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am 24. Februar 2013
bei Büchern von Tanja Kinkel, und so habe ich mit Spannung das Buch zu lesen begonnen. Man ist schnell drin im frühen Mittelalter, fügt sein Wissen mit ein und - - - nun, die Handlung ist seltsam verhalten. Die Protagonisten reisen unentwegt durch Europa, und trotzdem bleiben die Charaktere statisch. Die geschichtlichen Hauptgegner, der Welfe Otto und der Staufer Phillip, bekriegen sich ohne Ende, was in dieser Länge schwer nachvollziehbar ist. Ich habe das Buch - natürlich - fertig gelesen, bestätige aber die von anderen Rezensenten beklagten Längen, vor allem in den politischen Erläuterungen. Die persönliche Geschichte zwischen Walther von der Vogelweide und der Ärztin Judith/Jutta, die den eigentlichen Roman ausmacht, kommt dabei öfter mal zu kurz. Es ist spannend und langatmig zugleich, verwirrend. Und, mit Verlaub, Frau Kinkel: an die Löwin von Aquitanien kommt das Spiel der Nachtigall nicht heran, und eigentlich auch nicht an die wunderbaren Geschichtsromane von Rebecca Gablé.
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am 27. Dezember 2011
Geschichtlicher Hintergrund

Als der Stauferkaiser Heinrich VI (Sohn des Friedrich I Barbarossa) im Jahre 1197 starb, war sein Sohn Friedrich erst drei Jahre alt. Die Staufer wählten Heinrichs Bruder Philipp von Schwaben zum deutschen König, er sollte regieren, bis sein Neffe Friedrich alt genug wäre, das Erbe seines Vaters anzutreten. Die Welfen erhoben dagegen Otto IV zum Gegenkönig, dieser war als Sohn Heinrichs des Löwen und Mathildes von England gleichzeitig der Neffe des englischen Königs Richard Löwenherz. Der kriegerische Konflikt zwischen den Staufern und den Welfen erstreckte sich über gut anderthalb Jahrzehnte, während der designierte Thronerbe Friedrich auf Sizilien, der Heimat seiner Mutter Konstanze, heranwuchs.

Inhalt und Aufbau des Romans

Dieser sehr komplexe Roman ist in sieben Hauptteile gegliedert, die sich auf insgesamt 46 Kapitel verteilen und deckt die Jahre 1192 bis 1212 ab. Passend zum Titel des Buchs und zur Hauptfigur Walther von der Vogelweide sind die Hauptteile teilweise als "Gesänge /Lieder " überschrieben:
Prolog: Aufgesang 1192, I. Werbelied 1194 - 1195, II. Wechsellied 1195 - 1197, III. Wahl 1197 - 1198, IV. Krieg 1199, V. Tagelied 1202 - 1203, VI. Fall 1207 - 1208, VII. Frauenlied 1209 - 1212
Dem eigentlichen Romantext ist glücklicherweise ein umfangreiches Personenverzeichnis (Dramatis personae) vorangestellt.

Der Protagonist des Romans ist der Meistersinger Walther von der Vogelweide (ca 1170 - ca 1230), über dessen Leben man wenig Fakten findet, jedoch vieles aus seinen überlieferten Liedern erschließen kann. Walther war wesentlich mehr als ein Minnesänger. Im Minnesang führte er "deftigere" Varianten ein, indem er im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht nur über die unerfüllte Liebe zu gesellschaftlich hochgestellten Damen sang, sondern auch über die erfüllte Liebe. Sein Repertoire beschränkte sich allerdings nicht auf Liebes- und Frühlingslieder, vielmehr zog er durch das ganze deutsche Reich von einem Hof zum nächsten und gab politische Lieder zum Besten. Dabei fiel er wegen seiner scharfen Beobachtungsgabe ebenso wie durch sein freches Mundwerk auf, denn er scheute sich nicht, die Kirche, den Papst und diverse Adelige anzuprangern und zu verspotten. Im vorliegenden Roman nutzt er seine Wortgewalt - seiner Meinung nach können Worte wie Waffen sein - um auf die an der Königswahl beteiligten Adeligen und damit indirekt auf die politische Lage im Reich Einfluss zu nehmen.
Als zweite Hauptfigur ist Walther die fiktive jüdische Ärztin Judith gegenübergestellt. Sie ist zwar eine von der Autorin erfundene Figur, die Umstände ihres Lebens und ihrer Ausbildung zur Magistra (Ärztin) an der berühmten Medizinschule von Salerno sind jedoch wirklichkeitsgetreu wiedergegeben. Judith bleibt im Herzen immer eine gläubige Jüdin, sie praktiziert aber als (vermeintlich christliche) Magistra Jutta von Köln unter den Christen und steigt dabei zur Leibärztin und Vertrauten der Königin Irene, Gemahlin des Philipp von Schwaben auf. Ihr zum Christentum konvertierter und mit einer Christin verheirateter Onkel Stefan ist ein reicher Kölner Kaufmann, der Judiths Beziehungen immer wieder ausnutzen will, um auf die politische Entwicklung im Land Einfluss zu nehmen und der Kaufmannschaft den größtmöglichen Profit zu sichern. Auch Philipp und Irene scheuen nicht davor zurück, Judith als "Spionin" ins gegnerische Lager des ihr verhassten Otto IV zu schicken. Walther und Judith begegnen einander bei ihren Reisen immer wieder. Obwohl sie eine beständige Liebe miteinander verbindet, ist ihre Beziehung dennoch auch sehr konfliktbeladen, da Judith eine starke Persönlichkeit ist, der Lügen und Vorteilsstreben zuwider sind und die ihren aufrechten Charakter für nichts und niemanden verbiegen lässt.
Sowohl Walther als auch Judith ziehen - teilweise gemeinsam, oft auch getrennt - unermüdlich durch das riesige Deutsche Reich und geraten in lebensgefährliche Situationen...
Landkarten des Deutschen Reichs und des Kirchenstaats um 1200 im vorderen und hinteren Einband des Buchs erlauben es dem Leser, den Wegen der Protagonisten zu folgen. Im Anschluss an den Roman erläutert die Autorin in einem Nachwort kurz die weitere Entwicklung der politischen Lage nach 1212 und ergänzt eine sehr ausführliche Bibliographie zur Thematik und den wichtigsten Figuren des Romans.

Fazit

"Das Spiel der Nachtigall" ist ein ausgezeichnet recherchierter und sehr anspruchsvoller Roman über eine faszinierende Epoche der deutschen Geschichte. Größtenteils wird diese Geschichte sehr spannend und bei glaubwürdiger Ausgestaltung der Charaktere erzählt. Manchmal gerieten mir die Abschnitte über die Intrigen und "Spionageaufträge" etwas zu ausführlich und erforderten für mich als Nicht-Historiker zusätzliche Recherchen. Wer sich für die deutsche Geschichte des Mittelalters interessiert und sich damit ein bisschen auskennt, sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen. Ich vergebe 4,5 Sterne.
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am 12. April 2017
Tanja Kinkel ist hier ein sehr gutes Buch gelungen. Ich habe schon viel von ihr gelesen, aber dies ist sicher eines ihrer besten. Eine spannende (sehr weitgehend erfundene) Geschichte um Walter von der Vogelweide und eine jüdische Ärztin vor dem Hintergrund der Geschichte der Staufer und deren Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Päpsten. Auch die historische Information ist spannend dargestellt. Eine gute Lektüre auch für den späten Abend.
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am 26. November 2016
... soweit so gut, man erfährt viel über die Lebensgewohnheiten in mittelalterlichen Deutschland, den Kreuzugswahn, die Hörigkeit für die katholische Kirche, die eigentlich nichts zu bieten hat, außer die wahnsinnige Furcht vor der Hölle. Mildtätigkeit,Nächstenliebe, Barmherzigkeit waren für die " Gott geweihten" Geistlichen Fremdworte. Jeder vom gewöhnlichen Pfarrer bis zum Bischof versuchte gierig Pfründe an sich zu raffen. Von christlicher Bescheidenheit war da nichts zu spüren.
Gut gelungen ist der Autorin die Schilderungen des Lebens in den Judengemeinden, wo ebenfalls eine Religionshörigkeit das Leben bestimmt.... dies zeigt so deutlich den Irrsinn der "Religionskriege". Sehr eindringlich wurde die absolute Rechtlosigkeit der Frau im Mittelalter beschrieben.Das Bildungsniveau wurde niedrig gehalten, eine Frau konnte sich nur selten selbstständig ernähren. Das Schlimmste war, dass eine Frau ( ob arm oder reich) an Männer verschachert wurde, wie ein Stück Vieh.
Das Buch ist spannend geschrieben und ließt sich leicht. WAS MICH GESTÖRT HAT: der Mittelteil des Buches ist sehr ZÄH:vorallem diese Endlos-Scharmützel zwischen den rivalisierenden WELFEN und STAUFERN hat mich genervt.... ich habe viele Seiten "quergelesen" , was leicht geht, wenn man ein KINDLE hat.Ich habe das Buch dennoch zu Ende gelesen, einfach weil ich wissen wollte, wie die Autorin das Ende "zimmerte"
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am 2. März 2013
So, ich habe das Buch jetzt zu 61% durch. Mit Mühe. Obwohl ich mich für Geschichte interessiere, gerne dicke Wälzer lese und die meisten Werke der Autorin schätze (mein absoluter Favorit: "Unter dem Zwillingsstern") werde ich dieses hier nicht beenden, es ist mir einfach zu weitschweifig und langatmig. Wirklich schade um die interessante Thematik! Wenn ich "Das Spiel der Nachtigall" mit einem Wort beschreiben müsste: GÄHN!

Tanja Kinkel gelingt es hier leider nicht, Geschichte, Politik und Psychologie unter einen Hut zu bringen - jedenfalls nicht unter einen flüssig lesbaren Hut. Die Charaktere bleiben blaß und schablonenhaft, die Handlung umständlich und verschachtelt. Ich bin mir sicher, daß man das Buch problemlos um mindestens die Hälfte kürzen könnte, ohne auch nur ansatzweise etwas von Relevanz zu verpassen. Der Wälzer wirkt, als wäre ein ursprüngliches Manuskript von 350 Seiten künstlich auf 900+ Seiten aufgebläht worden, weil sich das im Verkaufsregal besser macht und teurer verkauft werden kann. Entsprechend liest es sich auch.
Liebe Frau Kinkel, ich weiss, dass Sie es besser können!

Man nehme zum Vergleich einen beliebigen 1000-Seiten-Schmöker von Rebecca Gable zur Hand: Langeweile ist ein Fremdwort, obwohl (oder gerade weil) Geschichte, Politik und Charakterentwicklung nicht zu kurz kommen.

Fazit: Leider knapp 2 Sterne verpaßt, aber die einschläfernde Wirkung ist auf mich einfach zu groß.
Immerhin: Zumindest die Kindle-Version kann gelöscht werden, ohne einem unschuldigem Baum Schaden zuzufügen. Es spielt also keine Rolle, daß dieses Buch bestenfalls einen Teil des Papieres wert ist, auf dem es nicht geschrieben steht. :)
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VINE-PRODUKTTESTERam 4. Dezember 2011
Walther von der Vogelweide ist ein besonderer Mann. Aus relativ einfachen Verhältnissen kommend, hat er nur ein Ziel: Er will ein berühmter Minnesänger werden. Dazu muss er an die Höfe der Herrscher, und schnell wird seine Existenz nicht nur durch seine Armut, sondern auch durch die vielfältigen Fehden zwischen den Herrschenden bedroht. Aber Walthers Wortgewalt und seine Intelligenz lassen ihn immer wieder davonkommen, obwohl er mit seiner spitzen Zunge selbst Kaiser und Papst verspottet.
Judith von Köln ist eine besondere Frau. Sie ist als Jüdin und Frau im mittelalterlichen Köln ohne Rechte, schafft es aber trotzdem, sich in Salerno als Ärztin ausbilden zu lassen und zieht als Magistra von Hof zu Hof. Eine Ehe mit einem Christen und ihre Heilkunst sind ihr einziger Schutz vor Verfolgung.
Die Wege von Walther und Judith kreuzen sich immer wieder. Aus der Annäherung wird eine Liebesgeschichte, die aber stets von Gefahren und Missverständnissen bedroht ist. Beider Leben ist eine ständige Gratwanderung, und so wechselt auch ihre Liebesgeschichte dauernd zwischen Nähe und Distanz.
Die größte Bedrohung stellen die Streitigkeiten und tödlichen Intrigen zwischen den Staufern und den Welfen um die deutsche Krone dar, von denen Walther und Judith direkt betroffen sind. Nach Kräften versuchen sie, Einfluss zu nehmen, damit die endlosen Auseinandersetzungen, die so viel Leid und Zerstörung über die Menschen bringen, endlich aufhören. Beide haben die innere Stärke, niemals aufzugeben, auch wenn die Lage aussichtslos zu sein scheint.
Tanja Kinkel lässt in diesem flüssig geschriebenen Mittelalter-Schmöker das 12. Jahrhundert so lebendig werden, als würde man eine Zeitmaschine besteigen. Besonders gut gefallen haben mir die sorgfältig ausgearbeiteten Charaktere. Selbst die Nebenfiguren bleiben nachhaltig im Gedächtnis, zum Beispiel die Prostituierte Maria, durch die Judith lernt, Gefallen am Liebesakt zu finden.
Gründlich recherchiert wird eine Zeit beschrieben, in der das Leben der einfachen Leute völlig von Kräften bestimmt war, die sie nicht beeinflussen konnten. Immer wieder wurden ihre Dörfer zerstört, mussten sie in den Krieg oder auf Kreuzzüge ziehen für Herrscher, die dauernd wechselten, aber immer die gleichen negativen Ereignisse für die Menschen brachten. Besonders schlecht war die Situation der Frauen, die einfach nur als Verfügungsgut gesehen wurden, selbst wenn sie adlig waren. Da wurden schon Kinder verheiratet, nur um sich Verbündete zu sichern. Die Frauen waren ihren Männern vollkommen ausgeliefert. Auch das beschreibt die Autorin so plastisch, dass es mich beim Lesen sehr berührt hat.
Mir hat dieser intelligente Roman Walther von der Vogelweide so nahe gebracht, dass ich gleich nach dem Lesen den Großen Conrady aus dem Regal gezogen und die Gedichte von Walther von der Vogelweide genossen habe, einem wirklich großen Dichter, dessen Ansichten so zeitlos sind, dass sie auch in unsere Zeit passen.
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am 11. Dezember 2011
"Das Spiel der Nachtigall" ist der neueste historische Roman aus der Feder von Tanja Kinkel. Mit diesem Band heftet Kinkel sich an die Fersen des Minnesängers Walther von der Vogelweide. Doch nicht nur er gibt hier den Ton an, auch eine jüdische Ärztin entpuppt sich als gleichwertige Figur in diesem Buch.

Die erste Überraschung dürfte den Leser mit der einfachen Tatsache treffen, dass Walther von der Vogelweide ihm zwar sehr wohl ein Begriff sein dürfte, es aber längst nicht jedem bekannt ist, dass dieser ein Pionier seiner Zeit war, der auch vor politischen Themen keinen Halt machte - eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass Minnesänger von den hohen Herren abhängig waren.
An der Seite dieser Figuren wird man durch das 12. Jahrhundert geführt - eine Zeit der Kreuzzüge, die nur zu oft scheiterten, bevor sie überhaupt das Gelobte Land erreichten, da die Teilnehmer zuvor Seuchen oder kriegerischen Handlungen zum Opfer fielen. Wen verwundet es da, dass auch die Oberhäupter, in diesem Fall die des Deutschen Reiches, schneller wechseln, als ihnen gut tut - da ein eindeutiger Nachfolger zur Rarität wird. Und während den einfachen Bürgern so gut wie egal ist, wem sie nun letzten Endes ihre Steuern zahlen müssen, setzen die Reichen und Mächtigen alles daran, noch reicher und mächtiger zu werden, und verwüsten bei ihren Streitereien das Land.

Die Hauptfiguren Walther und Judith entpuppen sich hierbei als Schachfiguren in diesem Spiel, die eingesetzt werden, um die Geschicke des Reiches zu beeinflussen. Und obwohl die Autorin dafür sorgt, dass sich die Wege der ungleichen Figuren sich immer wieder kreuzen sind, sind sie oft genug getrennt, um verschiedene Perspektiven auf die aktuelle Lage zu geben. Doch bei zwei Parteien herauszufinden, welche im Recht ist und welcher Mann wohl der rechte Herrscher für das Deutsche Reich sein kann, ist schwer zu sagen. Auch die Protagonisten müssen dies herausfinden und das Buch erlebt dadurch einige interessante Wendungen.

Abgerundet wird das Ganze durch eine Karte des Deutschen Reiches und des Kirchenstaats um 1200 zu Anfang und Endes des Buches. Außerdem bietet der Roman ein 'Dramatis Personae', ein Nachwort sowie eine Bibliografie.

So macht Geschichte Spaß und wird dem Leser lebendig und spannend näher gebracht - eine klare Leseempfehlung für dieses Werk von Tanja Kinkel, die immer wieder aus einer authentisch wirkenden Mischung aus Fakten und Fantasie eine mitreißende Geschichte zaubert!
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am 15. November 2011
Spannung über fast 1000 Seiten, ohne irgendeinen Abbruch, das habe ich ganz selten erlebt. Was für ein großer Wurf. Allein die Hauptperson, Walther von der Vogelweide, wäre allein Grund gewesen dieses Buch auszuwählen. Die weibliche Inspiration für seine Liebesgedichte, auch wenn ich vorher von ihr noch nie gehört habe - was das Nachwort erklärt, stand ihm um nichts nach. Ich werde gleich wieder von vorne anfangen.
Dieser Roman führt nicht zu irgendwelchen unbekannten Grafen einer Provinz sondern zum Who is Who seiner Zeit, als Deutsche Kaiser große Teile der damals bekannten Welt beherrschten. Es führt so von Herzögen zu Königen, zu Kaisern, zum Papst, ohne einen Moment zum Geschichtsunterricht zu werden, vielleicht auch, weil er trotz dieser handelnden Mächtigen, die Schicksale von Menschen aus dem Volk im Mittelpunkt hat und mitten unter ihnen, Walther und Judith. Nie vorher habe ich so gekonnt von den politischen, sozialen, religiösen Konflikten einer Epoche in einem Roman gelesen, so viele Anspielungen auf die Verhältnisse der Gegenwart gefunden, wie beim Spiel der Nachtigall".
Was für ein Revolutionär dieser Walther war, erkennbar durch eingefügte kurze Gedichte, was sein Leben über Jahrzehnte zu einer Gratwanderung gemacht haben muss, ist schon beachtlich. Dass eine Frau damals schon studieren und Ärztin sein konnte, was für mein vorheriges Wissen bisher Jahrhunderte später begann, hat mich ebenfalls fasziniert und seine Judith zu meiner Lieblingsfigur gemacht, obwohl sie mit Irene und Beatrix durchaus Konkurrenz hatte. Was für ein Paar, was für eine toll in die Handlung eingefügte Liebesgeschichte.
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am 24. Dezember 2011
Wow, offenbar muss sehr mutig sein, wer hier bei Amazon zugibt, von einem Buch einer beliebten Autorin nicht begeistert zu sein. Die harschen "Kommentare" der begeisterten Leser zu kritischen Rezensionen können einem echt die Sprache verschlagen und den Entschluss reifen lassen, lieber den Mund zu halten. Schade. Ich dachte, hier könne man seine Meinung ungestraft äußern.
Sei's drum. Ich bin normalerweise auch beisterte Leserin von Tanja Kinkel. Aber dieses Buch gehört eindeutig nicht zu meinen Lieblingsbüchern. Mit Walter von der Vogelweide wurde ich einfach nicht warm, die Geschichte zog sich und zog sich und schaffte es an keiner Stelle, mein Interesse zu wecken. In den meisten anderen Büchern dieser Autorin lebte ich mitten in der Geschichte - hier blieb ich außen vor, quälte mich durch lange, erklärende Absätze und vermisste schmerzlich die schlagfertigen Dialoge, die ich von ihr gewöhnt bin.
Auch wenn ihr mich jetzt in der Luft zerreist, werte Kommentatoren: Ich lese lieber noch einmal "Venuswurf", "Im Schatten der Königin" und die "Schatten von La Rochelle" als "Das Spiel der Nachtigall".
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am 5. Dezember 2011
Tanja Kinkel beweist im Spiel der Nachtigall", das beeindruckende Heldinnen keine "femme fatal" sein müssen, oder verleugnete Töchter von prominenten Zeitgenossen die durch ihr Schicksal entweder zu Kampfmaschinen, aufopferungsvollen Geliebten, oder Mata Haris werden; das wirkliche Helden nicht automatisch muskelbepackt und vor Kraft kaum noch gehen können, sondern, dass es heute wie in der Vergangenheit immer auf den Glauben an sich ankommt, den Willen, unbefriedigende Zustände zu verändern, um gestärkt aus einer noch so verfahrenden Situation herauszukommen. Wer sich vergegenwärtigt, dass die Handlungsweisen von Walther damals lebensgefährlich waren, seine Kritik an Adel, Kirche und Papst jeden Muskelmann" garantiert sehr früh das Leben gekostet hätte, lernt viel über die Macht des eigenen Willens aus dem Buch und man wünscht sich, heutzutage einen neuen Walther zu haben der den Mächtigen in ähnlicher Form einen Spiegel vorhält, ohne wegen der eigene Karriere, oder aus Rücksicht auf die Familie, bei noch so großen Vergehen um den Machterhalt, Samthandschuhe anzieht, anstatt Zähne zu zeigen. Für mich ist so Walther von der Vogelweide durch seine Werke, durch dieses Buch, welches aus seinen Werken nachvollziehbar solche Handlungen belegt, der erste ehrliche Journalist der Zeitgeschichte; ( analog zu Bernstein und Woodward, die auch den mächtigsten Präsidenten unserer freien Welt wegen dessen Fehlverhalten zu Fall brachten). Was das Buch aber einzigartig macht ist der Kunstgriff, ihm eine gleichwertige Gefährtin zur Seite zu stellen, um so die Ereignisse dieser Zeit auch aus der Perspektive einer Frau und einer Minderheit darzustellen, denn sie ins Jüdin.

Wer in diesem Buch dadurch reinen Geschichtsunterricht erwartet, wird enttäuscht. Fakten, Fakten, Fakten erhält der Leser, wenn überhaupt, in Handlung verkleidet. Nie gibt es Vermutungen über das, was Geschichtsforscher glauben zu wissen. (Zwei haben mindestens drei unterschiedliche Meinungen). Dagegen klare Aussagen über das, was damals sicher war, wie vieles über das pralle und das bedrückende Leben auf dem Land, den Städten und den Burgen. So wird wahrlich alles Notwendige aus dieser Zeit um 1200, auf über 900 Seiten erzählt. Erzählt aber durch die Lebens- und Liebesgeschichte von Walther und Judith, ihren Begegnungen mit den Mächtigen ihrer Zeit, deren Stärken und Schwächen wie die des Systems, in der Verflechtung von Kirche und Staat. Alles ist eingebunden in ein Umfeld, dass stark an die Jetztzeit erinnert, wo wieder Länderchefs unter Einsatz von Wirtschaftsmacht versuchen die Weichen in Europa allein nach ihrem Verständnis des eigenen Überlebens zu stellen, und erneut Supermänner" von außen immer die Lösungen der Anderen kennen, ihre eigenen Probleme aber nicht unter Kontrolle bringen. Walther komm zurück, kann man da nur sagen!

PS: Bei allem was hier über Walter vermittelt wird, es ist keine Biographie: Es ist ein Roman, der seinen Inhalt über Walthers Werke findet, aber dadurch ein unglaublich unterhaltender Ausflug in eine Zeit und zu Menschen, die Geschichte schrieben.
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