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Das glücklichste Volk: Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas Gebundene Ausgabe – 15. Februar 2010
Er zog aus, die Pirahã im brasilianischen Urwald zum Christentum zu bekehren, doch am Ende war er es, der durch die Begegnung mit diesen auf ihre Weise glücklich lebenden Menschen seinen Glauben verlor. Fesselnd erzählt der Abenteurer und Forscher Daniel Everett von einer völlig fremden Welt, die ihn mit einer ungewöhnlichen Sprache sowie einer ganz anderen Art zu denken konfrontierte.
Als Daniel Everett 1977 mit Frau und Kindern in den brasilianischen Urwald reiste, wollte er als Missionar den Stamm der Pirahã, der ohne Errungenschaften der modernen Zivilisation an einem Nebenfluss des Amazonas lebt, zum christlichen Glauben bekehren. Er begann die Sprache zu lernen und stellte schnell fest, dass sie allen Erwartungen zuwiderläuft. Die Pirahã kennen weder Farbbezeichnungen wie rot und gelb noch Zahlen, und folglich können sie auch nicht rechnen. Sie sprechen nicht über Dinge, die sie nicht selbst erlebt haben – die ferne Vergangenheit also, Fantasieereignisse oder die Zukunft. Persönlicher Besitz bedeutet ihnen nichts. Everett verbrachte insgesamt sieben Jahre bei den Pirahã, fasziniert von ihrer Sprache, ihrer Sicht auf die Welt und ihrer Lebensweise. Sein Buch ist eine gelungene Mischung aus Abenteuererzählung und der Schilderung spannender anthropologischer und linguistischer Erkenntnisse. Und das Zeugnis einer Erfahrung, die das Leben Everetts gründlich veränderte.
- Seitenzahl der Print-Ausgabe416 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberDeutsche Verlags-Anstalt
- Erscheinungstermin15. Februar 2010
- Abmessungen14.6 x 4 x 22.2 cm
- ISBN-103421043078
- ISBN-13978-3421043078
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Produktbeschreibungen
Pressestimmen
»Vor 30 Jahren kam er das erste Mal hierher: als Missionar! Wollte ihnen seinen Glauben bringen. Aber alles sollte anders kommen. Es ist ein intellektuelles und persönliches Abenteuer, von dem Everett jetzt erzählt.« (ARD Titel Thesen Temperamente)
»Drei Bücher in einem – Expeditionsabenteuererzählung, anthropologischer Spracherforschungsbericht, philosophischer Essay – hat der amerikanische Linguistik-Professor Daniel Everett über seinen mehrjährigen Aufenthalt bei den Pirahã-Indianern geschrieben. Und alle drei sind aufschlussreich, unterhaltsam, spannend und den Blick weitend, geradlinig übersetzt von Sebastian Vogel.« (Süddeutsche Zeitung)
»Ach, was für eine Wohltat! Diesmal keine massentaugliche Hochdruckbelehrung vermeintlich sinnstiftender Reiseabenteuer eines fernseherprobten Laien-Wanderpredigers und Hobbymissionars, oder gar die mäßig lustigen Erkenntnisse eines aufgeweckten Medizinmannes der Spaßgesellschaft auf Glücksjagd. Nein, hier berichtet mit Daniel Everett einer unaufgeregt, aber hautnah und authentisch von seiner tatsächlich ungewöhnlichen Reise zu einem - wie er meint - wahrhaft glücklichen Volk in einem bis heute verborgenen Winkel der Welt.« (Die Welt)
»Ein linguistisch weltenstürzendes Buch!« (Frankfurter Rundschau)
»Everett gibt einen faszinierenden Einblick in eine Parallelwelt und bettet anthropologische und linguistische Aspekte in eine spannende Erzählung ein.« (kaufen + sparen)
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Kommt alle her, seht euch Xigagai an! Er ist am Strand!"
Ich erwache aus tiefem Schlaf. Habe ich geträumt oder tatsächlich dieses Gespräch mit angehört? Es ist halb sieben morgens an einem Samstag im August, in der Trockenzeit des Jahres 1980. Die Sonne scheint bereits, es ist aber noch nicht allzu heiß. Eine warme Brise weht vom Maici herauf, dem Fluss vor meiner bescheidenen Hütte, die auf einer Lichtung am Ufer steht. Ich öffne die Augen und sehe über mir das mit Palmwedeln gedeckte Dach, dessen Gelb vom Staub und Ruß vieler Jahre grau geworden ist. Beiderseits meiner Behausung stehen zwei ähnlich gebaute, aber kleinere Hütten der Pirahä. Dort wohnen Xahoabisi, Kohoibiiihiai und ihre Familien.
Schon oft habe ich den Morgen bei den Pirahä erlebt, wenn der schwache Rauchgeruch von ihren Herdfeuern herüberweht und die brasilianische Sonne mein Gesicht wärmt. Ihre Strahlen werden von meinem Moskitonetz gedämpft. Normalerweise lachen die Kinder, spielen Fangen oder weinen lautstark, weil sie gestillt werden wollen. Überall im Dorf hallen die Geräusche wider. Hunde bellen. Wenn ich hier die Augen aufschlage und benommen aus einem Traum in die Wirklichkeit trete, starrt mich häufig ein Pirahä-Kind oder auch ein Erwachsener an. Sie spähen zwischen den paxiuba-Palmenmatten hindurch, die die Seitenwände meiner großen Hütte bilden. Aber heute Morgen ist es anders.
Ich bin jetzt völlig bei Bewusstsein, aufgeweckt durch den Lärm und die Rufe der Pirahä. Ich setze mich auf und sehe mich um. Ungefähr sechs Meter von meinem Lager entfernt, auf der Uferböschung des Maici, hat sich eine Menschenmenge versammelt. Alle schreien und gestikulieren energisch. Sie schauen ans andere Ufer, auf eine Stelle gegenüber von meiner Hütte. Ich stehe auf, um besser sehen zu können - an Schlaf ist bei dem Lärm ohnehin nicht mehr zu denken.
Ich hebe meine Sporthose vom Boden auf und achte genau darauf, dass sich keine Taranteln, Skorpione, Hundertfüßer oder andere unerwünschte Gäste in ihr niedergelassen haben. Ich ziehe sie an, schlüpfe in meine Flipflops und trete aus der Tür. Die Pirahä stehen in lockeren Gruppen gleich rechts von meiner Hütte am Flussufer. Ihre Erregung wächst. Ich sehe, wie Mütter den Weg hinuntereilen, während ihre Kinder sich bemühen, die Brust im Mund zu behalten.
Die Frauen tragen die ärmel- und kragenlosen, halblangen Kleidungsstücke, die sie bei der Arbeit wie auch beim Schlafen anhaben. Von Staub und Rauch sind sie dunkelbraun. Die Männer sind in Turnhosen oder Lendentücher gekleidet. Keiner von ihnen hat Pfeil und Bogen bei sich - ich bin erleichtert. Kleine Kinder sind nackt, ihre Haut ist ständig den Elementen ausgesetzt und ledrig-braun. Die Babys haben Hornhaut am Gesäß, weil sie dauernd auf dem Boden herumrutschen, eine Art der Fortbewegung, die sie aus irgendeinem Grund gegenüber dem Krabbeln bevorzugen. Alle sind fleckig von Asche und Staub, die sich auf ihnen ansammeln, wenn sie schlafen oder auf dem Boden am Feuer sitzen.
Noch ist die Luft zwar feucht, aber nur um die zwanzig Grad warm; gegen Mittag werden es 38 Grad sein. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen. Dann erkundige ich mich bei Kohoi, meinem wichtigsten Sprachlehrer, was da los ist. Er steht rechts von mir. Sein kräftiger, schlanker brauner Körper ist angespannt angesichts dessen, was er betrachtet.
"Siehst du ihn nicht da drüben?", fragt er ungeduldig. "Xigagai, eines der Wesen, die über den Wolken wohnen. Er steht am Strand und schreit uns an, sagt uns, dass er uns töten wird, wenn wir in den Dschungel gehen."
"Wo?", frage ich. "Ich kann ihn nicht sehen."
"Na, genau da", gibt Kohoi gereizt zurück und starrt auf die Mitte des offenkundig leeren Strandes.
"Im Dschungel hinter dem Strand?"
"Nein! Da am Strand. Sieh doch!", erwidert er empört.
Wenn ich mit den Pirahä im Dschungel bin, übersehe ich regelmäßig Tiere, die ihnen auffallen. Meine unerfahrenen Augen sehen einfach nicht so gut wie ihre.
Hier ist es anders. Selbst ich kann erkennen, dass da auf dem weißen, höchstens hundert Meter entfernten Sandstrand nichts ist. Aber so sicher ich mir auch bin, die Pirahä sind sich genauso sicher, dass dort etwas ist. Vielleicht war etwas da, was ich nicht gesehen habe, aber sie bestehen darauf, dass Xigagai auch jetzt noch dort ist.
Immer noch blicken alle zum Strand. Neben mir höre ich Kristene, meine sechsjährige Tochter, sagen: "Was gucken die da alle, Papa?"
"Ich weiß nicht. Ich kann nichts sehen."
Kris stellt sich auf die Zehenspitzen und schaut über den Fluss. Dann sieht sie mich an. Dann die Pirahä. Sie ist genauso verwirrt wie ich.
Kristene und ich gehen zurück in unsere Hütte. Was habe ich da gerade miterlebt? Seit jenem Sommermorgen sind mehr als zwanzig Jahre vergangen, und immer noch bin ich mit einer Frage nicht im Reinen: Was bedeutet es, dass zwei Kulturen, unsere ursprünglich europäische und die der Pirahä, die Realität so unterschiedlich wahrnehmen können? Ich hätte den Pirahä nie beweisen können, dass der Strand leer war. Und ebenso wenig hätten sie mich davon überzeugen können, dass sich dort irgendetwas befand, und erst recht kein Geist.
Für mich als Wissenschaftler ist Objektivität einer der höchsten Werte. Früher glaubte ich, wir müssten uns nur genug Mühe geben, dann könnten wir die Welt genauso sehen wie andere und leichter lernen, fremde Ansichten zu respektieren. Aber wie ich bei den Pirahä erfahren habe, können unsere Erwartungen, unsere Kultur und unsere Erfahrungen dazu führen, dass schon die Wahrnehmung unserer Umwelt über die Kulturgrenzen hinweg sich kaum in Einklang bringen lässt.
Die Pirahä sagen unterschiedliche Sätze, wenn sie abends meine Hütte verlassen und ins Bett gehen. Manchmal erklären sie einfach: "Ich gehe." Manchmal bedienen sie sich aber auch einer Formulierung, die, so überraschend sie auch anfangs war, zu einer meiner liebsten Arten des Gutenachtsagens geworden ist: "Schlaf nicht, hier gibt es Schlangen." Die Pirahä sagen das aus zwei Gründen. Erstens glauben sie, dass sie sich durch weniger Schlaf "abhärten" können, was ihnen allen sehr wichtig ist.
Produktinformation
- Herausgeber : Deutsche Verlags-Anstalt; 7. Edition (15. Februar 2010)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 416 Seiten
- ISBN-10 : 3421043078
- ISBN-13 : 978-3421043078
- Abmessungen : 14.6 x 4 x 22.2 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 343,253 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 54 in Südamerikanische Politik (Bücher)
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wie er evangelien in eine noch nicht entschlüsselte sprache von amazonas-ureinwohner übersetzten soll,
und durch deren unmittelbaren umgang zur umwelt von seinem glauben abfällt.
letztendlich ein monumentales werk, das auf ganz unaufdringliche weise vor augen führt,
wie verkopft und verklärt unser moralsystem bereits ist - und wie einfach und leicht es in wirklichkeit ginge.
ein satz aus den 70er und 80er umweltbewegungen kommt bei mir immer wieder hoch -
"alle wollen zurück zur natur, aber nicht zu fuss"
daniel everett war für eine lange zeit zurück in der natur - und er war zu fuss und es brachte ihm sensationelle erkenntnisse.
jedenfalls kein buch für technologie-anhänger, oder leute, die an individualismus und besitzstrukturen glauben.
mit einer guten portion selbstkritik, wird dieses buch zu einem genuss und erkenntnisspender.
Persönlich war ich auch besonders an der Veränderung der Glaubensvorstellung des Autoren interessiert.
Im hinteren Teil des Buches gewannen die linguistischen Schwerpunkte zunehmend die Oberhand, was man ermüdend, zumindest als anstrengend empfinden kann.
Trotzdem von mir fünf Sterne. Wofür? Für die Einfühlsamkeit,für die Ehrlichkeit,für die Echtheit. Für die Differenzierung und die Verknüpfung von Wissenschaft und eigenem Erleben, für den echten Erkenntnisgewinn den mir dieses Buch liefert. Wie viele Bücher ich auch schon über die Völker Amazoniens (u. a.) gelesen habe, das was hier erlebt und aufgezeigt wurde ist für mich neu - neu in einer Weise, die weit über den bloßen Themenkomplex hinausgeht.
Ich habe viel durch dieses Buch gelernt. Vielen Dank dafür. Unbedingte Kaufempfehlung.
So aufregend wie eine Abenteuer Geschichte - konnte teilweise vor Spannung nicht aufhören zu lesen. Ganz nebenbei werden Erkenntnisse und Fakten aus dem gebiet der Sprachforschung vermittelt - man merkt es gar nicht, weil es so gut in die Geschichte eingebaut ist. Inhaltlich ist es natürlich und eine unglaubliche Geschichte, die man niemals vergessen darf in der Geschichte der Welt.
Für noch unentschlossene empfehle ich auf Youtube:
[.....]
oder ein kurzer Beitrag von 3Sat:[....]
Jedoch gibt es auch in diesem Indianerstamm ernste und für "uns" undenkbare Situationen, welche den Autor bestimmt an den Rand der Verzweiflung trieben.
Es sit ein wunderbares Buch und uterscheidet sich immens von Schönwetterromanen!






