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Kundenrezensionen

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Die Definition des Menschen als animal rationale bzw. als zoon logon echon ist eine der strittigsten und zugleich eine der unhinterfragtesten der Philosophiegeschichte. Spätestens seit Heidegger und seiner berühmten Vorlesung Die Grundbegiffe der Metaphysik aus dem Jahr 1929/30 stehen alle diese Gewißheiten wieder in Fage.

In letzter Zeit hatten sich eher französische Denker dem politischen Problem der Grenzziehung zwischen dem Animalischen und dem Humanen zugewandt. Erinnert sei nur an einen der letzten großen Text Derridas mit dem Titel L animal que donc je suis, der eine Denkbewegung gewissermaßen an ihr Ziel bringt, die schon mit De la Grammatologie einsetzte, nämlich der Versuch einer Problematisierung der einfachen Grenzziehung zwischen dem Animalischen und dem Humanen.In diesem Kontext sind natürlich auch die Texte von Deleuze und Guattari zum Tier-Werden aus den Mille Plateaux und Foucaults Überlegungen zur Biopolitik von höchster Brisanz.

Nun legt Giorgio Agamben seinen beeindruckenden Versuch vor, die anthropologische Maschine des Abendlandes anzuhalten (p. 47). Agamben geht wieder von einer seiner Hauptthesen des Homo Sacer Projekts aus, dass das Leben als solches in unserer Kultur nie definiert wird. Es scheint so, schreibt er, dass in unserer Kultur das Leben, dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss (p. 23). Die strategische Gliederung des Lebensbegriff kennt in der abendländischen Philosophier ihren entscheidenden Augenblick. Für Agamben wird in De Anima von Aristoteles der Grundstein für unser Verständnis des Lebens gelegt.

Die anthropologische Maschine der Moderne funktioniert, so Agamben, indem sie ein Schon-Humanes als (noch) Nicht-Humanes aus sich ausschließt, das heißt sie animalisiert den Menschen, indem sie das Nicht-Humane im Menschen absondert: den Homo alalus oder den Affenmenschen (p. 47). Die anthropologische Maschine der Alten funktioniert exakt spiegelverkehrt. Wenn die Maschine der Moderne das Außen mittels Ausschließung des Innen erzeugt, so wird hier das Innen mittels Einschließung des Außen hervorgebracht, der Nichtmensch mittels Humanisierung eines Tieres: des Menschenaffen, des enfant sauvage, aber auch und vor allem des Sklaven, des Barbarem, des Fremden als Figur des Animalischen mit menschlichen Formen. Beide Maschinen funktionieren nur, weil sie in ihrem Inneren eine Zone der Ununterscheidbarkeit einrichten, in der sich wie ein missing link das immer fehlt, weil es virtuell schon da ist die Verbindung zwischen dem Humanen und dem Animalischen, zwischen Mensch und Nichtmensch.

Beide Maschinen haben nun gewissermaßen den Makel, dass sie das Leben gewissermaßen nicht auf den Begriff bringen können. Das führt dazu, dass um diese definitorische Leerstelle zu besetzen - je nach politischen Zwecken - immer wieder definiert werden muss, was Human und was Nicht-Human ist, was bekanntermaßen nur zu neuem Blutvergiessen führen kann. Was Agamben anschließend an Benjamins Idee einer Dialektik im Stillstand nun vorschlägt ist, die anthropologische Maschine des Abendlandes anzuhalten. Gegen Ende eines hochkomplexen Argumentationsgangs schreibt er: Die Maschine bewegt sich sozusagen nicht mehr, ist im Stillstand, und in der gegenseitigen Aufhebung der beidenBegriffe nistet sich zwischen Natur und Humaniät, im beherrschten Verhältnis, in der geretteten Nacht etwas ein, für das wir keine Namen haben und das weder Mensch noch Tier ist (p. 91). Es geht in diesem Buch also darum, die Umrisse einer neuen nicht mehr menschlichen und nicht mehr animalischen Kreatur zu zeichnen. Unsere anthropologische Maschine abzuschalten, bedeutet also die zentrale Leere auszustellen, den Hiat, der im Menschen den Menschen vom Tier trennt, bedeutet also, sich in dieser Leere aufs Spiel zu setzen: Aufhebung der Aufhebung, Shabbat sowohl des Tieres als auch des Menschen (p 100).
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am 20. Juni 2015
Wann ist der Mensch ein Mensch? Und wie ist seine Beziehung bzw. Unterscheidung vom Tier? Gibt es einen Zustand des Menschen, in dem er das Tier nicht bedarf, nicht als Nahrung, nicht als Teil der Bekleidung?

Giorgio Agamben geht in 20 kleinen Miniaturen diesen Fragen nach. Ausgehend von den Beständen und Abbildungen der Mailänder Ambrosiana, über Linne, von Uexküll, Bataille trrifft er auf Heidegger und seiner Offenheit zwischen Tier und Mensch. Sein Vorgehen, seine Sicht ist eine in gewissermaßen politische, zumal mit dem Verweis auf die Elemente in Foucaults Biopolitik. Im Inneren des Menschen jedoch denkt Agamben auch die Trennung von Tier und Mensch, wenn es um das Animalische und Humane geht. Das Denken über den Menschen als Gesamtheit rät er zu trennen, die beiden Daseins-Formen zu entkoppeln und in in ihren jeweiligen Betrachtung zu erforschen. Vom homo ferrus zum homo sapiens steht die Bandbreite für die Einzelbetrachtung. Und zwischen einer Art Mensch und einer Art Tier liegt und lebt die Sprache, die den Menschen ausmacht und ihn gewissermaßen definiert.

Zwischen Natur und Erlösung ortet Agamben zuallerletzt den Philosophen Walter Benjamin in seiner "geretteten Nacht". Hier spekuliert er mit Benjamin über die über das Mensch-Sein hinausgehende Möglichkeit, dem Unsterblichen. Es scheint, als wenn der Mensch der Ort ist, durch das alles Leben "hindurchgeht". Und über die Zeit verändern sich Mensch und Außenbeziehung. Ist der antike Mensch noch der Natur verbunden, liegt der moderne Mensch in der Beziehung zur Technik. Es bleibt der Mensch als Spezies in der Entwicklung wie seit tausenden Jahren, die Menschheit als Spezies steht vielleicht an ihrem Anfang. Oder am Ende der Geschichte. Es bleibt ein Feld dialektischer Spannung, als Mensch durch das Animalische das Menschsein zu erkennen, sich selbst als Mensch zu erkennen, um so zu sein.

Interessante und verwobenen Gedanken zum Verhältnis Mensch und Leben, zum Verhältnis Mensch und seiner Schöpfungen.
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am 19. Juli 2014
nichts für Kurzweil, weil echte philosophische Arbeit, die Hirnsaltos verursacht. Dieses Buch geistig zu knacken ist aber eine schöne Herausforderung und ich werde es noch öfter lesen, in weiteren Lebensabschnitten und Phasen, dann versprech ich mir mehr und mehr Erkenntnis. Blos nicht in die Reisetasche stecken. Es fällt mir schwer, diese Arbeit irgendwie zu beurteilen. Ja Arbeit, das verspricht das Buch.
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am 10. Dezember 2010
Wann ist der Mensch ein Mensch und was unterscheidet ihn vom Tier?
Diese Fragestellung ist keineswegs neu aber immer (noch) interessant. Da bereits gezogene Grenzen die Tendenz haben mit jeder neuen Forschung wieder zu verschwimmen.
Agamben geht aus von einem Bild in einem Talmud des 13.Jahrhundert, das die Glückseeligkeit nach dem Armaggedon darstellen soll. Die Wesen, die an dieser göttlichen Welt teilhaben sind offensichtlich Tiere, die aber menschlich gewandet sind und sich menschlich gebären.
So spannt sich sein Bogen von Heideggers "Langeweile" über Bataille bis zu Benjamin um den Unterschied von "Benommenheit" und "Enthemmung" zu skizzieren. Mehr ist es aber auch nicht, als eine Skizze. Denn auch und gerade für den Philosophen (neudeutsch: Vielosoffen?) ist eine Abgrenzung nicht so einfach möglich. Für einen Geistesakkrobaten wie Heidegger schier unmöglich. Zumindest scheint es unmöglich, es auf knapp 100 Seiten zu formulieren. Ein Wagnis, dass Agamben auf sich nimmt. Und konsequent daran scheitert. Einblicke ja, Ideen sicherlich, aber eine Lösung kann er (natürlich) nicht bieten.

Fazit: Auf Grund er vielen Zitate wohl nur etwas für Leser mit philosophischer Vorbildung.
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