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am 30. Januar 2014
Das wichtigste zuerst : Ich habe das Buch bis jetzt nur teilweise gelesen und es bestellt weil ich zu einem bestimmten wissenschaftlichen Thema recherchiere. Meine Stellungnahme / Rezension ist deshalb mit Vorsicht zu lesen.
Mein erster Eindruck des Buches ( Inhaltsverzeichnis etc. ) lässt ein gutes Buch für Einsteiger in das beschriebene Thema erkennen, da es weitgehend ohne quantitative Darstellungen ( also z.B. mathematische Formeln usw. ) auskommt und die Fachinhalte in Textform lebendig beschreibt. Für Leser nicht naturwissenschaftlicher Fachrichtungen kommt der Text daher sehr entgegen, obgleich in der Behandlung des Phänomens "Musik" nicht nur eine differenzierte sondern auch in einer systematischen Reihenfolge unterschiedlicher Betrachtungsweisen angeordnete Abhandlung ( also von der Klangquelle bis zur Verarbeitung im Kopf der Musikhörers ) mit naturwissenschaftlichem Anspruch gegeben wird. Dies macht dieses Buch sehr lesenswert und lehrreich für unterschiedlichste Zielgruppen aus den wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Interessenfeldern - ein rundum gutes Buch, das ich gerne mit einem guten Gewissen weiterempfehlen kann.
Schwächen zeigen sich allerdings in der fehlenden quantitativen Beschreibung die bei der Konzeption des Buches auch eher als Ballast wahrgenommen werden.
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am 27. Januar 2014
das Buch kam gut verpackt und schnell an; ich fand schon die Leseprobe sehr interessant; meiner Meinung nach kann Musik auch im Gehirn Blockaden beseitigen; deshalb habe ich es verschenkt an jemanden, dem ich helfen wollt.
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am 13. Januar 2014
Angesichts gestrichener Musikstunden in den Schulen ein wichtiges Buch, das die Verbindung von Intelligenz und Musik, etwas banal runtergebrochen, vielfältig aufzeigt. Wer sich für psychische Energie und Verknüpfung von Natur- und Geisteswissenschaft interessiert, hat hier eine gute Startrampe, von der aus es dann weitergehen kann.
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am 23. Juli 2003
Ein Buch, das viele offene Fragen beantwortet und viele Details erklärt. Ich werde dieses Buch sicher öfter als einmal lesen und bin über viele Erklärungen dankbar. Man kennt ja viele Dinge aus der Erfahrung als Musikpädagoge, aber so manches wurde erst in den letzten Jahren durch die Fortschritte in der Gehirnforschung belegt. Die Zusammenhänge werden klarer. Für jeden, nicht ausschließlich für ausführende Musiker eine tolle Lektüre. Ich habe dieses Buch bereits an interessierte Schüler verschenkt, die genau so begeistert davon sind wie ich.
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am 6. Februar 2007
Dieses Buch ist anspruchsvoll und amüsant gleichermaßen, lehrreich und unterhaltsam, wirklich klasse!

Hier ist ein Komponist und Journalist auf die Suche nach der Wirkung von Musik im Kopf gegangen und erklärt absolut verständlich und nachvollziehbar, was der Unterschied ist zwischen ein paar Schallwellen und dem Erlebnis Musik. Selbst als Musiker erfährt man so viel Neues und Ungeahntes, dass man Musik aus einer anderen Perspektive wahrnimmt und viel bewusster hört.

Es gibt auch viel Information zur Musik allgemein, die man irgendwann in der Schule abgehakt hat, hier aber in zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext eingebunden sind und sich darum viel anschaulicher präsentieren. Man erfährt darum nicht nur etwas über Musik, Neurophysiologie und Physik, sondern in aller erster Linie über Menschen, darum ist dieses Buch so gut.
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am 1. Juli 2009
Ganz nettes Buch, viele interessante Details - egal, ob man allen vertretenen Thesen wirklich zustimmen mag. Manche sind nicht besonders gut belegt, sondern mehr einfach so dahergesagt. Mich hat besonders gestört, dass viele, wirklich allgemein bekannte Dinge fast unertraäglich lange und of wiederholt wurden. Lieferung durch Amazon ging - wie gewohnt - schnell und problemlos.
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am 19. Mai 2011
Als nun 60jähriger habe ich nach 45jähriger "Schrammelei" jetzt endlich mit Gitarrenunterricht begonnen und dabei festgestellt, dass ich nun wieder absoluter Anfänger bin. Einhergehend hiermit wurde mein Interesse an den theoretischen Hintergründen geweckt und so kaufte ich mir unter anderem auch dieses Buch. Anfänglich begeistert ob der vielen Dinge, von denen ich bis dato keine Ahnung hatte und die auch sehr anschaulich und kurzweilig beschrieben wurden, ließ diese Begeisterung spätestens nach dem ersten Drittel rasch nach. Ab hier ergeht sich der Autor in endlosen Wiederholungen, benutzt dabei häufig unerklärte Begriffe, für die man als musikalischer bzw. neurobiologischer Laie ständig ein Wörterbuch (Wikipedia) benötigt und die Bandbreite des behandelten Themas wird stark beschränkt (ein wenig klassische Musik-Geschichte). Dabei krallt er sich speziell am Thema vom rosaroten Panther fest, dass er von allen möglichen und unmöglichen Seiten beleuchtet und als (wohl notwendigen) Kontrast führt er die (vorsichtig ausgedrückt) etwas absonderlichen Kompositionen eines John Cage an (der mich übrigens ein wenig an Hape Kerkelings "Huuurz" oder an Helge Schneiders "Katzeklo" erinnert).
Das Ganze wird nun ständig fast in gleicher Form wiederholt und dabei endlos in die Länge "salbadert". Ich habe mich bis einschließlich des vorletzten Kapitels durchgekämpft, in der Hoffnung, dass ja vielleicht doch noch etwas Interessantes auftaucht, das letzte Kapitel habe ich nur noch rasch überflogen und dann das Buch mit der Gewissheit, es nie wieder anzufassen, irgendwo in die Ecke gelegt. Zum Verschenken taugt es nichts, dafür sind mir meine Freunde zu wichtig.
Fazit: Würde man dieses Buch auf das erste Drittel (besser noch auf ein Viertel) kürzen, wäre es sicherlich als ganz interessant anzusehen, wirklich Neues erfährt man ab dann nicht mehr.
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am 28. März 2016
Ich habe das Buch zunächst nur überflogen, um mir einen allgemeinen Eindruck verschaffen zu können. Ich werde es mir später noch einmal genauer durchlesen. Bis dahin... machen mich einige Aussagen und Thesen des Autors schon bei den ersten Kapiteln skeptisch und zum Ende hin war ich sogar regelrecht schockiert. Also musste ich direkt mal bei den Rezensionen vorbeischauen, und herausfinden ob ich etwa der einzige bin, der das so aufgefasst hat. Ein Glück ist dem nicht so. Der Rezension von G.T. kann ich mich nur anschließen. Auch wenn die Überschrift "Kulturfaschismus & Wissenschaft" etwas krass klingen mag, spiegelt es doch genau meinen Eindruck vom Grundtenor des Buches wider. Der Autor des Buches scheint die alte europäische Überheblichkeit in Sachen Kultur, regelrecht neu aufleben lassen zu wollen. Er schreibt, als wäre die harmonierorientierte Musik die Krone der künstlerischen Schöpfung. Das ist eine solch altbackene und soziologisch betrachtet fatal gefährlich Sichtweise, dass ich ins staunen gekommen bin, so etwas heute noch lesen zu dürfen. Hier werden nicht-harmonikorientierte Musikhörer mit Farbenblinden verglichen, die ihre Welt nur in schwarzweiß sehen (S.317). E-Musik, sprich klassische Musik, wird vom Autor als "ultimativer Beweis für musikalische Größe" hochgelobt. Die Bedeutung von Rhyhtmus und deren Fokus in anderen Kulturen, tut er dabei lediglich als eine Art minderbemittelte Unterhaltungsmusik ab, welche "nur" zum Tanzen dient. Auch ist zu erkennen, dass der Autor ein sehr beschränktes Wissen über die komplexe Thematik des Rhythmus verfügt. Auf das Groove-Phänomen geht er erst gar nicht ein. Nein - seine klinischen Aussagen zum Rhythmus widersprechen sogar immer wieder genau diesem Phänomen. Denn Rhythmus hat nicht einfach nur, wie der Autor glaubt, etwas mit dem reinen umspielen eines Metrums oder ein paar Synkopen zu tun. Wäre das so, könnte jeder Amateur-Musiker oder jeder Computer grooven...
Stattdessen liest man Sätze wie, "Wenn ein Jazzmusiker behauptet, Rhyhtmus sei das Herz der Musik, erklärt er lediglich seinen Hang zum Metrum, wegen dem er solche Musik spielt, dirigiert oder komponiert".
Ähnliche Aussagen habe ich auch schon von historischen Musikkritikern aus dem frühen 20. Jahrhundert gelesen, welche den Jazz als unästhetisch, stupide bis hin als entartete Kunst abzustempeln versuchten. Diese längst überholten Kritiker haben vielleicht nicht schwarzweiß gehört, aber in jedem Fall schwarzweiß gedacht!
Wenn der Autor so von seinen Gehirnmessungen überzeugt ist und neuronale Nervenimpulse bis ins Kleinste zu sezieren versucht, sollte er doch einfach mal eine simple Note messen. Dann würde er erkennen, dass jeder Ton in sich selbst ein Rhyhtmus darstellt, eben deshalb weil er regelmäßigen Schwingungen unterliegt. Rhythmus zieht sich von der größten Dimension, bspw dem Universum, bis hin zu den Atomen durch. Ohne Rhythmus gäbe es keine Melodien, Formen oder Harmonien. Dagegen ist es fast schon faszinierend, wie er es schafft dieses Thema so dermaßen zu vereinfachen und runterzuspielen. Das wirkt alles andere als wissenschaftlich.
Ich empfehle dem Autor nebenbei mal etwas modernere Musiklektüre wie bspw.
"Groove: An Aesthetic of Measured Time" von Mark Abel und
"Rhythmus: Psychologische, theoretische und stilanalytische Aspekte populärer Musik" von Martin Pfeiderer durchzuarbeiten.
Damit solle er seine Wissenslücken etwas auffüllen, und seine Ansichten etwas relativieren können.
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am 16. Juni 2017
Besser jedoch ist, Sie amüsieren sich über die Halbwahrheiten und durch nichts belegten Behauptungen, die der Autor ungehemmt verbreitet. Meinem Vorrezensenten A.Münch gebe ich in allem Recht. Kurz hinzufügen möchte ich, dass sich der Autor des Buches offenbar auch in der sogenannten klassischen Musik nur oberflächlich bzw. einseitig auskennt. Nur ein Beispiel unter vielen: Die Meinung, Felix Mendelssohn Bartholdy werde in Fachkreisen als Komponist 2. Klasse angesehen, ist einigermaßen bizarr. Seit der Sommernachtstraumkomposition, die Mendelsohn mit 17 Jahren schrieb, sei es mit dem armen Kerl nur mehr bergab gegangen…. Offenbar hat der Autor noch nie das 6. Streichquartett in f moll gehört, um nur eine geniale Komposition von Mendelssohn (übrigens seine letzte) zu nennen, die in einer Reihe mit den erstaunlichen Streichquartetten von Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Bartok, Schönberg, Berg, Ligeti etc. steht… (Es kommt mir reichlich absurd vor, ein Genie wie Mendelssohn zu verteidigen. Das letzte Mal wurde er in der Nazizeit derartig abgewertet.)
Neue Musik nach 1945 scheint der Autor ebenfalls kaum wahrzunehmen. Er fragt sich, warum es seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts keinen „großen“ Komponisten mehr gegeben habe. Noch nie was von György Ligeti, Pierre Boulez, Olivier Messiaen, Gerard Grisey, etc., etc. gehört?
Unter dem Denkmantel der Wissenschaftlichkeit offenbart der Autor Privatmeinungen und verkauft Anekdoten als Tatsachenberichte.
Immerhin ist das Buch in einem leichtfüßigen, gut lesbaren Stil verfasst…
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am 3. Januar 2014
Ich habe mir das Buch vor Jahren angeschafft und bin beim ersten Lesen irgendwann nicht mehr weiter gekommen, habe erst jetzt einen zweiten Anlauf geschafft und bin mit der Ausbeute zufrieden. Das erste Mal war die Flut der Informationen wohl irgendwann zu groß. Diesmal bin ich portionierter drangegangen und hatte auch schon etwas mehr neurowissenschaftliche Lektüre hinter mir, was sich als durchaus nützlich erweist. Von dieser Erfahrung her kann ich mich weder der Fraktion der Kommentare anschließen, die diese Lektüre supereinfach, noch denen, die sie völlig unmöglich finden. Für mich hat sich die Lektüre gelohnt. Ob das für andere auch der Fall ist, hängt allerdings stark von der Ausgangslage ab:
Wer sich mit den neurobiologischen & physikalischen Grundlagen noch nicht so auskennt, ist vielleicht bei Manfred Spitzer Musik im Kopf: Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk besser aufgehoben, der prinzipiell sehr gründlich an seine Sachen rangeht, sehr publikumstauglich schreibt und in der Regel einen guten Überblick über die Forschungslandschaft der letzten Jahrzehnte gibt.
Wer einen einfachen, alltagsbezogenen Einstieg sucht und erst einmal gar nicht mit Unmengen an Daten aus unterschiedlichen Bereichen bombadiert werden will, sollte eher mit dem 'genetischen Notenschlüssel' von Christian Lehmann Der genetische Notenschlüssel: Warum Musik zum Menschsein gehört anfangen.
Wer eher die neuropsychologische Seite beleuchten will und auf den ganzen musikgeschichtlichen und physikalischen Kram liebend gerne verzichtet, ist bei Oliver Sacks Der einarmige Pianist: Über Musik und das Gehirn 'Der einarmige Pianist' an der richtigen Adresse.
Und wer es ganz ausführlich liebt, aber keinen Nerv für den ewigen Lobrpeis harmonischer Komplexität und klassisch-romantischer Musikgenies hat, sondern es lieber poppiger, peppiger, moderner mag, kann einen ähnlich ausführlichen Rundumschlag bei Daniel Levintin Der Musik-Instinkt: Die Wissenschaft einer menschlichen Leidenschaft 'Der Musik-Instinkt' finden.
Dennoch finde ich Robert Jourdains 'Wohltemperiertes Gehirn neben all den anderen Alternativen lesenswert. Jedenfalls bekomme ich eine Menge Informationen und Interpretationen geliefert, die ich durchaus brauchbar finde.

Robert Jourdain, so erfahre ich im Buch, ist Pianist, Komponist, Wissenschaftler und Wisseschaftsjournalist. Leider wird nicht gesagt, welcher Wissenschaft er angehört, ob es sich um die nahe liegende Musikwissenschaft, die im Text oft erwähnte Musikethnologie, Experimentalpsychologie oder gar experimentelle Neurowissenschaft handelt, weiß ich nicht.

Es gibt hier unter den Rezensionen und auch im Internet kritische Stimmen, die vor allem den mangelnden Respekt gegenüber so genannter U-Musik wie auch gegenüber außereuropäischen Musik-Kulturen anprangern. Auch Widerlegungen von Einzelstellen finden sich. Ganz so einfach liegt die Sache für mich nicht:
Einerseits geht auch mir die Voreingenommenheit für die klassische, europäische E-Musik, die den Blick immer wieder einschränkt, auf den Geist. Auch die Fixierung auf die gleichstufige Stimmung, den Mangel an Verständnis für Barockmusik und andere improvisatorisch geprägte Richtungen - von Jazz, Pop & Rock ganz zu schweigen. Auch dass temperierte Stimmung kurzerhand mit gleichstufiger Stimmung gleichgesetzt wird - und das fortwährend - ist unerfreulich.

Andererseits finde ich gerade in diesem Buch erhellende Beschreibungen von außereuropäischen Musikkulturen, der Funktionsweise von Musik etwa bei den Ureinwohnern Australiens, in Afrika, Indonesien oder Neu-Guinea, die ich sehr hilfreich und nützlich finde. Und ausgerechnet der entschiedene Klassik-Fan Jourdain benutzt das Thema des'Rosaroten Panthers' von Mancini, um alle erdenklichen Aspekte der Kompositionstechnik zu demonstrieren. Auch die Musikgeschichte jenseits der hochgelobten Klassiker findet einigen Raum. Wer sich hier schon gut auskennt, wird wohl manche Lücke und auch den einen oder anderen Fehler finden. Wer nicht, findet einen ersten Überblick und anregende Gedanken.

Auf der einen Seite steht das - oft stereotype - Bekenntnis zur westlich-klassischen Musiktradition - zusammen mit Genie-Kult und Abwertung der angeblich 2. oder 3. Garnitur unter den Komponisten: Saint-Saens, Mendelsohn etwa. Auf der anderen Seite schildert Jourdain die Faszination für indonesische Gamelan-Musik, die Debussy mit fremden Tonleitern experimentieren lässt, die polyrhythmische Musik eines afrikanischen Stammes im Vergleich zur rhythmisch eher armen europäischen Klassik. Und er vermutet, dass die Erneuerung der westlichen Musik vielleicht nicht von einem Europäer oder Amerikaner kommt, der sich von indonesischer oder mongolischer Musik inspirieren lässt, sondern vielleicht von einem Indonesier, der aus seiner Tradition heraus die westliche E-Musik bereichert.
Nützlich finde ich auch die Überlegungen zur organisierenden Funktion von Rhythmus und Metrum für jede musikalische Interpretation, auch wenn mich die Begriffsbestimmung von Rhythmus, Metrum und Phrasierung nicht ganz glücklich macht.
Gelungen ist für mich der Abschnitt über die bewegungstechnische Seite von musikalischer Interpretation, und vor allem die Idee, dass es nicht einfach motorische Befehle und deren möglichst perfekte Umsetzung sind, die einen Menschen zu einem guten Musiker machen, sondern nur eine komplexe Organisation aus motorischen Befehlen und sensorischen Feedback-Schleifen. Speziell bezogen auf das Klavier hat Jourdain hier en passant einiges zu bieten.
---- Die Überlegung, dass jede feinabgestimmte Bewegung, egal, ob es sich um Sprechen, um Musik Machen oder handwerkliche Kunstfertigkeit handelt, nur über komplexe Rückkopplungsschleifen funktioniert, dass es sich also letztlich um eine Frage der Wahrnehmung, nicht des Willens handelt, geht, so weit ich weiß, auf den russischen Mathematiker, Bewegungs- und Neurowissenschaftler Nicolai Bernstein zurück, der groß angelegte Forschungen zu Bewegungsabläufen bei Sportlern, Arbeitern - und Musikern - angestellt und seine Standardwerke bereits in den 30-er und 40-er Jahren des vorigen Jahrhunderts veröffentlicht hat. Seine Vorstellung wurde dann von verschiedenen anderen Wissenschaftlern aufgegriffen - u.a. den Vertretern der Biophysik und Biomechanik, aber auch von Neurowissenschaftlern wie Alexander Luria. Diese Sicht nun von einem gut informierten praktizierenden Musiker in einfacher Form angewandt zu finden, finde ich durchaus nützlich und lesenswert. -----
Ein anderer Aspekt (von vielen), den ich hier herausgreifen will, ist die Tatsache, dass Frauen- und Knabenstimmen bei gleicher Tonhöhe unterschiedlich hoch klingen und dass - so Jourdain - dafür nicht primär die kürzeren und kleineren Stimmbänder der Knaben verantwortlich sind, sondern deren kleinere (Resonanz)-körper. Instrumente mit kleinem Resonanzkörper haben generell einen hohen Klang, weil nur die hohen Tonlagen verstärkt werden - Beispiel: Geige im Verhältnis etwa zum Cello.
Natürlich würde ich mir wünschen, dass der Autor dergleichen nicht nur beiläufig erwähnt, sondern auch weiter denkt. Etwa, dass die menschliche Stimme letztlich eine Kombination aus einem Saiten-, einem Blasinstrument und einem hochkomplexen Bewegungsapparat ist, dass der Resonanzraum nicht feststeht wie bei der Geige, dass er aufgeteilt ist, unterschiedlich bespielt werden kann, dass ein komplexer Muskelapparat 1000 Möglichkeiten parat hat, einen einzelnen Klang zu zerlegen und zu modulieren ... etc. (Was ist eigentlich Stimmsitz? Wie organisiert die Position der Stimmprojektion Reseonanz- und Artikalutionsräume? ... Das Buch, das diesen Fragen neuropsychologisch-biomechanisch und pragmatisch nachgeht, habe ich noch nicht gefunden.)
Aber ich denke, man kann nicht immer alles haben. Jourdain hat sich vorgenommen, eine möglichst eingängige und umfassende Zusammenschau von Musikgeschichte, Musikethnologie, physikalischen Grundlagen der Musik, heutiger Musikpraxis mit Experimental-, Gestalt-, Entwicklungs-, Kognitions- & Neuropsychologischen Standarts zu verknüpfen und zu interpretieren. Das ist verdammt viel. Und jedem steht frei, dort, wo der Autor aufhört, Daten zu liefern, selbst weiter zu fragen.
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