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Kundenrezensionen

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am 15. Oktober 2012
Die Handlung haben meine Vor-Rezensenten schon dargestellt. Ein Warenhaus, dessen Besitzer "die Frauen beherrschen und ausbeuten" will, vergrößert sich immer weiter. Eine unheimliche Sogwirkung geht von ihm aus, dem die Frauen nicht widerstehen können. Ich schließe mich der Meinung an, dass es tolle Beschreibungen der Räume, der (Seiden-)Stoffe, der Spitzen, der Blumendeko etc. gibt. Gleichzeitig führt die Expansion des Kaufhauses dazu, dass für die kleinen Händler des Pariser Viertels das Leben zum Existenzkampf wird, den sie verlieren. Auch dieser vergebliche Kampf wird drastisch geschildert. Im Spannungsfeld dieser beiden Extreme lebt die Hauptdarstellerin Denise, die auf beiden Seiten ganz persönlich involviert ist. So entwickelt der Roman eine durchaus packende, wenn auch nicht kitschfreie Liebesgeschichte, andererseits enthält er gerade für Interessierte am Textil- und Einzelhandel eine Fundgrube an Beschreibungen und Betrachtungen zum Handelsgeschehen, zu Werbe- und Verkaufsstrategien.
Das Thema, hier 1883 meines Wissen zum ersten Mal so dargestellt, ist heute noch aktuell, unter etwas anderen Vorzeichen freilich: Heute sind es eher die Einkaufszentren / der Versandhandel auf der grünen Wiese, der den Einzelhandel platt macht.
Mein Fazit: ein bis zur letzten Seite fesselnder, faszienierender Roman, der trotz seines Alters viel Aktualität hat und zum Nachdenken anregt.
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am 5. September 2008
Zola, eine der bekanntesten und frühesten französischen Naturalisten, hat hier den ersten Kaufhausroman der Weltgeschichte geschrieben.
Hört sich zunächst vielleicht nicht sehr spannend an, es steckt aber viel mehr dahinter, als man zunächst erwarten würde.

Der komplette Aufbau und Ausbau dieses "Paradies der Damen", wie sich das Kaufhaus nennt (->"Bonheur des Dames") und das enorme Risiko, das zu der damaligen Zeit noch eingegangen werden musste, um so etwas zu (er-)schaffen, wird hier glänzend geschildert.
Es muss einem schon an gänzlicher Empathie mangeln, um nicht mitgerissen zu werden von Faszination, Hoffnung und Bangen.

Des Weiteren verbirgt sich hier noch eine unkonventionelle Liebesgeschichte, bei welcher typische Charaktere des Paris im ausgehenden 19. Jahrhundert fabelhaft und wie nebenbei skizziert werden.

Wer also mehr über den pariser Geist, die damaligen kulturellen Verhältnisse, Normen, Zwänge und Nöte erfahren möchte und außerdem Wert auf eine nicht zu langatmige Lektüre legt, dem kann ich hier nur raten, zuzugreifen!

Die ca 500 Seiten mögen zunächst lang erscheinen, doch Zola schafft es, die Zeit/die Seiten zum verfliegen zu bringen...
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am 22. Januar 2011
Ich möchte auf eine Aspekt des Buches hinweisen, der bei den bisherigen Rezensenten nicht im Mittelpunkt stand:
Was mich an dem Buch fasziniert, ist die absolut moderne Marketingstrategie, die der Protagonist Octave Mouret als Unternehmer der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für sein neues Kaufhaus entwickelte:

-- Einsatz von Lockartikeln, die zum Einstandspreis verkauft werden
-- Waren, die bisher versteckt und unpräsentiert in dunklen, kleinen Geschäften verkauft wurden, präsentiert Mouret im Paradies der Damen bereits so, wie wir es heute kennen:
o in Schaufenstern
o attraktiv dekoriert im Geschäft selbst
-- das Verteilen von gekennzeichneten Luftballons an Kinder
-- Katalogversand (auch ins Ausland)
-- Werbung tragende Kutschen, die durch Paris fuhren und bestellte Waren auslieferten
-- Warenrückgabe ohne Angabe von Gründen
-- Verkauf von Luxuswaren
-- jeweils das Neueste vom Neuen wird angeboten
-- Einbau von Fahrstühlen, um den Damen das mühselige Treppensteigen zu ersparen
-- besonders faszinierend:
Die durch Duft ausgelösten Emotionen verleiten die überwiegend weibliche Kundschaft zum Kauf ("schönste Blüten und Wohlgerüche werden raffiniert in Szene gesetzt; das allgemeine Entzücken galt einem in der Mitte angebrachten silbernen Springbrunnen, aus dem ein Strahl von Nelkenessenz aufstieg, der mit melodischem Geplätscher in das Metallbecken zurückfiel. Ein köstlicher Duft verbreitete sich ringsumher, und die Damen netzten im Vorübergehen ihre Taschentücher mit der duftenden Flüssigkeit").
-- Einrichtung eines Erfrischungsraums
-- Lesesaal
-- und psychologisch total geschickt: Er schuf eigene Abteilungen für Kinder, um über diesen Weg "weniger gefallsüchtige Frauen" auf dem Weg über ihre Kinder zu gewinnen.

Die Stärke des Buchs liegt sicher nicht im schnellen Handlungsfortschritt, sondern in der unglaublich auf viele Einzelheiten eingehende und facettenreich geschilderten Welt des "Paradieses der Damen".

Wer komplexe Satzstrukturen nicht verabscheut und es liebt, durch detailgenaue Schilderung in eine andere Welt abzutauchen, für den Leser ist das "Paradies der Damen" ein wunderbarer Lesegenuss. Wirtschaft und Mode verbinden sich zu einem wahren Kunstwerk.
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am 19. Dezember 2013
Auch ich war durch die BBC Serie irritiert und las den Roman, eigentlich nur um mich zu informieren in wie weit die Verfilmung adaptiert wurde. Es war doch wieder mal ein Genuß einen so guten Roman zu lesen, der vor Personen, Dialogen und Handlungen schier zu bersten scheint. Man muß Geduld mit Zola haben. Diesen charmanten Roman der Pariser Welt in Londoner Verhältnisse zu adaptieren scheint mir unmöglich. Die schreckliche Armut der Denis vom Lande, die als Waise mit 2 Brüdern, die sie ernähren muss, nach Paris kommt, das hat der Film total unterschlagen. Auch die völlige Korruptheit die Mouret (im Film Moray) mit Frauen innerhalb seines Kaufhauses und außerhalb treibt, wird im Film mit einer Verlobten kaschiert. Ob Zola sein Einverständnis für diese Verfilmung gegeben hätte, ich bezweifle es. Ich bin aber froh, durch die unzweifelhaft sehr veränderte Handlung auf das Original, nämlich den Roman, gekommen zu sein, dankbar. Eine schöne Winterlektüre. Der Film ist nur bedingt empfehlenswert.
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am 12. September 2013
Émile Zola? Klar, kennt man. Kommt oft in Kreuzworträtseln vor. Auch das Portrait hat man hier und da schon mal gesehen. Aber was von ihm gelesen? Ich jedenfalls nicht.
Ein kleiner Schnipsel aus "Das Paradies der Katzen" in meinem literarischen Katzenkalender machte mich neugierig. Und so ging ich auf die Suche und, da ich "Das Paradies der Katzen" nicht fand, lud ich mir die Leseprobe von "Das Paradies der der Damen" auf meinen Kindle - und nach kürzester Zeit das ganze Buch.

Der Roman handelt von der jungen Denise, die mit ihren zwei Brüdern mittellos aus der französischen Provinz nach Paris kommt. Der Weg zu ihrem Onkel führt sie an einem riesigen Kaufhaus mit dem Namen "Das Paradies der Damen" vorbei, dessen üppige bunte Auslagen sie sprachlos machen und einschüchtern. Der Onkel hat sein traditionelles Tuchgeschäft gegenüber dieses Kaufhauses und sieht sich durch die "moderne" Geschäftsführung in seiner Existenz bedroht, genau wie alle anderen Einzelhändler in der Umgebung auch. Da Denise nicht bei ihrem Onkel unterkommen kann, wird sie Verkäuferin in dem Kaufhaus und erfährt zusammen mit dem Leser das intrigante Leben hinter der hochanständigen Fassade des Bürgertums Ende des 19. Jahrhunderts.

Obwohl dieser Roman an die 150 Jahre alt ist, ist er sehr gut lesbar, es gibt keine veralteten Begriffe und umständliche Satzbildungen. Er ist flüssig geschrieben, so dass man ihn wie einen Film verfolgen kann. Und er fesselt. Wer der Meinung ist, dass Mobbing ein Problem unserer Zeit ist - weit gefehlt! Und auch agressive Werbung und rücksichtslose Marktverdrängung sind keine Errungenschaften des späten 20. Jahrhunderts. Im Gegenteil, heute haben wir es besser, denn wir haben ein "soziales Netz", was die armen Menschen vor 150 Jahren noch nicht kannten. Die mussten allein sehen, wie sie klar kamen.

Ich bin begeistert von dem Roman und werde noch mehr von Zola lesen!
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am 22. Dezember 2012
Nachdem ich die BBC Serie gesehen hatte machte mich eine Freundin darauf aufmerksam, dass die Geschichte auf einen Roman basiert. Da ich mir gern ein Bild davon mache, wie gut die Umsetzung eines vorliegenden Romans ist habe ich mir das Buch als Kindle-Ausgabe besorgt.

Ich fand sehr schnell die Parallelen zu der Serie und musste feststellen, dass das Buch einen ganz eigenen Pariser Charme hat. Wurde die Geschichte um Denise für die BBC-Produktion ins englische adaptiert so zeigt uns das Buch doch eine wunderbare französische Welt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.

Denise ist im Gegensatz zu vielen anderen Protagonistinnen ruhig, standhaft, sittsam und gerecht. Sie lässt sich nicht auf Intrigen ein und gewinnt so mit ihrem ruhigen und bestimmten Charakter sehr schnell die Achtung der anderen Angestellten. Trotzdem sie schlecht behandelt wurde und nicht immer vom Glück verfolgt wurde bleibt sie sich selbst treu. Was ihrem Chef, Mouret fast zur Verzweiflung treibt, da sie ihm nicht nachgeben will. Auch bei ihren Freunden trifft sie ob ihrer Moral auf Unverständnis doch bald wird sie für ihre Willensstärke bewundert.

Der Roman liest sich erstaunlich gut und ist flüssig geschrieben. Die Erzählweise fand ich besonders schön und ich kam mir oft vor als spiele sich alles vor meinen Augen ab. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und entwickeln sich Kapitel für Kapitel weiter ebenso wie das „Paradies der Damen“ sich stetig weiter entwickelt. Neben den persönlichen Geschichten der einzelnen Charaktere gewinnt man auch einen Einblick in die Zeit mit ihren wirtschaftlichen Problemen und Neuerungen. Émile Zola versteht es die langsam wachsende Liebe zwischen Denise und Mouret so vorzutragen, dass man gezwungen wird einfach weiterzulesen.

Ein wirklich schöner historischer Roman mit Substanz, der es versteht einen mitzureißen.
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am 20. November 2012
Meine Wahl des Buches war nicht die, die Pariser Warenhausgeschichte kennen zu lernen, sondern, weil ich die BBC-Adaption "The Paradise" 2012 gesehen hatte und mehr wissen wollte, was dahinter steckt.
Ohne mich hier wiederholen zu wollen, muss ich doch festhalten, dass das Buch wunderbar flüssig geschrieben ist und seine Charaktere ausführlich und nicht ohne einen Spritzer Ironie zeichnet. Die Welt der Verkaufsstrategien ist klug erzählt. Daneben bleibt auch die Liebesgeschichte nicht ohne Reiz.

Negativ aufgefallen ist mir bei meiner E-Book-Version jedoch, dass es hie und da Druckfehler gibt, die wahrscheinlich durch einen Format-Wechsel entstanden sind, denn sonst ist es nicht zu erklären, dass der Name "Claire" sehr oft "Ciaire" geschrieben steht (aber nicht immer), ebenso wie "änders" statt "anders".
In einem Fall war ein ganzer Satz fast unverständlich durch die Rechtschreibunklarheiten, die ich nicht dem Übersetzer, sondern nur einem Formatwechsel anrechnen würde. Daher einen Punkt Abzug für die technischen "Mängel".
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am 25. Dezember 2012
Ich habe das Buch vor längerer Zeit gelesen, aber es fällt mir nicht schwer, mich daran zu erinnern, da es mir nachhaltig in Erinnerung ist. Zola schildert das Leben und den Wandel der Industrialisierung so charmant und spannend, die Figuren sind greifbar, nicht überzeichnet dargestellt. Im heutigen Zeitalter des Interneteinkaufs ist dieses Buch so aktuell, wie damals. Kleine, feine Läden gehen dem Bankrott entgegen, große Kaufhäuser übernehmen die Kunden. Dazwischen die Heldin, die sich entscheiden muss. Ich fand das Buch vom ersten Augenblick bis zur letzten Seite spannend, die Sprache von Zola ist ein Genuss.
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am 13. Februar 2015
"Das Paradies der Damen" ist der 1883 erschienene elfte Teil von Zolas monumentaler Romanreihe Rougon-Macquart.
Schauplatz der Handlung ist dieses Mal das aufstrebende Modewarenhaus "Das Paradies der Damen" im Paris der Jahre um 1860.
Dieses wird von dem Frauenhelden und nebenbei auch Frauenverächter Octave Mouret, einem Abkömmling der Rougon-Macquart-Sippe mit ungeheurer Risikobereitschaft und unbedingten Expansionswillen geleitet und weitet sich allmählich von Haus zu Haus zu einem wahren Modepalast mit immer mehr Abteilungen und zuletzt 3000 Angestellten aus.
Neben diesem geschäftlichen Teil wirft Zola auch einen intensiven Blick auf das Los der Angestellten Mourets, welches exemplarisch an der eigentlichen Hauptperson des Romans, Denise Baudu, geschildert wird, die frisch mit ihren beiden jüngeren Brüdern aus der Provinz eingetroffen, als Hilfsverkäuferin im Paradies eintritt und hier erst einmal eine unschöne Zeit mit übelgesinnten und intriganten Kollegen und Vorgesetzten und einem Verdienst der kaum zum Leben reicht durchmachen muss, während andere auf großen Fuß einem moralisch anrüchigen Lebensstil pflegen.
Denises tadelloser und reiner Charakter trägt aber schließlich den Sieg über alle Gegner davon und die zunehmende Liebe Mourets, der in ihr erstmals eine Frau findet die sich ihm nicht so leicht hingibt ermöglicht es ihr Verbesserungen für die Angestellten durchzusetzen.
Zola schildert auch das allmähliche Dahinwelken der kleinen Einzelhändler in der Umgebung von Mourets Warenhaus einmal anhand von Denisens Onkel und dessen Familie der ein bisher von Generation auf Generation übergangenes Textilgeschäft unglücklicherweise direkt gegenüber dem "Paradies" innehat, welches nun von Jahr zu Jahr im selben Maße zurückgeht wie die übermächtige Konkurrenz expandiert und schließlich für Onkel Baudu und seine Familie in Zerfall, Ruin und teilweise Tod endet und zum anderen an dem sturen alten Regenschirmhändler Bourras der mit dem Mut der Verzweifelung Mourets Bauplänen zuwidersteht und sich nicht vertreiben lässt bis auch er finanziell ruiniert der erdrückenden Übermacht weichen muss.

In seinem Roman schildert Zola meisterhaft und detailreich, wie später in "Germinal" (Bergarbeitermilieu) und "Die Bestie des Menschen" (Eisenbahnermilieu) das ausgewählte Milieu des Textilhandels und der um die Mitte des 19. Jahrhunderts ja erst aufkommenden Warenhäuser und die Beweggründe der Menschen die in diesem Bereich agieren mit einem ungeheuren Realismus und einer nüchternen Natürlichkeit die auch heute noch überraschend modern (Expansion eines Großunternehmens auf Kosten vieler Kleingeschäfte, Geschäft mit dutzenden Abteilungen, Tausende Luftballons mit Firmenschriftzug, 400.000 Kataloge, 600.000 Francs Werbeausgaben im Jahr, schließlich Überschreiten der Millionengrenze! bei den Tageseinnahmen) wirken und eine Verlegung der Handlung um 100, ja vielleicht 150 Jahre ohne größere Probleme möglich erscheinen lassen
und das ganz andere Bild des 19.Jahrhunderts, abseits vom sozialen Elend und Armut (die es freilich auch gab) als einem Zeitalter unaufhaltsamen Fortschritts und kommenden verschwenderischen Konsums für breite Bevölkerungsmassen zeigt.
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TOP 100 REZENSENTam 16. Juni 2012
Denise zieht vom Land zu ihrem Onkel nach Paris, einem Tuchhändler. Mit ihm Gepäck, nachdem ihre Eltern gestorben sind: ihre beiden jüngeren Brüder, für die sie sorgt. Die Beschreibung der Tochter des Tuchhändlers, also ihrer Cousine: im Dunkel des Ladens lebend, erzogen zur Heirat des Gesellen, in der Leere ihres Daseins und ihrer inneren Unausgefülltheit gänzlich verschenkt. Düster sind die Läden damals, hinter deren Theke der Besitzer thront und verkauft.

Der Tuchhändler steht für die alten, traditionellen Läden, in denen man sich beraten lassen musste, nichts anfassen durfte, feilschen konnte, mit dem Ladenbesitzer oder seinen Gesellen. Gegenüber steht das neue neue Kaufhaus (wird Tag und Nacht ständig erweitert), in dem an einem Tag mehr Menschen gingen als in 6 Monaten zum Tuchhändler. Eine unklare Furcht rang in Denise mit dem Verlangen, dort anzufangen.

In Deutschland waren es die Wertheims aus Stralsund, die zum ersten Mal in Berlin Ende des 19. Jahrhunderts das Prinzip des Kaufhauses (Warenauslage, feste Preise, Selbstbedienung) anwendeten. (Sehr gut dazu ein Podcast von Bayern 2, die Wertheims) Die Idee kam aus Paris und wie kein anderer hat Zola in diesem Buch einen herausragenden Bericht aus diesem neuen Paradies für Damen verfasst.

Denise erhälte schließlich eine Stelle in diesem Paradies und Zola beschreibt ihren Einstieg, verwebt dies mit der Geschäftspolitik des Unternehmens, dem täglichen Klatsch und Tratsch, den Liebeleien und dem beginnenden, totalen Konsum. Mobbing und die ständige Angst vor Krach, feindliche Abteilungen, ein Leben in Freundlichkeit zum Kunden auf der einen und ein Dasein ohne Geld, mutlos, ohne Rechte auf der anderen Seite (aber doch mehr verdienend als viel andere, man war am Verkauf beteiligt, billiger mehr verkaufen und mehr billig verkaufen). Bei Eintritt der toten Geschäftszeit des Sommers wehte ein Hauch von Gespensterfurcht durchs Paradies der Damen. Es war die Furcht vor Verabschiedung, vor dem massenhaften an die Luft gesetzt werden. Klar, es gab damals keine Arbeitnehmerrechte, sie konnten im toten Sommer (Paris ist im August eine Geisterstadt) freigesetzt werden.

Denise bleibt anständig und blickt im lasterhaften Paris täglich in die Abgründe des Menschlichen. Im Kaufhaus herrscht ein Patron, der alle Verkäuferinnen als persönliches Eigentum ansieht und der im Grunde seine Art des Umschmeichelns in das Marketing des Kaufhauses übersetzt.

Auch Deniese hätte doch das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Sie formte sich ihr Leben nach ihrem eigenen mutigen, aufrechten Gange. Es ist eine bezaubernde Liebesgeschichte, wunderschöne Beschreibungen der Abteilungen eines Kaufhauses, ein Bericht um Klatsch und Tratsch, wenig dürfte sich geändert haben heute, alle Dinge sind so skizziert und bestens recherchiert von Zola, dem mit diesem Buch ein gesellschaftskritisches (auch u.a. Niedergang der kleinen Fachgeschäfte), liebevolles, zärtliches, herausragendes Stück Literatur gelungen ist. Unbedingt lesen.
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