wird, doch es gab unzählige Stellen im Buch wo ich wirklich nicht mehr Atmen konnte, bis ich ihn erstmal wieder in sichereren Gefilden zu wissen glaubte. Jaufre, Hamid, Rosa, Joana, Bertran, Berta, Martin, Ramon, Ricard, Becelenc und viele viele mehr. Im Glossar des Buches finden wir ein Personenregister und eine Anmerkung des Autors. Trotzdem hatte ich stellenweise Schwierigkeiten den entsprechenden Adel und Titel entsprechenden Namen und Ländereien zuzuordnen. Wer ist von welchem Stand, dient welchem Land und wer verfolgt welches Ziel? Verwandtschaftsgrade und Adel… Aber von dieser Undurchsichtigkeit sollte man sich nicht verwirren lassen, denn jedes Kapitel und jede Passage hilft den Leser sich zurechtzufinden. Es ist selten, dass in einem Roman die Kulissen und Schauplätze, die Handlung, der Stil und sogar die Charaktere und Protagonisten gleichermaßen beeindrucken und polarisieren. Erfolgsautor Schiewe hat einen Pool aus Figuren erschaffen, die mit viel Sympathie bewegen, aber auch mit Antipathie und Abscheu sowie Hass aufwarten können. Einige Protagonisten nehmen im Laufe der Handlung einen ganz neuen Part ein und werden den Leser überraschen.
Jaufre Montalban: Ein gebrochener Mann in seinen späteren Jahren. Zuvor erleben wir den blutjungen Edelmann und Soldaten. Er ist sehr loyal, einfühlsam und fair. Jaufre besitzt viele Werte, die nicht nur materiellen Dingen, zugeschrieben werden können. Jaufré lebt und leidet für sein Volk und für sein Gefolge. Pflichtbewusst und ritterlich. Er hängt an seinen Freunden und hat mich sehr oft sehr positiv mit seinem Denken und Handeln überrascht. Sein Lebenslauf und Werdegang fasziniert mich. Ihm gönne ich alles Gute. Sein Erfolg und sein Leben verdankt er nicht nur seinem Geschick und Umgang, sondern auch vielen sympathischen Helfern, wie Hamid, Rosa, Joana und Berta.
Ricard: Ein Widerling, wie er im Buche steht. Für sein Ziel, der Eroberung der Burg geht er über Leichen und liebt es die unschuldigen Opfer leiden zu sehen. Er quält, foltert und tötet um die Burg einzunehmen und zu erobern. Ricard und auch Becelenc konnte ich lange nicht einordnen. Ich habe mich nicht überwunden ihnen zu trauen. Seine Macht und sein Einfluss war mir zu groß, um mich ihm unterwerfen zu können. Das machte das Lesen sehr spannend, da bei mir stets ein wachsames Auge auf seine Einflüsse und Entscheidungen lag.
Berta: Mein Highlight im Buch. Diese Frau verdient meinen ganzen Respekt. Eine wirklich tolle Persönlichkeit, die ich sehr lieb gewonnen habe. Und nicht nur ich, Jaufré erging es wohl genauso.

Meinung:
Auf dieses Buch musste ich sehr lange warten, denn, und das habe ich noch nie erlebt und spricht eindeutig für den Erfolg des Romans, das Buch musste in einer neuen Auflage nachgedruckt werden, da das Buch nicht mehr Lieferbar war. Obwohl es bereits im Jahr 2009 erschienen ist, scheinen die Verkaufszahlen nicht abzunehmen. Der Autor und Bestsellerautor Ulf Schiewe hat mit „Der Bastard von Tolosa“ bei mir mit seinem begeisternden Werk eine Achterbahn ans Laufen gebracht. Dieses Buch war in aller Munde, ich liebe dicke Bücher sowieso und fühlte mich gleich zu diesem historischen Roman hingezogen. Auf mehr als 920 Seiten erleben wir dann sensationelle Kulissen, Landschaften, Gesellschaftsformen und eine langsam erwachende Liebe und blutige Kämpfe. Ständig wankte ich zwischen Unmut über auftauchende Längen im Plot, doch wenn ich dann ehrlich zu mir selbst war, so wollte ich eigentlich auf kein einziges geschriebenes Wort aus dem Roman verzichten. Diese Schwäche ist auch gleich eine besondere Stärke, die ich so nur ganz selten beim Lesen empfunden habe. Ich bin froh und sogar richtig stolz, dass ich dem Buch die ritterliche Lesertreue erwiesen habe, und mich von der Seitenzahl und einigen Längen habe keinesfalls abschrecken lassen. Dieses Buch erfüllt seinen Leser mit Stolz und historischem Wissen. Fremde und historische Begriffe, sowie Fremdworte und Metaphern werden schon im Text erklärt, was ich sehr lobenswert finde. So ist kaum ein zusätzliches Nachschlagen, recherchieren oder Schlaumachen nötig. Das Buch erschließt sich von ganz allein. Dann, die grandiose und unbeschreibliche Landschaft, die mich vollends begeistert hat. Mit seiner Buchidee, mit seiner Story, mit den sagenhaften bildhaften Schreibstil, mit den detaillierten Kulissen, Epochen, Jahrzehnten des Krieges und den vielen historischen und wissenschaftlichen und religiösen Hintergründen hat mich der Autor U. Schiewe sehr beeindruckt und begeistert. Sein Buch hat mich glücklich gemacht! Dieser sympathische und passionierte Autor Schiewe sticht heraus, hat definitiv einzigartigen Wiedererkennungswert und mich als Leserin gewonnen. Sein Epilog, das Nachwort, der Anhang, sowie eine Karte der Kreuzzüge am Ende des Romans fand ich sehr aufschlussreich und genau das zeugt von Herzblut und Verbundenheit des Autors zu seinem Buch „Der Bastard von Tolosa“ als sein Debüt.

Besondere Stärken:
- unverwechselbare und traumhaft lebendige Kulissen und Schauplätze! Sagenhaft, ich bin begeistert!
- interessantes Spezialwissen im Bereich der Herrschaft und Krone, samt Historie, ein nie enden wollender Krieg mit Fakten, Kampf, Religion, Eroberung, alten Sagen, wissenschaftliche Kenntnisse, Gelehrte, alte Literatur und Länderkultur
- Die zähen Längen sind sogleich auch die Stärken, da jedes Wort voller Bedacht und Herzblut gewählt wurde
- charakterisierte Dialoge, wunderbarer Charme, grandiose Charaktere aus einer Mischung aus Helfern und üblen Widersachern
- angebrachte Zitate, Festlichkeiten, Gedichte und Verse, Gemütlichkeit und Poesie
- langer Lesespaß auf knapp 925 Seiten und 40 Jahren im Leben von Jaufré Montalban mit Aussicht auf weitere historische Geschichten um und mit ihm.
- Dieses Debüt hat der Autor seiner Frau gewidmet. Das finde ich eine ganz liebevolle Geste, denn jede wertgeschätzte Frau sollte es verdient haben, ein so wunderbares Werk gewidmet zu bekommen. Ich denke, dass Ulf Schiewes Frau oft auf ihren Mann verzichten musste, wenn dieser in seiner unglaublichen Schreibarbeit versunken war.
- eine Fortsetzung ist schon im Handel!!!!! Juchuuuuu!

Lieblingsstelle / Lieblingszitat:
"...Schweiß und Tränen bringt das Leben schon genug, nur die Heiterkeit macht es erträglich..."
Der Autor:
"Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, doch statt der "brotlosen Kunst" widmete er sich der Technik und wurde Software-Entwickler und später Marketingmanager für Softwareprodukte.
Seit frühester Jugend war Ulf Schiewe eine Leseratte, die spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Lauf der Jahre erwuchs aus der Lust am Lesen der Wunsch, selbst einen großen historischen Roman zu schreiben, der im "Bastard von Tolosa", seinem ersten Roman, mündete.
Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München."

Cover / Buch:
Das Cover ist wunderschön und passt zum Inhalt. Der edle Ritter zu Ross, die Farbgebung und der Schriftzug des Titels. Die Verarbeitung ist hochwertig und das Buch liegt trotz seiner über 920 Seiten angenehm in der Hand und sieht nach dem Lesen noch wie fast neu aus. Besonderes Bonusmaterial im Anhang!

Fazit:
Dieser Roman hat mich trotz einiger Längen absolut glücklich gemacht und bekommt eine verdiente 5 Sterne +++ Leseempfehlung mit Genussgarantie. Ich bin unheimlich stolz dieses Buch mit jeder Faser erlebt und genossen zu haben. Lesen bildet eben doch!
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