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Das Wittgensteinprogramm Taschenbuch – 2. Juni 2000

3.3 von 5 Sternen 31 Kundenrezensionen

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London im Jahre 2013. Isidora Jakowicz, genannt Jake, ist Leiterin des Dezernats für Frauenmord bei Scotland Yard und bearbeitet gerade den Mord an einer jungen Frau, als man ihr einen weitaus brisanteren Fall zuweist. Mehrere Männer sind ermordet worden, die alle mit einem Decknamen in einer geheimen Datenbank -- dem Lombroso-Programm -- registriert sind. Das Fehlen eines bestimmten Nervenzentrums im Gehirn macht diese Männer zu potenziellen Gewalttätern und die Polizei wird im Falle eines Mordes oder einer anderen gewalttätigen Straftat vom Computer informiert, ob eine Person aus der Datenbank mit der Tat in Verbindung stehen könnte. Für Jake ist sofort klar, dass jemand in die Datenbank eingedrungen sein muss und sich die Liste aller Namen und Decknamen kopiert hat. Doch welches Motiv treibt den Mörder an? Erst als sich herausstellt, dass der Mörder selber in der Kartei war und Kontakt zu ihr aufnimmt begreift sie, dass ihn philosophische bzw. ethische Überlegungen zu seinen Taten treiben.

Mehr will ich zur Story gar nicht verraten, um nicht die Spannung zu nehmen. Auch für Leute ohne philosophisches Basiswissen ist die Fahndung nach dem Mörder mit dem Decknamen Wittgenstein ein anspruchsvolles Lesevergnügen, bei dem man noch ein wenig über Wittgenstein & Co. erfährt. Philip Kerr hat hier eine Welt nach Orwell'schem Vorbild kreiert, in der der gläserne Mensch schon fast zur Wirklichkeit geworden ist und Datenschutz und Privatsphäre nur für die gelten, die als Rad im Getriebe der Gesellschaft einwandfrei funktionieren.

1995 erhielt Philip Kerr für seinen Krimi Das Wittgenstein-Programm (im Original: Philosophical Investigation) den deutschen Krimi-Preis für den besten internationalen Kriminalroman. --Gunnar Michaelsen -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Philip Kerr wurde 1956 in Edinburgh geboren. 1989 erschien sein erster Roman «Feuer in Berlin». Aus dem Debüt entwickelte sich die Serie um den Privatdetektiv Bernhard Gunther. Diese Reihe führte Kerr mit den Romanen «Das Janusprojekt», «Das letzte Experiment», «Die Adlon-Verschwörung», «Mission Walhalla», «Böhmisches Blut» und «Wolfshunger» fort. Für «Die Adlon Verschwörung» gewann Philip Kerr den weltweit höchstdotierten Krimipreis der spanischen Mediengruppe RBA und den renommierten Ellis Peters-Award.


Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Gebundene Ausgabe
Inhalt:

London im Jahre 2013. Die Europäische Union ist komplett und das Netz für eine internationale Verbrechensbekämpfung ist lückenlos. Die medizinische Forschung hat es geschafft, die Verbrechenswahrscheinlichkeit eines Menschen durch einen ambulanten Test bestimmen. Im Trend der Zeit setzt man auf psychologische Beratung - unterstützt durch pharmazeutische Produkte - um potenziell gefährdete Menschen vor der Verübung von Gewaltverbrechen zu schützen. Trotzdem werden grausame Morde auch im Jahre 2013 noch immer in der Tagespresse veröffentlicht. Plötzlich - nach der Meldung über einen grausamen Frauenmord - startet eine Serie von Morden, die immer nach demselben Muster verübt werden. Die Hoffnung in diesem politisch prekären Fall: Frau Chefinspektor Jake" Jakowitz! Zusammen mit dem Philosophieprofessor Jameson Lang und dem Computerspezialisten Yat Chung wird der Leser zum Begleiter in der spannenden Arbeit eines Profilers" um den Mann zu stellen, der sich widerrechtlich in den Polizeicomputer einloggt und unter dem Decknamen des größten Philosophen des 20. Jahrhunderts Ludwig Wittgenstein seine selbsternannte Mission durchführt.

Bewertung:

Das Buch setzt die Fähigkeit voraus, sich mehrdimensional zu orientieren. Dabei wird der Leser einerseits in philosophische Diskurse verstrickt andererseits aber vor politisch brisante Fragen gestellt um sich zu positionieren. Bin ich für die Todesstrafe? Darf man Menschen medizinisch ins Koma versetzen und sie vielleicht sogar mehrfach töten? Ist Abschreckung besser als Prävention? Welchen Sinn haben politische Geheimniskrämereien?
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Format: Broschiert
Das Wittgengensteinprogramm ist das erste Buch, das ich von Philip Kerr gelesen habe. Und ich freue mich jetzt schon auf die anderen Bücher, die Kerr geschrieben hat. Er ist für mich eine richtige Neuentdeckung, auch wenn eingefleischte Krimi- und Thrillerfans ihn schon seit Jahren kennen mögen!
Der Krimi spielt im Jahr 2013, zumeist in London, und entwirft eine Gesellschaftsvision im Orwellschen Stil. Dabei kommt einem diese Welt aber nicht utopisch abgehoben vor, sondern erscheint als eine glaubwürdige logische Weiterentwicklung dessen, was man an (pseudo-) demokratischen, technologischen und kriminologischen Standarts heute schon kennt. Die Story ist sehr intelligent und die wichtigsten Charaktere vielfältig und interessant gezeichnet. Es soll aber nur soviel verraten werden: Philosophie spielt eine zentrale Rolle, was der Titel bereits andeutet. Der Serienmörder, den es zu fassen gilt, ist im Privaten ein beflissener Philosoph, dessen Taten von ethischen Motiven geleitet werden. So jedenfalls ist seine Überzeugung. Chefinspektorin Jake hingegen, eine der wenigen Frauen in der Männerdomäne von New Scotland Yard, sieht sich mehr und mehr angezogen von der intellektuellen Herausforderung, die dieser Fall für sie mit sich bringt. Sie stürzt sich in das Studium der Sprachphilosophie Wittgensteins und überwindet im Laufe der Handlung ihren über Jahre hinweg gepflegten, durch die Beziehung zu ihrem Vater entwickelten Männerhaß. Hinzu kommt, daß von Kapitel zu Kapitel die Perspektive wechselt: einmal Isodora Jakowicz (Jake) samt Rahmenhandlung, ein nächstes Mal die subjektiven Sichtweisen des Killers mit dem Decknamen Wittgenstein.
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Format: Taschenbuch
Ist Töten zwangsläufig schlecht? Kerrs Idee klingt zunächst spannend: In der nahen Zukunft kann anhand eines Tests festgestellt werden, ob Männer zu Gewalt neigen. Die positiv Getesteten werden unter einem Decknamen in einer Datenbank erfasst. Einer dieser Männer, Codename Wittgenstein, löscht sich aus der Datenbank und macht sich daran, die anderen potenziellen Gewalttäter auszuschalten, bevor sie selbst morden können. Parallel dazu liefert Wittgenstein sich ein psychologisches Duell mit der Ermittlerin Jake, in dessen Zentrum die Frage nach einer möglichen ethischen Begründung des Tötens steht: Kann ein Mord moralisch legitim sein?

„Das Wittgensteinprogramm“ wurde nach Kerrs ersten drei Bernie Gunther-Romanen veröffentlicht, wirkt aber, als sei er davor geschrieben worden. Der Krimi leidet an einer ganzen Reihe von Schwächen, die sich in der „Berlin Noir“-Trilogie nicht finden.

Da ist zum einen der irritierende Kontrast zwischen dem intellektuellen Anspruch der Thematik – Verbrechen, Moral, Schuld – und den schwachsinnigen Dialogen, die geistreich und witzig gemeint sind, aber meistens flach und manchmal peinlich rüberkommen. Auch weite Teile der Handlung übersteigen selten das Niveau eines Bahnhofskrimis.

Was die philosophischen und psychologischen Ausführungen angeht, schießt Kerr weit über‘s Ziel hinaus. Zwischen den Kapiteln finden sich Tagebucheinträge des Mörders Wittgenstein, in denen dieser über seine Taten und deren Berechtigung reflektiert. Dabei zitiert er große Philosophen wie Plato, Nietzsche und eben Wittgenstein.
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