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am 11. Februar 2016
Chargaff nimmt einen mit in eine Welt, die in Österreich-Ungarn beginnt und Amerika endet. An seinem eigenen Werdegang präsentiert er eine Musterbiographie für junge Naturwissenschafter (österr. Schreibung von Wissenschaftler). Ausgang ist für ihn humanistische Bildung. Wer diese Basis nicht besitzt, der betreibt unverantwortliche Stümperei, ja verliert sogar sein Maß im Forschen. Seine Forschergeneration ist mit dieser Bildung aufgewachsen. Es war ein kleiner Kreis, wo viel Neues entdeckt wurde. Mit der Industrialisierung setzt dann ein Prozeß ein, der meint, auch Wissenschaft als Produktion zu betrachten: Wissen läßt sich produzieren. Der eigentliche Abstieg beginnt aber erst mit dem zweiten Weltkrieg. Die alten Eliten Europas wandern in die USA aus. Sie bilden die universitäre, alte Garde. Ihre Lehrlinge wachsen aber in einem anderen Umfeld auf: keine humanistische Bildung, sondern American Dream. American English als Verballhornung des kultivierten British English. Die Zahl der Wissenschafter steigt rasant. Doch derer, die reflektieren und innehalten, was sie da eigentlich tun, wird es weniger. Und diese Veränderung ist für Chargaff die Diagnose unserer heutigen Wissenschaft geblieben: Lauter Stümper, die zwar viel Wissen produzieren, aber keine Ahnung haben, was sie produzieren. Es wundert ihn nicht, was die Atombombe gebracht hat. Und es wundert ihn auch nicht, was die Eugenik nun anstellen will. Die Spaltung des Atoms und des Zellkerns sind ihm die Todsünden des 20. Jahrhunderts. Hier schlägt sein Kulturpessimismus komplett durch. Er sieht keine Anzeichen, daß seine Diagnose falsch sein oder sich ändern könnte. Es bleibt: ein resignierter, alter Mann.

Sprachlich bemerkt er selber, daß er hinter seinen Vorbildern zurückbleibt. Sein Liebling ist Montaigne. Essayistisch ist sein Stil, aber nicht in der Brillianz wahrer Meister. Er trauert diesen Meistern nach, und noch mehr, daß er selbst kein Meister ist. Vielleicht fürchtet er in der Literatur das zu sein, was er seinen Kollegen in der Wissenschaft konstatierte: ein Stümper zu sein.

Und vielleicht ist es das, was das Buch so interessant macht: ein Urwuchs der Naturwissenschaft, der seine eigene Rolle mit seinen Zeiten vergleicht und zugleich seine eigene Unzulänglichkeit nicht verbirgt. Ob die Kritik berechtigt ist, muß jeder selber entscheiden. Für mich klingt die Amerikanisierung der Wissenschaften plausibel. Jedenfalls habe ich das Buch mit Freude und Bereicherung gelesen, und kann es nur empfehlen. Macht sich auch bestimmt gut als Geschenk für angehende Naturwissenschaftler.

Kaufempfehlung!
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am 29. April 2005
Erwin Chargaff, der Entdecker der Basenkomplementarität in der DNS, gilt als einer der Urväter der Gentechnik. In seiner Autobiographie aus dem Jahr 1979 rechnet er mit seiner Vergangenheit und der (damaligen) Zukunft der Gentechnik ab. Chargaff erging es somit ähnlich wie Albert Einstein - vergleichbar Goethes Zauberlehrling wurde er die Geister die er rief nicht mehr los. Was er in Bewegung gesetzt hatte entwickelte sich in eine Richtung die er nur mehr ablehnen konnte.
Als einer der wesentlichsten Sätze bleibt hängen: " Zwei verhängnisvolle wissenschaftliche Entdeckungen haben mein Leben gekennzeichnet: erstens die Spaltung des Atoms, zweitens die Aufklärung der Chemie der Vererbung. In beiden Fällen ging es um Misshandlung des Kerns: des Atomkerns, des Zellkerns. In beiden Fällen habe ich das Gefühl, dass die Wissenschaft eine Grenze überschritten hat, die sie hätte scheuen sollen."
Immer wieder kommt der spöttische, bittere und polemische Stil, seines Lehrers und Freundes Karl Kraus durch. Ein technologiekritisches Buch das trotz seines Alters noch immer Gegenwartsbezug hat und durchaus lesenswert ist.
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am 30. Januar 2011
..., welches nur schwer aus der Hand zu legen ist, hat man erst einmal begonnen, darin zu lesen.

Einer meiner Mathematik-Professoren sagte einmal, er hätte besser Germanistik (v.A. Goethe) studieren sollen. Auch bei Chagraff liegt eine ähnliche Situation vor.

Ohne irgendwelche tieferen Kenntnisse über die Chemie gehabt zu haben sozusagen hineingerutscht in diesen Bereich, wohl auch, weil viele andere Studienfächer nach dem Ausschlussprinzip nicht in Frage kamen.

Was er dann jedoch geleistet hat zeigt das Potential eines Universalisten. Fragestellungen bis ins Detail zu verfolgen, ohne auf schnellen Ruhm zu achten, Interesse vorwiegend an der Sache orientiert, und nicht an Prestige etc., das findet man nur noch selten.

Wie meist, gepaart mit Kulturpessimismus.

Einem solchen Menschen wie Chagraff möchte ich nicht begegnen, angesichts der ethischen Integrität, welche dieser Mann hatte, da käme ich mir so klein und unbedeutend vor, so heuchlerisch in meiner Art, wie ich mich selber in diesem System eingerichtet habe, welches Chagraff entlarvend offenlegt.

Defragmentierung der Inhalte/Themen, mit welchen sich die Wissenschaftler heute beschäftigen führt zu spezalisiertem Nichtwissen.

Eine solche Situation, wie wir sie derzeit vielleicht in den Ernährungswissenschaften und in der Medizin haben:
Wo sind Leute vom Schlage etwa eines Bircher-Benner, oder Konrad Lorenz ?

Ein zutiefst anregendes Buch, welches insbesondere für Pessimisten geeignet erscheint, als detaillierte Bestätigung der derzeitigen Situation.
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