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Zusammen mit dem US-amerikanischen Archäologen und Historiker Neil Asher Silberman (Jahrgang 1950) hat der Direktor des Archäologischen Instituts Tel Aviv University und Gastprofessor an der University of Chicago, Harvard University und Pariser Sorbonne, Israel Finkelstein (Jg. 1949) bereits zwei aufsehenerregende Bücher veröffentlicht, mit denen er die zum großen Teil am Alten Testament orientierte Geschichtsschreibung in Frage stellt. Als einer der führenden Archäologen des Staates Israel hat er bereits im Jahre 2001 mit "The Bible Unearthed: Archaeology's New Vision of Ancient Israel and the Origin of Its Sacred Texts" (Keine Posaunen vor Jericho: Die archäologische Wahrheit über die Bibel) die alttestamentarischen Schilderungen vom Auszug aus Ägypten bis zur Auffindung des Gesetzbuches im Jerusalemer Tempel als eine zusammengestellte Sage charakterisiert. 2006 sorgte dann die zweite Publikation "David and Solomon: In Search of the Bible's Sacred Kings and the Roots of the Western Tradition"(David und Salomo: Archäologen entschlüsseln einen Mythos) erneut nicht nur in Israel für Kontroversen, da Finkelstein und Silberman nunmehr auch David und Salomon als "mächtige Könige eines Großisraels“" in das Reich der Fabeln verwiesen. Die (fehlenden) archäologischen Befunde lassen die beiden biblischen Könige bestenfalls als lokale Stammesoberhäupter und ihre Hauptstadt Jerusalem als ein kleines Bergdorf erscheinen. Die wissenschaftlich fundierte Beweisführung Finkelsteins führt schließlich stringent zur Erkenntnis, dass die alttestamentarischen Geschichten als nationale Mythen einer pan-israelitischen Idee zu betrachten sind: Eine glänzende, mit Leidenschaft geschriebene Komposition, die mit dem Ziel verfasst wurde, Ereignisse der Vergangenheit und der Zukunft zu erklären, die Notwendigkeit religiöser Reformen zu rechtfertigen und die Gebietsansprüche der davidischen Dynastie zu untermauern.

Mit dem bereits im September 2013 [unter dem Originaltitel "The Forgotten Kingdom: The Archaeology and History of Northern Israel (Ancient Near East Monographs)"] erschienenen dritten Buch setzt Finkelstein sein konkludentes Plädoyer für eine Neuschreibung der Eisenzeit in dem Gebiet vor, welches man heute als Levante im engeren Sinn bezeichnet.

Das 1. Buch der Könige berichtet, dass nach dem Tode König Salomons im 10. vorchristlichen Jahrhundert das israelitische Großreich in einen Südstaat (Juda mit der Hauptstadt Jerusalem) und einen Nordstaat (Israel mit der Hauptstadt Sichem) zerfallen sei. Der letzte König Israels, Hoschea, wurde 722 v. Chr. von den Assyrern gefangenen genommen und sein Land dem neuassyrischen Großreich Sargons II. eingegliedert. Nach 2. Kön 17, 1 ff. wurden Teile der Bevölkerung des Nordreiches verschleppt und die Zurückgebliebenen sollen sich demnach in den Völkerschaften assimiliert haben, die von den Assyrern angesiedelt wurden. Während sich hieraus die Legende von den 'aseret ha-schvatim'(Verlorenen Stämme Israels) herausbildete, werden die gemeinsamen Nachkommen der verbliebenen Israeliten und angesiedelten Ethnien nach der letzten Hauptstadt des Nordreiches bis heute als Samaritaner bezeichnet.

Finkelstein macht hingegen erneut deutlich, dass die biblische Geschichte Israels nach dem Alten Testament erst ab dem späten 7. vorchristlichen Jahrhundert in Jerusalem entstehen sollte. Es handelt sich dabei um die judäischen Vorstellungen über Territorium, Königtum, Tempel und Kult, zu einer Zeit, in der das einstige Nordreich bereits in einer fernen, vagen Erinnerung lag. Tatsächlich hatte es jedoch im 8. Jh. v. Chr. den Großteil der beiden hebräischen Königreiche beherrscht und seine Bevölkerung hatte drei Viertel der Gesamtbevölkerung beider Reiche ausgemacht. Neben Verschleppung und Assimilation zeigt Finkelstein noch einen dritten, alles entscheidenden Weg für Teile der 'Nordstaatler' auf: Die Immigration in den dünner besiedelten Süden, nach Juda. Hierdurch sind, wie Finkelstein betont, israelitische Tradtionen übermittelt worden, die später nach einer umfassenden Umgestaltung in die judäische Geschichte und damit auch in das Alte Testament einfließen sollten.

Für seine Beweisführung holt Finkelstein zunächst bis in die Spätbronzezeit II und III zu den kanaanitischen Stadtstaaten aus, welche u. a. In den Armanabriefen des Pharao Echnaton im 14. Jh. v. Chr. Erwähnung finden. Bereits zu dieser Zeit lag der überwiegende Teil der Stadtstaaten und damit auch der demographische, politische und kulturelle Schwerpunkt im Norden. Eine einzigartige Karte zeigt, dass hierbei Sichem als Haupt einer Städtekoalition eine besondere Rolle zukam, der Meggido als Kopf einer gegnerischen Allianz entgegenstand. Nach einem kurzzeitigen Niedergang kam es in der späten Eisenzeit I zunächst zu einem neuen Aufschwung des 'Neuen Kanaan', dem schließlich sein endgültiger Niedergang und die Entstehung der ersten als israelitisch zu bezeichnenden Gemeinwesen folgen sollte....

Nach einer ausführlichen Betrachtung der archäologischen Befunde und prä-deuteronomistischen Mythen und Zyklen kommt Finkelstein schließlich zu folgendem Ergebnis: Um den Anspruch Jerusalems auf die Herrschaft über alle hebräischen Territorien und das ganze hebräische Volk zu legitimieren, musste die Bedeutung des Königreiches Israel heruntergespielt werden, obwohl es historisch gesehen das bedeutendere der beiden Reiche gewesen war. Das ideologische Konstrukt eines großen vereinigten Königreiches, das von Jerusalem aus über alle Israeliten – im Norden und Süden – herrschte, ist erst nach dem Rückzug der Assyrer, zur Zeit des Königs Joschija(Reg. 640 bis 609 v. Chr.) entstanden. Während David von all seinen schweren Missetaten freigesprochen wurde, mussten die Könige des Nordreiches als Abtrünnige verunglimpft werden. Nach seiner Usurpation durch die davidischen Könige, die sich als legitime Herrscher über das gesamte israelitische Volk und den Jerusalemer Tempel als dessen einzige legitime Kultstätte ansahen, sollte der Name des "Vergessenen Königreiches" schließlich bis in die Gegenwart überleben.

5 Amazonsterne für ein wissenschaftliches fundiertes Buch, das einmal mehr in manchen religiösen und/oder politischen Kreisen für Indignation sorgen wird.
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VINE-PRODUKTTESTERam 23. Mai 2015
Für Finkelsteins neues Buch gilt das, was ein anderer Rezensent in Bezug auf sein Werk 'Keine Posaunen vor Jericho: Die archäologische Wahrheit über die Bibel' bemerkte. Nicht 'die' Archäologie vertritt seine weitgehende Zurückweisung der am Alten Testament orientierten Geschichtsschreibung, sondern der Autor und eventuell seine Schüler. Auch seine 'kurze Chronologie' (low chronology) ist keinesfalls Forschungskonsens.
Seine Kernthesen: Die Abfolge der frühen israelitischen Könige Saul, David und Salomo und die Vorstellung einer großen vereinigten Monarchie könnte das Werk eines späteren Bearbeiters sein. Eine wirkliche Staatlichkeit wäre zuerst im Nordreich Israel ausgebildet worden; der Süden (Juda) folgte nach. Nicht David und Salomo, sondern Omri habe als israelitischer König diese Staatlichkeit begründet.
Die archäologische Forschung kann oder könnte hier ein Korrektiv zur biblischen Sicht sein, aber Finkelsteins Text, der auf einer Vorlesungsreihe basiert, liest sich dazu stellenweise zu mühsam. Als archäologischer Laie, der nicht im Jargon der Keramiktypologie firm ist, verliert man dabei schnell den Überblick und die Lust.
Dem Autor gelingt es nicht, ein anschauliches und gut lesbares Bild vom (Nord-)Königreich Israel zu zeichnen. Wahrscheinlich wollte er dies auch gar nicht: 'Ich möchte jedoch weder eine lückenlose Geschichte dieser Epoche schreiben noch die biblischen Texte über die Omriden-Könige erörtern.' (98) Für eine umfassende Neubewertung der Geschichte Israels ist dies zu wenig.
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am 2. April 2015
Trotz der Wissenschaftlichkeit wird das Lesen nicht langweilig. Eher im Gegenteil, hier wird genauestens dargestellt wie das Königreich Israel tatsächlich war und sich von dem in der Bibel dargestellten Bild unterscheidet. Der Autor führt den Leser durch archiologische Grabungen und geschichtliche Darstellungen der Hintergründe und zeigt auf, dass es neben der Bibel auch eine wahre Geschichte des Königreich Israel gibt.

Gut geschrieben und leicht verständlich, sofern man ein Grundinteresse an Archiologie hat.
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am 19. Juni 2016
Wer sich mit über Ausgrabungen und Historie zum Thema Israel informieren will MUSS dieses Buch lesen. Vieles wird klarer. Auch historische Hintergründe zur Biebel sind interessant.
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am 12. Dezember 2014
Von "ausführlicher Betrachtung der archäologischen Befunde" schreibt einer der anderen Rezensenten; dem Eindruck stimme ich voll zu. Finkelstein (ist das wirklich der mit den "Posaunen vor Jericho"?) kennt jeden von Archäologen in Judäa und Israel gefundenen Stein und dokumentiert uns dessen Name, Fundort und Herkunft minutiös.
Solches habe ich nicht erwartet und mit etwas Trauer erinnerte ich mich der Zeiten, in denen ich Bücher in Buchhandlungen durchblätterte, ehe ich sie erwarb. Da misslang es oft, mich abzucashen.
Als zur Gänze gelesen, weil ich nicht glauben konnte, dass mir "Finkelstein" ein von "Jericho" völlig freies Buch liefert, kann ich das Ding jetzt auch nicht mehr zurückschicken. Ich rate, es besser gleich nicht zu kaufen.
Eine wesentliche Botschaft enthielt der Text zwischen den Ausgrabungstabellen jedoch: die Weichwaschung des "Exodus" von einem "Auszug der Israeliten aus Ägypten" in einen "Einzug der Ägypter in Israel".
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