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Das Foucaultsche Pendel: Roman Gebundene Ausgabe – 1. Januar 1989

3.7 von 5 Sternen 190 Kundenrezensionen

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"Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht etwa an nichts mehr, sondern an alles." Alles, was existiert, ist Text, ist Begriff. Die Geschichte, das ist das Überlieferte, und das ist nichts anderes als Text. "Die Begriffe verbinden sich per Analogie, ...denn wenn man Zusammenhänge finden will, findet man immer welche, Zusammenhänge zwischen allem und jedem, die Welt explodiert zu einem wirbelnden Netz von Verwandtschaften, in dem alles auf alles verweist und alles alles erklärt." So entsteht Ecos "Großer Plan" von einer Weltverschwörung, der, auf historischen Realitäten basierend, nichts anderes ist, als ein Fälschungssystem, das wahr ist, weil es auf Analogien basiert. Alles ist wahr, nur die Verknüpfungen nicht. Es gibt keine Wirklichkeit außer der, die zwischen Partnern per Konsens verabredet wird. Mit dieser Formel wären wir (fast!) bei bei Lyotard angelangt, jenem Vertreter der Postmoderne, ohne den Eco kaum zu verstehen ist.

Was ist der "Große Plan" des Romans denn anderes als das "Erhabene", das nicht Darstellbare, aber Vorstellbare bei Lyotard? Die Idee vom unbeweglichen Punkt im Universum, an dem das Pendel aufgehängt ist? Oder jenes mystische Zentrum Agarttha? Den Verlust der "Großen Erzählungen" beklagt Eco nicht mehr. Vielmehr nutzt er die Möglichkeiten der Texte und erzählt mit den alten, großen Erzählungen neue Geschichten, Stories. Versucht Eco nicht auch, das narrative Wissen mit dem wissenschaftlichen zu verknüpfen, und ist es nicht zum Scheitern verurteilt, wie jeder Vereinheitlichungsversuch, schließlich werden sowohl Belpo als auch Casaubon verrückt? Schwindet sie nicht, die empirische Wirklichkeit? Zerstört Eco nicht den falschen Schein, der "im Glauben an höhere Ursprünge und Zwecke, an eine Teleologie des Weltablaufs besteht, und (lässt er nicht) die empirische Welt als eine prinzipiell scheinhafte vor uns erstehen?"

Belpo versucht indessen den ästhetischen Umgang mit der neuen Technologie, dem Computer, der ihn gar zum Schreiben bringt. Jene Technologie, die dem narrative Wissen den Todesstoß verpasst hat. Doch seine Texte sind nur als magnetische Spuren virtuell auf Diskette vorhanden. Die Auswirkungen der neuen Technologien (Computer, synthetisierte Bilder) sind der Gestalt, dass sie die traditionellen Dualismen des abendländischen Denkens sprengen und damit deren Kultur, für die diese Dualismen konstitutiv sind, verabschieden, wie Eco z.B. bei den grotesken, multimedialen, okkulten Zeremonien vorführt.

Eco parodiert die Denkweise der Hermeneutik (Okkultismus, Voodoo etc.) durch raffinierte scheinlogische Konstruktionen und wirft dabei alles durcheinander. Er gebiert sich radikal eklektizistisch. Das wäre gegen Lyotards Vorstellungen, aber der Eklektizismus, der herauskommt, erscheint so lächerlich wie Charles Moores Bau "Piazza d`Italia" in New Orleans. Das Ergebnis kann bei Ecos Denken nur als Parodie aufgefasst werden; die meisten Verrücktheiten des Romans sind schließlich hinterlistiges, intellektuelles Schelmentum!

Warum aber erzählt Eco die Geschichte der Templer in Westernmanier oder als Comic-Strip beim Whiskey in der Kneipe oder mit seiner Freundin im Bett? Etwa nur, um die nicht-Akademiker bei der (Lese)Stange zu halten? In den 60er Jahren und später waren jene Autoren, die sich in Kneipen und Betten bewegten und jeden modernen, elitären Anspruch von sich wiesen, Autoren wie Ferlinghetti, Ginsberg oder Jörg Fauser (mit seinem Roman Rohstoff), diejenigen, die man zuerst als postmodern bezeichnete. Ist Eco, wenn er auf diese Generation zurückverweist, wenn er, wie jene, auf Trivialmythen abhebt, von Casablanca bis zu Zitaten von Rockgruppen, nicht schon post-post-modern? Hat er die Postmoderne, die fortwährend ihre Moderne gebiert und umgekehrt, weil sie sich jeweils beinhalten, nicht schon hinter sich gelassen? Ist er nicht hochaktuell, wenn er vorführt, wie mit seiner Art der Wissenschaftsvermittlung umgegangen wird, nämlich dem Palavern über die Templer beim Knabbern im Bett? So, und nicht anders, wird heute Wissenschaft rezipiert! Es ist problematisch, den gesamten Roman mittels postmoderner Termini zu hinterfragen, doch ist sicher: Das Foucaultsche Pendel ist ein geistsprühender Krimi, ganz gleich welcher Blödsinn in manchen Rezensionen zu lesen war. --Matthias Kehle -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Sondereinband.

Pressestimmen

"Regisseur Düben hat Text und Musik wunderbar ineinander verwoben und mit technischen Effekten fantastische Hör-Räume geschaffen." (Rheinische Post)

"In dieser grandiosen Hörspielfassung entfaltet Ecos Roman seine Vieldeutigkeit als bodenlose Verschachtelung verschiedener Erzählebenen erst ganz." (Süddeutsche Zeitung) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Format: Sondereinband Verifizierter Kauf
Als sich Pim Casaubon und Jacopo Belbo in einer Mailänder Bar kennenlernen, ist schnell der intellektuelle Kontakt hergestellt. Belbo, Lektor im kleinen Garamond-Verlag, lässt sich von Casaubon eine ausführliche Nachhilfestunde über dessen Fachgebiet, die Geschichte der Tempelritter, geben und verhilft seinerseits dem neuen Bekannten zu einer Mitarbeit im Verlag. Als sich ein undurchsichtiger Oberst Ardenti ankündigt zieht Belbo seinen Freund hinzu, denn was der Oberst in einem Buch zu veröffentlichen wünscht, ist nicht weniger als die Aufdeckung eines über Jahrhunderte währenden Welteroberungsplans der Templer. Die Geschichte klingt so unglaubhaft, weshalb Belbo den Oberst erst einmal abwimmelt. Als dieser aber am nächsten Tag auch für die Polizei spurlos verschwunden ist, kommt das den Freunden schon ziemlich verdächtig vor.

Mühelos fängt Umberto Eco den Leser im Netz einer welthistorischen Verschwörungstheorie ein und entwickelt dabei an seinem Beispiel der Tempelritter die Grundsätze vom Funktionieren jeglicher Verschwörungstheorien. Am Beginn steht eine gut erzählte Geschichte, die der Zuhörer einer Legende gleich mangels Detailwissen nicht widerlegen kann. Bald erhebt sich auf den Pfeilern einiger weniger Grundannahmen ein gewaltiges Gedankengebäude; jedes weitere Argument passt sich in dieses Bauwerk ein und bestätigt seinerseits die ersten Annahmen. Schon scheint es völlig überflüssig zu sein, nach der Richtigkeit der Prämissen zu fragen. Wehe aber, einer der Pfeiler erweist sich als morsch: dann bricht der ganze Bau wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
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Format: Sondereinband
Das Foucaultsche Pendel ist wahrlich ein dicker Wälzer. Auf hunderten von Seiten wird eine Geschichte erzählt, bei der es scheinbar um Verschwörungstheorien geht. Enorm detailliert und ausführlich erfährt man die Geschichte dreier Menschen, die sich beruflich bedingt mit allerlei Verschwörungstheoretikern und paranoiden Konspirationsfanatikern auseinandersetzen müssen. Eines Tages beschließen sie den "großen Plan" zu erfinden, bei dem es um nichts anderes als die Eroberung der Welt von einer geheimen Organisation geht. Somit nimmt das Schicksal seinen Lauf...

Umberto Ecos Roman ist enorm komplizert und verlangt vom Leser einiges an Geduld ab. Oftmals bedient er sich fremder Sprachen, für die es noch nicht einmal übersetzende Fußnoten gibt. Englisch, Griechisch, Latein, Französisch... Es gibt Szenen, die man gar nicht, oder nur schlecht versteht, wenn man aus diesen Sprachen nicht zumindest einige Wörter kennt. Die historischen Ereignisse, auf die Bezug genommen wird, werden mit einer Detailverliebtheit dargestellt, als ob Eco persönlich dabei war. Auf all dies sollte man vorbereitet sein, wenn man sich diesen Roman zu Gemüte führen möchte.

Fälschlicherweise wird dieses Buch oft als Verschwörungsroman bezeichnet. Das stimmt zwar, trifft den Nagel aber nicht auf den Kopf. Die Verschwörungen sind hier nur der Weg, aber nicht das Ziel. Eigentlich geht es um Wahrheit und Lüge, um Glück und Unglück und um die ewige Suche danach.
Die Meinungen zu diesem Roman gehen sehr stark auseinander. Das liegt wohl daran, dass er vieles gleichzeitig sein möchte. Historischer Roman, Verschwörungsgeschichte, Selbstverwirklichungsdrama...
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Von Niclas Grabowski TOP 1000 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 14. April 2007
Format: Sondereinband
Selten ist die Unwirksamkeit eines Buches so gut nachweisbar wie von diesem hier. Da macht sich Eco schon Ende der 80er Jahre über hunderte von Seiten über praktisch alle gängigen Verschwörungstheorien lustig. Und was passiert? Die Leute lieben nicht nur die einfältigen Romane von Dan Brown zum selben Thema, sondern schauen auch noch Dokumentationen über deren Hintergründe an und beginnen wirklich an Jesus Ehe mit Maria und die gemeinsamen Kinder in Südfrankreich zu glauben. Dabei lässt Eco doch sein Buch nun wirklich eindeutig enden und erklärt das mit den Templern, Rosenkreuzern und Illuminaten alles für Quatsch. Und er erklärt auch noch klug, wie solcher Quatsch entsteht. Nämlich in Form selbstreferenzieller Systeme: Solange es in Kunst und Wissenschaft formale Wahrheitskriterien gibt, so lange reicht es einfach aus, zu veröffentlichen und sich dann selbst zu zitieren (oder zitieren zu lassen), um am Ende Wahrheit künstlich zu erschaffen. Und da Eco hier einen Roman schreibt und kein Sachbuch, nutzt er den Weg der Parodie, der Satire, um diese Botschaft dem Leser zu vermitteln. Für den Vielleser und den Geisteswissenschaftler ist das sehr lustig und unterhaltsam, wie sich hier drei Dilettanten daran machen, mit Hilfe eines dubiosen Verlages und nicht weniger dubioser Autoren die Geschichte wissentlich umzuschreiben und damit in ein Schauermärchen zu verwandeln. Zitat: "Phantastisch, morgen bereite ich eine mystische Auslegung des Telefonbuchs vor" und "Wenn wir das nicht ordentlich erklären, dann stehen wir dumm da. - Vor wem? - Vor der Geschichte, vor dem Tribunal der Wahrheit. - Quid est Veritas? - Wir, sagte ich.Lesen Sie weiter... ›
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